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Donnerstag, 02. September 2010 Haus der Kulturen der Welt Berlin Rue Princesse – Gintersdorfer und Klaßen holen ihr ivorisches Festival nach Berlin

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Freitag, 27. August 2010 20. Internationales Ibsen Festival Oslo 2010 Nora oder Ein Puppenheim (Et Dukkehjem) – Laurent Chétouane inszeniert Ibsens Emanzipationsstück

Donnerstag, 26. August 2010 20. Internationales Ibsen Festival Oslo 2010 Ibsenmaschine - Sebastian Hartmanns Eröffnungsinszenierung am Nationaltheatret Oslo

Sonntag, 22. August 2010 Edinburgh International Festival Caledonia – Alistair Beatons neues Stück uraufgeführt

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München/Bayerisches Staatsschauspiel

Von der Zumutung des Sterbens

von Georg Kasch

München, 21. November 2009. Das hatte man dem längst totgesagten Theaterfuchs Dieter Dorn schon nicht mehr zugetraut, dass er – jenseits der wenigen Uraufführungen an seinem Haus wie Schimmelpfennigs "Idomeneus" 2008 – ein zur Zeit passendes Stück finden und spannungsreich auf seine Residenztheater-Bühne bringen würde. Und nun ausgerechnet Euripides’ "Alkestis", dieser etwas statische Zwitter aus Drama und Satyrspiel über die Opferbereitschaft einer Ehefrau und Preis der Gastfreundschaft zugleich.

Sonntag, 22. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Gemetzel im Zuckergusswerk

von Sabine Leucht

München, 29. Juni 2008. Auf den ersten Blick sieht es nach voreiligem Triumphgeheul aus, wenn am Abend des EM-Finales ein Stück mit dem Titel "Am Ziel" Premiere hat. Auf den zweiten Blick ist zwar Deutschland noch immer im Endspiel, das Stück aber hat Thomas Bernhard geschrieben – und da wird besagtes "Ziel" allenfalls ein Zwischenstopp sein: eine Stolperfalle auf dem Weg zum nächsten großen Irrtum.

Sonntag, 29. Juni 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Gekrabbel auf dem Knochenberg

von Petra Hallmayer

München, 18. März 2009. "Hört das denn niemals auf?", fragt Pyrrhus zu Beginn. Der Krieg ist aus, aber in dem Massaker beim Fall Trojas haben die Sieger blutberauscht die Saat des Hasses ausgestreut. Wie könnte auf diesem Boden wirklich Frieden herrschen? Statt des Scherbenmeers in Luk Percevals  Schaubühnen-Inszenierung türmen sich auf der Bühne des Cuvilliés Theaters die Gebeine der Toten.

Mittwoch, 18. März 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Jenseits der Nasenspitze

von Petra Hallmayer

München, 30. November 2008. Eigentlich ist es ja schön, wenn junge Autoren nicht nur um den Bauchnabel ihrer Generation kreisen. Der 1981 geborene Dramatiker John Birke, der mit Party- und Beziehungsdramen wie "Open End" und "pas de deux" bekannt wurde, wagt sich in seinem neuen Stück, das nun im Werkraum der Kammerspiele uraufgeführt wurde, an ein riesiges Themenfeld. Auf einer Spielfläche aus Kleiderspendenballen zeigt sich gleich zu Beginn eine Frau zu einer radikalen Tat entschlossen: Zur Verteidigung christlicher Werte will sie sich in einer Moschee in die Luft sprengen.

Sonntag, 30. November 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerische Theaterakademie

Im Nostalgieclub

von Willibald Spatz

München, 31. Januar 2009. Es ist ein Abend geworden, der Gefühle freisetzen will. Jonas Zipf hat für seine Abschlussinszenierung "Blaupause" an der Bayerischen Theaterakadamie die ehemaligen Räume der Süddeutschen Zeitung besetzt. Das Blatt ist Ende vergangenen Jahres von der Münchner Innenstadt an den Stadtrand in ein neues Hochhaus umgezogen.

Samstag, 31. Januar 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Politpop der Sechziger neu besichtigt

von Petra Hallmayer

München, 11. Februar 2010. Bonnie (Sylvana Krappatsch) räkelt sich gelangweilt in einem weißen Minikleid und schwarzen Glitzerstiefletten und zündet sich mit einer Pistole eine Zigarette an, während Clyde (Oliver Mallison) in Faschingsräuberposen um ihre Aufmerksamkeit buhlt. Die Beiden, die sich da auf der Bühne so pseudocool aufspielen, wissen von Anbeginn, dass sie Filmgeschichte schreiben werden. "Das ist ein totales Gangsteroadmovie", erklärt er später, nachdem sie ihm gefolgt ist auf den großen Abenteuerspielplatz jenseits des Gesetzes.

Donnerstag, 11. Februar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Wärme kann der Mensch nicht sehen

von Petra Hallmayer

München, 23. Januar 2009. Es ist klirrend kalt in Bulbus. Die Menschen können einander nicht berühren. Wie in Eisblöcke sind sie in weiß beschlagene Telefonzellen gesperrt, die von Holzscheiten bedeckt sind. Anja Hillings "Bulbus" entführt in ein der Zeit entrücktes Dorf, in dem Badeöfen und Kaffeemühlen darauf warten, repariert zu werden.

 

Freitag, 23. Januar 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Faserland ist Geschichte

von Petra Hallmayer

München, 20. Juni 2009. Er ist auf niemanden angewiesen. Er ist jung, er ist schön, und er hat eine "Haut aus Zement". Marco ist 16 und er geht auf den Strich. Seine Schwester, die Analphabetin Jenny, und er sind vor langem von zu Hause ausgerissen. Alt und arbeitslos geworden taucht plötzlich ihr Vater auf und will den Scherbenhaufen Familie kitten.

Samstag, 20. Juni 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Viel flüchtig Gutes

von Willibald Spatz 

München, 29. September 2007. Es gibt viel zu viele Theaterstücke. Und es gibt kaum schlechte Theaterstücke, weil in jedem einzelnen ein Mensch mit seinen Gedanken, mit dem, was ihn beschäftigt, steckt. Deshalb ist es schwer für die Theater, den richtig guten halbwegs gerecht zu werden und dem Publikum zu zeigen, was aufregend ist an der aktuellen Dramatik. Die Kammerspiele pflegen zu diesem Zweck das jährliche "Wochenende der jungen Dramatiker", dessen Hauptabend zweigeteilt ist.

Samstag, 29. September 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Der beschürzte Mann

von Petra Hallmayer

München, 4. Dezember 2008. Seit Gottvater das erste Schöpfermachtwort sprach, haben sich Männer in der Meisterschaft geübt, furiose Besserwisser, Rausreder und Schuldverschieber zu werden und sich so verbal die Welt zu unterwerfen. Mit Darry Berrill hat Sean O'Casey ein besonders prächtiges Exemplar dieser Spezies geschaffen. "Mein Gott, Frau", meint der irische Bauer am Ende zu seiner Lizzie, nachdem er das gesamte Haus verwüstet hat, "könntest du nicht einmal etwas richtig machen?!"

Donnerstag, 04. Dezember 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Versuchs mal mit Gemütlichkeit

von Georg Kasch 

München, 31. Mai 2007. Familienfeiern können so grauenhaft sein: Ein Gang folgt dem nächsten, dazwischen Lieder, Reden, peinliche Anekdoten und Alkohol. Oft sind sie eine ziemlich verlogene Angelegenheit. Eine kleinere Katastrophe kann da sehr befreiend wirken.

Freitag, 01. Juni 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Interview mit einem russischen Angeber

von Petra Hallmayer

München, 17. Juni 2010. Dass die Welt von Vampiren beherrscht wird, haben wir längst schon geahnt. In Viktor Pelewins Roman "Das fünfte Imperium", dessen Theateradaption die Regisseurin Mareike Mikat nun auf die Bühne gebracht hat, dient der Mensch nur mehr als ohnmächtiges Melkvieh für die Kaste der Blutsauger.

Donnerstag, 17. Juni 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Ernst ist das Leben, komisch die Kunst

von Georg Kasch

München, 14. Dezember 2007. Zunächst einmal: Calderóns "Das Leben ein Traum" am Residenztheater München ist eine Inszenierung, für die man den Text vorher nicht gelesen haben muss. Man versteht jedes Wort, jeden Zusammenhang in der nur unwesentlich gekürzten Fassung. Alexander Nerlich hat den Text genau gelesen, seine Regie ist behutsam und präzise – und wattiert das Stück wie eine zerbrechliche Antiquität.

Freitag, 14. Dezember 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Nur in der Mitte ein Herz

von Sabine Leucht

München, 25.Juni 2009. Oh jeh! Da stehen sie auf der Bühne, meist frontal zum Publikum, und halten sich die Figuren mit aller Macht vom Leib. Die Figuren, das Figurative - und eine ganze Weile lang auch jede Art von Bild. Gut, es gibt ein paar etwas alberne, wenn auch liebevoll ausgeleuchtete Nebenschauplätze, doch selbst der Auftritt der alten Dame - der ganz große Bahnhof, in dem sie verfrüht auf denselben tritt und ganz Güllen und dessen verzweifeltem Vorbereitungseifer vorerst die Luft abschnürt - diesen Auftritt gibt es praktisch nicht. Nur dass eine der Frauen plötzlich die Worte spricht, die Friedrich Dürrenmatt Claire Zachanassian als erste in den Mund legt, nachdem sie im Eilzug die Notbremse zog: "Bin ich in Güllen?"

 

Freitag, 26. Juni 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Der karnevaleske Charme der Bourgeoisie

von Georg Kasch

München, 26. Januar 2008. Nein, eingestaubt ist hier nichts: Zu Prokofjev-Musik, die an eine Spieluhr erinnert, verschwindet das große Tuch, das anfangs die Szene bedeckte, im Bühnenboden. Sie sitzen auf ihren Stühlen, als täten sie seit hundert Jahren nichts anderes, erwachen mit einem Lichtwechsel aus ihrer Starre und konversieren, als wär’s ein Stück von Ibsen.

Samstag, 26. Januar 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Besenkammerspiel mit Sukkulent

von Sabine Leucht

München, 5. November 2009. Zwei graue Betonwände, ein rechter Winkel, eine Tür und ein Fenster, das wieder auf grauen Beton schaut: Wo es im Münchner Volkstheater ohnehin eng ist, auf der kleinen "Nachtkastl"-Bühne, geht es heute fast klaustrophobisch zu. Vier Schauspieler stehen buchstäblich mit dem Rücken zur Wand, wann immer sie in Richtung Publikum spielen, das an zwei Seiten des Raumes auf je vier Stuhlreihen Platz genommen hat und wie weitere Mauern wirkt: Nur 70 Augenzeugen für ein dreifaches Experiment.

Donnerstag, 05. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Schachernde, Suchende und das Vaterland

von Sabine Leucht

München, 13. März 2010. Die Kluft ist riesig. Zwischen dem Erkennen der "Macht der Liebe", womit der erste Teil endet, und den zuckenden Gliederhaufen, mit denen der zweite Teil beginnt, findet statt, wonach der Abend im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele benannt ist: "Der Krieg". Man mag ihn sich blutig und grausam, schnell und gewaltig oder hinterfotzig und leise vorstellen. Als Heldensterben fürs Vaterland, "Stabilisierungseinsatz" in Afghanistan oder Hindernislauf im Bombenhagel. Auf der Bühne gibt es von ihm nichts zu sehen. Der Krieg ist die Leerstelle, um die der Abend kreist, sein Platz ist im Dazwischen.

Samstag, 13. März 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Doppelgänger in der Endlosschleife

von Mounia Meiborg

München, 25. September 2008. Die Welt ist eine seltsam schiefe Scheibe, und wer nicht aufpasst, fällt runter. Schon vom bloßen Anblick der verschiedenen Neigungswinkel kann einem schwindelig werden. Denn Andreas Kriegenburgs Bühne ist eine Mischung aus Hamsterrad und Halfpipe. Im Vordergrund liegt eine riesige Ellipse, die nach unverputztem Beton aussieht und sich in der Tiefe des Raumes verengt. Der hintere Hohlraum wird von einer Holzscheibe abgeschlossen, die als steile Rampe darin liegt, nach hinten geklappt wird und sich zugleich dreht. Fast senkrecht klebt das Mobiliar – ein Schreibtisch, ein Esstisch, Stühle, ein Bett – auf dem Untergrund. Anders die Menschen auf diesem ungastlichen Eiland: Sie kraxeln und straucheln, klettern und strampeln.

Donnerstag, 25. September 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Neue Zeichen für die Sprache der Liebe

von Sabine Leucht

München, 1. April 2009. Dieser Theaterabend funktioniert nach dem Prinzip: Wenn schon Komödie, dann richtig! Und das macht er prima. Die Lachmuskeln der Zuschauer haben gut zu tun, während die Schauspieler auf der Bühne des Münchner Volkstheaters kaum einen Muskel unbeschäftigt lassen. Xenia Tiling und Kristina Pauls werfen sich in einen Zweikampf, der mit wütend ins Gesicht geschmiertem Kriegsrot und einer Menge falscher Äpfel unter komplett derangierten Kleidern endet.

 

Mittwoch, 01. April 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Drahtzieher, Puppenspieler

von Georg Kasch

München, 8. November 2007. Was für ein Theater! Da inszeniert Prospero einen Sturm, um auf seiner öden Insel nicht nur Geister, sondern auch Neapolitaner auftreten zu lassen. Für seinen Diener Ariel erfindet er fantastische Kostüme, ordnet an, an welchen Handlungsorten die Geretteten ausgesetzt werden sollen, schreibt den Geistern detailliert ihren Text vor, arrangiert Zusammenkünfte und Romanzen. Prospero ist Autor, Regisseur und Akteur wie weiland William Shakespeare. Und wozu das Ganze?

Donnerstag, 08. November 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Muffathalle München

Aufmarsch der Muttermodelle 

von Sabine Leucht

München, 24. September 2008. Das stand mal an: Dieses ganze Gewese um das große Thema Mütterlichkeit auch einmal künstlerisch in die Breite wachsen zu lassen. Wenigstens in einer kleinen Produktion hier in der Muffathalle, auf deren Bühne Alu Walter zu diesem Zweck eine Menge Podeste aufgestellt hat – und zwar so viele, dass sie einmal die volle Länge des Raumes ausfüllen und den Mädels Platz geben, sich zu zeigen. Der Bühnenbildner ist so ziemlich der einzige Mann im ganzen Team, das anfangs noch auf die schreibende und öffentlichkeitswirksame Mithilfe von Mitmännern wie Albert Ostermaier gesetzt hatte, schließlich aber ganz alleine klar kam.

Mittwoch, 24. September 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Eine deutsche Frau

von Georg Kasch

München, 6. Juni 2007. Maria Braun steigt auf. "Eine Reise ins Glück" tönt es aus den Boxen der Münchner Kammerspiele. Der Schlager beschwört das Wunschkonzert, das die junge Frau längst selbst in die Hand genommen hat. Als "Mata Hari des Wirtschaftswunders" versteht sie zwar wenig von Buchhaltung, aber viel von den Bedürfnissen der deutschen Frau.

Donnerstag, 07. Juni 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Happy End geht nicht 

von Georg Kasch

München, 28. April 2007. Schmal und kindlich stehen Ottokar und Agnes beieinander. Hinter ihnen hat sich endlich die Wand geteilt und zeigt einen lichten Himmel. Konfetti fällt. Während sie wechselseitig Verwandte verdächtigen und sich Vorhaltungen machen, sprechen ihre Hände eine ganz andere Sprache: Eben noch ineinanderliegend, wandern sie zu des anderen Gesicht, streicheln es sanft, ertasten, erspüren es. Zwischen diese beiden geht trotz eines blutigen Familienstreits kein Blatt Papier. Wenn ein Stück vor der Pause derart ein Happy End beschwört, ist der tragische Ausgang meist nicht weit.

Samstag, 28. April 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Im Herz der Finsternis

von Petra Hallmayer

München, 10. Juni 2010. Das Grauen kommt auf leisen Sohlen. Harmloser als Harold Pinters "Geburtstagsfeier", die Thomas Langhoff nun im Residenz Theater inszenierte, kann ein Stück kaum beginnen. In der schäbigen britischen Strandpension von Meg und Petey Boles zelebriert das alte Ehepaar bei einem langen Frühstück aberwitzig sinnfreie Kabbeleien über Cornflakes und nichtige Neuigkeiten aus der Zeitung. Zu ihnen gesellt sich schließlich ihr einziger Gast, der angeblich gescheiterte Pianist Stanley Webber, ein verlotterter Loser mit fettig strähnigen Haaren, der sich vor einem Jahr einquartiert hat und an den sich Meg mit erotisch aufgeladener entmündigender Mütterlichkeit klammert.

Donnerstag, 10. Juni 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Eingeborene im Topfstauden-Urwald

von Matthias Weigel

München, 7. Mai 2010. Theaterregisseur, jung, erfolgreich und mit hohem Drang zu politischen Aussagen, sucht devotes Drama zum Benutzen, gerne urheberrechtsfrei, mit der Bereitschaft, sich entsprechende Stellen operieren zu lassen. Eine Jungfrau meldete sich bei Simon Solberg; klar, dass er da nicht zimperlich ist und so richtig zulangt.

Freitag, 07. Mai 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Ich kann Realismus nicht ausstehen

von Sabine Leucht

München, 3. Juli 2010. Man muss kein großer Fußballfan sein, um an diesem schönen Abend reichlich beseelt vom WM-Viertelfinale in den Marstall zu schweben. Schon auch, weil Deutschland gewonnen hat, aber vor allem, weil plötzlich eine Ahnung davon in der warmen Luft liegt, was Menschen zusammen vollbringen können, wenn jeder einzelne will.Gegen ein solches Gesamtkunstwerk im Breitwandformat kommt ein schmaler Theaterabend schwerlich an. Zumal er sich in diesem Fall in Gefilde begibt, in denen die Vorstellungskraft mit der Einbildung und dem Wahn in den Ring steigt und schlicht der übelste Bolzer gewinnt.

Samstag, 03. Juli 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Arlequin in der Welt der Großkopferten

von Willibald Spatz

München, 21. Dezember 2008. Was macht ein relativ junger Regisseur, wenn er gebeten wird, ein relativ altes Stück in einem relativ alten Theater einzurichten? Er durchwühlt das alte Zeug und schleppt das, von dem er glaubt, dass man es heute noch brauchen könnte, auf die Bühne. Jan Philipp Gloger hat sich mit seinen letzten Inszenierungen den Ruf erarbeitet, im Knacken von Klassikern hervorragend zu sein. Für das Publikum des Augsburger Stadttheaters machte er unlängst sowohl den "Clavigo" als auch "Emilia Galotti" leicht zugänglich. Jetzt in München war "Die Unbeständigkeit der Liebe" von Marivaux dran.

Montag, 22. Dezember 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Haus der Kunst München

Das Doppelleben der heiligen Johanna

von Sabine Leucht

München, 16. November 2008. Zugegeben: Der Mann ist klasse, vielleicht gar ein Genie. Aber nach diesem Abend im Münchner Haus der Kunst steht auch fest: Aufs Schreiben sollte er sich nicht verlegen. Andreas Kriegenburg, seit 2001 Oberspielleiter am Hamburger Thalia Theater und sehr viel länger schon einer der anerkannt phantasiebegabtesten, sensibelsten, musikalischsten und umtriebigsten Inszenatoren menschlicher Unergründlichkeit, hat sein erstes Stück geschrieben und es gleich selbst auf eine selbst ersonnene Bühne gebracht. Nun: Dass die Bühne schlicht und schön ist, hat dem Stück nicht viel genutzt.

Sonntag, 16. November 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Da, wo die echten Kastanienbäume blüh'n

von Willibald Spatz

München, 23. Mai 2009. Wenn Thomas Jonigk ein Stück schreibt, dann recherchiert er ordentlich. Und dabei kann es passieren, dass ihm Material übrigbleibt. Das stopft er dann seinen Figuren in den Mund, ob sie es brauchen können oder nicht. So erfahren wir unter anderem in "Diesseits", dass eine "Moslemin" durchschnittlich vier komma fünf Kinder zur Welt bringt, dass die Scheidungsrate in Österreich bei 46 % liegt und dass die Wahrscheinlichkeit, einen Menschen durch einen Herzschuss zu töten, lediglich 39 % beträgt.

Samstag, 23. Mai 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Voll das Leben

von Georg Kasch

München, 4. Oktober 2007. Warum ausgerechnet Friedrich Schillers "Don Karlos"? Warum nicht eine Shakespeare-Komödie? Oder, wenn es unbedingt eine Tragödie sein muss, "Hamlet"? Denn darauf läuft Christian Stückls Eröffnungsinszenierung am Münchner Volkstheater mit einem überwiegend jungen Ensemble ohnehin hinaus.

Donnerstag, 04. Oktober 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Sackgasse mit Gestrandeten

von Sabine Leucht

München, 28. März 2009. Es sind die Farben der Trikolore: Blau, Weiß und Rot. Drei Farben, in die Krzysztof Kieslowski zu Beginn der neunziger Jahre drei Filme getaucht hat – oder drei Menschen: Blau für Julie, die als einzige einen Autounfall überlebt, um ohne Mann und Tochter mit der ungewollten Freiheit zu kämpfen. Weiß für den Polen Karol, den seine französische Frau zum Teufel schickt, weil er in Paris tagsüber so viele Köpfe frisieren muss, dass sich nachts nichts mehr bei ihm regt. Und die Farbe Rot umhüllt zuletzt die junge Schweizerin Valentine, die einen alten, am Recht verzweifelten, selbst kriminell gewordenen Richter durch ihr Interesse wieder in einen Menschen verwandelt.

Samstag, 28. März 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Im Suff mit zärtlichem Kern

von Willibald Spatz

München, 28. Mai 2009. Amerika im Zweiten Weltkrieg: eigenartige Situation – die Männer sind beim Kämpfen oder irgendwie anders weg oder dem Alkohol verfallen und taugen zu nichts, die Frauen müssen das zum Überleben Wesentliche regeln und werden dabei hart. Sie benutzen die Männer zu ihren Zwecken und lassen sie dann als Gefühlswracks im Präriesand liegen. Diese Umstände haben auch die Literatur damals geprägt. Eugene O’Neill wusste, wovon er schrieb, er hatte selbst eine Menge mitgemacht. Sein spätes Stück "Ein Mond für die Beladenen" spielt zwar im Jahr 1923 und verarbeitet den Alkohol-Tod des Bruders, spiegelt aber auch stark diese Kriegsstimmung seiner Entstehungszeit wider.

Freitag, 29. Mai 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Willkommen in der Tchibo-Welt

von Petra Hallmayer

München, 16. Januar 2010. Die goldenen Tage sind vorüber. Das Familienvermögen ist futsch und nachdem sie auch noch ihren Job als Lehrerin verloren hat, sucht Blanche Zuflucht bei ihrer Schwester Stella, die in New Orleans den polnischen Einwanderer Stanley Kowalski geheiratet hat. Wie wenig willkommen sie hier ist, wird in den Kammerspielen gleich zu Beginn überdeutlich. Während Stella (Katja Bürkle) in einem langen Intro mit ihren Freunden die von kahlen Sperrholzwänden umrahmten Zimmer einrichtet, findet sie in einer Tüte ein Tüllkleid von Blanche, brüllt "Raus!" und schleudert es weit von sich.

Sonntag, 17. Januar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele

Bei Patchworks auf dem Sofa

von Petra Hallmayer

München, 25. September 2009. "Aus nächster Nähe betrachtet", meint Katja, "ist keine Familie normal." Die Familie, die die Autorin und Regisseurin Lola Arias bei der Uraufführung ihres jüngsten Stückes im Werkraum der Kammerspiele vorstellt, ist bereits auf den ersten Blick etwas Besonderes: Nachdem sich die Eltern der kleinen Lena getrennt hatten, verliebte sich ihre Mutter Katja in Silja. Weil die beiden sich noch ein Kind wünschten, sprang Lenas Vater als Samenspender ein, und so schenkte Silja ihr ein Brüderchen namens Moses.

 

Freitag, 25. September 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Alles Blocksberg oder was?!

von Sabine Leucht

München, 2. Oktober 2008. Wenn dieser Abend ein Thema hat, dann ist es das Verschwinden von Sinn durch Tempo, Eile, ungestümes Weiterhecheln, einstmals auch "Fortschritt" genannt. "Der Sinn ist zu", räsonniert Faust, nachdem er seine Forscherkollegen verlassen hat, um statt eines Gummiballs an die Wand des Labors doch endlich ein paar Goethe-Zitate ins Publikum zu werfen. Er wird speziell diesen Satz noch so manches Mal sagen. Zusammen mit "Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan", hüllt er den Abend in die Zwangsjacke verzweifelter Geschäftigkeit.

Donnerstag, 02. Oktober 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Der Wolf frisst das schwächste Kind

von Petra Hallmayer

München, 20. Mai 2009. Schon Schopenhauer wusste, "dass der Mensch an Grausamkeit und Unerbittlichkeit keinem Tiger und keiner Hyäne nachsteht". Das führt uns Esteve Solers Stück "Gegen den Fortschritt", das im Marstall Premiere feierte, noch einmal eindringlich vor. Allein den Schopenhauer‘schen Glauben an die Zähmungkraft der "Civilisation" hat der Katalane Soler gründlich verloren, der in "sieben burlesken Szenen" die emotionalen Brutalisierungen und moralischen Krankheiten der Moderne ausstellt.

Mittwoch, 20. Mai 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Saublödes System

von Willibald Spatz

München, 6. November 2007. Der Kapitalismus ist schlimm: Er reduziert die Menschen zu Konsummaschinen, er nimmt den Schwachen das Wenige, das sie haben, und beschenkt die Reichen. Aber er verliert seinen Schrecken ein bisschen, wenn man seinen Namen ausspricht.

Dienstag, 06. November 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Der reinste Horror

von Willibald Spatz

München, 22. März 2009. Jede Neuinszenierung eines Sarah Kane-Stückes ist allein schon deswegen spannend, weil sie noch einmal erprobt, wie zeitlos die Texte dieser Dramatikerin wirklich sind, wie stark ihre Bilder und Worte nach Jahren noch sind, ob sie immer noch reinhauen. Schrecklich ist die Vorstellung, man hörte und sähe all das, was in "Gesäubert" vorkommt, und fühlte dabei nichts mehr als einen historisch gewordenen Drang, zu schocken und Konventionen von 1998 zu zerschmettern.

Sonntag, 22. März 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel

Das Selbst und sein Double

von Willibald Spatz

München, 26. Oktober 2007. Stefan Hunstein spielt an sich herum, er wagt zwar zuerst nicht, sich zu berühren oder sich anzusprechen. Doch dann geht was: Er tippt sich mit dem Finger auf den Bauch und zuckt daraufhin zusammen. Stefan Hunstein hat ein Double und eine Puppe, die ihn darstellt, mit auf der Bühne: Er kann also eine Menge mit sich anstellen.

Samstag, 27. Oktober 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater

Hamlet-Maschine ohne Müller

von Sabine Leucht

München, 26. November 2009. Eine Rüstung schwebt heran und kracht zu Boden. Aus einer Kunstgras-Sode im Vordergrund von Alu Walters locker mit Holzterrassen-Inseln gesprenkelten Bühne ragt eine bleiche Hand. Und plötzlich ist er da: Michael Tregor, ein am ganzen mageren Körper weiß geschminktes Rumpelstilzchen.

 

Donnerstag, 26. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen


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