Donnerstag, 09. September 2010

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Freitag, 03. September 2010 Deutsches Schauspielhaus Hamburg Wenn Ihr Euch totschlagt, ist es ein Versehen – Oliver Bukowskis Kleist-Reflexion

Donnerstag, 02. September 2010 Schauspiel Bremen Was ihr wollt − mit Shakespeare in die Post-Frey-Ära

Donnerstag, 02. September 2010 Haus der Kulturen der Welt Berlin Rue Princesse – Gintersdorfer und Klaßen holen ihr ivorisches Festival nach Berlin

Mittwoch, 01. September 2010 Zürcher Theater Spektakel 2010 La cérémonie − 400asa brachte chinesische Freunde mit auf die Landiwiese

Freitag, 27. August 2010 20. Internationales Ibsen Festival Oslo 2010 Nora oder Ein Puppenheim (Et Dukkehjem) – Laurent Chétouane inszeniert Ibsens Emanzipationsstück

Donnerstag, 26. August 2010 20. Internationales Ibsen Festival Oslo 2010 Ibsenmaschine - Sebastian Hartmanns Eröffnungsinszenierung am Nationaltheatret Oslo

Sonntag, 22. August 2010 Edinburgh International Festival Caledonia – Alistair Beatons neues Stück uraufgeführt

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Stuttgart/Theater Rampe

Lied von der sinnlosen Qual der Multioptionalität

von Christina Kirsch

Stuttgart, 18. Juni 2010. Stellen Sie sich vor, Sie fahren zur Arbeit. Und da sehen Sie mitten im Berufsverkehr eine Frau auf einem Brückengeländer stehen. Steht da und ... Ja was eigentlich? Gerd rennt hin und spricht die Frau an. "Alles in Ordnung?" Nichts ist in Ordnung in dem neuen Stück "Alles in Ordnung" von Andreas Sauter und Bernhard Studlar, das im Theater Rampe in Stuttgart uraufgeführt wurde.

Freitag, 18. Juni 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Es ist ein Kreuz mit der Blasphemie

von Regine Müller

Marl, 29. Mai 2008. Vor knapp zwei Jahren musste sich Kevin Spacey, Chef des Londoner Old Vic harte Angriffe gefallen lassen, denn er hatte mit der englischen Erstaufführung von Arthur Millers "Resurrection blues" trotz Staraufgebots einen grandiosen Flop zu verantworten. Der große alte Robert Altman hatte als Regisseur nicht vermocht, Millers vorletztem Stück Theaterleben einzuhauchen und selbst Maximilian Schell in der Rolle des Generals Felix Barriaux hatte daran nichts ändern können. Doch schon bei der Ostküstenpremiere 2003 in Philadelphia hatte sich die Kritik ratlos die Haare gerauft und räuspernd gewagt, gewisse Einwände gegen Millers Spätwerk vorzubringen.

Donnerstag, 29. Mai 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Junges Ensemble Stuttgart

Deutschland privat

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 6. Juni 2009. Geschichte ist, wenn man nach zwei Wochen Urlaub mit Schmetterlingen im Bauch nach Hause kommt und plötzlich vor einer Wand steht. Vor der Mauer. Den Hauseingang gibt es nicht mehr. An der Rückseite klafft ein Loch. Überall Kameras, Stacheldraht, Soldaten, Maschinenpistolen und – Angst. Die Nachbarn stürzen sich aus den Fenstern in die Freiheit oder in den Tod. Denn diese Mauer führt mitten durch die Bernauer Straße, zwischen dem französischen und dem sowjetischen Sektor in der nun endgültig geteilten Stadt.

Samstag, 06. Juni 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Lopachins World

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 16. Januar 2010. Fünf Minuten lang spielt ein Bonbon die Hauptrolle. Stille. Ein Schmatzen. Ein arroganter Blick. Stille. Ein Schmatzen. Und wieder nichts. Gajew lutscht und saugt an diesem Bonbon, auf dass es gewiss bis in die letzte Reihe zu hören ist. Würde man diesem Kerl in einem Wartezimmer alleine gegenübersitzen, würde man ihn wahrscheinlich anspringen und einen Knoten in seine frechen, feuchten Lippenwürste drehen.

Samstag, 16. Januar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Monty Python statt Burgtheater

von Ralf-Carl Langhals

Stuttgart, 25. Oktober 2008. "Hamlet in 60 Sekunden" verspricht die "Checkliste für den schnellen Shakespearegenuss" im knalligen Programmheft, das überwiegend aus bis zur Kenntlichkeit entstellten Titelblättern deutschsprachiger Printmedien besteht. Erfreulicherweise braucht man dann doch 85 Minuten, um den kurzgefassten Shakespeare-Plot nach Schlegel/Tieck schlager-gewürzt in der Regie von Christian Brey und vor allem "von und mit Harald Schmidt" über die Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses zu jagen, wo sich in dieser Spielzeit alles um die "Generation Hamlet" dreht.

Sonntag, 26. Oktober 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Phänomenale Unordnung des Denkens

von Ralf-Carl Langhals

Stuttgart, 11. April 2010. "Ich habe diese Aufzeichnungen wiedergefunden und kann mich nicht erinnern sie geschrieben zu haben." Schon zu Beginn ihres aus Tagebuchaufzeichnungen entstandenen Prosatextes "Der Schmerz" scheint sich Marguerite Duras bereits eigentümlich von ihm zu distanzieren. Corinna Harfouch hat ihn mit dem Hinweis "ein offenes Spiel" für das Schauspiel Stuttgart eingerichtet. In schlichtem Schwarz sitzt sie auf einem der unzähligen schwarzen Pappwürfel im Stuttgarter Kammertheater der Staatsgalerie und liest den Passus in gänzlich undramatischem und höchst sachlichem Ton aus der Vorlage.

Sonntag, 11. April 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Die Bürgerwelt als Wille und Verstellung

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 6. Oktober 2007. Hans, der Bankangestellte, versteht seine Frau nicht mehr. Gast, der alternde Kommissar, schläft schlecht. Sein Sohn Edgar will Komponist werden, zeigt aber kein Talent. Dafür hat er ein Kind mit der aufgesexten Sekretärin Susanne, die mit ihrem Schwiegervater schläft, während eine verrückte Alte das Kleine hütet. Und da gibt es noch Petra. Rudolf. Franz. Ilse. Menschen scheinbar wie du und ich.

Sonntag, 07. Oktober 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Menschendrama mit Lachmuskelbeanspruchung

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 13. Juli 2007. Sie zocken. Sie bluffen. Sie schießen. Korrupte Cops. Jaulende Mafia-Killer. Frustrierte Platzanweiserinnen. Knutschende Kunsthehler. Ein unsichtbares Band verbindet sie, führt sie zusammen, eine blinde Gier nach ein bisschen Geld, Glück und Sinn. Es gibt einen Augenblick an diesem Premierenabend in Stuttgart, da ist man wie die anderen.

Freitag, 13. Juli 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Schlaflos in Konstantinopel

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 28. November 2009. Rollkragen mit Schal und Unterhose in Oliv. Idealistischer Dichterscheitel und rülpsender Kahlkopf. Brille und Muskel. Gedanke und Tat. So sehen Helden aus. Zwei zu allem unentschlossene Männer der Geschichte. Golubkow, der Schöngeist und Frauenflüsterer, der auf seiner Suche nach einer schönen Frau wimmernd durch den russischen Bürgerkrieg tapst. Und General Chludow, Idol und allerletzte Hoffnung der zaristischen Truppen, dessen Rückzug vor den Bolschewisten eine Blutspur hinter sich lässt.

Samstag, 28. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Tödliche Sippentreue, blutiger Untergang

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 26. Juni 2010. Am Ende sind sie alle tot: König Gunther, seine Brüder Gernot und Giselher, der Intrigant Hagen. Wie alle Nibelungen. Opfer von Kriemhilds Rache und der eigenen starren Verhaltensregeln, die zu Gefolgsschaftstreue und hirnfreiem Blutvergießen zwingen. Nein, frei isser nicht, der Germane. Christian Weise hat den Tod der Nibelungen still inszeniert. Ohne Theaterblut und großes Geschrei. Die roten Striche fügen sich die Männer selbst zu: Einmal mit dem Lippenstift über die nackte Brust, dann sinkt man geschmeidig zu Boden. Hagen, den Mörder ihres geliebten Siegfrieds, nimmt sich Kriemhild persönlich vor. Da reicht ein leichter Tritt, und er kippt um. Er will sowieso nicht mehr.

Samstag, 26. Juni 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Linksliberaler Gewissensausverkauf 

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 30. Mai 2008. Eos kann nicht mehr. Ihre Nerven liegen blank. Als Göttin der Morgenröte geht sie im olympischen Dauerchaos zu Grunde. Sie sehnt sich nach Liebe, nach einem Abschied von Kampf und Hinterlist, denn die Himmelssphäre ist martialisch kalt, ohne Ordnung, ohne Sinn. Dass gerade sie als Botin des Tages alles Leid des Überirdischen regelmäßig mit falschem Licht besudelt, setzt dem Zynismus noch das Krönchen auf. 

Samstag, 31. Mai 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Abgrund der Klassengesellschaft

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, 23. Februar 2008. Kein pittoresker Blick auf Springbrunnen, Amoretten und blühende Fliederbüsche: Die Mittsommernacht aus August Strindbergs "Fräulein Julie" findet am Staatsschauspiel Stuttgart auf einem riesigen, breiten, stählernen Laufsteg statt, der in den Zuschauerraum ragt (Bühne: Sabine Kohlstedt). Drumherum nur gähnend leerer, weiter, schwarzer Raum.

Sonntag, 24. Februar 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Nicht jeder Satz also eine Tragödie

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, 20. September 2008. Die Welt ist ein öder Ort – die Autorin beschreibt ihn als "trostlose Gegend am Kanal". Im Depot, der Experimentierfiliale des Stuttgarter Staatsschauspiels, ist es jetzt eine triste, versiffte Bretterfront. Ein verkommenes Ufer sozusagen, doch den Kanal und das Wasser dazu muss man sich schon selber denken.

Samstag, 20. September 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Theater Rampe

Der zynische Kreislauf des Lebens und Sterbens

von Arnim Bauer

Stuttgart, 2. April 2010

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Foto: Heike Schiller
. Das Stuttgarter Theater Rampe gilt als Spezialist für neue deutschsprachige Dramatik und so ist es kein Wunder, dass die kleine, aber schlagkräftige Crew um Intendantin Eva Hosemann immer wieder mit sehr viel Mut sich auch an risikobehaftete Experimente wagt. Auch "Friss und stirb" von Christina Rast und André Becker gehört eindeutig in diese Kategorie.

Denn die Thematik ist zwar topaktuell, aber nicht ganz neu. Es geht darum, dass die Nahrungsmittel für die Menschheit ebenso knapp werden wie das Wasser, und immer mehr in die Hände von Großkonzernen geraten, die diesen Mangel aus Profitgier gnadenlos ausschlachten. So weit, so gut. Wie aber kann man dieser Thematik auf dem Theater noch neue Aspekte abgewinnen, auch in ästhetischer Hinsicht? Christina Rast, die auch die Regie übernommen hat und ihre Schwester Franziska, die für die Ausstattung zuständig ist, haben sich einiges einfallen lassen, damit der Abend tatsächlich ungewohnte Perspektiven zeigt.

Es war einmal in einer überbevölkerten Stadt

Sie siedeln das Geschehen in der fiktiven Stadt Soylent City an, deren Name auf einen berühmten amerikanischen Science-Fiction-Film von 1973 anspielt. Dort sind die Verhältnisse klar geregelt, wie der Zuschauer schon beim Betreten des Raumes feststellen kann: Drei

größere und ein kleineres Podest in den Ecken und an der Seite des Raumes. Dazwischen Bürodrehstühle, auf denen die Zuschauer Platz nehmen dürfen und so bequem das Geschehen verfolgen können, egal, wo es gerade spielt.

Damit jeder weiß, was Sache ist, markieren Schilder die territorialen Claims: "Die Firma" steht auf dem größten Podest, wo Platz und bequemste Sessel und vier Monitore gleich klarstellen, dass hier sich das Zentrum der Macht befindet. Das zweite Podest, mit einer Couch bestückt, auf dem auch zwei Zuschauerinnen Platz nehmen durften, ist laut Hinweis das "Luxusappartement" für die Oberschicht der Bevölkerung von Soylent City. Ein weiteres Schild kennzeichnet den Rest des Raumes, wo auch die Zuschauer sitzen, als "Masse". Firma, Oberschicht und Masse haben dabei jeweils einen lautstarken Vertreter.

Soylent Grün ist Menschenfleisch!

So erfährt das Publikum bald um die Verhältnisse in Soylent City. "Die Firma" stellt eine Art Kekse her, deren grüne Version besonders beliebt ist, und verteilt sie als die einzige Nahrung, die es für die Masse überhaupt noch gibt. Allmählich wird jedoch klar, dass diese Kekse, makaber, makaber, aus Menschen hergestellt werden, die mehr oder minder freiwillig auf dem dritten Podest in eine Maschine steigen, die wie eine Sonnenbank aussieht, um dort weiter verarbeitet zu werden.

Es geht auch ums Wasser, und je nach Status im Kastensystem von Soylent City fallen die Statements der drei Sprecher natürlich recht unterschiedlich aus. Der Chef der Firma lobt die Effizienz und die Wohltäterschaft seines Konzerns in dieser Hinsicht, die Oberschicht gibt sich blasiert zurückgezogen, während die Masse Revolution fordert, um die Verhältnisse zu ändern.

Macht, Besitz, Überlebenskampf – auf der Bühne heißt das, Theaterherz was willst Du mehr, natürlich Remmi-Demmi. Fast übertreibt Christina Rast das wilde Treiben, manchmal fürchtet man, dass ihr Wollen zu viel ist und das zügig dahin eilende Theatergefährt aus der Kurve getragen wird. Aber sie hält letztlich, trotz des einen oder anderen Schleuderns, doch den Kurs.

Eine Veränderung findet nicht statt

Am Ende verschärft sie noch einmal den Ton, indem sie zeigt, dass der Revolutionär, kaum ins Luxusappartement aufgerückt, gleich ganz anders redet als vorher, der ehemalige Chef, nun in die Masse abgestiegen, gleich wieder nach Profit zu streben beginnt, und auch die Luxusklasse plötzlich anders spricht, kaum dass sie die Firma übernimmt

Die Floskeln, mit denen jeder sein Tun unterlegt, klingen stark nach denen heutiger Politiker und Wirtschaftsführer, die Wendehalsmentalität kommt einem ebenfalls sehr bekannt vor. So gelingt es den Machern und ihrem Stück, gleich mehrere Themen in einem unaufdringlichen, weil vordergründig ziemlich fiktiven und grellen Spiel mit sehr viel Tiefgang zu bearbeiten.

Dass dies auch noch recht überzeugend geschieht, ist auch den drei Darstellern Johanna Niedermüller, Alexander Merbeth und Volker Muthmann zu danken.


Friss und stirb (UA)
nach einer Idee von Christina Rast und André Becker
in einer Spielfassung des Ensembles
Regie: Christina Rast Bühne und Kostüme: Franziska Rast, Dramaturgie: André Becker.
Mit: Johanna Niedermüller, Alexander Merbeth und Volker Muthmann.

www.theaterrampe.de

 

Kritikenrundschau

In der Stuttgarter Zeitung (6.4.2010) schreibt Adrienne Braun: Die Uraufführung "Friss und Stirb" sei eine theatrale Neuauflage des Sci-Fi Klassikers "Soylent Green" von 1973. Ein "Zukunftsszenario" könne man den Plot nicht mehr nennen. Sowohl das Jahr 2022 wie die Themen "Kommerzialisierung der Wasserrechte, Kontrolle des Saatgutes und Ernährungskartelle" seien "verdächtig nah gerückt". Christina Rast habe "eine Art interaktives Theaterstück" inszeniert. Das Publikum sitzt auf Drehstühlen "als Masse ohne Macht", ausgeliefert "den Machenschaften der Industrie". Im "Luxusapartment mit Ausblick auf den letzten Rest Natur" residiere Johanna Niedermüller. Die "Firma" wird vom "Phrasendrescher" Alexander Merbeth geführt. Der "einsame Kämpfer" Volker Muthmann rufe zur Revolution auf. "Scharf" würden die drei Positionen "gegeneinander geschnitten". Ergebnis sei ein "unkonventionelles Szenario voller Querverweise und Anspielungen". Der Kampf werde "linear" erzählt, "aber durch den Einsatz unterschiedlicher Medien mehrdeutig". Die Aufführung sei als "theatrales Experiment kurzweilig und inspirierend" - und in ihrer Thematik "beunruhigend".

In den Stuttgarter Nachrichten (6.4.2010) schreibt Horst Lohr: Dass die Zuschauern auf Drehsesseln auf der Bühne sitzend sich nur um sich selbst drehen können, empfinde er als "starkes visuelles Zeichen", wie wir uns "als Betroffene der drohenden Umweltkatastrophe" (...) "nach wie vor im Kreislauf des Verdrängens bewegen". Den "Überlebenskampf" der Einwohner von Soylant City beobachte Regisseurin Christina Rast mit "sarkastischem Blick". Zwar wirke "manche Szene zu kurzatmig" und von "missionarischem Eifer überfrachtet", doch "insgesamt" überzeuge die Aufführung durch die "Präsenz der drei Schauspieler" und mit "eindringlichen Bildern einer von Zynismus gezeichneten Gesellschaft".

 

 

Freitag, 02. April 2010 | Drucken | Report
Stuttgart/Theater Rampe

Abschiedsessay an den Vater

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 7. Juli 2009. "Alle seid ihr Löschblätter. Löschblätter. Lösch-blät-ter. Saugt. Saugt. Saugt. Alle." Snezhina Petrova artikuliert "Löschblätter" so, als handele es sich dabei um ein widerliches Insekt. Das Publikum zuckt zurück: Die Protagonistin quetscht mit diesen Worten ihre lang unterdrückten Hassgefühle, ihre Verletztheit, ihre ganze Lebensenttäuschung aus sich heraus.

Dienstag, 07. Juli 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Dynamit aus dem Totenreich

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 27. November 2009. "Die größte Scheiße ist, dass ich nicht weiß, gegen welche Scheiße ich jetzt was machen kann", brüllt der Student Benjamin Ullrich seinen tumben WG-Mitbewohnern entgegen, nachdem er ihnen in einer mehrminütigen Wortkanonade sämtliche aktuellen Vergehen der Menschheit um die Ohren gehauen hat: von "Folter, Kinderarbeit, Todesstrafe" über den "Kampf ums Wasser, das Verschwinden der Arten, die schmelzenden Pole" bis hin zur "Unfähigkeit zu kommunizieren, Dominanz der Medien, Verrohung der Jugend" und zu "Atomkraftwerken und Atombomben".

Freitag, 27. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Schwein oder nicht sein

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 10. Januar 2009. Ein einfaches Bild. Der junge Mann, der Sohn, der Königssohn: Er liegt nackt im Dreck. Bäuchlings streckt er die besudelten Arme von sich und drückt sein wutverzerrtes Gesicht in den Morast. Als wolle er fliegen lernen. Ophelia kniet bei ihm, sie zerrt an dieser gefallenen, krampfenden Kreatur, will das Elend stützen, zum Menschen aufrichten. Doch Hamlet sinkt, und versinkt immer tiefer. Alles ist Schlamm, alles ist Sumpf. Moralisches Absturzgebiet. Wer hier überleben will, braucht keine Flügel mehr, er muss ein Schwein sein auf zwei Beinen wie der Rest der ehrenwerten Hofgesellschaft. Kleiderlos, schwartig, auf schmatzendem Grund. Ganz Dänemark ist ein Schweinestall. Und der Prinz macht Dauerurlaub auf dem Bauernhof.

 

Sonntag, 11. Januar 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Das Hamlet-Maschinchen

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 20. September 2008. Dieser Hamlet will nicht mehr. Von Anfang an enttäuscht er unsere hochgesteckten Erwartungen. Wenn er um den ermordeten Vater trauern soll, begießt er sich und seine trockenen Augen mit einem Eimer Wasser. Statt seinen Stiefvater im Schlaf zu töten, legt er sich zu ihm und kuschelt. Als ihn Ophelia mit ihrer Liebe bedrängt, zieht er ihre Sandalen an und stöckelt davon. Wo andere Königssöhne über das Schicksal ihres Staates und ihre Verantwortung vor dem Volke sinnieren, geht unser Hamlet in sein Jugendzimmer und weidet einen Teddybären aus.

Samstag, 20. September 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Das kann doch eine Ratte nicht erschüttern

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, 20. März 2010. Alle haben ein Problem: Sie arbeiten, bemühen sich redlich, dies auch gerne zu tun, und verpassen dabei ihr Leben. Später kommen die Krankheiten: Infarkt, Osteoporose und so weiter. Womöglich ein Unfall, der Tod der Partnerin. Arbeitslosigkeit. Und entsprechend lautloses, sozialverträgliches Ableben. Um all das geht's in Sibylle Bergs neuestem Stück "Hauptsache Arbeit!" – wobei das tapfer gut gelaunte Ausrufezeichen beredt Auskunft gibt über den Gemütszustand der Beteiligten: Normalität und nackte Verzweiflung liegen ziemlich dicht beieinander.

Samstag, 20. März 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Der eidgenössische Kreidekreis

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 2. Juli 2010. Es ist ein Abend der schweren Verluste. Gleich zu Beginn erinnert sich der dunkelhäutige Politkommissar auf dem Stuhl sitzend, aus der Nacht allmählich hervorscheinend, wie er einst in seiner afrikanischen Heimat zum Schweizer wurde. Nach einem entbehrungsreichen Marsch zur Westflanke des Kilimandscharo hatte man als junger Offizier einer eidgenössischen Truppe von Fremdenlegionären zum ersten Mal Schnee gesehen. Schnee gegessen, ihn geleckt. Gebadet im "ephemeren Etwas", dem Taufelement des Schweizers.

Freitag, 02. Juli 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Fast-Food-Materialismus vom Besten

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 22. Juni 2007. Seine Haut. Gelb wie Eiter. Schorfig wie ein frisch aufgeworfener Krater. Eine verletzte, durchlöcherte Oberfläche, die das Innere dieses Menschen wie eine aufgeplatzte Schale ausfließen lässt. Hinaus in die Welt, hinein in die Abgründe einer Stadt wie Chicago kriecht dieser ekelhafte glühende Aussatz, wo ein anderer mit einer scheinbar besseren, noch unverletzten Haut wartet, in die es sich vielleicht noch einzudringen lohnt. In ein fremdes Inneres. In ein anderes Ich.

Freitag, 22. Juni 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Das Geheimnis der verwundeten Psyche 

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 19. September 2008. Depression ist nicht gleich Depression. Es soll Typen geben, die sind so was von traurig, schlaflos und todgeweiht, dass man sich auf der Stelle in sie verliebt. Ein dunkler Sog geht von ihnen aus, sie ziehen an und stoßen alles unbarmherzig ab, was sich ihnen in den Leidensweg stellt. Selten trifft man diese mächtigen Melancholiker im Büro oder an der nächsten Bushaltestelle.

Freitag, 19. September 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Altes Schauspielhaus Stuttgart

Mein Gott, Jopie

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, den 11. Juni 2009. Mit seinen 105 Jahren ist er dem Himmel schon sehr, sehr nahe. "Gott der Herr" im "Jedermann" scheint da die passende Rolle für Johannes Heesters zu sein. Die verkörpert er jetzt rund sechs Wochen lang jeden Abend (außer sonntags) im Alten Schauspielhaus Stuttgart.

Freitag, 12. Juni 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Liebe in den Zeiten des Krieges

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, 28. März 2009. Was tun mit "Kabale und Liebe"? Umfrisieren, weil die Zwänge der heutigen Zeit – ohne die Standesgrenzen von anno 1784 – ganz anders aussehen? Womöglich den Ball flach halten, weil Schillers Extrempathos – gefühlte 100 Mal "Ha!", "Bube!" und "alle Donner!" – so nicht mehr vermittelbar ist?

Samstag, 28. März 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Welt aus Blei

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 19. Februar 2010. Wahrlich, unsere Zeiten sind gefräßig, rasend, nervtötend. Wir sind alle fremdbestimmt, unfrei. Nicht einmal der Theaterdichter ist mehr das, was er einmal war. Den Geniebegriff kann er sich in die Haare schmieren: Vor dem Marketingcharakter der Theaterwelt kann er nicht bestehen, wenn er sich nicht anpasst. Was er schreibt, bestimmt nicht er, sondern Dramaturgen, Intendanten und Lektoren. "Welthaltig", "nachhaltig" sollen seine Stücke sein. Und worüber soll er schreiben im Jahr 2009? "Von überall schreit es her: Wende Wende Wende. Überall spukt der Geist der Wende. Und ich glaube nicht an Gespenster. Kein kalter Hauch, kein Schaudern überkommt mich. Nichts. Nur leere Worte – du musst du musst du musst."

Freitag, 19. Februar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Nie wieder Ziegenfleisch

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 26. September 2009. Miguel träumt von einem ganz anderen Miguel. Von einem Miguel, der in einer coolen Jeans steckt. Der durch San Jacinto in einem schwarzen Geländewagen cruist. Der zusammen mit Papa Bier trinkt. Ein Miguel, der nie wieder Ziegenfleisch essen muss. Der ein eigenes Haus mit echtem Dach baut, zehn Mal größer als das von Don Clemente, mit Whirlpool und Playstation. Ein Ort, an dem sich alle wohlfühlen: Elena, seine kleine, vorlaute Schwester – und natürlich Mama und Papa, die ihn vor Jahren zurückgelassen haben. In dem Kaff. Ihn und Elena. Dafür ist er ihnen immer noch böse. Aber egal. Reich sein. Berühmt sein.

Samstag, 26. September 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Vom Kuschelfaktor der Schuld-Diskussion

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 21. September 2007. Achtzehn. Ganze achtzehn Minuten lang – kein einziges Wort. Stattdessen Slapstick vom Allerbesten, als hätte Inspektor Clouseau und nicht René Pollesch Regie geführt. Nacheinander betreten stumm fünf seltsam nervöse, irgendwie geschädigte Körper die Bühne, die alle nur ein Ziel haben: ein offenes Fenster über einem Bankomaten zu erklimmen und durch selbiges wenn nicht in die Freiheit, so doch in einen zweiten Raum zu plumpsen.

Samstag, 22. September 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Vom Terror der Demokratie

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 21. Juni 2008. Wie schade, dass dieser Anfang bald ein Ende hat. Dieses groteske erste Wuselbild: ein Guckkasten der Enge, Hitze, Atemlosigkeit. Der aufgeklappte Schiffscontainer beherbergt vielleicht dreißig Kreaturen, die zwischen Stockbetten und textilem Müll ihr Leben fristen. Es ist ein Termitenbau des leisen Schreckens. Auf fünfundzwanzig Quadratmetern erledigt der duldsame Mensch seine Katzenwäsche. Er kratzt sich, er wühlt und scheint sich in seiner verschwitzten Unfreiheit blind zurechtzufinden. 

Sonntag, 22. Juni 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Guerilla-Gärtnern gegen Globales

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 14. November 2007. Plötzlich sitzt einem da eine ältere Dame so halb auf dem Schoß. Der Drehhocker ächzt. Man richtet sich ein, ruckt ein wenig. Zierliche Figur, gepflegter Teint, veilchenblaue Augen. Sie hält einen am Ellbogen fest. Etwas zitternd, aufgeregt. Und während man sich noch mit gesträubtem Nackenhaar fragt, wie intim Theater in diesen sich allmählich dem Ende neigenden RAF-Staatstheaterwochen überhaupt sein darf, beginnt die unwiderstehliche Klette mit der Agitation.

Donnerstag, 15. November 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Vielstimmiges Monster

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 26. Mai 2007. Sie spricht. Sie denkt. Sie geifert. Und am Ende tötet sie ihre eigene Brut. Bingo! Medea. Die bekannte Rasende. Oder, wie tausendmal zuvor schon: Medea, die Selbstbefreierin. Und daher auch: Medea, die verführerische, antike und trotzdem ewig junge, stets verfügbare und intellektuell elastische Interpretationsunterlage, die jedem Theatergänger, jedem Deutschlehrer und Regisseur so oft gab, was er dringend brauchte: ein befriedigendes Reizbild vom Zustand unserer verkommenen Welt.

Sonntag, 27. Mai 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Nach der Rezession ist vor der Revolution

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 25. September 2009. Irgendwann fallen Brotlaibe wie hartgebackene Tränen auf das Elend nieder. Sie kommen aus dem Schlitz, wo normalerweise ihre Augen zu sehen wären. Die Augen von Angela Merkel. "Der Aufschwung kommt" prangt auf dem riesigen Wahlplakat, die Bühne ist ein einziges ausdrucksloses Porträt, an dem sich elf Verlierer unserer Gesellschaft einen Abend lang abarbeiten.

Freitag, 25. September 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Theater Rampe

Raskolnikow hat vier Bewährungshelfer

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 13. Juli 2010. Beim Verlassen des Stuttgarter Theaters Rampe pfiff man an diesem Abend ausgerechnet Bachs gefühliges "Erbarme dich, mein Gott" aus der Matthäus-Passion vor sich hin. Aber nicht in schwermütiger Stimmung, die die Thematik des Theaterabends eigentlich in einem hätte hinterlassen müssen, sondern eher in fröhlicher. Grund dafür war wohl die Leichtigkeit, mit der sich das freie Theaterlabel TART-Produktion auf der Bühne seines Kooperationspartners Theater Rampe an den schwergewichtigen Roman "Verbrechen und Strafe" (früher besser bekannt als "Schuld und Sühne") von Fjodor Dostojewski herangewagt hatte.

Dienstag, 13. Juli 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Ist es falsch, nichts zu fühlen?

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 11. Oktober 2008. Erst einen bunten Ball. Dann den rosa Elefanten. Einen riesigen Hasen hinterher. Und Tiger. Pferdchen. Pandabär. Immer weiter, immer mehr. In hohem Bogen fliegen die Flauschesachen auf die Bühne, treffen lautlos auf, ganz weich, schmerzlos. Bleiben wie tot liegen. Mitten drin auf diesem Friedhof der Kuscheltierchen: Torvald, der mit seiner Vorfreude auf sein Ungeborenes wie ein Kind um sich wirft. Und Nora. Eine junge Frau mit einem dicken Bauch, die plötzlich Angst bekommt. Vor sich selbst, vor der eigenen Schuld und der großen Leere.  

Samstag, 11. Oktober 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Splatter-Stück mit Kampfrobotern

von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart, 19. April 2008. Überall Blut. Durch die Decke tropft es, an den Wänden rinnt es herunter – und alle Akteure sind blutüberströmt, sehen aus wie Überlebende eines gigantischen Gemetzels. Nur der Hausmeister nicht. Er wischt ab und zu mit dem Bodenlappen das Gröbste weg. Denn die Bühne hat nichts Antikisches; sie gleicht eher einer heutigen Turnhalle, in der ein paar auf blutig gestylte Schauspieler Kleist proben. Wir sehen Spuren, Anmutungen von Horror, beobachten aber letztlich eine Nachspielsituation. Das ist nicht unbedingt neu, schafft aber erst einmal Distanz.

Sonntag, 20. April 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

"Sehr geehrtes Schwein"

von Tomo Mirko Pavlovic 

Stuttgart, 22. September 2007. "Man sollte Ihnen die Zähne einschlagen, Sie Arschloch!" – "Vergasen sollte man Dich, am besten mit Chlor oder Phosgen!" – "Mörderische Drecksau!" – "Du bist eine Bestie in Menschengestalt!" – "Du Pestbeule!" Ein Mann in Schwarz amüsiert sich. Manchmal wundert er sich. Aber er bleibt stets locker. Und lächelt milde von der großen Leinwand herab.  Close-up: Claus Peymann. 

Samstag, 22. September 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Ich-Wüste mit Sehnsuchtskrater

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 8. Oktober 2009. Ein Knopf, ein zweiter – und noch einer. Das lichtweiße Hemd öffnet sich für Augenblicke, offenbart ein wenig Haut, lässt eine Brust erahnen. Kaum mehr. Und doch verbirgt sich in diesem keuschzarten Schlitz eine ganze Welt, ein tiefer Sehnsuchtskrater von Lust und Leid, in den ein einfach gestrickter Kerl wie Herodes wie ohnmächtig hinabtaumelt. Und als Salomes Tanz der sieben Schleier, dieser berauschend minimalistische Sekundenstrip ohne Musik und Stange, zu Ende ist, windet sich der mächtige Tetrarch von Judäa vor sinnlosem Glück wie ein lüsterner Kinderfinger im Honigtopf, so verstohlen wild und süß sind seine Vorstellungen von diesem anderen Körper, den er nicht einmal zu berühren wagte.

Donnerstag, 08. Oktober 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Verschluderte Sinnsuche

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 11. März 2010. Ohne Frage ist Carole Kings "So far away" eine feine Popballade. Sie handelt von unstillbarer Sehnsucht und Einsamkeit. Das Leben ist schließlich kein Hollywood-Film, in dem der geliebte Mensch immer zur richtigen Zeit vor der Türe steht und seine Arme öffnet - ohne viele Worte. Im wahren Leben muss man dafür ackern. Ja, "So far away" ist ein guter Song. Doch reicht er aus, um einen Theaterabend von knapp einer Stunde am Laufen zu halten?

Freitag, 12. März 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Und alle sind einsam und gehen fremd

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 13. Januar 2010. Es sollen in Stuttgart 150.000 Singles leben. Bei einer Einwohnerzahl von gut 600.000 eine ganze Menge. Dabei müssten wir doch, wenn es nach Platons Kugelmenschen-Mythos geht, nur nach dem einen streben: Unsere zweite Hälfte (wieder-)zufinden, die irgendwo auf dieser Welt genauso verzweifelt suchend herumirrt wie wir selbst. Wenn man sich die Statistik anschaut, darf man dieses Unterfangen als recht ineffektiv bezeichnen.

Mittwoch, 13. Januar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Apokalypse now

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 7. Februar 2009. In Andrej Tarkowskis cineastischem Meisterwerk "Stalker" suchen drei Männer ein Zimmer. DAS Zimmer in DER Zone. Dort, so heißt es, werden Wünsche erfüllt. Der Weg zum Zimmer ist einer voller Qualen und Irritationen. In der verbotenen Zone würden gemeine Physiklehrer und Reiseführer verzweifeln, denn die Uhren laufen anders und der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist eben nicht die Gerade. Der einzige, der sich in diesen gekrümmten Raum- und Zeitverhältnissen auszukennen glaubt, ist der Stalker, eine zivilisationsmüde Gestalt, die zwei andere durch eine Industriebrache lenkt.

Samstag, 07. Februar 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Stuttgart/Staatstheater Stuttgart

Widerstand in Windjacke

von Tomo Mirko Pavlovic 

Stuttgart, 31. Januar 2008. Haut und Körper und Verrenktes, wohin man auch blickt. Überall Pimmel. Titten. Ärsche. Die stöhnende Motha verlangt nach einem dicken Thermometer. Casco und Tiptop lassen die Sanitäterhosen runter. Doch beim 69er läuft etwas schwul. Klappe. Schnitt. Und aus.

Freitag, 01. Februar 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen


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