Montag, 20. Mai 2013

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München/Münchner Kammerspiele
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Verfluchte Liebe

von Petra Hallmayer

München, 12. März 2011. In leer gähnenden Türstöcken türmt sich der Sand, in dem ein gelber Kindereimer und eine Schaufel stecken. Neben einer auf dem Boden liegenden neuen Treppe ragt ein schräges Gerüst auf. Die Bühne ist eine Baustelle. Einen Übergangsraum zwischen Ab- und Aufbruch hat André Joosten in der Spielhalle der Kammerspiele eingerichtet, wo Marguerite Duras' "Agatha" Premiere feierte, die Geschichte der Liebe zwischen einem Bruder und seiner jüngeren Schwester, die sich in der verfallenen Villa ihrer Kindheit treffen und für immer voneinander Abschied nehmen.




Samstag, 12. März 2011 | Drucken | Report | weiter...
München/Münchner Kammerspiele

Der himmlische Rausch, der sich nicht einstellt

von Petra Hallmayer

München, 4. Dezember 2010. Im Hohelied Salomos glaubte Herder einst zu erkennen, "wie Liebe gesungen werden muss, einfältig, süß, zart, natürlich". Diesem Credo würde sich heute bloß noch die Schlagerindustrie anschließen. Jedes nicht völlig bildungsferne Kind weiß, dass die Liebe nicht nackt und unschuldig dem Herzen entspringt, sondern kulturellen und gesellschaftlichen Mustern folgt. Wirklich klüger hat uns das nicht gemacht. Die Seufzer sind nicht weniger tief und die Träume nicht kleiner geworden.




Samstag, 04. Dezember 2010 | 8 Bemerkungen | Drucken | Report | weiter ...
München/Münchner Kammerspiele
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Ihr Geisterlein kommet

von Petra Hallmayer

München, 15. April 2011. "Jesus! Jesus!", stößt eine Frau hyperventilierend hervor. Mit gefalteten Händen rutschen unheimliche Gestalten auf den Knien herein, robben sich voran und stürzen sich den Bühnenrand hinunter, eine Horde katholischer Lemminge. Dunkel bläst die Tuba und hell klingeln die Kuhglocken zur Einstimmung in Sebastian Nüblings Uraufführung des jüngsten Stückes von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel.




Freitag, 15. April 2011 | 8 Bemerkungen | Drucken | Report | weiter...
München/Münchner Kammerspiele

Jenseits der Nasenspitze

von Petra Hallmayer

München, 30. November 2008. Eigentlich ist es ja schön, wenn junge Autoren nicht nur um den Bauchnabel ihrer Generation kreisen. Der 1981 geborene Dramatiker John Birke, der mit Party- und Beziehungsdramen wie "Open End" und "pas de deux" bekannt wurde, wagt sich in seinem neuen Stück, das nun im Werkraum der Kammerspiele uraufgeführt wurde, an ein riesiges Themenfeld. Auf einer Spielfläche aus Kleiderspendenballen zeigt sich gleich zu Beginn eine Frau zu einer radikalen Tat entschlossen: Zur Verteidigung christlicher Werte will sie sich in einer Moschee in die Luft sprengen.




Sonntag, 30. November 2008 | Drucken | Report | weiter...
München/Münchner Kammerspiele
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Rache ist rot

von Sabine Leucht

München, 17. Dezember 2011. "Wir? Wir! Wir..." ist Agamemnons letztes Wort. Doch es gibt keinen, auf den dieses "Wir" sich noch beziehen könnte. Das Mädchen Kassandra in seinen Armen ist tot, seine Frau Klytämnestra hat ihm die Mühen der Schlacht schlecht vergolten, die er doch um der abendländischen Werte und des westlichen "Lebensstils" willen geführt hat. Und: um ein Volk zu "befreien" aus "Verknechtung, Willkür, Terror, Tyrannei". Ein Missverstandener bleibt alleine zurück, wenn Klytämnestra am Ende in Abwandlung des Mythos' nicht etwa den Vater tötet, der die Tochter für guten Wind hinschlachten ließ, sondern die von ihm eroberten Frauen - auf deren eigenen Wunsch! Und weil es kein "Wir" mehr gibt, ist der Sinn all dessen, was bis dahin in dessen Namen unternommen wurde, unwiderruflich dahin.




Samstag, 17. Dezember 2011 | 6 Bemerkungen | Drucken | Report | weiter ...
München/Münchner Kammerspiele

Bauer sucht Leben

von Cornelia Fiedler

München, 4. Mai 2013. Gewollte Authentizität bei gleichzeitiger Inhaltsarmut, das sind die Markenzeichen dessen, was Protagonisten aller Doku-Soaps von "Schwiegertochter gesucht" bis "Die Geissens" in jeder Lebenslage nachdrücklich in die Kamera sprechen. In diesen Duktus verfällt Thomas Schmauser an den Münchner Kammerspielen, wenn er als landflüchtiger Bauernsohn sein neues Leben in der Großstadt kommentiert: "Ich setze jetzt diese Arbeitsbrille auf, damit ich meine Arbeit gut sehen kann", erläutert er mit einer verunsicherten, umständlichen Wichtigkeit, die an Karl Valentin und Helge Schneider erinnert. Endlich habe er einen Job gefunden und sei nun "etwas angespannt", fährt er fort, will sichtlich an sich glauben – zumindest bis er sich beim Steineklopfen erst einen Finger abschlägt, dann zwei, dann die ganze Hand. In einem blutigen Slapstik versucht er verzweifelt, den Job trotz alledem zu halten, doch die eilig übergezogenen "I-love-München"-T-Shirts können weder Kunstblut noch Arbeitsunfähigkeit verbergen.




Samstag, 04. Mai 2013 | Drucken | Report | weiter ...
München/Münchner Kammerspiele

Politpop der Sechziger neu besichtigt

von Petra Hallmayer

München, 11. Februar 2010. Bonnie (Sylvana Krappatsch) räkelt sich gelangweilt in einem weißen Minikleid und schwarzen Glitzerstiefletten und zündet sich mit einer Pistole eine Zigarette an, während Clyde (Oliver Mallison) in Faschingsräuberposen um ihre Aufmerksamkeit buhlt. Die Beiden, die sich da auf der Bühne so pseudocool aufspielen, wissen von Anbeginn, dass sie Filmgeschichte schreiben werden. "Das ist ein totales Gangsteroadmovie", erklärt er später, nachdem sie ihm gefolgt ist auf den großen Abenteuerspielplatz jenseits des Gesetzes.




Donnerstag, 11. Februar 2010 | 3 Bemerkungen | Drucken | Report | weiter ...
München/Münchner Kammerspiele

Wärme kann der Mensch nicht sehen

von Petra Hallmayer

München, 23. Januar 2009. Es ist klirrend kalt in Bulbus. Die Menschen können einander nicht berühren. Wie in Eisblöcke sind sie in weiß beschlagene Telefonzellen gesperrt, die von Holzscheiten bedeckt sind. Anja Hillings "Bulbus" entführt in ein der Zeit entrücktes Dorf, in dem Badeöfen und Kaffeemühlen darauf warten, repariert zu werden.




Freitag, 23. Januar 2009 | 4 Bemerkungen | Drucken | Report | weiter...
München/Münchner Kammerspiele

Viel flüchtig Gutes

von Willibald Spatz 

München, 29. September 2007. Es gibt viel zu viele Theaterstücke. Und es gibt kaum schlechte Theaterstücke, weil in jedem einzelnen ein Mensch mit seinen Gedanken, mit dem, was ihn beschäftigt, steckt. Deshalb ist es schwer für die Theater, den richtig guten halbwegs gerecht zu werden und dem Publikum zu zeigen, was aufregend ist an der aktuellen Dramatik. Die Kammerspiele pflegen zu diesem Zweck das jährliche "Wochenende der jungen Dramatiker", dessen Hauptabend zweigeteilt ist.




Samstag, 29. September 2007 | 2 Bemerkungen | Drucken | Report | weiter...
München/Münchner Kammerspiele

Spiele und Brot

von Michael Stadler

München, 6. Oktober 2012. Raskolnikow! Von diesem verarmten Jura-Studenten, diesem größenwahnsinnigen Geist, der sich berechtigt fühlt, in Sankt Petersburg einen Mord zu begehen, was er dann auch tut, im Doppelpack, woraufhin ihn ein Fieber erfasst, er sich mit einem Ermittler im philosophisch-juristischen Streit misst, um dann doch, motiviert von einer geliebten Prostituierten, seine Schuld zu gestehen, ja, zu sühnen! – von diesem Helden findet sich in der Spielhalle der Kammerspiele erst mal keine Spur.




Samstag, 06. Oktober 2012 | 1 Bemerkung | Drucken | Report | weiter...

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