Montag, 24. November 2014

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Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? – Wengenroths Theatertheorie nach Schiller

Clubsounds grooven sanft. Eidinger zieht seinen Hintern blank, hockt sich rücklings zum Publikum, mitten auf den Pastahaufen, und spricht privatim den Selbstekelmonolog von Franz Moor, Schillers Schurke mit den Hottentottenaugen. Vom Essnapf oder Nachttopf begehrte der Knabe Franz auf: Liebt euren After und stülpt diese gottvatergegebene Welt gegen ihren rechten Sinn! Euer Spiel soll schmutzig sein!

Selbstvergewisserung entlang des Kanons

Diese kleine Szene gegen Ende der Aufführung ist ein Glanzlicht eines an Glanzlichtern reichen Theatertheorie- und Trashabends, den Patrick Wengenroth mit Friedrich Schiller der Schaubühne entfacht. Es ist eine Selbstvergewisserung entlang der kanonischen Rede "Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?" Mit Augenzwinkern befragt sich das Haus am Lehniner Platz, wenn Wengenroth eingangs das politische Manifest verliest, mit dem die Schaubühne anno 2000 den Amtsantritt von Intendant Thomas Ostermeier beging.

Voll Understatement hebt die Runde an. An einem langen Tisch, der mit Stechäpfeln (Schillers Ersatzdroge), einem Schädel (vermutlich der Schillers, von Goethes Schreibtisch entwendet) sowie Dunkin' Donuts und Red Bull (eher unklassisch) bedeckt ist, nehmen Wengenroths fünf Mannen Platz: Thomas Bading, Niels Bormann, Lars Eidinger, Ulrich Hoppe, Felix Römer. Spröde eröffnen sie den Schaubühnen-Aufsatz. Es knarrt beträchtlich im Gebälk der Schillerschen Perioden. Soll man langsamer lesen, kommen auch alle mit? Immerhin hat das Publikum einen Textausdruck auf dem Schoß.

Satirisch und durchaus mit Schillers Einverständnis
Als erster befreit sich Ulrich Hoppe aus dieser Lesung und improvisiert eine Erinnerung an seine Schauspielschulzeit: Wie ich einmal Karl Moor als Ente anlegte – mit sanft wiegendem Gang, die Ellenbogen angezogen. Die ersten Lacher kullern. Von da an wechseln sich Schiller-Passagen, angeschrägte Performanceeinlagen und gelegentliche Schlagerlieder (von Elektroorganist Matze Kloppe untermalt) ab. Und die zweite Stimme verschafft sich Gehör: Niels Bormann ist Daniel Kehlmann und steuert mit der besagten Salzburger Rede seinen Part zur hiesigen Berlinerischen Dramaturgie bei.

Aus Kehlmanns Sommerpetitesse bezieht Wengenroths Theater jene Art von Glutkern, der es schon zu Zeiten seiner "Planet Porno"-Reihe stets entzündete. Wengenroth lebt vom feuilletonistischen Anlass, er braucht konservative Eiferer, um sein satirisches Potential vollends entfalten zu können. In diesem Fall tritt die genussvolle Dekonstruktion durchaus mit Schillers Einverständnis auf: "Mein Verzeichnis von Bösewichtern wird mit jedem Tage, den ich älter werde, kürzer, und mein Register von Toren vollzähliger und länger."

Und der Kristallluster liegt auf halb Acht
Bormann gibt den Toren Kehlmann verzärtelt und zögernd, am Rande der Weinerlichkeit. Er hängt am Rockzipfel seines Regievaters – und einiger anderer. Immer wieder muss er sich von seinem vermeintlichen Gewährsmann Max Reinhard (Thomas Bading) mit Thesen zum Schauspielertheater bevormunden lassen. In Anlehnung an Kehlmanns Traditionalismus gibt Lars Eidinger einen Franz Moor im historischen Kostüm: gespenstisch, mit künstlichem Gebiss und hohem Gutturalton. Wenn Eidinger später auf dem Spaghetti-Nachttopf seine anale Phase wiedererweckt, rundet sich die Kehlmannkritik vollends zur Psychosatire auf einen verspannten Sohn ab.

Wie betrüblich für den Hüter deutscher Geisteskultur, gerade mit Schillers Dramaturgie widerlegt zu werden! Wengenroths schnelle Theatereingreiftruppe feiert das kindlich-kindische Spiel und hält es dem Epigonen einer falsch verstandenen Klassik entgegen. Der Spott gilt einem, in den Worten Schillers (und in Wengenroths Deutung), "unglücklichen Schlachtopfer vernachlässigter Erziehung". Entsprechend kläglich auf halb Acht liegt ein riesiger Kristallluster auf der Bühne von Mascha Mazur, ein Kristallluster wie der, der dem Romancier, laut eigenem Bekunden, sein erstes und bis heute intensivstes Theatererlebnis bescherte – in einem menschenleeren Bühnenraum.

Nicht Leere, sondern Fülle feiert Wengenroths Theater. Es ist trashig, bunt, schnulzig, komisch, auch hämisch. Und es assoziiert geistreich, entlang der dünnen Scheidelinie zum Insiderwitz. Für November und Dezember sind zwei weitere Teile dieser Schaubühnen-Serie angekündigt, noch ohne nähere Spezifikationen. Wer immer also in der Zwischenzeit eine Feuilletondebatte anstößt, darf hoffen (oder befürchten!) bei Wengenroth zum theatralen Ereignis aufzusteigen.

Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?
von Patrick Wengenroth nach Friedrich Schiller
Realisation: Patrick Wengenroth, Bühne: Mascha Mazur, Kostüme: Ulrike Gutbrod, Musik: Matze Kloppe.
Mit: Thomas Bading, Niels Bormann, Lars Eidinger, Ulrich Hoppe, Felix Römer, Patrick Wengenroth und Matze Kloppe (Musik).

www.schaubuehne.de


Mehr zu Patrick Wengenroth: Am Berliner HAU hat er sich im Dezember 2008 mit Rainald Goetz befasst und dessen Festung inszeniert. Und im November 2009 kam an der Schaubühne der zweite Teil seiner Schiller-Erkundung heraus.

Mehr zu Daniel Kehlmann: seine Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele hat auch im nachtkritik-Forum für Diskussionen gesorgt.

Kritikenrundschau

Was im Format der Leseprobe daherkommt, entpuppt sich als locker-flockige Fingerübung in permanenter Dekonstruktion, schreibt Anne Peter in der taz Berlin (17.9.2009). "Der Abend nimmt en passant auch den Furor aufs Korn, mit der Kritiker und Theaterwelt auf die Rede Kehlmanns reagierten." Den Widerspruch etwa, dass Kehlmann als Kronzeugen seiner Kritik am Regietheater ausgerechnet dessen ersten Protagonisten Max Reinhardt ins Feld führt, "macht Thomas Bading einleuchtender anschaulich als jeder Kritiker, indem er dem Bormann-Daniel beständig mit Reinhardt-Reden dazwischenquatscht." Indem die Schaubühne jetzt den zuverlässig respektlos Texte mixenden Wengenroth mit der Schiller-, Schaubühnen-, und also Selbstverwurstungsserie betraut, zeigt sie bemerkenswerten Mut zur Selbstironie. "Endlich mal eine Bewusstwerdungsarbeit der erfrischend anderen Art."

Wengenroth tut etwas so Einfaches wie Entlarvendes, findet Dirk Pilz in der Berliner Zeitung (17.9.2009). "Er wendet Schiller gegen Kehlmann, indem er Schiller ernst und Kehlmann beim Wort nimmt: Kehlmann schwärmt von Inszenierungen in historischen Kostümen, also tritt Lars Eidinger in Schiller-Original-Outfit auf und trägt den Franz-Moor-Monolog aus den 'Räubern' vor. Im hohen Ton, mit angeklebten Ohren und Topfperücke. Zum Niederknien." Dieser kurzweilige Unterricht über das Gegenwartstheater, Teil eins eines dreiteiligen Wegweisers durch das bürgerliche Leben, reiße allem Ernst und jeder Theaterdebatte die Maske herunter. "Und er nimmt sich nicht aus: sitzt selbst mit auf der Bühne, veralbert auch sein eigenes Theater der Edel-Blödelei. Die Inszenierung bezieht keine Position und kann sich deshalb über alles lustig machen. Schiller in Kostüm, Schiller mit Spaghetti, Schiller bei Wengenroth: Es ist immer herrlich doof und pfiffig zugleich, voller Anspielungen, Insider- und Running Gags. Eine leichthändische Bühnen-Comedy wie sie vergnüglicher nicht sein könnte."

"Lässt man die Virtuosität mal beiseite, springt doch ein gehöriges Stück Eitelkeit aus Wengenroths Inszenierung heraus: ein satirisches Geplänkel über hohen Anspruch und theatrale Wahrnehmung", so Peter Hans Göpfert in der Berliner Morgenpost (17.9.2009). Die heutige Schaubühne präsentiere sich hier als höherer Ideale entkleidetes Institut. "Dieses szenische Capriccio, bei dem sich die Spieler mitunter selbst am besten amüsieren, zielt dann doch mehr auf den schnellen Spaß, ohne dass sich Kurzweil mit Bildung gatten würde. Das Vergnügen geht hier auf Kosten des Ganzen. Und ob das Konzept noch weitere Folgen tragen wird, bleibt abzuwarten."

 




Kommentare (66)

1. Wengenroth an der Schaubühne: Zitat der Saison
mist, da war er wohl der erste ;-)
bin mal gespannt, wie oft der spaghettiteller in 2009/10 noch zitiert werden wird!
carbonara , 16. September 2009 - 08:38 Uhr
2. Wengenroths Schaubühne: mehr Spaghettiabende
Nach theaterwissenschaftlichen Recherchen habe ich bis jetzt nur folgende Spaghettiabende gefunden: "Der Sturm", Theater Basel, Regie: Stefan Bachmann, "Warten auf Godot", Theater Dortmund, Regie:Philipp Preuss, "Nachtasyl", Theater Riga (!), Regie:Alvis Hermanis. Kennt jemand Castorfinszenierungen mit Spaghetti oder andere Abende mit Spaghetti (Gosch, Marthaler, Schlingensief usw.) ? Bräuchte dringend weitere Beispiele für meine Semesterarbeit.
Rigatoni , 16. September 2009 - 12:18 Uhr
3. Wengenroths Schaubühne: auch Falk Richter?
@ Rigatoni: Also, letztes Jahr beim "Tanz im August" haben zwei junge Franzosen was davon erzählt, dass Falk Richter "Körper" inszeniert habe und dabei auch "Spaghetti auf dem Körper" vorkamen. Vielleicht haben die da aber auch irgendwie was falsch verstanden, keine Ahnung. Ich hoffe, mein Recherchehinweis hilft dir weiter.
Jeanne d'Arc , 16. September 2009 - 13:15 Uhr
4. Wengenroths Schaubühne: Spaghetti-Schlacht in Köln
hey rigatoni,

Troilus und Cressida von Marc Günther inszeniert. 2003 oder 2004 am Schauspiel Köln. Da wurde auch mit Spaghetti geworfen und eine Schlacht betrieben...
Parsifals Schwester , 16. September 2009 - 13:45 Uhr
5. Wengenroths Schaubühne: die Väter aller Spaghettiszenen
Eine beeindruckende Spaghettiszene, sozusagen die Mutter aller Spaghettiszenen, bieten Jack Lemmon und Walther Matthau in "The odd couple". Regisseure, ausgewiesene Experten der Zweitverwertung, nähren sich ja bekanntlich aus ihren Film- und Fernseherlebnissen.
MfG
Bochum hilft , 16. September 2009 - 13:49 Uhr
6. Wengenroths Schaubühne: Lears Spaghettimahl
Und in Kassel hat, unter der Intendanz von Christoph Nix, ein verwirrter König Lear auch mal Spaghetti gegessen. Unter der Regie von Katja Paryla, wenn ich mich recht erinnere.
al dente , 16. September 2009 - 13:57 Uhr
7. Wengenroths Schaubühne: noch mehr Spaghetti
aber die schönsten spaghettiszenen gibts immer noch zu hause...
carbonara , 16. September 2009 - 14:45 Uhr
8. Wengenroths Schaubühne: sogar Andrea Breth!
Was Herr Kehlmann wohl dazu sagt: Sogar in Andrea Breths Akademietheaterinszenierung von Edward Albees "Die Ziege" durfte (oder musste) Corinna Kirchhoff wie wild Spaghetti aus einer Schüssel fressen - man muss es wirklich so sagen -, nachdem Sie ihrem Mann die von ihr getötete Ziege in den Schoß gelegt hat.
Andrea Breth hilf! , 16. September 2009 - 15:11 Uhr
9. Wengenroths Schaubühne: immer nur Kartoffelsalat
Bei Castorf gabs nie Spaghetti, immer nur Kartoffelsalat! Bitte genau bleiben bei einem so wichtigen Thema! Aber vielleicht hat Kehlmann ja Spaghetti mit Kartoffeln verwechselt, ein wenig weltfremd scheint er ja zu sein...
Bientje , 16. September 2009 - 15:24 Uhr
10. Wengenroths Schaubühne: Hauptsache Beilagen
In Castorfs "Heinrich VI." gab's mal Spaghetti. Ansonsten aber gilt's vermutlich pars pro toto: Spaghetti oder Kartoffelsalat? Hauptsache Beilagen.
Heintje , 16. September 2009 - 15:59 Uhr
11. Wengenroths Schaubühne: Spaghetti im großen Stil
gab es nicht mal ein pulcinella choreographie, in der im großen stil spaghetti gekocht wurde?
pulcinella , 16. September 2009 - 16:27 Uhr
12. Wengennroths Schaubühne: die Spaghetti-Urszene
hat nicht Augusto Boal, bevor er zum sozialen und unsichtbaren theater kam, also vor etwa 145 000 jahren, eine truppe schauspieler an einem langen tisch auf der bühne versammelt und nachdem der saal mit publikum gefüllt war, die türen verschließen lassen und dann begannen die schauspieler die zuschauer mit spaghetti und! tomatensoße zu bewerfen...? ist das vielleicht die urszene des "spagetti - nun ja - theaters"? Ob auch gegessen wurde ...?
putanesca , 16. September 2009 - 17:04 Uhr
13. Wengenroths Schaubühne: und Blutwurst!
....Nur der Vollständigkeit halber: Troilus und cressida von marc günther, in köln, war 2007! Spaghetti und Blutwurst... Tonnenweise !!!
spaghettikorrektur , 16. September 2009 - 17:44 Uhr
14. Wengenroths Schaubühne: auch in Frankfurt
ich habe eine schauspielfrankfurter aufführung vor zwei jahren gesehen, wo mit spaghetti geschlachtet wurde.

langweilig
spaghetti , 16. September 2009 - 18:00 Uhr
15. Wengenroths Schaubühne: Spaghetti bei Berlin in Aachen
Truffaldino erstickte am Schluß im "Diener zweier Herren"
Von Goldoni an einer riesengroßen Schüssel Spaghetti.
Inszenierung:Uwe-Dag Berlin 2001 in Aachen
Ede , 16. September 2009 - 18:23 Uhr
16. Wengenroths Schaubühne: Gnocchi
@bientje: das wären dann gnocchi !
bolognese , 16. September 2009 - 18:35 Uhr
17. Wengenroths Schaubühne: Nudeln im Abseits
wow, 13x mal nudeln und 13x völlig abseits der inszenierung selbst.
glückwunsch.
agnes , 16. September 2009 - 19:21 Uhr
18. Wengenroths Schaubühne: Reinhardt Schuld an Spaghettimania
Ach was, Aachen, das hat der Berlin doch von Max Reinhardt abgekupfert. Insofern überhaupt sehr merkwürdig, dass Kehlmann sich über Spaghetti-Esserei aufregt - wo sein Idol die Spaghettimania doch mit vorangetrieben hat.
gnocchi , 16. September 2009 - 20:34 Uhr
19. Wengenroths Schaubühne: Archaische Pastahaufen
Es ist festzustellen, dass es zwei Gruppen an Theaterspaghettistilen gibt: Den Spaghettihaufenregisseur und den Spaghettischüsselregisseur. Interessant wäre es festzustellen, wann die Spaghetti die zivilisierte Form der Keramik hinter sich gelassen haben und als formloses, archaisches Material auf die Bühne drängten.
Puttanesca , 16. September 2009 - 21:36 Uhr
20. Wengenroths Schaubühne: Reinhardtnudeln, Regietheaterspaghetti?
Woran erkenne ich, ob es Reinhardt-Nudeln oder Regietheater-Spaghetti sind? Sind die giftig? Und wieso mauert Castorf gegenüber den Spaghetti und wendet sich stattdessen dem Kartoffelsalat zu?
arrabiata , 16. September 2009 - 21:49 Uhr
21. Wengenroths Schaubühne: vor dem Theater
mir fällt gerade auf, dass ich häufig vor meinem theaterbesuch spaghetti esse, und manchmal auch danach.

hat das vielleicht etwas mit der zahl 23 zu tun?
spaghetti 2009 , 17. September 2009 - 01:17 Uhr
22. Wengenroths Schaubühne: Verschwörung der Pastaindustrie
das ganze ist doch nur eine verschwörung der pastaindustrie, um über das regietheater wieder die verkäufe in deutschland anzukurbeln.
carbonara , 17. September 2009 - 09:16 Uhr
23. Wengenroths Schaubühne: lebensnotwendiges Warmgericht
mir geht es wie spaghetti 2009. auch ich ertappe mich des öfteren beim schnellen spaghetti-essen vor oder nach dem theater. die gemeine nudel ist ja wohl eines der am schnellsten zubereiteten warm-gerichte und insofern geradezu lebensnotwendig für den passionierten theatergänger, der die abende außer haus verbringt und fürs essen und kochen nur ein minimum aufbringen kann. der zusammenhang ist also mehr als purer zufall. theater und spaghetti, das ist getrennt überhaupt nicht zu denken!
tagliatelle , 17. September 2009 - 10:35 Uhr
24. Wengenroths Schaubühne: sponsoring
das steht höchstwahrscheinlich im zusammenhang mit dem mafiösen spex sponsoring durch die nudelindustrie. de gecco sponsert spex, das muss man sich mal auf der zunge zergehen lassen.
tagliatelle , 17. September 2009 - 10:58 Uhr
25. Wengenroths Schaubühne: Multifunktionsdings
Hallo ihr Witzbolde, ich hab auch welche gesehen, gegessen und sogar damit geworfen, ich bin drin getaucht, hab Seilspringen mit ihnen geübt und E-Mails damit geschrieben - jetzt bin ich frei. Meine Tante sagt immer: irgendwann kapierst du's, und so ist es, ich hab es endlich verstanden - am Mittwoch, ist es dann so weit, klar, aber ihr werdet nicht dabei sein, so sieht's aus!
itteghgaps , 17. September 2009 - 11:36 Uhr
26. Wengenroths Schaubühne: 3:1 für Wengenroth
@nachtkritik. die "meinungen teilen sich" über diesen abend? ich seh n klares 3:1 für wengenroth. zska moskau kann ja nach der 1:3 niederlage in wolfsburg auch nicht behaupten, dass es unentschieden ausging, nur weil sie ein tor geschossen haben.
einen reingenudelt , 17. September 2009 - 16:30 Uhr
27. Wengenroths Schaubühne: Punkte eintragen?
wo kann ich die Punkte denn eintragen? Und wie viele gibt's, bei Sieg ja normal 3, gut, aber in was für einer Liga, war das auch champions league? Angelika sagte, Liga gibt's nur ideell und Nanni meint, Schaubühne wäre halt schon lange zweite Liga und kämpft immer um einen Aufstiegsplatz, auch ideell gesprochen.
toby , 17. September 2009 - 16:48 Uhr
28. Wengenroths Schaubühne: Scheißspiel
@reingenudelt: aber man kann schon sagen, daß es insgesamt ein scheißspiel war.
Luzie Englisch , 17. September 2009 - 17:01 Uhr
29. Wengenroths Schaubühne: Aktueller Platz 1 in Berlin
@28. wer sagt, dass es ein scheißspiel war? sie? die kritiker? kann ich nicht finden. oder meinen sie die fußballpartie?
@27. die übrigen berliner auftaktpremieren angeschaut, einigen wir uns auf: einstweilen tabellenführung? in welcher liga können sie bestimmen.
reingenudelt , 18. September 2009 - 14:41 Uhr
30. Wengenroths Schaubühne: bei der Aufstiegsparty dabei
ich esse keine Spagetti, weil die Krebs erzeugen, genauso wie Zucker, und wo ich hingehe ist immer alles gut! Ich war auch schon mal auf dem ersten Platz, ist ein gutes Gefühl, ein richtig gutes Gefühl. Das kommt sogar in Fernsehserien vor,:) achtet mal drauf, genauso habe ich auch schon gelächelt. Herzlichen Glückwunsch, bei der Aufstiegsparty bin ich dabei.
Chantal Gut , 19. September 2009 - 12:29 Uhr
31. Wengenroths Schaubühne: Scham und Beschämung
@ Luzie Englisch: Scheißspiel, sehr aufschlussreich, diese doppelte Deutung.
Trotzdem, was ich an diesem Abend als spannend empfunden habe, war Folgendes: Hier wurde aufgezeigt, dass man sich als Schauspieler (und natürlich auch im Alltagsleben) der eigenen Scham aussetzen und mit ihr arbeiten kann, indem man die Schamgrenze AKTIV und lustvoll (Arsch im Spaghettiteller ;) überschreitet und sich danach wieder davon zurückzieht. Das Ganze war für mich ein Experiment, mit welchem die Bedingungen von Scham und Beschämung sozial verhandelt werden, und das im Kontext der Widerlegung der Kehlmann-Rede durch die theoretische und praktische Aneignung und Anwendung der Gedanken zum Nationaltheater von Schiller. Hier setzen sich doch alle Beteiligten/Performer irgendwie aufs Spiel, schon allein durch diese peinlich verkitschten und gerade deswegen so liebenswerten Gesangseinlagen. Ja, die Würde des Menschen ist antastbar. Und gerade darin liegt auch eine unsagbare Schönheit. Es kommt drauf an, mit der Schamlosigkeit zu SPIELEN.
Jeanne d'Arc , 19. September 2009 - 13:39 Uhr
32. Wengenroths Schaubühne: sozial schämen für Bezahlung
könnte man sich auch hier im Forum schämen? Vielleicht erklärt das einige der Beiträge hier, aber halt! Müsste man um sich richtig schämen zu können nicht auch zu erkennen geben? Der Schauspieler auf der Bühne, den der Zuschauer kennt, darf sich bezahlter maßen schämen und sich so sozial verhandeln lassen, aber der anonyme Schreiber kann sich immer nur ganz asozial für sich allein schämen. Auch der Zuschauer und Leser bleibt anonym, und schämt sich asozial. Sozial schämen für Bezahlung - interessantes Berufsbild. Gebe zu, ich schäme mich auch, sehr sogar, aber auch lieber allein und für mich.
Peter Nabel , 19. September 2009 - 18:05 Uhr
33. Wengenroths Schaubühne: Beschämung ist Machtausübung
@ Peter Nabel: Es ging nicht darum, sich für die soziale Scham als Berufsbild bezahlen zu lassen. Es ging um das selbstbestimmte SPIEL mit der Scham auf der Theaterbühne, weil nur dort mit der Scham GESPIELT werden kann. Nach Hans-Thies Lehmann ist Scham ein Spiel von "Verhüllung und Entbergung, Verkleiden und Zeigen, Verrätselung und Offenbarung". Ausserhalb dieses KUNST-Rahmens ist Scham dagegen nach Jens Roselt "ein probates Mittel der Kontrolle und Regulierung. Unser Leben hat werbespottauglich zu sein. [...] Wer diesen Vorstellungen nicht entspricht, muss sich selbst an den Pranger stellen: Fette im Fitneßstudio. Arbeitslose im Autohaus. Für jeden Dummen findet sich eine Talkshow. Freiheit heißt: Wer die Norm nicht erreicht, ist selber schuld. Der Beschämte beweist seine Unterlegenheit und akzeptiert gleichzeitig die Machtverhältnisse, die ihn unterlegen machen." Beschämung ist eine MACHTAUSÜBUNG, die Ungleichheit reproduziert. Nach genau diesem Prinzip funktionieren übrigens auch diverse TV-Formate wie zum Beispiel DSDS, worauf diese Performance möglicherweise auch angespielt hat.
Jeanne d'Arc , 19. September 2009 - 21:05 Uhr
34. Wengenroths Schaubühne: gute und ungute Scham
Ja wieso gibt es denn diese hübsche Differenz zwischen Spiel und Nicht Spiel? Denn demnach gibt es eine Gute und eine Ungute Scham. Wer professionell gut mit der Scham spielt ist top, und wer sich abseits der Bühne schlecht schämt, hat verpeilt und ist ein unterdrückter Verlierer?
Peter Nabel , 20. September 2009 - 14:45 Uhr
35. Wengenroths Schaubühne: ne, ne, fad
Scham, wo denn, da hat sich niemand spielerisch geschämt. und es wurde auch nicht mit der Scham gespielt, sondern nur Klischees erfüllt, die einem schon lange zum Hals raus hängen. Langweilig, angestrengt, dümmlich, getuig, für Leute die sich freuen wenn sie was vermeintlich aufmüpfiges gesehen haben, nach dem Motto, mir gefällt wenn etwas krass wird. ne, ne fad, fad!
gundi , 20. September 2009 - 15:13 Uhr
36. Wengenroths Schaubühne: siehe Dieter Bohlen
@ Peter Nabel: Weil innerhalb des Theaterraums andere Gesetze greifen als ausserhalb des Theaterraums. Wer die Grenze des verabredeten SPIELS überschreitet, der macht sich strafbar, so einfach ist das. Der kreative Umgang mit der Scham auf der Bühne ist ein SELBSTGEWÄHLTER. Im Lebensalltag dagegen ist die Scham (meist) nicht selbstgewählt, sondern eine erzwungene Wahl. In dem Zusammenhang geht es nach Jens Roselt zum Beispiel auch um folgendes Phänomen, dass der mit Scham Behaftete peinlich genau darauf achtet, dass es immer auch Versager gibt, die schlechter sind als er selbst bzw. die er beschämen kann, um damit die eigene Überlegenheit zu sichern - siehe Dieter Bohlen.
Jeanne d'Arc , 20. September 2009 - 15:28 Uhr
37. Wengenroths Schaubühne: in der Kehlmann-Klischeefalle
@ gundi: Es ging hier ja auch vor allem um die Kontrastierung der Kehlmann-Rede mit dem Schiller-Text zur "stehenden (auch freudianisch interessant) Schaubühne". Demnach war der Spaghettiteller natürlich eine parodistische Visualisierung der Kehlmann-Rede. Möglicherweise tappen nun auch Sie mit Ihrer Reaktion in die Kehlmann-Klischeefalle: "[...] was denn hier los sei, warum das denn auf den Bühnen alles immer so ähnlich aussehe, ständig Videowände und Spaghettiessen [...]." Auch Ihnen hängen die Spaghetti also zum Halse heraus. Woran könnte das liegen? Vielleicht daran, dass es nach Schiller um den Ausgleich zwischen Verstand und Sinnlichkeit geht, Zitat Schiller:
"Die menschliche Natur erträgt es nicht, ununterbrochen und ewig auf der Folter der Geschäfte zu liegen, die Reize der Sinne sterben mit ihrer Befriedigung. Der Mensch, überladen von tierischem Genuss, der langen Anstrengung müde, vom ewigen Triebe nach Tätigkeit gequält, dürstet nach besseren auserleseneren Vergnügungen, oder stürzt zügellos in wilde Zerstreuungen, die seinen Hinfall beschleunigen und die Ruhe der Gesellschaft zerstören. Bacchantische Freuden, verderbliches Spiel, tausend Rasereien, die der Müßiggang ausheckt, sind unvermeidlich, wenn der Gesetzgeber diesen Hang des Volks nicht zu lenken weiß. [...] Die Schaubühne ist die Stiftung, wo sich Vergnügen mit Unterricht, Ruhe mit Anstrengung, Kurzweil mit Bildung gattet, wo keine Kraft der Seele zum Nachteil der andern gespannt, kein Vergnügen auf Unkosten des Ganzen genossen wird."
Jeanne d'Arc , 21. September 2009 - 00:02 Uhr
38. Wengenroths Schaubühne: Beißreflex
aber ist die Kehlmann-Rede denn so wichtig? Ist das nicht total uninteressant so ein Pop-Flagge zu zeigen? Er regt sich über Spagetti und Nacktärsche auf, also spielen wir die witzigen Trotzköpfe und zeigen beides her. Für mich hat das nix mit Spiel zu tun, sondern mit Reflex.
Peter Nabel , 23. September 2009 - 08:22 Uhr
39. Wengenroths Schaubühne: falsche Theorien gegen Klischees
@ Peter Nabel: Inhaltlich bzw. fachlich ist die Kehlmann-Rede tatsächlich nicht der Rede wert, denn sie zeigt auf, dass Kehlmann von dem, was wirklich auf den heutigen Theaterbühnen geschieht, im Grunde keine Ahnung hat. Stattdessen zieht er längst abgegriffene Klischees heran (von "Nacktärschen" habe ich allerdings nichts gelesen), um gegen diese dann auch noch die falschen Theorien aufzufahren: Max Reinhardt steht eben gerade nicht mehr für die sogenannte Werktreue ein, sondern für die Hinwendung zum Regie- bzw. Schauspielertheater, was über den Schiller-Aufsatz zu beweisen war.
Die Kehlmann-Rede zeigt für mich andererseits aber einen seltsamen Hang zum Konservativismus mancher heute 20 bis 30jähriger auf, was sich darin zeigt, dass diese "Kinder" sich nicht mehr kritisch-politisch von ihren "Eltern" abgrenzen, sondern deren Ansichten in der Art des autoritären Charakters nach Adorno völlig unhinterfragt übernehmen. Gerade diese "Opfer" einer falsch verstandenen und praktizierten Erziehung könnten sich möglicherweise als "tickende Zeitbomben" erweisen. Wer für seine angeblichen Verfehlungen hart bestraft wird, wer in einer Atmosphäre von Angst und Haß aufwächst, der könnte irgendwann den einzigen Ausweg der nicht in das eigene Selbstbild integrierten "bösen" Triebe in einer obszönen und perversen Grenzüberschreitung aller Tabus und Verbote sehen - mit verheerenden Auswirkungen für die politische Gemeinschaft. Im Theaterraum dagegen können diese Triebe stellvertretend ausgelebt werden, Stichwort Katharsis. Und niemand wird zu Schaden an Leib und Seele kommen. Soweit die Utopie.
Jeanne d'Arc , 23. September 2009 - 11:25 Uhr
40. Wengenroths Schaubühne: Übertrumpfung der Elterngeneration
aber das meine ich, ich will mich auch gar nicht permanent kritisch absetzen, nicht, weil es an meinen Eltern oder an der Generation meiner Eltern nicht auch etliches zu kritisieren gäbe, aber dennoch glaube ich, daß dieser Prozess einer permanenten kritischen Übertrumpfung der Elterngeneration zu einer Entleerung des kritischen Impulses selber geführt hat, von dem dann natürlicher Weise sich massenhaft abgewandt wird - ob von solcher Abwendung sofort Gefahr ausgehen muss, halte ich für mehr als fraglich.
Peter Nabel , 23. September 2009 - 15:25 Uhr
41. Wengenroths Schaubühne: nirgends herkommen wollen
@ Peter Nabel: Lustig, Sie klingen irgendwie genauso wie Kehlmann selbst, der da sagt:
"Von seinem Vater zu lernen ist ja immer eine zweischneidige Sache. Man möchte doch eigenständig sein, instinktiv lehnt man Lektionen des Elternhauses ab und sucht seine Lehrer so fern davon wie möglich. Als mich vor kurzem ein Germanist darauf hinwies, dass die Hauptfigur meines ersten Romans vaterlos ist, ein Mann ohne Herkunft und Abstammung, so verblüffte es mich selbst, wie sehr man das, was ich damals für spielerische Erfindung hielt, als Absichtserklärung des beginnenden Autors lesen kann: niemandem verpflichtet und von keinem überschattet sein, von nirgendwo herkommen. Aber in Wirklichkeit ist es bekanntlich nie so, und Stunden, ja Tage würden nicht ausreichen, um auch nur einen Teil der Schuld zu umreißen, die ich Michael Kehlmann nicht nur als Mensch - das ist selbstverständlich und braucht hier nicht erklärt zu werden -, sondern als Künstler, als Gestalter, als Erzähler in Bildern und Szenen, zurückzuzahlen hätte [...]."

Wie bereits Alice Miller wusste, ist genau das das "Drama des begabten Kindes", welches sich, um weiterhin von den Eltern geliebt zu werden, denn ein Kind ist ja zunächst einmal hilflos und abhängig, der Autorität der Eltern unterwirft und seine eigenen Bedürfnisse unterdrückt. In einem solchen Kontext muss schon der Versuch der Abgrenzung zu Schuldgefühlen führen. Zudem ging es mir auch nicht um "Übertrumpfung", wie Sie schreiben, sondern um eine respektvolle kritische Auseinandersetzung. Bei Kehlmann hat letztlich doch immer nur der Vater Recht. Ob das so erstrebenswert ist, wagte ich zu bezweifeln.
Jeanne d'Arc , 23. September 2009 - 16:40 Uhr
42. Wengenroths Schaubühne: was wirklich kompliziert ist
ja, trifft nicht das was ich meine, denn es kommt darauf an, das anzugehen was wirklich kompliziert ist. Die Bedrohungen wandeln sich eben auch viel schneller und ereilen uns nicht in der gleichen Weise, wie wir es gewohnt sind - auch ist die Psyche ein extrem anpassungsfähiges Etwas, nicht aller erlebter Konflikt provoziert die enorme Unterdrückung, vielmehr haben die Menschen auf erstaunliche Weise gelernt, in einer erstaunlichen Mehrheit jedenfalls, nicht ununterbrochen panisch einander herumzustoßen, sondern entwickeln Anlagen es mit den Gegebenheiten aufzunehmen, heißt enorme Widersprüche auszuhalten ohne gleich nach Gewalt und Exzess zu verlangen, aber just da mogeln sich ganz andere Probleme heran, auf die viel dringender Antwort verlangt wird, und die lassen sich nicht mit der alten antiautoritären Spassguerilla vor sich her schieben, in dem immer dem Nachbarn keck mitgeteilt wird er soll sich erst mal tüchtig befreien.
Peter Nabel , 23. September 2009 - 18:29 Uhr
43. Wengenroths Schaubühne: unsere Schwächen belachen
@ Peter Nabel: Es geht hier nicht darum, "dem Nachbarn keck mitzuteilen, er solle sich erstmal tüchtig befreien". Nein, darum geht es eben gerade nicht. Es kommt drauf an, SICH SELBST zu befreien bzw. auch sich selbst Schwächen zuzugestehen und darüber zu lachen, Zitat Schiller: "Einen großen Teil dieser Wirkung können wir von der Schaubühne erwarten. Sie ist es, die der großen Klasse von Toren den Spiegel vorhält und die tausendfachen Formen derselben mit heilsamem Spott beschämt. Unsre Vergehungen ertragen einen Aufseher und Richter, unsre Unarten kaum einen Zeugen - Die Schaubühne allein kann unsre Schwächen belachen, weil sie unsrer Empfindlichkeit schont und den schuldigen Toren nicht wissen will - Ohne rot zu werden sehen wir unsre Larve aus ihrem Spiegel fallen und danken insgeheim für die sanfte Ermahnung." Ist das nicht schön?
Jeanne d'Arc , 24. September 2009 - 00:37 Uhr
44. Wengenroths Schaubühne: zwanghafte Befreiungsrhetorik
daran hege ich keinen Zweifel, dass die Selbstbetrachtung aufschlussreich und entspannend sein kann, witzig und bestürzend - aber ich hege Zweifel daran, daß es diese Selbstbefreiung überhaupt geben muss - die Prämisse immer von Unfreiheit auszugehen ist der entscheidende Haken, denn sie gebärdet sich als ewige Bringschuld an ein Imaginäres Ideal und eignet sich so genauso als Instrument von Herrschaft wie andere unerfüllbare Forderungen. (unerfüllbar, weil ewige Prämisse) deshalb suche ich lieber nach Beschreibungen jenseits einer zwanghaften Bereiungsrhetorik .
Peter Nabel , 24. September 2009 - 08:00 Uhr
45. Wengenroths Schaubühne: das notorisch lange Zitat
Das gefällt mir, Peter Nabel, denn solche Befreiungsrhetorik hört sich doch längst genau so leer an wie die Kritik an irgendwelchen Politiker-TV-Floskeln, und genau so wirkungsvoll scheint sie auch. (Selbst)kritisches Bewusstsein, ja bitte, Bringschuld, bitte nicht, neue Beschreibungen ohne apriorische, angeblich postadornitische Direktiven - unbedingt. Das notorische LANGE ZITAT mit meist nur lockerem Bezug zum Diskussionszusammenhang spare ich mir an dieser Stelle.
Botho Schau , 24. September 2009 - 09:38 Uhr
46. Wengenroths Schaubühne: das alles kann Theater
@ Peter Nabel: Ja, auch ich habe Foucault gelesen, wenn Sie darauf hinaus wollten: das Sexualitätsdispositiv suggeriert nur, dass es dabei um unsere Befreiung geht. Es ist ein Machtinstrument. Und natürlich ist niemand völlig frei, denn jedes Subjekt wählt das Gemeinwesen, dessen Mitglied es immer schon ist.
Mir ging es eher um die Frage des "Toren" nach Schiller. Bei mir entstand nach dem Besuch dieser Aufführung nämlich die Frage, wer hier eigentlich der größere Tor ist, die Figur des Oldschoolkostüm-Schillers oder des Spaghettitelleraussitzers, übrigens beides gespielt von Lars Eidinger. Und noch dazu spricht er in beiden Rollen den Monolog des Franz Moor aus Schillers "Räuber". Na, wenn das mal kein Paradox ist. Vielleicht gehts mit Schiller um den "mittleren Zustand". Und übrigens, ich hatte seltsamerweise sogar Mitleid mit der Figur des Kehlmann, wie ihn Niels Bormann so wunderbar verklemmt performt hat. Komisch, oder? Das alles kann Theater.
Jeanne d'Arc , 24. September 2009 - 11:50 Uhr
47. Wengenroths Schaubühne: höllisch monoton
Ja, Theater, klar, immer super! Ging nur darum dem Spagettitanz noch einen anderen Rhythmus unter zu schieben, war höllisch monoton und der Bass leider nicht tief genug, deshalb kein Groove - aber wird doch…
Peter Nabel , 24. September 2009 - 12:29 Uhr
48. Wengenroths Schaubühne: ein Hinweis
@ Peter Nabel: Ja ja, die Langeweile. Oder auch "Monotonie" von IDEAL:
http://www.youtube.com/watch?v=PRwqyIQUoz8
Jeanne d'Arc , 24. September 2009 - 13:02 Uhr
49. Wengenroths Schaubühne: Castorfs zerschmetterte Melonen
Statt Spaghetti werden bei Castorf IM DICKICHT DER STÄTTE schön Melonen zerschmettert. Endlich mal, was Neues.
Melonen , 04. November 2009 - 21:05 Uhr
50. Wengenroths Schaubühne: Spaghetti für Macbeth
Spaghetti gab es dafür letztens in Potsdam: Lukas Langhoff ließ servieren in "Macbeth".
Auch Eine , 04. November 2009 - 21:31 Uhr
51. Wengenroths Schaubühne: Spaghetti-Orgien in Dresden
bei thalheimers wirtin von turrini in dresden anno 2000 oder so..da gab es totale spaghettiorgien..göttlich!! das werde ich nieeeee vergessen! vielleicht hat das der kelmann gesehen..aber: der war damals ja noch ein kind, oder??
und castorfs heringssalatschlachten sind ja auch zu lange her für den jungen...hm..
spaghetti nostalgie , 04. November 2009 - 21:44 Uhr
52. Wengenroths Schaubühne: proben statt posten
das ist doch nun wirklich eigenwerbung für den zweiten teil. das kann man eigentlich schon vergessen. das geht nach hinten los, wenn die nicht proben sondern posten.
@ 49 50 51 , 05. November 2009 - 00:35 Uhr
53. Wengenroths Schaubühne: bin von der Konkurrenz
nö, ich hab mit herrn wengenroth samt schaubühne nichts beruflich zu tun, arbeite bei "der konkurrenz"..:-), mache aber gerne werbung für die, wenns sein muß :-)..mein posting war um 22.44h...da war die probe schon zuende..also, in der freizeit darf man doch posten, oder?? man muß ja nicht IMMER hinterher in der kantine versacken..:-)..oder spaghetti fressen..:-), wir werfen auch nicht mit lebensmittel, dieses mal..deshalb die nostalgie an frühere zeiten...:-)
spaghetti nostalgie , 05. November 2009 - 09:42 Uhr
54. Wengenroths Schaubühne: auch ne schöne Szene
Und noch mal Spaghetti: In "Die Zähmung der Widerspenstigen" am Theater Bonn stopft sich die gute Katharina in der "Aushungerszene" einen Berg Spaghetti in den Mund - der ihr kurz darauf von Petruchio weggenommen und an die Wand geworfen wird.... :o) Regie: Michael Helle, leider gibt es wohl keine Wiederaufnahme mehr.
Coppelius , 05. November 2009 - 13:08 Uhr
55. Wengenroths Schaubühne: Brandteigkrapfen!
Was sind Spaghetti gegen Brandteigkrapfen...und die spuckte Gert Voss schön ordentlich durchgekautschon 1986 quer über die Bühne im Akademietheater/Wien. Gibt es auf DVD.
Susanne Peschina , 05. November 2009 - 17:56 Uhr
56. Wengenroths Schaubühne: überall Spaghetti
mir hat der Spagettiregen in der Aufführung von dem einen Regisseur in - da, wo auch die ganz großen Aufführungen gelaufen sind - gefallen, das war glaube ich, '86 oder früher, da spielte auch die Schauspielerin mit, die später in dem Film dabei war, in dem auch Spagetti gegessen wurden, was damals noch selten war - jetzt macht ja auch beim Fernsehen jeder einen auf Spagetti.
möbius , 06. November 2009 - 00:06 Uhr
57. Wengenroths Schaubühne: mit Goethe schließt sich der Kreis
@möbius
man merkt, daß sie vergangenheit nicht zu schätzen wissen. und eine entwicklung. außerdem keinen sehr ausgeprägten humor haben, so scheint es jedenfalls aus ihrem betont gewollt lustigen kommentar ersichtlich zu sein. ich denke, sie halten nichts von requisiten - und schon gar nicht, wenn sie eßbar sind. sie tun mir leid...die spaghettisierung begann übrigens kurz nach den italienreisen der siebziger - als importiertes sehnsuchtsgefühl sozusagen - und wenn man dann den bogen bis zu goethes italiensehnsuchtsmusenanregungsreisen schlägt - schließt sich der kreis - und spaghetti bekommen eine direkt poetische, symbolhafte bedeutung auf deutschen bühnen der vergangenheit..daß sich das fernsehen dies aneignet, ist im zuge der vereinahmung durch den kommmerz in unsere konsumgesellschaft eine ganz normale, banalisierende entwicklung dieses versuchs, ein lebensgefühl einer gesamten (westlichen, später nach dem mauerfall auch östlichen) nostalgiebetupften, den süden verklärenden lebensgefühls auszudrücken....
spaghetti nostalgie , 06. November 2009 - 11:36 Uhr
58. Wengenroths Schaubühne: Toskanafraktion im Gasgeschäft
@ spaghetti nostalgie: Ja, aber jetzt denken Sie doch auch mal über Ihr "italiensehnsuchtsmusenanregungsreisen"-Ideal hinaus. Wo steht denn die Toskanafraktion heute? Gasgeschäfte, ich hör immer nur Gasgeschäfte. Spaghettiessen kann man auch ohne Verklärung.
Jeanne d'Arc , 06. November 2009 - 13:22 Uhr
59. Wengenroths Schaubühne: hamse dit nich jemerkt?
dat war ironisch, mein letztes posting..totaaal ironisch, ehrlich..haben se dat nicht jemerkt...??
@jeanne d'arc , 06. November 2009 - 20:41 Uhr
60. Wengenroths Schaubühne: bisschen üben
@ 59.: Ist ja gut, Sie müssen deswegen nicht gleich anfangen zu berlinern. Vorschlag: Vielleicht noch bisschen üben an ironischen Formulierungen. Sonst könnte man Sie glatt ernstnehmen.
Jeanne d'Arc , 06. November 2009 - 22:44 Uhr
61. Wengenroths Schaubühne: alles sehr lieb
schön, viele Würdigungen, die ich schätze, alles sehr lieb. Ich freue mich über weitere Fanpost, auch in anderen Geschmacksrichtungen.
spagetti , 06. November 2009 - 22:56 Uhr
62. Wengenroths Schaubühne: im 36-jährigen Trainingsanzug
ja ironisch, deshalb gehen Sie einem ja so auf den Wecker, @jda! Sie halten Ihren 36jährigen trainingsanzug für ironisch?? sie beschmutzen die ironie, das ist es was Sie tun!
@59 , 06. November 2009 - 23:48 Uhr
63. Wengenroths Schaubühne: bitte schreibt weiter
hey, was los, du eingeschnappte LEBERWURST, mein Freude ist aufrichtig und lässt sich nicht wegnörgeln! Bitte bitte Spagettifreunde und Freundinnen, schreibt weiter, lasst euch nicht zensieren!
spagetti , 07. November 2009 - 15:02 Uhr
64. W.s Schaubühne: Geschichten vom Kudamm
Also gut, Spagetti, aus Mitgefühl ein kleiner Hinweis. Ich war in den letzten 5 Jahren sehr häufig im Theater, auch im Off-Bereich, habe aber nie reale Spagetti auf der Bühne gesehen. Wahrscheinlich wurden die immer dann ins Spiel integriert, wenn ich nicht anwesend war. Nur einmal in den Kudamm-Bühnen, die ich nur zum Nulltarif betrete, fand eine Art Luft-Spagetti-Essen statt, und zwar in "Szenen einer Ehe" mit Katja Riemann und Lüdicke. Letzterer tat nur so, als befänden sich die Teigwaren auf dem Tisch, und schlang sie in sich hinein. Wahrscheinlich wird dort der Gürtel wirklich enger geschnallt.
Flohbär , 07. November 2009 - 19:12 Uhr
65. W.s Schaubühne: keine Trainingsanzüge
war mir nicht bewußt, daß ich ihnen mit meinen kleinen ausführungen auf den wecker gehen würde - warum?? können sie das bitte mal genauer erklären...??
außerdem trage ich niemals trainingsanzug, die sind seit den neunzigern doch völlig out, genauso wie schwarze brillen für regisseure...- und außerdem: bin ich viiieeeel älter als 36, und echt stolz drauf...weil ich auch noch viiieeeel jünger als 36 aussehe..
und immer noch und trotzallem spaghettis liebe..auch in menschlicher form..wenn sie wissen, was ich meine!! (auch letzteres - achtung - ist ironisch, das lasse ichmir dann doch nicht nehmen!)
@@59 , 07. November 2009 - 19:25 Uhr
66. Wengenroths Schaubühne: finstere Zeiten
aber, wenn es mich real auf wirklichen Bühnen nicht gibt , oder doch viel, viel seltener, als es hier den Anschein hat, dann fühle ich mich noch mehr geehrt. Was wären das auch für finstere Zeiten, wenn man keine Spagetti mehr loben könnte, ob sie nun gegessen werden oder nicht.
spagetti , 07. November 2009 - 22:01 Uhr

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