"Ich sehe manchmal tagelang keinen Schauspieler"

29. Dezember 2016. Auf die Frage "Ist Ihr Optimismus in Düsseldorf schon geklaut worden?" antwortet Wilfried Schulz, Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses im dpa-Interview, das u.a. die Ruhrnachrichten bringen: "Schwere Frage (Schulz atmet durch und überlegt). Ich gehe nach wie vor davon aus, dass die Aufgaben, für die ich nach Düsseldorf gekommen bin und die verabredet worden sind, weiterhin zu erfüllen sind. So lange ich eine Chance sehe, dass das in einem überschaubaren Zeitraum passiert, ist das gut."

Er habe "die Brocken in Dresden hingeworfen", weil ihn die Aufgabe gereizt habe, das Düsseldorfer Schauspielhaus "wieder innerhalb der deutschsprachigen Theaterlandschaft zu positionieren".

Robert Wilson auf der Baustelle

Nun stelle ihn und das Ensemble vor allem die Sanierungsverzögerung vor Probleme: Die derzeitige Ausweichspielstätte entspreche natürlich nicht einem normalen Repertoiretheater – auch die Kommunikation sei wahnsinnig schwierig. "Wir sitzen im ehemaligen Balletthaus in Oberkassel, und ich sehe manchmal tagelang keinen Schauspieler", so Schulz: Ein Theater sei eigentlich "ein Biotop vieler Verschiedener. Alle sitzen unter einem Dach und laufen sich den ganzen Tag bei der Kunstproduktion über den Weg." Das vermittele "einen gemeinsamen Geist und das Bewusstsein eines Zieles, auf das man hinarbeitet".

DSchauspielh 560 SebastianHoppeAuf absehbare Zeit nicht begehbar: das Foyer des Düsseldorfer Schauspielhauses
© Sebastian Hoppe

Er wolle auf jeden Fall 2018 "wieder drin sein": "Ich glaube, dass man signalisieren muss, dass das Schauspielhaus dem Schauspielhaus gehört und dass es präsent ist." In diese Geiste werde bereits im Frühsommer 2017 "quasi auf der Baustelle" die Robert-Wilson-Inszenierung "Der Sandmann" gezeigt.

(sd)

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