Mittwoch, 08. September 2010
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München

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München/Münchner Kammerspiele
Autor:Sabine Leucht

Sackgasse mit Gestrandeten

von Sabine Leucht

München, 28. März 2009. Es sind die Farben der Trikolore: Blau, Weiß und Rot. Drei Farben, in die Krzysztof Kieslowski zu Beginn der neunziger Jahre drei Filme getaucht hat – oder drei Menschen: Blau für Julie, die als einzige einen Autounfall überlebt, um ohne Mann und Tochter mit der ungewollten Freiheit zu kämpfen. Weiß für den Polen Karol, den seine französische Frau zum Teufel schickt, weil er in Paris tagsüber so viele Köpfe frisieren muss, dass sich nachts nichts mehr bei ihm regt. Und die Farbe Rot umhüllt zuletzt die junge Schweizerin Valentine, die einen alten, am Recht verzweifelten, selbst kriminell gewordenen Richter durch ihr Interesse wieder in einen Menschen verwandelt.

Samstag, 28. März 2009 | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel
Autor:Willibald Spatz

Im Suff mit zärtlichem Kern

von Willibald Spatz

München, 28. Mai 2009. Amerika im Zweiten Weltkrieg: eigenartige Situation – die Männer sind beim Kämpfen oder irgendwie anders weg oder dem Alkohol verfallen und taugen zu nichts, die Frauen müssen das zum Überleben Wesentliche regeln und werden dabei hart. Sie benutzen die Männer zu ihren Zwecken und lassen sie dann als Gefühlswracks im Präriesand liegen. Diese Umstände haben auch die Literatur damals geprägt. Eugene O’Neill wusste, wovon er schrieb, er hatte selbst eine Menge mitgemacht. Sein spätes Stück "Ein Mond für die Beladenen" spielt zwar im Jahr 1923 und verarbeitet den Alkohol-Tod des Bruders, spiegelt aber auch stark diese Kriegsstimmung seiner Entstehungszeit wider.

Freitag, 29. Mai 2009 | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele
Autor:Petra Hallmayer

Willkommen in der Tchibo-Welt

von Petra Hallmayer

München, 16. Januar 2010. Die goldenen Tage sind vorüber. Das Familienvermögen ist futsch und nachdem sie auch noch ihren Job als Lehrerin verloren hat, sucht Blanche Zuflucht bei ihrer Schwester Stella, die in New Orleans den polnischen Einwanderer Stanley Kowalski geheiratet hat. Wie wenig willkommen sie hier ist, wird in den Kammerspielen gleich zu Beginn überdeutlich. Während Stella (Katja Bürkle) in einem langen Intro mit ihren Freunden die von kahlen Sperrholzwänden umrahmten Zimmer einrichtet, findet sie in einer Tüte ein Tüllkleid von Blanche, brüllt "Raus!" und schleudert es weit von sich.

Sonntag, 17. Januar 2010 | Report | Weiterlesen
München/Münchner Kammerspiele
Autor:Petra Hallmayer

Bei Patchworks auf dem Sofa

von Petra Hallmayer

München, 25. September 2009. "Aus nächster Nähe betrachtet", meint Katja, "ist keine Familie normal." Die Familie, die die Autorin und Regisseurin Lola Arias bei der Uraufführung ihres jüngsten Stückes im Werkraum der Kammerspiele vorstellt, ist bereits auf den ersten Blick etwas Besonderes: Nachdem sich die Eltern der kleinen Lena getrennt hatten, verliebte sich ihre Mutter Katja in Silja. Weil die beiden sich noch ein Kind wünschten, sprang Lenas Vater als Samenspender ein, und so schenkte Silja ihr ein Brüderchen namens Moses.

 

Freitag, 25. September 2009 | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater
Autor:Sabine Leucht

Alles Blocksberg oder was?!

von Sabine Leucht

München, 2. Oktober 2008. Wenn dieser Abend ein Thema hat, dann ist es das Verschwinden von Sinn durch Tempo, Eile, ungestümes Weiterhecheln, einstmals auch "Fortschritt" genannt. "Der Sinn ist zu", räsonniert Faust, nachdem er seine Forscherkollegen verlassen hat, um statt eines Gummiballs an die Wand des Labors doch endlich ein paar Goethe-Zitate ins Publikum zu werfen. Er wird speziell diesen Satz noch so manches Mal sagen. Zusammen mit "Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan", hüllt er den Abend in die Zwangsjacke verzweifelter Geschäftigkeit.

Donnerstag, 02. Oktober 2008 | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel
Autor:Petra Hallmayer

Der Wolf frisst das schwächste Kind

von Petra Hallmayer

München, 20. Mai 2009. Schon Schopenhauer wusste, "dass der Mensch an Grausamkeit und Unerbittlichkeit keinem Tiger und keiner Hyäne nachsteht". Das führt uns Esteve Solers Stück "Gegen den Fortschritt", das im Marstall Premiere feierte, noch einmal eindringlich vor. Allein den Schopenhauer‘schen Glauben an die Zähmungkraft der "Civilisation" hat der Katalane Soler gründlich verloren, der in "sieben burlesken Szenen" die emotionalen Brutalisierungen und moralischen Krankheiten der Moderne ausstellt.

Mittwoch, 20. Mai 2009 | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel
Autor:Willibald Spatz

Saublödes System

von Willibald Spatz

München, 6. November 2007. Der Kapitalismus ist schlimm: Er reduziert die Menschen zu Konsummaschinen, er nimmt den Schwachen das Wenige, das sie haben, und beschenkt die Reichen. Aber er verliert seinen Schrecken ein bisschen, wenn man seinen Namen ausspricht.

Dienstag, 06. November 2007 | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel
Autor:Willibald Spatz

Der reinste Horror

von Willibald Spatz

München, 22. März 2009. Jede Neuinszenierung eines Sarah Kane-Stückes ist allein schon deswegen spannend, weil sie noch einmal erprobt, wie zeitlos die Texte dieser Dramatikerin wirklich sind, wie stark ihre Bilder und Worte nach Jahren noch sind, ob sie immer noch reinhauen. Schrecklich ist die Vorstellung, man hörte und sähe all das, was in "Gesäubert" vorkommt, und fühlte dabei nichts mehr als einen historisch gewordenen Drang, zu schocken und Konventionen von 1998 zu zerschmettern.

Sonntag, 22. März 2009 | Report | Weiterlesen
München/Bayerisches Staatsschauspiel
Autor:Willibald Spatz

Das Selbst und sein Double

von Willibald Spatz

München, 26. Oktober 2007. Stefan Hunstein spielt an sich herum, er wagt zwar zuerst nicht, sich zu berühren oder sich anzusprechen. Doch dann geht was: Er tippt sich mit dem Finger auf den Bauch und zuckt daraufhin zusammen. Stefan Hunstein hat ein Double und eine Puppe, die ihn darstellt, mit auf der Bühne: Er kann also eine Menge mit sich anstellen.

Samstag, 27. Oktober 2007 | Report | Weiterlesen
München/Münchner Volkstheater
Autor:Sabine Leucht

Hamlet-Maschine ohne Müller

von Sabine Leucht

München, 26. November 2009. Eine Rüstung schwebt heran und kracht zu Boden. Aus einer Kunstgras-Sode im Vordergrund von Alu Walters locker mit Holzterrassen-Inseln gesprenkelten Bühne ragt eine bleiche Hand. Und plötzlich ist er da: Michael Tregor, ein am ganzen mageren Körper weiß geschminktes Rumpelstilzchen.

 

Donnerstag, 26. November 2009 | Report | Weiterlesen


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