Die Stimme Brechts

2. Dezember 2016. Gisela May, langjähriges Schauspielmitglied des Berliner Ensembles und eine der führenden Bertolt-Brecht-Sängerinnen, ist tot. Wie aus dem Umfeld der Künstlerin bekannt wurde, starb May in der gestrigen Nacht im Alter von 92 Jahren in Berlin.

Gisela May CoverAutobiographie von Gisela May aus dem Jahr 2002May, geboren am 31. Mai 1924 in Wetzlar und in Sachsen aufgewachsen, besuchte die Schauspielschule in Leipzig. Nach Engagements unter anderem in Schwerin und Halle wurde sie 1951 von Intendant Wolfgang Langhoff ans Deutsche Theater Berlin geholt. 1962 wechselte sie ans Berliner Ensemble, dem sie 30 Jahre lang angehörte. Als Höhepunkt ihrer Arbeit an der Brecht-Bühne gilt ihre Verkörperung der Mutter Courage im gleichnamigen Stück von Bertolt Brecht ab 1978 (Regie: Peter Kupke). Diese Aufführung stand bis Ende 1992 auf dem Spielplan des Berliner Ensembles.

Parallel zur Schauspielkarriere verfolgte May ihre Laufbahn als Diseuse (Chansonnière). Hanns Eisler entdeckte sie und baute sie als Brecht-Intepretin auf. Als Musical-Sängerin trat May u.a in der Titelpartie von "Hallo Dolly“ am Metropol-Theater Berlin auf. Chanconabende widmete sie auch Erich Kästner, Walter Mehring, Peter Hacks oder Jacques Brel. Aber Horizont ihrer Arbeit war der Kosmos Brechts. In seiner Würdigung zum 90. Geburtstag der Künstlerin  nannte der Berliner Tagesspiegel May die "einzig legitime Nachfolgerin von Lotte Lenya". Unter Claus Peymann zeigte die große Bühnenkünstlerin am Berliner Ensemble ab 2000 regelmäßig ihr Programm "Gisela May singt und spricht Kurt Weill".

Dem Nachwende-Fernsehpublikum wurde May u.a. durch die Krimiserie-Serie "Adelheid und ihre Mörder" bekannt, in der sie die Mutter der Hauptfigur spielte. Seit 1972 war sie Mitglied der Ost-Berliner Akademie der Künste.  Sie erhielt den Nationalpreis der DDR 1. Klasse. Ihre Autobiographie "Es wechseln die Zeiten" erschien 2002.

(chr)

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