hamlet1 280 thomas aurin u"Hamlet" an den Münchner Kammerspielen
© Thomas Aurin
München, 20. Januar 2017

There will be blood

Ist Hamlet ein Zauderer? Nein, sagt Christopher Rüping an den Münchner Kammerspielen und steckt ihn in einen Kapuzenpulli. Der macht ja schon einmal terrorverdächtig! Und dann kommt dieser Hamlet auch noch mit nur drei Schauspieler*innen aus. Was das alles soll, darüber sprechen Cornelia Fiedler und Michael Stadler im Kritiker-Chat.

Hannover, 20. Januar 2017. Claudia Bauer inszeniert Kafkas unvollendeten Roman Amerika als alptraumhaften Trip durch eine feindselige Hyperrealität. Dass die Arbeit am Tag vor Donald Trumps Inauguration Premiere feiert, ist ein Glücksfall, sagt Jan Fischer.

Basel, 20. Januar 2017. In Dantes Inferno geht es derbe zu. Was aber passiert, wenn ein Meister des sanften Theaters, wenn Thom Luz uns in die Hölle führt? Dann badet man wohl eher nicht in siedendem Öl, sondern in melancholischen Klangfetzen, wie Claude Bühler weiß.

Mülheim an der Ruhr, 20. Januar 2017. In kleinen Formen erzählt Roberto Ciulli die größten Traumstoffe der Menschheit. So Ibsens Peer Gynt, wo er mit Co-Regisseurin Maria Neumann selbst auf der Bühne steht. Friederike Felbeck ließ sich verzaubern.

Berlin, 19. Januar 2017: Michael Thalheimer verdunkelt Molières Der eingebildete Kranke

Vor nicht allzu langer Zeit schenkte Michael Thalheimer der Schaubühne einen leichten, schrillen, mit Erlöserfantasien jonglierenden "Tartuffe". Jetzt greift er wieder nach einer Molière-Komödie: Der eingebildete Kranke. Und es wird sehr viel düsterer, wie Michael Wolf weiß.

Wiesbaden, 17. Januar 2017: Christian Franke inszeniert Dostojewskis Der Spieler

So einen Originalschauplatz haben nicht viele Städte zu bieten: In Wiesbaden spielte sich einst Fjodor M. Dostojewski um Kopf und Kragen. Der Stadt setzte er als Roulettenburg im Spieler ein Denkmal. Im prachtvollen Kurhaus Wiesbaden hat jetzt Christian Franke Leben und Werk des großen russischen Romanciers miteinander verschränkt. Mit vor Ort: Shirin Sojitrawalla.

Mannheim, 16. Januar 2017: Clemens J. Setz' Dramendebüt Vereinte Nationen

Nach verschiedenen Versuchen "nach" Clemens J. Setz auf dem Theater, hat der Grazer Autor jetzt sein erstes eigenes Theaterstück vorgelegt: Vereinte Nationen. Setz' Blick auf die menschliche Seele im Zeitalter des Internets ist wenig optimistisch. Die von Tim Egloff inszenierte Uraufführung sah Alexander Jürgs.

Düsseldorf, 15. Januar 2017: Die Elfriede Jelinek-Uraufführung  Das Licht im Kasten ...

Elfriede Jelineks Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!) erinnert an ihr früheres Stück "Die Straße. Die Stadt. Der Überfall". Allerdings geht's jetzt nicht mehr um München, sondern um die Düsseldorfer Nobelmeile Königsallee. In Düsseldorf hat Jan-Philipp Gloger das Werk uraufgeführt, das Andreas Wilink beeindruckt.

Hamburg, 15. Januar 2017: The Who and the What von Ayad Akhtar

Pulitzerpreistärger Ayad Akhtar ("Geächtet") hat mit The Who and the What ein Stück über die Schwierigkeiten der Liebe im traditionellen Islam geschrieben. Karin Beier besorgt die deutsche Erstaufführung am Hamburger Schauspielhaus. Stefan Schmidt berichtet.

Zürich, 15. Januar 2017: Onkel Wanja am Schauspielhaus

Einen stringent farblosen Abend hat Karin Henkel aus Onkel Wanja gemacht: Grautöne untermalen den melancholischen Lebensüberdruss von Tschechows Figuren. Ob das aufgeht? Valeria Heintges weiß mehr.

Berlin, 15. Januar 2017: Der Mann, der Liberty Valance erschoss im Gorki Theater

Hakan Savaş Mican nutzt Der Mann, der Liberty Valance erschoss, einen Stoff von Dorothy M. Johnson, um in einer Westernstadt von der Demokratie zu erzählen. Ob sie dabei etwas Neues erfahren hat, erzählt Esther Slevogt.

Bielefeld, 15. Januar 2017: Mizgin Bilmens erste Opern-Regie bei Charlotte Salomon

Charlotte Salomon kennen eher Insider: als jene Künstlerin, die mit 26 Jahren in Auschwitz starb und mit der Bilderbuch-Novel "Leben? Oder Theater?" ein faszinierendes Werk hinterließ. Marc-André Dalbavies gleichnamige Schauspieloper hat jetzt Mizgin Bilmen inszeniert, mit Jana Schulz – und zur Begeisterung von Stefan Keim.

Graz, 15. Januar 2017: Der gute Gott von Manhattan von Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann wäre dieses Jahr neunzig geworden. Ein Stück hat sie nie geschrieben, aber das Hörspiel Der gute Gott von Manhattan. Claudia Bossard hat es in Graz inszeniert. Reinhard Kriechbaum war dabei.

Frankfurt, 14. Januar 2017: Eine Familie am Schauspiel Frankfurt

Gegen gute Familienlügen ist ein US-Wahlkampf schon mal ein Klacks. Jedenfalls kann man Tracy Letts' Eine Familie so betrachten, das Oliver Reese für seine letzte Inszenierung in Frankfurt gewählt hat. Im Sommer wechselt er nach Berlin. Ein Fest für Schauspieler ist der Abend und eine Demonstration ästhetischer Geländegängigkeit. Mehr von Shirin Sojitrawalla.

Dresden, 14. Januar 2017: Der Phantast. Leben und Sterben des Dr. Karl May

 Gerad gibt es neue Winnetou-Verfilmungen im TV. Die hat Philipp Stölzl gedreht. Jetzt wollte er mehr Karl May. Also brachte er Jan Dvoraks Stück auf die Bühne. Wolfgang Behrens besuchte die Villa Shatterhand in Radebeul und war danach im Theater.

München, 14. Januar 2017: Macbeth im Residenztheater

 Es könnte gut sein, dass Macbeth den Rekord im Kunstblut-Verbrauch hält. Auch Andreas Kriegenburg kommt im Residenztheater nicht ohne aus. Und sonst, Tim Slagman?

Wien, 14. Januar 2017: Diese Mauer fasst sich selbst zusammen... am Schauspielhaus 

Von der Ausschreibung zur Ausschreitung - diesen Weg soll das Künstlerprekariat beschreiten in Miroslava Svolikovas Stück, das mit vollem Titel Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt heißt. Franz-Xaver Mayrs Inszenierung am Schauspielhaus bereitet Eva Biringer hoffnungsfroh beste Laune.

Jena, 14. Januar 2017: Hannes Weilers Mein süßes Unbehagen! am Theaterhaus

Willkommen in der neuen Welt der Post-Wahrheits-Produktion! Am Theaterhaus Jena geht es in  um ein scheiterndes Filmprojekt und alles andere. Matthias Schmidt vermisst einen Zusammenhang.

Bremen, 14. August 2017: Golden Heart überschreitet Spartengrenzen

"Man muss mehr über das Gute in der Gesellschaft sprechen", findet Alize Zandwijk und hat einen "spartenübergreifenden" Abend über Nächstenliebe, Hingabe und Selbstlosigkeit komponiert. Tim Schomacker sah die Premiere.

Berlin, 13. Januar 2017: Auftakt von Utopische Realitäten im HAU

Wie lebendig ist die Russische Revolution, die in diesem Jahr 100 Jahre alt wird? Das Berliner Hebbel am Ufer untersucht zum Jubiläum Utopische Realitäten. Zum Auftakt zeigte das Festival Mariano Pensottis Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht und Marina Davydovas Eternal Russia-Parcours. Was bleibt vom großen Aufbruch, Sophie Diesselhorst?

Basel, 13. Januar 2017: Guillermo Calderón erzählt aus Blaise Cendrars Gold

In seinem Roman "Gold" von 1925 erzählt Blaise Cendrars von einem Schweizer, der auszog, in Kalifornien "Neu-Helvetien" zu gründen – und alles an den Goldrausch verlor. In Basel hat sich jetzt Guillermo Calderón ein Kapitel des Romans vorgenommen. Mit dabei: Christoph Fellmann.

Zürich, 8. Januar 2017: René Pollesch ist High (Du weißt wovon)

"Man geht ja fälschlicherweise davon aus, wenn man zwei Personen auf einer Bühne sieht, dass die miteinander sprechen; und wenn man eine Person sieht, dass sie denkt. Aber denken kann man nur zu zweit, und sprechen kann man nur alleine." Alles klar? Wir sind bei René Pollesch, und der ist diesmal High (Du weißt wovon). Aus dem Zürcher Schiffbau berichtet Christoph Fellmann.

Düsseldorf, 8. Januar 2017: Robert Gerloff mit Bov Bjergs Romanstoff Auerhaus

"Wir sollten alle im Auerhaus wohnen", hat der Schriftsteller David Wagner einmal das Lob seines Kollegen Bov Bjerg gesungen. Und nun wollen auch alle Theater den Roman Auerhaus spielen. Robert Gerloff macht in Düsseldorf den Anfang. Gerhard Preußer war dabei.

Schwerin, 7. Januar 2017: Steffi Kühnerts Regiedebüt mit Gerhart Hauptmanns Ratten

Früher war sie Theaterschauspielerin, u.a. bei Leander Haußmann. Mittlerweile trifft man sie eher in Kino oder Fernsehen. Aber jetzt ist Steffi Kühnert zum Theater zurückgekehrt, und zwar als Regisseurin. Mit Gerhart Hauptmanns Die Ratten gibt sie ihr Debüt am Mecklenburgischen Staatstheater – Michael Laages findet es vielversprechend.

Hamburg, 2. Januar 2017: Figure Humaine, Sasha Waltz' Elbphilharmonie-Eröffnung

Ihre Eröffnung war ursprünglich für 2010 geplant; nun ist sieben Jahre und einige Skandale später sehr viel Geld zu sehr viel Glas geworden, und in der Elbphilharmonie Hamburg zieht in den nächsten Wochen tatsächlich die Musik ein. Doch vorher wurde die Raumerkundungsexpertin Sasha Waltz gebeten, das Gebäude am Neujahrstag als Kunstort zu eröffnen. Falk Schreiber ist den Tänzer*innen ihres Stücks Figure Humaine durch die Flure und Räume der "Elphi" gefolgt.

Münster, 30. Dezember 2016: Tom auf dem Lande von Michel Marc Bouchard

Tom auf dem Lande von Michel Marc Bouchard ist bereits bekannt aus dem Kino – Xavier Dolan hat das Stück 2013 verfilmt (deutscher Titel: "Sag nicht, wer du bist!"). Nun hat Michael Lethmathe am Theater Münster die deutschsprachige Erstaufführung inszeniert. Auf kleiner Bühne – sonst hat Kai Bremer nichts zu bemängeln.

Wien, 23. Dezember 2016: Martin Kušej inszeniert Arthur Millers Hexenjagd

Das postfaktische Zeitalter hat's schon mal gegeben. Im Mittelalter und darüber hinaus, als Frauen als Hexen verbrannt wurden. Auch später wieder, als McCarthy Kommunisten jagte und Arthur Miller Hexenjagd schrieb. Martin Kušej inszenierte es jetzt am Burgtheater. Leopold Lippert berichtet.

Göttingen, 23. Dezember 2016: Anje Thoms' Uraufführung von A. J. Schultes Stück Sofja

Sofja Kowalewskaja war 1884 die erste Mathematikprofessorin der Welt. In ihrem Stück Sofja erzählt Anne Jelena Schulte ihre verschlungene Lebensgeschichte. Antje Thoms hat am Deutschen Theater Göttingen die Uraufführung inszeniert. Mehr von Cornelia Fiedler.

Wuppertal, 20. Dezember 2016: Die Hölle/Inferno nach Dante von Johann Kresnik

Er leidet an mangelnder Selbsterkenntnis, am Knoten des eigenen Denkens, an der allgemeinen Sinn- und Gottlosigkeit: Dante, wie ihn Johann Kresnik in Die Hölle / Inferno durch die Kuppel der Wuppertaler Oper toben lässt. Eine furiose Rolle für den Schauspieler und designierten Intendanten Thomas Braus. Mehr von Dorothea Marcus.

Hamburg, 19. Dezember 2016: Ersan Mondtags Schere Faust Papier am Thalia Theater

Was sind das für welche? Steinzeitmenschen? Außerirdische? Computerspiel-Figuren aus dem 3D-Drucker? Sie sehen aus wie degenerierte Schlümpfe und morden sich einmal durch die Weltgeschichte, die Figuren von Michel Decars Schere Faust Papier, das Ersan Mondtag am Thalia Theater uraufgeführt hat. Genaueres von Stefan Schmidt.

Berlin, 19. Dezember 2016: Nicole Oder mit Peng! Peng! Boateng!

Deutschlands fußballernder Lieblingsnachbar Jérôme Boateng ist derzeit verletzt, wie gut, dass er da gerade mit seinen Brüdern Kevin-Prince und George als Held von Nicole Oders Peng! Peng! Boateng! auf der Bühne des Heimathafen Neukölln zu erleben ist. Dirk Pilz war dabei.

Berlin, 18. Dezember 2016: Professor Bernhardi von Thomas Ostermeier

An der Schaubühne macht Thomas Ostermeier aus Arthur Schnitzlers etwas angestaubtem Kitteldrama Professor Bernhardi ein kühl-elegantes Well-made-Play. Kann sich das sehen lassen? Und wie verhält sich die Inszenierung zu unserer Demokratie-skeptischen Gegenwart, Georg Kasch?

Zürich, 18. Dezember 2016: In Formation von Sebastian Nübling und Guy Krneta

Ist ein Hate-Kommentar wertvoller als ein gut recherchierter Zeitungsartikel? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Guy Krneta und Sebastian Nübling in In Formation am Schauspielhaus. Diskutieren Sie mit Christoph Fellmann!

München, 18. Dezember 2016: She He Me beim Open Border Festival der Kammerspiele

Die jordanische Theatermacherin Amahl Khouri untersucht mit She He Me die Lebenswege arabischer Queer- und Transgender-Personen. Die szenische Lesung an den Kammerspielen erlebte Willibald Spatz.

Bern, 18. Dezember 2016: Ueli Jäggi inszeniert Kafkas Amerika

Ueli Jäggi – erprobter Marthaler-Schauspieler – fühlt sich seit Längerem auch im Regiefach heimisch und hat sich nun inszenierenderweise mit Franz Kafka auf die Reise nach Amerika begeben. Wie's in Jäggis Übersee aussieht, weiß Maximilian Pahl.

Kassel, 17. Dezember 2016: Anna Bergmann inszeniert Frühstück bei Tiffany

Frühstück bei Tiffany ist nicht bloß der Blake Edwards-Film von 1961 mit Audrey Hepburn, es ist auch die Vorlage dieses Films, ein Kurzroman von Truman Capote. Die Bühnenfassung von Richard Greenberg hat in Kassel Anna Bergmann inszeniert – mit Männern und Frau. Und mit Happy End, Andreas Wicke?

Karlsruhe, 17. Dezember 2016: Sterben helfen von Konstantin Küspert

Konstantin Küspert stellt sich eine Gesellschaft vor, die das natürliche Sterben abschafft – eine nach der anderen bringen seine Figuren sich um, fast alle. Marlene Anna Schäfer hat Sterben helfen uraufgeführt, mehr von Elske Brault.

Wien, 17. Dezember 2016: Fantomas Monster multimedial am brut

Um politischen Mord im Iran, den Superganoven Fantomas und die Kraft der Erinnerung geht es im multimedialen Projekt Fantomas Monster im brut. Theresa Luise Gindlstrasser sah die Premiere.

Berlin, 17. Dezember 2016: Stephan Kimmig inszeniert Die Glasmenagerie

Stephan Kimmigs inszeniert Tennessee Williams' Die Glasmenagerie als Reise in Großvaters Jugendzeit, mit Grünspan und guter Musik. Und Schauspieler*innen, die sich notfalls in den Slapstick retten können, schreibt Christian Rakow.

Nürnberg, 17. Dezember 2016: Nino Haratischwili erzählt von der Schönheit

Kampf gegens Altern, und zwar anno 1560: Nino Haratischwili erzählt in Schönheit anhand einer ungarischen Gräfin eine Lebensgeschichte, die im Schönheitswahn endet. Petra Luise Meyer hat inszeniert. Mehr von Dieter Stoll.

Wien, 17. Dezember 2016: Bei seinen Mugshots führt Thomas Glavinic selbst Regie

Dem gefeierten Szene-Autor Thomas Glavinic gefiel des ursprüngliche Regiekonzept von Mugshots so wenig, dass er die Regie am Volkstheater für seine Anti-Pretty-Woman Geschichte mit Polizei-Verhaftungsfoto-Fantasien schließlich selbst übernahm. Was er draus macht? Mehr von Martin Pesl.

Hannover, 16. Dezember 2016: Dušan David Pařízek inszeniert Macht und Widerstand

Schon bevor "postfaktisch" "Wort des Jahres 2016" wurde, gab es Dichter und Denker, die sich mit dem Phänomen auseinandersetzten. Zum Beispiel Ilja Trojanow, dessen Roman Macht und Widerstand Dušan David Pařízek nun in Hannover u.a. mit Samuel Finzi inszeniert hat – Jan Fischer ist schwer begeistert.

St. Gallen, 16. Dezember 2016: Fünf Kurzstücke Das Schweigen der Schweiz

Fünf kurze Stücke unter einem Bühnendach – in Das Schweigen der Schweiz geht es mit Andreas Sauter, Sabine Harbeke, Daniela Janjic, Philippe Heule und Maxi Obexer um Abschottung, Ausgrenzung und Identitätssuche. Kühe spielen eine entscheidende Rolle, berichtet Peter Surber.

Zürich, 14. Dezember 2016: Die Digitalbühne Zürich zeigt Tintagiles Tod

Schauspieler_innen können gar keine Emotionen erzeugen, sagte Maurice Maeternlinck, weshalb die Digitalbühne Zürich sein Dramolett Tintagiles Tod mit Puppen, Avataren und Androiden besetzt. Das Publikum in der Roten Fabrik zahlt keinen Eintritt, muss aber Fragebögen ausfüllen, um die Inszenierung voranzutreiben. Wo das hinführt, weiß Geneva Moser.

Berlin, 12. Dezember 2016: David Calis mit Kuffar. Die Gottesleugner am DT

 Als politisch Verfolgte sind seine Eltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen und haben mit Religion nichts am Hut. Wie kann es sein, dass Hakan sich nun nach dem Vorbild des Hass-Predigers Pierre Vogel islamistisch radikalisiert? Diese Frage stellt am Deutschen Theater Nuran David Calis' Kuffar. Die Gottesleugner. Die Antwort, Michael Wolf?

Wien, 12. Dezember 2016: Miloš Lolić inszeniert Rechnitz (Der Würgeengel)

Ein NS-Kriegsverbrechen hat Elfriede Jelinek zu ihrer großen, ätzenden Täterdiskurs-Sprechoper inspiriert. 2009 siegte der Text in Mülheim. Jetzt bringt Miloš Lolić ihn am Volkstheater Wien zur Aufführung, mit Hüftschwung zu Black Music, wie Johannes Siegmund berichtet.

Basel, 11. Dezember 2016: Simon Stone überschreibt Tschechows Drei Schwestern

Wo Simon Stone einen Text aktualisiert, ob im Ibsen-Gebirg' oder am Antiken-Fels, in der Regel bleibt kein Stein auf dem andern und das Schicksal wandert an die Börse aus. Nun hat sich der everybody's darling des Theaters Tschechow vorgenommen. Drei Schwestern. In Basel, in Basel. Also, Christian Rakow, wohin sehnen sich die drei Damen neuerdings?

München, 11. Dezember 2016: Hans Neuenfels mit Antigone am Residenztheater

Der frischgebackene Faust-Lebenswerk-Preisträger Hans Neuenfels hat sich im Sprechtheater rar gemacht und frönt meist nur noch seiner Opernlust. Doch nun meldet er sich am Residenztheater mit der Antigone des Sophokles als Schauspielregisseur zurück. Mehr von Tim Slagman.

Berlin, 11. Dezember 2016: Mirko Borscht zeigt Heiner Müllers Der Auftrag am Gorki

Rückkehr nach Dystopia: In konterrevolutionären Zeiten wird Heiner Müllers Der Auftrag zum Stück der Stunde. Ob es beim pathosfesten Regisseur Mirko Borscht am Gorki Theater gut aufgehoben ist, weiß Wolfgang Behrens.

München, 11 Dezember 2016: Audiowalk Top Secret International von Rimini Protokoll

Rimini Protokoll verwandeln die Müncher Glyptothek mit Top Secret International in einen konspirativen Ort. Für die Kammerspiele lassen sie ihr Publikum dort Spion spielen. Petra Hallmayer hat uns Informationen beschafft.

Berlin, 11. Dezember 2016: Hans-Werner Kroesingers Heimat Reloaded am HAU

Was ist eigentlich "Heimat" in Zeiten von Globalisierung und Identitätspolitik?, fragen Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura in Heimat Reloaded am Berliner HAU. Das Ganze ist aber nicht einfach rechtschaffen, es hat einen Clou, Sophie Diesselhorst?

Wien, 11. Dezember 2016: Bastian Kraft verspiegelt Viscontis Ludwig II. 

Nach "Dorian Gray" inszeniert Bastian Kraft erneut eine Geschichte um Narzissmus und Größenwahn am Burgtheater. Kraft dramatisiert Luchino Viscontis Film Ludwig II. Die Hauptrolle spielt ein Spiegel. Was es zu sehen gab, berichtet Johannes Siegmund.

Frankfurt am Main, 10. Dezember 2016: Alkestis von Ted Hughes nach Euripides

Die Frau vorm Tod erretten, nicht nur ein Thema von Euripides in Alkestis, auch ein Thema seines modernen Nachdichters Ted Hughes, Ehemann der berühmten selbstmörderischen Dichterin Sylvia Plath. Konnte man davon etwas auf der Bühne sehen, Shirin Sojitrawalla?

Köln, 10. Dezember 2016: Robert Borgmann mit Iwanow von Tschechow

Mit Tschechow hat Regisseur Robert Borgmann gute Erfahrungen gemacht. Sein "Onkel Wanja" wurde 2014 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Nun inszeniert er Iwanow am Schauspiel Köln. Andreas Wilink berichtet.

Magdeburg, 10. Dezember 2016: Konradin Kunze zeigt Foxfinder von Dawn King

Dawn Kings Foxfinder ist ein dystopisches Kammerspiel über eine Gesellschaft in Angst in Schrecken. Konradin Kunze hat das Erfolgsstück in Magdeburg inszeniert. Alexander Kohlmann sah gebannt zu.

Dresden, 10. Dezember 2016: Gott wartet an der Haltestelle von Maya Arad Yasur

 Pinar Karabulut inszeniert am Staatsschauspiel Gott wartet an der Haltestelle. Das Stück von Maya Arad Yasur beginnt mit einem Bombenanschlag. Und dann, Tobias Prüwer?

Hamburg, 6. Dezember 2016: Florian Zellers Hinter der Fassade

In seinen Komödien, Hits in Boulevard- wie Stadttheatern, feiert der französische Dramatiker Florian Zeller die Lüge als Kit, der Beziehungen und Gesellschaften zusammenhält. Auch in Hinter der Fassade (Die Kehrseite der Medaille), die Ulrich Waller am Hamburger St. Pauli Theater als deutschsprachige Erstauffühung inszenierte – mit Herbert Knaup und Cristin König. Mit dabei: Jens Fischer.

Stuttgart, 5. Dezember 2016: Armin Petras inszeniert Orpheus in der Unterwelt

Gerade erst hat Armin Petras angekündigt, Stuttgart vor der Zeit den Rücken zu kehren, da ist der Noch-Intendant des Staatsschauspiels als Regisseur zu Gast in der Staatsoper und inszeniert Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach. In welcher Laune sind Petras und die Operettengötter anzutreffen, Verena Großkreutz?

Coburg, 4. Dezember 2016: Axel Sichrovsky inszeniert Wut von Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek schrieb Wut nach dem Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift Charlie Hebdo. Axel Sichrovsky und sein Ensemble haben am Landestheater in Coburg ihrer Fantasie Zucker gegeben und große Bilder im kleinen Raum gefunden. Antworten gab es keine, weil, wie Jelinek sagt, niemand Antworten liebt. Andreas Thamm berichtet.

Berlin, 4. Dezember 2016: Endspiel von Robert Wilson

Der Herr des Lichts ist zum letzten Mal am Berliner Ensemble beim scheidenden Intendanten Claus Peymann: Theatermagier Robert Wilson mit Samuel Becketts Menschheitsabgesang Endspiel. Wie hell oder dunkel es wurde, weiß Sascha Ehlert.

Bochum, 4. Dezember 2016: Neues Stück von Ayad Akhtar – Die unsichtbare Hand

Sein erstes Stück "Geächtet" wird rauf und runter gespielt, nun bringt Anselm Weber an seinem Schauspielhaus Bochum Ayad Akthars nächsten Streich heraus und verbindet die deutschsprachige Erstaufführung von Die unsichtbare Hand mit Am Boden von George Brant – mehr von Sascha Westphal.

Ingolstadt, 4. Dezember 2016: Hansgünther Heyme inszeniert Maria Stuart

Bunt sind nur die Fahnen der Länder, deren Herrscherinnen aufeinandertreffen in Hansgünther Heymes textkonzentrierter Schiller-Inszenierung Maria Stuart am Theater Ingolstadt. Ansonsten changieren die Farben im Graubereich, was Christian Muggenthaler aber alles andere als antiquiert findet.

Mainz, 4. Dezember 2016: Begehren – eine Feldforschung von Gesine Schmidt

Begehren nannte Gesine Schmidt ihre "doku-fiktionale Feldforschung", für die sie mit Menschen allen Alters über Sex und Begehren gesprochen hat. Den Theaterabend, der draus entstand, sah Shirin Sojitrawalla.

Hamburg, 3. Dezember 2016: Christoph Marthalers Die Wehleider am Schauspielhaus

Schauspielermassiv Josef Ostendorf trägt ein vogelnestförmiges Trump-Toupet in schrillem Blond. Auch darüber hinaus streut Christoph Marthaler in seinen neuen Abend Die Wehleider Great-again-Momente ein. Mehr über diese abendländische Höllenfantasie mit Angstpatienten am Deutschen Schauspielhaus von Falk Schreiber.

Zürich, 3. Dezember 2016: Gísli Örn Garðarssons Die Verwandlung nach Kafka

Eine spektakuläre Bühnenfassung des isländischen Film- und Theatermachers Gísli Örn Garðarsson von Franz Kafkas Die Verwandlung tourt seit Jahren um die Welt. Nun hat Garðarsson die Sache fürs Schauspielhaus am Pfauen neu angerichtet. Valeria Heintges schaute zu.

Wien, 3. Dezember 2016: Die Stunde zwischen Frau und Gitarre im Werk X

Tanzeinlagen, Zeitlupen-Abläufe, spießige Garderoben: wir befinden uns in der Pflegeinrichtung, in der Clemens J. Setz seinen Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre angesiedelt hat. Beziehungsweise im Werk X, wo Thirza Bruncken den Stoff nun auf die Bühne brachte. Und, Theresa Luise Gindlstrasser?

Aachen, 3. Dezember 2016: Ludger Engels inszeniert Die Ereignisse von David Greig

In jeder Stadt, in der das Stück Die Ereignisse inszeniert wird, wünscht sich Autor David Greig einen lokalen Chor als Teil seiner Reflexion über einen Amoklauf wie ihn Anders Breivik auf der Insel Utøya ausübte. Ludger Engels befolgte die Vorgabe, setzt das Kollektiv gegen das ruhelose Individuum – und weicht sie trotzdem auf. Genaueres von Gerhard Preußer.

Wien, 2. Dezember 2016: Thomas Bo Nilssons Horor-Installation JINXXX

Der alte SIGNA-Compañero Thomas Bo Nilsson ist bekannt für bizarre Horror-S/M-Finsterlust-Installationen. Mit JINXXX lädt er zum zweiten Mal in diesem Jahr ins Schauspielhaus Wien ein, auf eine Krabbeltour durch Geheimgänge bis zur "Waldhütte", wo Mutti wohnt. Martin Pesl hat sie überlebt, aber knapp.

Graz, 2. Dezember 2016: Secondhand-Zeit – Leben auf den Trümmern des Sozialismus

Postkommunismus revisited. Den O-Ton-Roman Secondhand-Zeit – Leben auf den Trümmern des Sozialismus von Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch inszeniert Alia Luque in Graz, wo Reinhard Kriechbaum zuschaute.

Frankfurt, 2. Dezember 2016: Dieudonné Niangouna / Les Bruits de la Rue mit Nkenguégi

Der kongolesische Theatermacher Dieudonné Niangouna verlieh seiner Companie einen Namen, der dafür steht, dass er sich mit der Gewalt in seiner Heimat auseinandersetzt: Les Bruits de la Rue. Ihr Abend Nkenguégi erzählt von Lärm, Verwerfungen, Taumel zwischen den Welten. Esther Boldt ist im Schwebezustand.


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