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Festspiele und Festivals (185)Ruhr 2010, Festival Dialog der vier Kulturen in Lodz, Festival Dialog Wroclaw, Zürcher Theater Spektakel 2010, Orient-Express Stuttgart, Schloßfestspiele Heidelberg , Gormaringer Theatersommer, Altenburger Prinzenraubfestspiele, Europäischer Theaterpreis, Festival Politik im freien Theater Köln, pazz-Festival Oldenburg, Sommerfestival Kampnagel, Nibelungenfestspiele Worms, abc-Festival Augsburg, Athens Epidauros Festival, Festival d’Avignon, Theater der Welt in Halle , Biennale Bonn, Biennale Wiesbaden, Black/North Seas Festival Odessa, Ruhrtriennale, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Lókal-Festival Reykjavik, Edinburgh International Festival, spielzeit europa, Fringe Festival Edinburgh, Salzburger Festspiele, Wiener Festwochen, Impulse Festival, Spielart Festival München, Nordwind Festival Berlin, Italienischer Theaterherbst Berlin, Radikal Jung, Autorentheatertage, Freischwimmer, Plattform Junges Theater Hamburg, Festival für neue Dramatik München, Dramatik-Festival Max-Reinhardt-Seminar Wien, Theater Hausruck - Theater gegen das Vergessen, Theatertreffen 2010, Kunstenfestivaldesarts Brüssel, Internationales Tschechow-Festival, Moskau, Theater der Welt 2010, Sommerarena Baden, Zürcher Festspiele, Kaltstart 2010, 20. Internationales Ibsen Festival Oslo 2010, Zürcher Theater Spektakel 2009, Zürcher Theater Spektakel 2007, Tanz im August Berlin
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Festspiele und Festivals/Wiener Festwochen
Glaube nicht, dass du anders gehandelt hättest
von Stefan Bläske
Wien, 7. Juni 2009. Apoll soll ein guter Bogenschütze gewesen sein. Vermutlich mit nicht ganz so hohem Pfeilverschleiß wie Amor, aber dafür mit ähnlich grausamer und sicher nachhaltigerer Wirkung auf die Opfer.
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Festspiele und Festivals/Nordwind Festival Berlin
Fucking free
von Dirk Pilz
Berlin, 14. November 2007. "Und, bist du glücklich?" Anne Tismer schaut einem Zuschauer streng in die Augen. "Ja?" Keine Reaktion. Tismer schickt eine Wutwelle durch ihre Glieder, schreitet gehetzt den knarrenden Bühnenboden ab, steift sich den Hals. "Ihr seid nicht unschuldig!" Worte, die wie Geschütze ins Publikum knallen. "Ihr habt diesen Krieg angefangen. Ihr!"
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Festspiele und Festivals/Theater der Welt in Halle
Ein Ausbruch von Wahnsinn
von Ralph Gambihler
Halle, 22. Juni 2008. Der bundesdeutsche Rechtsverteidiger Berti Vogts und sein Teamkollege Horst-Dieter Höttges sind Phantome. Und auch Sepp Maier, der Mann, der die Sensation nicht verhindern kann, führt ein geisterhaftes Leben in diesen 90 Minuten. Mit bloßem Auge jedenfalls ist keiner zu sehen. Aber was macht das schon! Jürgen Sparwasser hat jetzt seinen großen Moment. Energisch umkurvt er Höttges und Voigts, lässt den heran stürmenden Maier alt aussehen, schießt und Toooooooooor! – die Sensation ist perfekt.
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Festspiele und Festivals/Orient-Express Stuttgart
Irrfahrt der Kuscheltiere
von Otto Paul Burkhardt
Stuttgart, 9. Juli 2009. Was für ein Auftritt! Vor großer Kulisse – mit Blick auf den Neckarhafen und die Abendsonne, auf Riesenkräne, Industrieanlagen und ferne Weinberge – rollt irgendwo von links der "Orient-Express" vor der Zuschauertribüne ein. Aber wie! Sehr langsam, im Schritt-Tempo. Mit Würde sozusagen. Mit Grandezza. Der Zugführer der Lok lässt's nochmal kräftig pfeifen. Bis der Bühnenwaggon direkt vor dem Publikum zu stehen kommt. Dann öffnet sich die Seitenwand des Wagens wie eine Klappe – und das Theater aus dem Zug heraus kann beginnen.
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Festspiele und Festivals/Ruhrfestspiele Recklinghausen
Die poetische Dimension der Zeit
von Dorothea Marcus
Recklinghausen, 3. Mai 2007. Schon in der Schule haben wir gelernt, dass die Mathematik die Mutter
der Kunst sei. Wie eine Schulstunde eröffnet Regisseur Simon McBurney
auch die ehrwürdigen Ruhrfestspiele Recklinghausen:
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Festspiele und Festivals/Wiener Festwochen
Hämmern auf Höhe des Herzens
von Stefan Bläske
Wien, 2. Juni 2010. Niemand muss hier einsam sein. Niemand allein aufwachen. Ein Mann erwacht in einer großen Wanne, von warmem Wasser umspült, ihm gegenüber zwei nackte Frauen. Ein anderer erwacht im weißen Bett, nackt, eine junge hübsche Krankenschwester legt ihre warmen Finger erst an sein Gelenk (zum Pulsfühlen), später an sein Glied (...). Eine Frau erwacht, nackt, an ihren Rücken schmiegt sich sanft ein braungebrannter, muskulöser Mann mit blauen Augen.
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Festspiele und Festivals/Salzburger Festspiele
Ein Rechtslüstling und die Seelenlandschaft
von Sabine Leucht
Salzburg, 28. Juli 2010. Die erste Szene ist wunderschön. Ein bodennaher Schlitz in der Rückwand des kleinen weißen Bühnenkastens füllt sich mit Licht. Im Licht sonnen sich nackte Füße, vier an der Zahl. Sie scheinen miteinander vertraut, kosen sich, steigen paarweise aufeinander, dann verschwindet das kleinere Paar in der Luft. Lachen perlt, eine Frau schiebt sich durch den Schlitz und wird vollends sichtbar. Ein Mann kommt ihr auf einem Umweg nach. Die beiden sind hungrig aufeinander, verknoten ihre Körper, brauchen keine Worte. Und dann sagt die Frau - mitten aus der Verknotung heraus: "Als Irene nach dem Rendezvous die Treppe von der Wohnung ihres Geliebten hinabsteigt, packt sie mit einem Male wieder jene sinnlose Angst..."
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Festspiele und Festivals/Spielart Festival München
Klare Grenzen
von Willibald Spatz
München, 24. November 2007. Das Festival Spielart genügt sich nicht mehr. Es will mehr sein, es will noch ein anderes Festival sein. Das "Festival im Festival" heißt "What's next?". Unter diesem Titel durften vier etablierte, international bedeutende Regisseure vier junge Theatermacher einladen, jeweils einen Abend zu produzieren, der dann im Rahmen von Spielart gezeigt wird.
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Festspiele und Festivals/Theater der Welt in Halle
Immer lebe die Gaudi
Von Ralph Gambihler
Halle, 4. Juli 2008. Das Spiel mit kollektiven Erinnerungen ist eine thematische Konstante im spielvergnügten Halle, wo das Festival Theater der Welt seinem Finale zustrebt. Auf verschiedenste Weisen wurden gesellschaftliche Erinnerungsräume betreten: in Excelsior zum Beispiel, einem historisch gewordenen Streifzug durch die Technikgeschichte der Moderne, gezeigt von der Mailänder Puppenspielerfamilie Colla, in Massimo Furlans Fußball-Performance 22. Juni 1974, 21 Uhr 03 über das legendäre Sparwasser-Tor von 1974 oder in den "Stadt(ver)führungen", die den Kuriosa der Halleschen Lokalhistorie nachspüren.
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Festspiele und Festivals/Ruhrfestspiele Recklinghausen
Weltreise für ein bisschen Müll
von Dorothea Marcus
Recklinghausen, 8. Mai 2008. Die Ruhrfestspiele Recklinghausen haben
eine rührende, lange Geschichte: Einst wurden sie gegründet, weil die
Recklinghauser Zeche König Hamburger Theatern im Hungerwinter 1946/47 mit Kohle
aushalf und diese fortan aus Dankbarkeit für die Kumpels spielten. Seit 2005 vom
profitbewussten und erfolgsorientierten Luxemburger Ex-Intendanten Frank
Hoffmann geleitet, ist das Festival zur kräftig geförderten Institution mit
hohem Promifaktor geworden. In diesem Jahr ist Hollywood besonders
gut vertreten: zur Eröffnung standen Kevin Spacey und Jeff Goldblum auf der
Bühne, nun hatte die erste Inszenierung der Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett von
David Harrowers "Blackbird" Europa-Premiere - dass ihr Mann, der Dramatiker und
Drehbuchautor Andrew Upton, mitinszeniert hat, fiel bei der PR-Abteilung
der Festspiele ein wenig unter den Tisch.
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Festspiele und Festivals/Ruhrfestspiele Recklinghausen
Séancen mit Rockstar
von Stefan Keim
Recklinghausen, 5. Juni 2009. Um den Tod Kurt Cobains ranken sich eine Menge Legenden. Keine klingt zu absurd, um geglaubt zu werden. Seine Frau Courtney Love soll einen Auftragskiller bezahlt, ein Stück seines Schädels gehortet, seine Asche in einer Tasche bei sich zu Hause gehabt haben, bis sie Jahre später geklaut wurde. Und was waren das für seltsame Magenschmerzen, die den Sänger quälten und deren Ursache kein Arzt ergründen konnte?
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Festspiele und Festivals/Edinburgh International Festival
Ausflüge in die Komik des menschlichen Seelenlebens
von Ulrich Fischer
Edinburgh, 21. August 2010. Alistair Beaton nennt sein neues Stück "Caledonia", ein alter keltischer Name für Schottland. Tatsächlich hat der für seine ätzende Kritik ebenso berüchtigte wie beliebte Satiriker vor, sein schottisches Vaterland zu porträtieren. Beaton greift dazu auf eine historische Episode aus dem 17. Jahrhundert zurück . Viele Nationen nahmen sich ein Stück vom Kuchen und gründeten Kolonien – Schottland wollte auch seinen Teil. Gegen die Skepsis von Realisten malte der unternehmungslustige William Paterson die Aussichten rosig: Reichtum ohne Anstrengung, Luxus ohne Reue, Glück auf Dauer – und selbstredend kein Risiko.
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Festspiele und Festivals/Theater der Welt in Halle
Geschichten vom verschenkten Kind
von Simone Kaempf
Halle, 29. Juni 2008. "Warum hast du mich eigentlich gezeugt", fragt der Sohn den Vater, worauf dieser antwortet, dass er ja nicht gewusst habe, dass es Hamm sei, der dabei rauskommen würde. Der Vater ist Nagg, der Sohn Hamm, der Dialog stammt aus Becketts "Endspiel". Aber könnte so auch in einem der Stücke von Joël Pommerat stehen, in denen es wimmelt von Müttern, Väter, Kindern und Großeltern, deren Beziehungen endspielhaft regressiv erstarrt sind.
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Festspiele und Festivals/Theater der Welt in Halle
Chinas Kochbücher
von Johanna Lemke
Halle, 5. Juli 2008. Es gibt doch diese Foto-Kalender. Die in vielen Wartezimmern hängen, mit Hochglanzbildern von chilenischen Hochebenen, neuseeländischen Truthähnen und lettischen Marktfrauen. Satte Farben und folkloristische Harmonie im Querformat. Ein bisschen wie ein solcher Kalender zeigt sich "China", die Performance des australischen Künstlers William Yang. Mit ihm hat sich das Festival noch einmal so richtig Welt ins Haus geholt, denn Yang ist nicht nur australischer Performance-Künstler, sondern auch noch Chinese. Einer, der kein Chinesisch spricht allerdings, lebt er doch bereits in der dritten Generation in Australien.
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Festspiele und Festivals/Ruhr 2010
Pollesch in den (Kulturhaupt)städten
von Regine Müller
Istanbul, 12. Mai 2010. Taugt original deutsches Text- und Diskurstheater zum internationalen Export? Funktioniert Polleschs Globalisierungs- und Kapitalismuskritik auch noch an der Schwelle zum Orient? Oder ist schon die Sprachbarriere ein unüberwindliches Hindernis? Und muss nicht René Polleschs sehr spezifische Theaterästhetik anderswo in der Welt eigentlich doch zwangsläufig auf Befremden, Unverständnis, oder schlimmer noch, Desinteresse stoßen? Oder beruhen solcherart Fragen am Ende auf Vorurteilen?
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Festspiele und Festivals/Spielart Festival München
Looking for what's next?
von Willibald Spatz
München, 29. November 2009. Für die eingeladenen Künstler dürfte Spielart ein dankbares Festival sein. Sie treffen dort auf ein Publikum, das Neuem aufgeschlossen ist, aber auch Halbfertiges und Gescheitertes akzeptiert, solange der Versuch, was Aufregendes zu zeigen, erkennbar ist. Das kann gleichzeitig auch zum Problem werden, da diese Erwartung zu Innovativem verpflichtet. Es gibt einige Theatermacher, die des Öfteren schon mit Produktionen zu Spielart eingeladen waren, deren Arbeiten kennt man hier mittlerweile. Neue Gesichter wären jetzt gern gesehen.
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Festspiele und Festivals/Zürcher Festspiele
Kein Schutz, nirgends
von Anja Lachmann
Zürich, 20. Juni 2010. Es sind Stücke, die dem Raum lauschen. Tanz als Dialog mit Gebäuden, ihrem Material, dem Lichteinfall, ihrer Akustik. Sasha Waltz inspirieren Räume seit jeher. Zwei bedeutende architektonische Statements haben sie und ihre Company im letzten Jahr tänzerisch in Besitz genommen: Das von David Chipperfield wiederaufgebaute Neue Museum in Berlin und das römische Kunstmuseum Maxxi von Zaha Hadid.
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Festspiele und Festivals/Ruhrtriennale
Sauberkeit sündigt nicht
von Dorothea Marcus
Essen, 15. September 2007. Küssen ist wegen septischer Gefahr verboten. Wer geraucht hat, wird angeklagt. Genau wie der, der sein sportliches Pensum vernachlässigt und sich mit dem immunologisch unpassenden Partner verbindet. Eigentlich hat sich die Hauptfigur Mia Holl nichts weiter als einen plötzlichen Abfall der Eigenhygiene an Körper und Wohnung zuschulden kommen lassen, nachdem ihr Bruder Moritz Selbstmord beging. Doch für Ruhe und Trauer ist kein Platz in einer Gesellschaft, in der Gesundheitsvorsorge zur totalitären Pflicht geworden ist.
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Festspiele und Festivals/Ruhrtriennale
Jammernde Kopfgeburten
von Dorothea Marcus
Duisburg, 2. Oktober 2007. Eigentlich sollte "Courasche oder Gott lass nach" ja schon
vor über einem Jahr auf der Ruhrtriennale Uraufführung haben. Der
Büchner-Preisträger 2006 Wilhelm Genazino hatte die Rolle der von
Grimmelshausen inspirierten Soldatenhure aus dem Dreißigjährigen Krieg eigens
für Veronica Ferres angelegt, doch die sagte ab, weil die Rolle sich nicht mit
ihrer "künstlerischen Integrität" vereinbaren ließ. Die Uraufführung wurde
verschoben.
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Festspiele und Festivals/Festival d’Avignon
Theaterplanet Avignon
von Dorothea Marcus
Avignon, 13. Juli 2007. Auf dem Vorhof des Papstpalastes hängt einsam eine kleine, rote Petroleumlampe. Es ist eine ewige "Flamme des Widerstands", die rund um die Uhr, insgesamt 507 Stunden lang, von zwei Freiwilligen bewacht wird, damit "eine alternative, sensible, subversive und humanistische Kultur" überlebe – jeder kann sich einschreiben.
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Festspiele und Festivals/Festival für neue Dramatik München
Stück für Stück gegen den Kapitalismus
von Willibald Spatz
München, 27. Februar 2010. Die Münchner "Halle 7" ist in zweifacher Weise besonders: Zum einen spielen hier Schauspieler zur Überbrückung zwischen zwei Engagements. Das bedeutet für die Aufführungen, dass sich hier zwei Mal im Jahr neue Ensembles zusammenfinden, die immer wieder spannend und energiegeladen dieses Aufeinandertreffen zu feiern wissen (manchmal allerdings führt dieses ständige Neubeginnen auch dazu, dass man hier Mannschaften spielen sieht, denen man anmerkt, dass sie das alles hier gern möglichst schnell hinter sich hätten: das gerade aufzuführende Stück wie auch den unsicheren Lebenszustand).
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Festspiele und Festivals/Festival Dialog der vier Kulturen in Lodz
So sind sie, die herrischen Menschen
von Thomas Irmer
Lodz, 10. September 2009. "Greed is Good" steht gleich mehrfach in bunter Leuchtschrift über einer Table-Dance-Bar, die Justyna Lagowska samt Billard-Tischen und Glasplastikmobiliar in einer ruinösen Halle aufgestellt hat. Sie gehört zur alten Scheibler-Fabrik und ist damit selbst einer der Schauplätze von Wladyslaw St. Reymonts Roman "Das gelobte Land", der vor allem das rücksichtsloseste Profitmachen in der Textilmetropole Lodz am Ende des 19. Jahrhunderts zum Hintergrund hat.
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Festspiele und Festivals/Nibelungenfestspiele Worms
Das ganze Heldenlied und so weiter
von Esther Boldt
Worms, 31. Juli 2009. Eigentlich haben sie beide eine andere Mission: Seefred soll Indien entdecken und beweisen, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Kriemhild will internationales Recht studieren und später die Macht übernehmen. Aber da sie beide zur falschen Zeit am falschen Ort sind, können sie sich nicht zu Höherem aufschwingen, sondern nur einen Bauchplatscher ins Gewöhnliche hinlegen. Gewöhnlich? Diese Liebe? Entstanden unter dem rotgoldenen Mond über Worms, vor der imposanten Kulisse des Kaiserdoms? Eine Liebe mit blutigem Ende, Eifersucht und Intrige? Aber diese Fehlplatzierung hat Methode.
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Festspiele und Festivals/Salzburger Festspiele
Ein Gespräch im Hause Krapp über ein nicht gelebtes Leben
von Joachim Lange
Salzburg, 9. August 2009. Für so etwas braucht es schon das beruhigende Bewusstsein der eigenen Bedeutung. Mindestens. Peter Handke hat sich auf eine Art von Dialog mit einem Beckett-Klassiker eingelassen. Neben dessen Monolog "Das letzte Band" aus dem Jahre 1958 hat er seinen Text "Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts" gestellt. Es ist auch ein Monolog, der, wenn schon nicht wie eine Antwort, so doch wenigstens wie ein Nachhall daher kommt.
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Festspiele und Festivals/Radikal Jung
Schwitzen, Spielen, in Abgründe schauen
von Sabine Leucht
München, 24. April 2009. Man könnte jetzt meckern, weil unter den acht bis neun Inszenierungen, die die Festival-Jury um den Chefdramaturgen des Münchner Volkstheaters seit 2005 einlädt, immer etwa zwei extrem verzichtbar sind. Dass sich aber kaum zehn Leute einig sein dürften, welche Inszenierungen dies sind, das ist schon die erste Stärke von "Radikal Jung". Kilian Engels, die Schauspielerin Annette Paulmann und der Kritiker C. Bernd Sucher blättern alljährlich mit schönster Zuverlässigkeit ein breites Spektrum von Zugriffen und Themen einem heterogenen Publikum hin.
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Festspiele und Festivals/Festival d’Avignon
Feldpost der letzten Kämpfer
von Dorothea Marcus
Avignon, 9. Juli 2007. Der Kommunismus in Europa ist nicht nur tot, sondern wird auch noch totgeschwiegen – still und leise hat sich 1990 die PCI Italiens, ehemals die größte kommunistische Partei West-Europas, umbenannt und vom Kommunismus distanziert, in den meisten europäischen Ländern ist sie nur noch eine politische Splittergruppe. Nur in Frankreich lebt die kommunistische Bewegung fort, wenn auch zunehmend bedroht.
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Festspiele und Festivals/Orient-Express Stuttgart
Die Welt als Illusion und Verstellung
von Tomo Mirko Pavlovic
Stuttgart, 17. Juli 2009. Wenn ein Zauberer eine Frau zersägt, ist das in unseren unzauberischen Zeiten höchstens langweilig. Wenn aber ein Illusionist sich selbst zum Verschwinden bringt, ist das mindestens philosophisch. Dramaturgisch betrachtet steuert der slowenische Theaterwaggon beim Orient-Express punktgenau auf das Verschwinden ohne Wiederkehr zu. Und das befreiende Gefühl, man würde sich gerade in diesem Augenblick seine eigene Existenz lediglich vorstellen.
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Festspiele und Festivals/Spielart Festival München
Alles im Fluss
von Willibald Spatz
München, 17. November 2007. Wenn ein Festival in einer Stadt ist, dann versucht es dort Platz einzunehmen – möglichst so viel, dass keiner dran vorbeikommt, egal, wohin er gerade geht. München ist eine relativ große Stadt. Hier läuft seit Donnerstag das alle zwei Jahre stattfindende "Spielart"-Festival, das für sich in Anspruch nimmt, praktisch die einzige Gelegenheit zu sein, bei der man in München mal viel Theater von anderswo zu sehen bekommt. Und das stimmt auch, denn zu keiner anderen Zeit sind derart viele internationale Gastspiele in der bayrischen Hauptstadt zu sehen.
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Festspiele und Festivals/Radikal Jung
Packende Stoffe, zwingende Erzählweisen
von Georg Kasch
München, 16. April 2010. Und der Preis geht an ... Romanadaptionen. Beim "radikal jung"-Festival am Münchner Volkstheater zeigten die Hälfte der acht Produktionen epische Stoffe: frei von Formzwängen und virtuos in der Wahl theatraler Mittel, um ihre Geschichten zu erzählen - nicht nur die Siegerproduktion, Bastian Krafts Adaption eines Romanfragments von Franz Kafka "Amerika".
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Festspiele und Festivals/Ruhr 2010
Der babylonische Feuerbringer und das Reclam-Heft
von Dina Netz
Essen, 5. August 2010. "Vielleicht will Zeus ja das Feuer der Menschen wieder löschen." So witzelt mein Sitznachbar unerschrocken, als er sich im strömenden Regen das vom Team der Stiftung Zollverein umsichtigerweise für jeden Zuschauer bereitgehaltene Plastikcape überzieht. Der für den Raum zuständige griechische Künstler Jannis Kounellis ist ein hohes Risiko eingegangen, indem er die Bühne für den "Gefesselten Prometheus" ins Freie baute. Eine andere Zuschauerin berichtet, dass der Premierenabend in Istanbul diesem Wagnis wegen eines Unwetters sogar zum Opfer fiel. Diesmal, in Essen, bibbern zwar alle mit nassen Füßen vor sich hin, aber die Aufführung kann stattfinden. Das Publikum beweist geradezu prometheischen Widerstandsgeist.
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Festspiele und Festivals/Ruhrfestspiele Recklinghausen
Röcke rauschen, Kragen schwitzen
von Regine Müller
Recklinghausen, 3. Mai 2009. Es dürfte ein Abend im Sinne des Bundespräsidenten gewesen sein: Im Schiller-Jahr weiland hatte Horst Köhler während einer Matinee-Veranstaltung des Berliner Ensembles vehement der Werk- und Texttreue das Wort geredet und dem Regietheater eine deutliche Abfuhr erteilt. Zur Eröffnung der traditionsreichen Ruhrfestspiele reiste er nun mit allem sicherheitstechnischen Pomp an, um sich an jenem angeblich texttreuen Theater zu ergötzen, das hierzulande doch ach so rar geworden ist. Statt beim Berliner Theatertreffen die – durchaus streitbare – Auswahl von Spitzenproduktionen der deutschsprachigen Theaterlandschaft zu beehren, zieht der Bundespräsident es also vor, eine international koproduzierte Inszenierung zu besuchen, die auf großer Tour ist und sich mit glamourösen Hollywood-Namen ziert.
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Festspiele und Festivals/Theater der Welt 2010
Stanislawski-Powerplay im Sommerhaus
von Guido Rademachers
Mülheim, 5. Juli 2010. Ein paar Gläser klirren im Foyer der Mülheimer Stadthalle. Gespräche plätschern vor sich hin. Hinter Brezeln und Warmhalteplatten langweilen sich Kellner. Das gemeinsame Theater-Public-Viewing mit Vilnius verzögert sich um eine halbe Stunde, weil es in der litauischen Hauptstadt noch zu hell ist für eine Außenübertragung. Zeitverschiebung eben. Keine schlechte Einstimmung auf Tschechows "Kirschgarten" und sein von der Geschichte aussortiertes Personal.
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Festspiele und Festivals/Theater der Welt 2010
Im Sog der Bilder
von Sarah Heppekausen
Essen, 15. Juli 2010. Wie ein herangezoomter Satellitenblick auf die Erde, so sieht das große Bild im Bühnenhintergrund noch am Beginn des Abends aus. Die Pixellandschaft scheint sich in Form und Farbe mal zu verdichten, mal auseinander zu laufen. Es ist der bewegte Blick auf eine Welt im Wandel. Robert Musils Jahrhundertroman "Der Mann ohne Eigenschaften" erzählt vom Untergang des alten Europa, er spielt in Wien im Jahr 1913, der Erste Weltkrieg steht kurz bevor. So wie damals die bürgerliche Gesellschaft zerfiel, so löst sich auch das Bild auf der Leinwand in seine Einzelelemente auf.
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Festspiele und Festivals/Biennale Bonn
Archaisch und experimentell
von Ulrike Gondorf
Bonn, 27. Juni 2008. Auf diesen Abend lagen besondere
Erwartungen. Eine Deutschlandpremiere war angekündigt und eine Begegnung mit
den Studio Oyunkulari (The Studio Players) aus Istanbul. Die Truppe, die die
Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Sahika Tekand vor 20 Jahren in Istanbul
gegründet hat, ist längst über die Grenzen der Türkei hinaus zu einem Begriff
geworden. Aktuell in ihrem Repertoire ist eine Bearbeitung der Ödipus-Trilogie
des Sophokles von Sahika Tekant. In Bonn zeigte das Ensemble den letzten Teil:
"Der Schrei der Eurydike" – besser bekannt unter dem Titel "Antigone". Und die
gespannten und höchst konzentrierten (leider allerdings nicht sehr zahlreich
erschienenen) Zuhörer wurden nicht enttäuscht.
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Festspiele und Festivals/Festival d’Avignon
Bankrottbereite Lebensdistanz
von Dorothea Marcus
Avignon, 8. Juli 2007. Während es in Deutschland seit einigen Jahren eine Renaissance des katholischen Dichters Paul Claudel gibt, war er in Frankreich nie von den Bühnen verschwunden: Die Regisseurin, Schauspielerin und Leiterin des Pariser Théâtre de l'Aquarium Julie Brochen hat für das 61. Festival von Avignon "Der Tausch" inszeniert, das frühe und in Deutschland kaum gespielte Stück eines hitzigen 25-jährigen, der als junger Diplomat 1893 nach New York kommt.
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Festspiele und Festivals/Biennale Wiesbaden
Ulrike Meinhof fast-forwarded
von Esther Boldt
Wiesbaden, 12. Juni 2008.
Vor Beginn der Aufführung geht per stille Post der aktuelle
EM-Spielstand durchs Publikum, 2:1 für Kroatien, rote Karte für
Schweinsteiger. Ist das denn die Möglichkeit! Bei der Rückfahrt redet
dann eine Gruppe junger Frauen darüber, bei welcher Nationalmannschaft
sie mitfiebert – Türkei? – "Hast du keinen deutschen Pass, oder was?!"
Wenig später haben drei junge Herren dasselbe Problem: "Was bist du?" –
"Kroatisch-englisch." – "Krass! Ich bin nur Deutsch-italienisch."
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Festspiele und Festivals/Ruhrtriennale
Saustall der Sündenfälle
von Regine Müller
Essen, 25. September 2009. Fast zwanzig Jahre ist es her, dass Andrea Breth ihren ersten "Zerbrochnen Krug" am Wiener Burgtheater inszeniert hat. Damals lud sie Kleists Lustspiel mit metaphysischen Dimensionen auf und zeigte ein Weltgericht, das buchstäblich beim ersten Sündenfall und der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies ansetzte. Traugott Buhre spielte damals den Adam, die Parade- und Hauptrolle des Dorfrichters.
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Festspiele und Festivals/Edinburgh International Festival
Heimat, was ist das?
von Theresa Valtin
Edinburgh, 16. August 2009. Dass in diesem Jahr, in dem Schottland mit dem Motto "Homecoming" um seine Auswanderer in aller Welt wirbt und das Edinburgher Festival insgesamt die Aufklärung zum Thema hat, in deren Rahmen Großbritannien zur größten Seefahrtsnation der Welt wurde, ein Stück names "Diaspora" auf dem Programm steht, dürfte nicht weiter verwundern. Dass sich dieses Stück anstatt mit der eigenen Nation jedoch mit asiatischen Immigranten beschäftigt, kann schon eher überraschen.
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Festspiele und Festivals/Salzburger Festspiele
Das ständige Da-Sein
von Reinhard Kriechbaum
Salzburg, 30. Juli 2009. Es ist eine der großen Schicksals-Szenen in der Antikenliteratur: "Tanzend und singend" ist Agaue (Corinna Harfouch), die Mutter des Theben-Königs Pentheus unterwegs in die Stadt, noch ganz in Trance vom Kult der Bakchen. Einen Löwen glaubt sie zerrissen zu haben. In Wahrheit war es ihr Sohn Pentheus, dessen Haupt sie jetzt stolz vor sich her trägt, zum lähmenden Entsetzen der Bewohner.
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Festspiele und Festivals/Wiener Festwochen
Pseudoattitüden der No-Go-Generation
von Georg Petermichl
Wien, 13. Juni 2008. Mitten im Reich der Retromanie, zwischen eingesessenem Jugendkult und
anschleichender Bürgerlichkeit, plustern fünf Thirtysomethings ihr
bisschen Weltschmerz und die verbleibende Lethargie zur Apokalypse auf:
King Lear ist in der schmeichelweichen Einbauwohnzimmergummizelle
hängen geblieben.
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