"Auch Chris Dercon hat zweifelsohne seine Fähigkeiten"

9. Dezember 2016. "Ich werd erstmal mit allen reden und mir die vorliegenden Informationen jetzt erstmal alle auf den Tisch holen", sagt Klaus Lederer im Interview mit Deutschlandradio Kultur auf die "Volksbühnen-Frage". Das sei doch normal, "wenn man so ein Amt antritt, dass man mit allen Beteiligten redet, auch mit den Beteiligten, mit denen seinerzeit nicht geredet worden ist", so Lederer: "Also auch mit den Beteiligten aus dem Theater, aus den Gewerken im Theater, den Schauspielerinnen und Schauspielern, auch der derzeitigen Intendanz".

Wohl in Anspielung auf das Radio-Interview, das die Volksbühnen-"Debatte" einige Wochen vor seiner offiziellen Ernennung hatte hochkochen lassen, als Lederer sagte, er wolle die Verträge mit Chris Dercon und seinem Team nach Amtsantritt überprüfen, sagt Lederer nun, er halte es für "eine demokratische Selbstverständlichkeit, dass man nach Wahlen die Äußerungen, die man vorher getätigt hat, nicht einfach über Bord wirft und das genaue Gegenteil erzählt". Im Frühjahr hatte er zu den Unterzeichnern des Offenen Briefs gehört, in dem das Volksbühnen-Ensemble sich gegen die Entscheidung für Chris Dercon als Castorf-Nachfolger positioniert hatte.

Es gehe jetzt darum zu schauen, "wie kann man die Volksbühne als Organismus erhalten und weiterentwickeln", sagt Lederer nun. Dazu gehöre für ihn auch sich mit Chris Dercon darüber zu unterhalten, "wie er die Dinge sieht und zu schauen was man jetzt in Berlin machen kann" – "Denn auch Chris Dercon hat zweifelsohne seine Fähigkeiten."

(sd)

Mehr lesen:

– Die "Welt" berichtet über einen Abend mit Chris Dercon in der Berliner belgischen Botschaft – Presseschau vom 6. Dezember 2016

– Christian Rakow zum "Berliner Kulturkampf" (Dercon oder doch nicht Dercon?) – Kommentar vom 25. November 2016

– Reaktionen auf den designierten Kultursenator Klaus Lederer – Presseschau vom 17.-24. November 2016

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