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Donnerstag, 02. September 2010 Haus der Kulturen der Welt Berlin Rue Princesse – Gintersdorfer und Klaßen holen ihr ivorisches Festival nach Berlin

Mittwoch, 01. September 2010 Zürcher Theater Spektakel 2010 La cérémonie − 400asa brachte chinesische Freunde mit auf die Landiwiese

Freitag, 27. August 2010 20. Internationales Ibsen Festival Oslo 2010 Nora oder Ein Puppenheim (Et Dukkehjem) – Laurent Chétouane inszeniert Ibsens Emanzipationsstück

Donnerstag, 26. August 2010 20. Internationales Ibsen Festival Oslo 2010 Ibsenmaschine - Sebastian Hartmanns Eröffnungsinszenierung am Nationaltheatret Oslo

Sonntag, 22. August 2010 Edinburgh International Festival Caledonia – Alistair Beatons neues Stück uraufgeführt

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Zürich/Schauspielhaus Zürich

Tanz des Hauens und Schlachtens

von Andreas Klaeui

Zürich, 28. Mai 2008. Während des Karnevals im stillen Tessiner Städtchen Locarno erschreckte eine dem Anschein nach ganz grundlose, einzig aus sich selbst heraus motivierte Prügelei Heranwachsender die Schweiz, bei der ein zufälliges Opfer zu Tode kam. Oder, anderes Beispiel: Im Programmheft der Zürcher Aufführung von "A Clockwork Orange" ist ein Anreißer des Schweizer Boulevardblatts "Blick" zitiert: "Kinder verprügeln ihre Eltern! Wegen Taschengeld, Ausgang, Internet". Und abermals fragt sich eine Öffentlichkeit: Was ist denn das? Was ist mit der "Jugend von heute"? 

Donnerstag, 29. Mai 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater an der Winkelwiese

Gute Seife, schlechte Seife

von Felizitas Ammann

Zürich, 5. März 2008. Eine gute Soap zeichnet sich dadurch aus, dass man jederzeit ein- und nur schwer wieder aussteigen kann. Ersteres ist bei Folge 4 von "Absolut Züri" ganz klar der Fall, letzteres insofern, als man durchaus Lust hat, wieder reinzuschauen. Und noch etwas gehört zu Seifenopern wie die Lügen, Missverständnisse und Intrigen: Dass ein grosses Team rasch und günstig produziert. Bei der Zürcher Theatersoap sind das nicht nur mehrere Theaterautoren (verstärkt durch den deutschen Fernsehprofi Patrick Schuckmann) und wechselnde Regisseure, die in jeweils drei Wochen eine Folge auf die Bühne stemmen. Für "Absolut Züri" haben gleich acht Spielstätten zusammengespannt, vom Theater am Neumarkt über den Club Kaufleuten bis zum Migros-Restaurant Limmatplatz.

Donnerstag, 06. März 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Bis dass der Tod euch scheidet

von Beat Mazenauer

Zürich, 6. Februar 2010. Ein Traum, den Tod zu überwinden. König Admet handelt sich mit den Göttern diese Option aus, unter einer Voraussetzung: Jemand anderer muss für ihn sterben. Doch weder Vater noch Mutter opfern ihr Leben, so dass Admets Gattin Alkestis für ihn in den Tod geht.

Samstag, 06. Februar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Warum geht er nicht an die Börse?

von Andreas Klaeui

Zürich, 1. November 2008. "Das ist aber ein schwieriges Stück. Ich bin mir nicht sicher, ob du das auch verstehen wirst", warnte mich eine respektlose Freundin. "Andorra", das Schweizer Lehrstück par excellence – durchgespielt und ausinterpretiert. Seit der Uraufführung 1961 am Zürcher Schauspielhaus war es auch an dieser Bühne manches Mal zu sehen, und es gibt kaum eine Schulklasse, die es nicht von der ersten bis zur letzten Szene durchgeackert und analysiert hätte. 

Samstag, 01. November 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Im Cocktailpartykerker

von Kaa Linder

Zürich, 26. März 2009. "Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich", heißt es bei Tolstoj zu Beginn von "Anna Karenina". Das Leitmotiv des 1000-seitigen Gesellschaftsromans aus dem Jahr 1875 nimmt das Ensemble am Theater Neumarkt zum Anlass, den heutigen, hyperindividualisierten Glücksanspruch zu hinterfragen. Gewiss wäre es verführerisch gewesen, die weltberühmte Lovestory in den Fleischwolf zu stecken und hemmungslos zu zerspielen. Regisseurin Barbara Weber beherrscht den Fleischwolf und macht genau das zum Glück nicht. Stattdessen nimmt sie Leo Tolstoj beim Wort und das Publikum drei Stunden lang in die Mangel.

Freitag, 27. März 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Der Hass der Diven und ihre Voyeure

von Simone von Büren

Zürich, 20. November 2009. Diven bewundert man für ihr Talent. Und man fürchtet sie wegen ihrer Launen und exzentrischen Allüren. Beispiele gibt es genug – vor allem aus Hollywood. Bette Davis und Joan Crawford etwa. Entsprechend anstrengend müssen 1962 die Dreharbeiten für Robert Aldrichs "What ever happened to Baby Jane" gewesen sein, in denen die beiden, die hinterher nie wieder gemeinsam im Film auftraten, Jane und Blanche Hudson verkörperten, zwei Schwestern, die den Rausch des Ruhms kennen: Jane wurde als Kinderstar "Baby Jane" gefeiert, dann von Blanche überflügelt, die aber in Folge eines mysteriösen Autounfalls im Rollstuhl landete und dadurch vollständig abhängig wird von Jane, die dem Alkohol verfallen und zunehmend unberechenbar geworden ist.

Samstag, 21. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Immer in die gleichen Fallen 

von Andreas Klaeui

Zürich, 14. November 2008. Schön kühl ist das und von einiger Eleganz. Des Gedankens wie der Form. Barbara Webers "Hair"-Panorama zur Eröffnung konnte – bei aller offensichtlichen Spiellust des Ensembles – im Neumarkt-Saal noch nicht die Direktheit und die Frische frühere "Unplugged"-Produktionen auf weniger großen, weniger etablierten Bühnen entfalten. Jetzt, auf der kleinen Bühne an der Chorgasse, stimmt alles prächtig zusammen. Barbara Weber versetzt Frischs Biografie-Spiel in zeitlose Modernität. Auch wenn das Setting auf die sechziger Jahre verweist, in der Ausstattung, in gelegentlichen Anspielungen, selbst ein wenig in der Spielweise.  

Samstag, 15. November 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Bilderbogen mit schwarzen Schafen

von Felizitas Ammann

Zürich, 7. November 2007. Nur ein einziges Rezept hat der Mentaltrainer für die angstgebeutelten Zürcherinnen und Zürcher: eine Art Turbo-Optimismus. Jedenfalls ist am Schluss das Glas nicht nur halb, sondern ganz voll. Davor sah und erlebte man knappe zwei Stunden lang verschiedenste Spielarten der Angst und was aus ihr so alles erwachsen kann. Und: einen entfesselten Fabian Hinrichs als Mentaltrainer, der über die Bühne fegt, Zuschauerinnen plagt und die Angst ein für allemal austreiben will.

Mittwoch, 07. November 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Was die Seele ist

von Charles Linsmayer

Zürich, 4. Dezember 2009. "Ich halt das nicht mehr aus. Warum müssen wir immer selbst lieben? Ich will, dass das endlich jemand anderer für mich macht. Ich will das nicht alles selber machen!" Martin Wuttke gibt Aussagen wie diese voller Entrüstung von sich und lässt sich von Carolin Conrads schnippischem "Du willst doch bloß deine Liebe zu mir an jemand anderen delegieren" nicht aus dem Konzept bringen. Er ist sich sicher: "Unsere intimsten Regungen können wir an andere delegieren. Ohne dass wir ein Problem damit haben. Da genau ist unsere Seele: Die Außenbeziehung des Körpers mit sich selbst!" Worauf die Partnerin, um Antworten nicht verlegen, kontert: "Das erlebe ich manchmal, wenn du mit anderen Körpern irgendwelche Außenbeziehungen pflegst: ich weiß dann, das ist meine Seele."

Samstag, 05. Dezember 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Weibsteufel in Silikon

von Andreas Klaeui

Zürich, 26. November 2009. Dass zwischenmenschliche Beziehungen im besten Falle auf einem Missverständnis beruhen, haben auf dem Theater schon andere dargelegt. Aber nicht viele so vernichtend klar – respektive klar vernichtend – und mit allen medien- und spektakeltheoretischen Wassern gewaschen wie Theo van Gogh 2003 in seinem Kammerspielfilm "Das Interview" (dessen Bühnenfassung von Stephan Lack nach dem Drehbuch 2006 in Frankfurt uraufgeführt wurde). Die Versuchsanordnung: Zwei Exponenten der Mediengesellschaft werden kurzgeschlossen. Es ist so ein bisschen wie das Kind mit der Steckdose: Man steckt zwei Drähte hinein und schaut, was dann passiert.

Donnerstag, 26. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Kurzer Weg vom Schatz zum Wortschatz

von Felizitas Ammann

Zürich, 20. Juni 2008. "Jetzt haben wir uns fast alles gesagt. Jetzt kennen wir unsere Tage im voraus. Und erkennen uns schon am Klang unseres Gangs. WAS KANN DENN JETZT NOCH KOMMEN?" Ja, was? Ein sehnsüchtiger Blick zurück? Das auch. Vor allem aber kommt Selbstreflexion und Selbstironie, Experiment und – unvermeidlich – Kunst. Weil sich Leidenschaft nach sieben langen Jahren Beziehung nicht einfach wieder herstellen lässt, helfen Anne und Johann ein bisschen nach: mit Streiten, mit Rollenspielen und damit, dass sie einen Film über sich und ihre Geschichte drehen. Kurz: Dass sie ihr Leben zur Kunst erklären.

Freitag, 20. Juni 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Kuscheln mit dem Boss

von Felizitas Ammann

Zürich, 2. Oktober 2008. Das Theater am Neumarkt, die Spielstätte in der Altstadt mit kleinem Saal und schmalem Budget, war in Zürich schon immer die Bühne fürs Experiment. Während der fulminanten Ära von Volker Hesse und Stephan Müller in den neunziger Jahren strahlte das Haus weit aus, danach war es ruhiger geworden.

Freitag, 03. Oktober 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Prometheus remixed

von Andreas Klaeui 

Zürich, 24. April 2008. Das Opfertier liegt zerstückelt am Bühnenboden. Teile eines prächtigen Stiers hat Bühnenbildner Peter Meier über ein Felsentrümmerfeld von Bühnenpodesten verteilt, Brust, Laffe, Haxen, Nuss, fachmännisch zerlegt, ganz wie es Zeus gefällt. Oder ist es am Ende der Göttervater selbst, der hier in Stücken liegt? Der ja bei Gelegenheit auch schon mal Stiergestalt annahm? Und dessen väterlicher Regentschaft sich Prometheus, aus dem älteren Göttergeschlecht der Titanen stammend, als Anwalt der Menschen nicht unterwerfen, dessen Autorität er schlachten wollte. Damit ist er allein auf weiter olympischer Flur. Ein Rebell unter lauter Anpassern.

Donnerstag, 24. April 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Kopfüber durch die Beine

von Andreas Klaeui

Zürich, 10. April 2010. Der Betonkubus der Zürcher Box im Schiffbau ist ein Atelier: ein Künstleratelier. Leinwände, Farbtöpfe und Pinsel, ein Rasterwerk am Boden, wie es Hodler über seine Zeichnungen legte, um sie auf monumentale Leinwände zu übertragen, dazu aber auch schon die museumstypischen Audioguides. Noch sind sie im Aufnahmemodus und werden von summenden Darstellern bespielt: mit dem "Bernermarsch", Appell zur kriegerischen Mobilmachung.

Samstag, 10. April 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Zahm, albern und durchgeknallt

von Andreas Klaeui

Zürich, 14. Januar 2010. Ist er zahm geworden? Bei allen exzessiv über mehr als fünf Stunden ausgebreiteten Castorfschen Formmerkmalen, beim ganzen Anspielungsreichtum, allen Ausschweifungen im freien Assoziieren, blitzartig erhellenden oder auch nur albernen Kurzschlüssen: Dieser Zürcher "Hofmeister" wirkt übers Ganze doch nur wie vom Blatt gespielt. Liegt es an der Vorlage, die in sich derart divergierend in tausend Teile zerbirst, dass jede Regieanstrengung sie nur mühsam zusammenzuhalten versuchen kann?

Freitag, 15. Januar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Tadellos möbliert

von Andreas Klaeui

Zürich, 22. Februar 2008. In der nüchternen Schiffbauhalle hängt ein geraffter Samtvorhang, so ein richtiger roter Theatervorhang wie aus dem 19. Jahrhundert. Wenn er sich öffnet, hübsch zur Seite hin drapiert, gibt er den Blick frei auf ein elegantes russisches Intérieur der 1860er Jahre, stilecht bis auf die elektrifizierten Leuchter, mit grünem Vestibül, rotem Salon, blauem Arbeitszimmer und Turquoise-Boudoir, dazu die dahinter liegenden Zimmer, alles in Damast und getäfelt, mit Braunbärfell am Boden und ausgestopftem Pfau auf dem Guéridon, mit frischgebackenen Blini auf dem Porzellanteller und Tee aus dem Messing-Samowar. Ein tadelloses Ameublement aus Dostojewskis Zeit: die Wohnung des Generals Jepantschin.  

Freitag, 22. Februar 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Zwischen Bahnhofstraße und Belmont

von Andreas Klaeui 

Zürich, 21. Februar 2008. Was gibt's Neues am Rialto? Vokuhila. Venedig trägt Langhaar in mannigfaltiger Variation. Mit Pomade hochgepimpt hat es Bassanio, im prächtigsten Vorn-kurz-hinten-lang frisiert sich Lancelot Gobbo, mit modischem Blondhaarpony trägt's der junge Lorenzo, etwas schütter schon ist es bei Antonio. Und ihm, dem Kaufmann von Venedig, dem melancholisch Liebenden, seinem Bassanio so Verfallenen, dass er für ihn gar ein Pfund Fleisch verpfändet, herauszuschneiden nah beim Herz, ihm gehört der erste Auftritt.

Donnerstag, 21. Februar 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Alles Samba, alles super und korrupt

von Christoph Fellmann

Zürich, 30. Oktober, 2009. Es herrscht ein unglaubliches und impertinentes Geschnorr in diesem Stück. Die Besatzung des Provinznests, in das Sebastian Nübling seinen "Revisor" verlegt und bei dem es sich sehr wohl auch um eine größere Stadt handeln könnte, ist geradezu begnadet darin, die Probleme labernd und lallend zu umkreisen. Aber was heißt hier die Probleme? Das Problem. Der Revisor nämlich, der, wie man hört, vor Ort ist, um den Maulaffen und Großkotzen, die sich die Korruptheit gegenseitig mit erlesener Öligkeit einmassieren, zur Abwechslung mal einen schönen Krampf zu bereiten. Und klar: je verkrampfter, desto lauter und größer reden sie.

Freitag, 30. Oktober 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Und wer bringt den Müll Gottes raus?

von Christoph Fellmann

Zürich, 21. Mai 2009. Mit den Wartesälen ist es ja so eine Sache. In der realen Welt sind das Orte, an denen Menschen auf den Zug oder auf den Flug warten. Im Theater ist der Wartesaal aber eine Metapher, in der Menschen auf ihr Leben warten. So auch hier, in der kleinen Nebenbühne des Theaters Neumarkt an der Zürcher Chorgasse.

Donnerstag, 21. Mai 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Geblöke vorm Alpenpanorama

von Andreas Klaeui 

Zürich, 13. Dezember 2007. Vor zehn Jahren in Paris zeigte die Grande Dame des märchenlichten Polittheaters, Ariane Mnouchkine, den Tartuffe in schwarzem Bart und Djellabah, bedrohlich sekundiert von sechs vor Glaubenseifer blitzenden Doppelgängern. Vorgestern in Bern hat das Schweizer Parlament den milliardenschweren Businessmann und rechtspopulistischen "Volkstribun" Christoph Blocher aus dem Bundesrat geworfen.

Freitag, 14. Dezember 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Börsen- und andere Bla-Bla-Blasen

von Andreas Klaeui

Zürich, 19. Juni 2010. Gut ist das Gegenteil von gründlich. Sebastian Baumgarten versetzt Jacques Offenbachs erstaunlich frische, erwartungsgemäß geistreiche Opéra-bouffe "Les Brigands" mit so viel zeitgeistigem Ferment und dramaturgischem Treibmittel, bis vor lauter Blasen weiter nichts zu sehen ist. Gegenstand der Offenbachiade – der Titel "Die Banditen" sagt es schon – ist die Finanzwelt.

Samstag, 19. Juni 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Alles nur gespielt

von Martin Kraft

Zürich, 14. Mai 2009. Der Spruch von der "zeitlosen Unverbindlichkeit der Klassiker" kann einem schon in den Sinn kommen. Die unbequemen Wahrheiten, die Brecht in seinem Erfolgsstück verkündet, sind zwar auch achtzig Jahre später unvermindert wahr. Aber ein heutiges Theaterpublikum vermögen sie sicher nicht mehr dermaßen zu provozieren wie jenes von damals. Aktuell sind sie freilich angesichts der heutigen Bankenkrise nicht minder; und das könnte die Versuchung nahelegen, das Werk in dieser Richtung tüchtig zu aktualisieren. "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" Scheint diese Frage nicht von heute sein?

 

Donnerstag, 14. Mai 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Der Herr Graf wagt ein Täzchen

von Andreas Klaeui

Zürich, 14. März 2009. Camus neu entdecken? Werner Düggelin scheint es im Moment zu wollen. Nachdem er erst im Herbst den Roman "Der Fremde" mit zwei Schauspielern auf die Bühne des Theaters Basel gebracht hat, inszeniert er nun schon wieder einen Camus im Zürcher Schauspielhaus: "Die Gerechten", das Stück aus dem Jahr 1949, in dem Albert Camus einen nach wie vor brisanten Stoff verhandelt, nämlich die Frage, wie gerecht Töten und Sterben um der Ideen willen sein könnte.

Sonntag, 15. März 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Smells like Teenspirit

von Charles Linsmayer

Zürich, 28. April 2009. "Du' s'isch geil gsi! – Ich han de Afang nöd checked!" Zwei Zürcher Schülerinnen diskutieren am Ausgang des Neumarkt-Theaters lebhaft, was sie gesehen haben. Gut die Hälfte der Premierenplätze war mit Vierzehn- bis Siebzehnjährigen besetzt, die die Aufführung teils mit Johlen und Kreischen, teils aber auch mit sichtlichem Befremden verfolgt haben. Denn für sie ist sie schliesslich gedacht, die Trans-Helvetia-Produktion "Die Leiden des jungen Werthers", die Anna-Sophie Mahler als Gemeinschaftswerk des Zürcher Theaters Neumarkt und des Théâtre Vidy, Lausanne, inszeniert hat und die in den nächsten Monaten in Theatern und Schulen der deutschen und französischen Schweiz auf Tournee gehen wird.

Dienstag, 28. April 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Einblick in den Brustkorb

von Andreas Klaeui

Zürich, 4. Oktober 2008. Es ist ja nicht davon auszugehen, dass sich George Bush II. in seiner Rede vom Kampf des Guten gegen das Böse bewusst war, dass er damit auf einen Topos des altiranischen Philosophen Zoroaster zurückgreift. Dennoch gleichen sich die Szenarien in gespenstischer Weise, bis hin zur versuchten Ehrenrettung des Vaters im erneuten Feldzug, und man sieht sich zur Feststellung genötigt, dass sich die Menschheit seit 480 v.u.Z. nicht groß verändert hat.

Samstag, 04. Oktober 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Wer hat Angst vorm Nagetier?

von Christoph Fellmann

Zürich, 19. Januar 2008. Der Gott des Gemetzels ist gross und überall. Wo immer die Menschen die Gelegenheit erhalten, ihre Neurosen hart aufeinander prallen zu lassen, in schäumenden Worten übereinander herzufallen und sich zu zerfleischen, werden sie es auch tun. So auch im vorliegenden Falle. Schauplatz ist eine schicke Wohnung in New York.

Samstag, 19. Januar 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theaterspektakel Zürich

Lachtraining unter Plastikpalmen

von Felizitas Ammann 

Zürich, 28. August 2007. "Jours Tranquilles", ruhige Tage, so nennt sich die Compagnie in bewusster Verdrehung der Tatsachen, denn seit bald zehn Jahren macht sie – je nach Deutungsart – mit kraftvollen bis geschmacklosen Abenden von sich reden. "Den Körper des Zuschauers genauso ansprechen wie seinen Kopf", das wollen die Lausanner und greifen dafür auch zu gewalttätigen Themen und viel Theaterblut. Schonungslose Identifikation ist ihr Ziel, bis sich der Zuschauer den eigenen Begierden und Leidenschaften gegenüber sieht. Oder wie Regisseur Fabrice Gorgerat es in seinen "notes d'intentions" formuliert, bis zum "Augenblick, in dem Bestie und Philosoph im Menschen ihre Kräfte messen". Das klingt nach Ideen aus den Sechzigern und Ästhetik aus den Achtzigern – tatsächlich aber vertritt die "Cie. Jours Tranquilles" eine junge Schweizer Theatergeneration.

Mittwoch, 29. August 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Wenn da nur nicht diese Menschen wären

von Christoph Fellmann

Zürich, 9. Januar 2010. Es ist einer der schönsten Momente in Franz Kafkas "Verwandlung": Der zum Käfer gewordene Gregor Samsa realisiert, was für ein utopisches Potenzial in dem steckt, was ihm da widerfahren ist. Eben war er noch ein fleissig kuschendes Arbeitstierchen unter der Fuchtel eines Provinzprokuristen. Jetzt nutzt er den Tag für ausgiebige Spaziergänge an den Zimmerwänden, und faul an der Decke hängend, verspürt er eine "fast glückliche Zerstreutheit".

Freitag, 08. Januar 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Alles über das Abwesende

von Felizitas Ammann

Zürich, 3. Juni 2008. Es ist die Abwesenheit, die den Abend prägt – nicht nur die bevorstehende Abwesenheit des Teams um Intendant Wolfgang Reiter, das sich mit dieser Produktion von Zürich verabschiedet. Ein großer Abwesender ist auch Händl Klaus, dessen "Dunkel lockende Welt" bereits vergangene Spielzeit wegen Krankheit gestrichen werden musste. Das Stück sollte nun die laufende Saison beenden – und die Proben mussten wiederum wegen Erkrankung einer Darstellerin abgebrochen werden.

Mittwoch, 04. Juni 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Arbeit Lohn Einsamkeit - und eine große Illusion

von Beat Mazenauer

Zürich, 7. Mai 2010. Gestern ist immer: besser, schöner, vertrauter. Seit 15 Jahren lebt Sándor in der Fremde. Er floh von zuhause, weil er seinen Vater erstochen hatte. "Gestern wehte ein Wind, den ich kannte", sinniert er mit poetischer Entrücktheit. Im Exil aber fehlt ihm der. Er arbeitet in einer Uhrenfabrik und trifft Landsleute. Den Samstag verbingt er mit Yolande. Arbeit, Lohn, Einsamkeit fasst er sein Leben bündig zusammen.

Freitag, 07. Mai 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theaterhaus Gessnerallee

Wenn Verfolger Verfolgern folgen

von Felizitas Ammann

Zürich, 17. Oktober 2007. Wer wen anschaut, das ist im Theater seit dem Fall der unsichtbaren vierten Wand längst nicht mehr klar. Diesen doppelten Blick macht nun die Zürcher Formation mikeska:plus:blendwerk um Regisseur Bernhard Mikeska und Ausstatter Dominic Huber zum Thema.

Mittwoch, 17. Oktober 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

40-Jahr-Feier gesammelter Widersprüche

von Felizitas Ammann

Zürich, 3. Oktober 2008. Das Zürcher Theater Neumarkt hat mit Rafael Sanchez und Barbara Weber eine Zweierintendanz erhalten. Entsprechend wird auch doppelt eröffnet: Beide Chefs steuern ein Stück bei, darin zu sehen ist je das halbe Ensemble (das aus zwei Österreichern, vier Deutschen und zwei Schweizern besteht) und ein paar Gäste. Die Ausstatterin Sara Giancane war sogar zweimal am Werk, und auch beim Perückenvorrat wird man an Grenzen gestossen sein. Nach dem 70er-Jahre-Inferno am ersten Abend steht am zweiten nämlich "Hair" an. Oder mit ganzem Namen: "Hair Story. Ein Stück mit Songs und unvermeidlichen Bezügen zum Musical von 1968."

Freitag, 03. Oktober 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Und wo bleibt die Haltung?

von Ariane von Graffenried

Zürich, 3. März 2007. Wer zum Teufel ist Hamlet? Ein sehnsüchtiger Zauderer? Ein irrer Grübler? Ein neurotischer Melancholiker? Oder gar ein philosophierender Terrorist? Das Regietheater hat ihn tausendmal gedeutet, ohne ihm aber jemals ganz auf die Schliche zu kommen.

Samstag, 03. März 2007 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Weltbild mit Locusta Migratoria

von Charles Linsmayer

Zürich, 19. September 2009. Es gibt wohl nichts und niemanden, aus dem Rimini Protokoll nicht ein theatralisches Spektakel machen könnten. In "Call Cutta" brachten sie Call-Center-Girls aus Bombay, in Airport-Kids verlorene Kinder aus aller Welt, in "Cargo Sofia-X" LKW-Fahrer aus Bulgarien, in "Das Kapital" Marx-Engels-Spezialisten aller Art, und im eben erst am Zürcher Theater-Spektakel gezeigten Radio Muezzin vier Gebetsrufer aus Kairo auf die Bühne.

Samstag, 19. September 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Gruppenbild mit Jahreszeiten

von Felizitas Ammann

Zürich, 25. April 2008. Die Vorgeschichte geht so: Jürgen Gosch inszenierte vor eineinhalb Jahren "Der Gott des Gemetzels" in Zürich, zu seiner Enttäuschung schon wieder auf der alten Pfauenbühne statt endlich in der wunderbaren Halle des Schiffbaus. So bat er Roland Schimmelpfennig, ihm ein Stück für Zürich zu schreiben, das nur im Schiffbau gespielt werden könne. Entstanden ist "Hier und Jetzt", ein Text über Liebe und Betrug, der eigentlich überall gespielt werden könnte, in den kahlen Raum des Schiffbaus aber ganz hervorragend passt.

Samstag, 26. April 2008 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Der Eine, der Andere, der Nebel

von Felizitas Ammann

Zürich, 22. Februar 2009. Es ist ein leiser Abschied von Zürich. Der künstlerische Direktor des Schauspielhauses, der im Sommer ans Wiener Burgtheater wechselt, präsentiert seine letzte Regiearbeit am Sonntagabend in der kleinen Halle des Schiffbaus. Gewählt hat Matthias Hartmann dafür ein Abschiedsstück: die deutschsprachige Erstaufführung von Jon Fosses "Ich bin der Wind".

Sonntag, 22. Februar 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Der Tod und das Mädchen aus der Standuhr

von Charles Linsmayer

Zürich, 13. November 2009. Aus dem Autorenlabor des Düsseldorfer Schauspielhauses ging unter anderem das Stück "Im Wald ist man nicht verabredet" der 1985 in Wolfhagen bei Kassel geborenen Anne Nather hervor. Thomas Jonigk, bis vor kurzem Leiter dieser Fördereinrichtung, ist inzwischen Autor und Dramaturg am Schauspielhaus Zürich geworden, und in der "Kammer" genannten Studiobühne dieses Hauses ist das Stück am 13. November nun auch zur Uraufführung gelangt. Jonigk begnügte sich allerdings mit der Dramaturgie und überliess die Regie Daniela Löffner.

Freitag, 13. November 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Kein Spiel auf hoher See

von Andreas Klaeui

Zürich, 17. Januar 2009. Kant auf dem falschen Dampfer. Ein Glück nur, dass auch Sunnyi Melles dabei war. Sie war Rettung in des Zuschauers Sehnot. "Immanuel Kant" spielt auf einem Schiff. Der Philosoph gleichen Namens befindet sich auf der Überfahrt nach New York. Dort soll er von der Columbia-Universität geehrt und von seinem Glaukom geheilt werden, "das Augenlicht / für das Licht der Vernunft".

 

Samstag, 17. Januar 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Schauspielhaus Zürich

Triumphmarsch der Mensch-Maschine

von Andreas Klaeui

Zürich, 11. Mai 2010. "Industry and Idleness" nannte der Kupferstecher William Hogarth eine seiner moralischen Bilderfolgen. Sie hat Heiner Goebbels zu einer Komposition und nun zu einem "Szenischen Konzert" in der aufgelassenen Industriearchitektur der Zürcher Schiffbau-Halle angeregt, in dem er fünf Ensemble-Kompositionen locker verknüpft und mit korrespondierenden Sprechtexten unterlegt, "Herakles" nach Heiner Müller, "La Jalousie" nach dem Nouveau Roman von Alain Robbe-Grillet, T. S. Eliots "Triumphal March" aus der Coriolan-Bearbeitung, ein Leporello der Waffenindustrie.

Montag, 10. Mai 2010 | Drucken | Report | Weiterlesen
Zürich/Theater Neumarkt Zürich

Die Mechanik der Entfremdung

von Andreas Klaeui

Zürich, 10. September 2009. Ausweichen kann man sich nicht auf der Oktoberfestwiese. Nicht in diesem abgeschlossenen Raum im Neumarktsaal: Auf flachen Stufen läuft er zu wuchtigen Rückwänden hin; wer einmal hier drin ist, wird sich wieder und wieder begegnen müssen, in der einen oder andern Konstellation – und das Schicksal nimmt seinen mitleidlosen Lauf. Beziehungsweise "die Liebe höret nimmer auf", wie es in "Kasimir und Karoline" etwas zynischer formuliert heisst: Sei es mit dem oder jenem, sie bleibt unerfüllt.

Donnerstag, 10. September 2009 | Drucken | Report | Weiterlesen


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