Donnerstag, 31. Juli 2014

logo stiftung-niedersachsen

Anzeige

    

@nachtkritik

test


| Drucken |

Sommernachtstraum – Die Salzburger Festspiele feiern ihren Erfinder Max Reinhardt

Picknick im Haus des Verjagten

von Thomas Rothschild

Salzburg, 29. Juli 2010. In einem Gespräch über seinen Film "Der Passagier - Welcome to Germany" sagte Thomas Brasch (und sein Gesichtsausdruck lässt keinen Zweifel daran, wie ernst es ihm ist): "Der Faschismus ist so lange her wie eine Sekunde in meinem Leben. Wenn ich die Geschichte der Menschen ansehe - so lange ist er her. Eine Sekunde ist er her."

Und weil die Verhöhnung des Antifaschismus auf der Tagesordnung steht, weil das heute im Rausch des Gender-Mainstreaming und auch durch dieses verdrängt wird (von einem Arbeiterkinder-, Migranten- oder Behinderten-Mainstreaming ist nie die Rede, und niemand scheint sich daran zu stoßen): Elisabeth Bergner, Blandine Ebinger, Stella Kadmon, Kurt Gerron, Fritz Grünbaum, Peter Lorre, Ernst Deutsch, Paul Henreid, Otto Tausig, Erwin Piscator, Fritz Kortner, Viktor Ullmann, Arnold Schönberg, Alexander von Zemlinsky, Hanns Eisler, Paul Dessau, Bruno Walter, Otto Klemperer, Georg Kreisler, Gertrud Kolmar, Anna Seghers, Hilde Spiel, Alfred Döblin, Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Erich Fried oder Jura Soyfer wurden nicht wegen ihres Geschlechts ins Exil verjagt oder ermordet, und es waren nicht nur Männer, die von der Beseitigung der lästigen Konkurrenz profitierten.

Das Erbe der Nachkommen

Die Nachkommen haben sich gut eingerichtet in den Wohnungen und auf den Arbeitsplätzen, die ihre Eltern und Großeltern einst arisiert, aus denen sie die jüdische Konkurrenz ins Exil und in den Tod getrieben haben. Die Söhne und Töchter, Enkelinnen und Enkel organisieren Tagungen über die ausgerottete jüdische Kultur, halten Vorträge über die verjagten Juden, deren Rückkehr niemals erbeten wurde, und lassen sich das Honorar auf ihr Konto überweisen.

Es entbehrt nicht einer sarkastischen Komik, wenn die Kinder von Nazis an den Schaltstellen der Medien Juden untersagen, Kritik an Israel zu äußern, weil dies angeblich Antisemitismus erzeuge. Es gibt mittlerweile an manchen Orten ein Monopol der antisemitischen Philosemiten auf eine Interpretationshoheit, aus dem kritische Juden ausgeschlossen sind, während man in Österreich im Grunde insgeheim und am Stammtisch auch ausdrücklich bedauert, dass die Sache mit der Endlösung nicht ganz geklappt hat. Die österreichische Tageszeitung mit der zweitgrößten Auflage, der "Kurier", brachte es bereits 1987 auf den Begriff der Schlagzeile: "85 Prozent der Österreicher sind gegen offenen Antisemitismus." Das impliziert: gegen verdeckten Antisemitismus haben sie nichts einzuwenden. Genauer lässt es sich nicht sagen.

Der verdeckte Antisemitismus gehört zum österreichischen Alltag wie Wiener Schnitzel und Grüner Veltliner. Er hat eine lange Tradition, und was sich so gründlich bewährt hat, will man sich nicht von ein paar penetranten Aufklärern rauben lassen. Woran sollte man sich orientieren, wenn einem jede Sicherheit geraubt wird, an die man sich halten kann? Mittlerweile hat der Vorarlberger FPÖ-Politiker Dieter Egger vorgemacht, wie man auch mit offenem Antisemitismus Wählerstimmen gewinnen kann.

Österreichs Art der Aufarbeitung

Einer von jenen, die man vertrieben hat, war Max Reinhardt. Er überragte als Schauspieler, als Regisseur, als Theaterleiter und als Festspielmanager die meisten seiner Zeitgenossen. Immerhin konnte er in Wien das Theater in der Josefstadt in jenen Jahren leiten, in denen man dem jüngeren Max Ophüls am Burgtheater mit der Begründung kündigte, "das Publikum hätte nunmehr die Wahrnehmung gemacht, dass Ophüls Jude sei", was in einer christlich-sozialen Republik nicht geduldet werden könne. Max Reinhardt ist vor dem Ende des Weltkriegs, 1943, gestorben. Man kam nicht in die Verlegenheit, ihn zur Rückkehr in seine Heimat Österreich oder seine Wahlheimat Deutschland einladen zu müssen. Die Doppelzüngigkeit ist unerträglich, aber normal. Nur rachsüchtige alttestamentarische Juden könnten sich daran stören.

Es versteht sich, dass auch die Salzburger Festspiele diese Norm beherrschen müssen, wenn sie in Max Reinhardts einstigem Wohnsitz, im Schloss Leopoldskron, in dem nach dem Anschluss die Gäste des Gauleiters Rainer dinierten, darunter auch nach 1945 angesehene Schriftsteller wie Karl Heinrich Waggerl und Max Mell, das dann 1950 an die Erben Reinhardts zurückerstattet und von diesen 1959 an das "Salzburg Seminar in American Studies" verkauft wurde, ihres Mitbegründers gedenken wollen. Denn eine echte Aufarbeitung der eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit haben sie bis heute nicht geleistet. Das überlassen sie Ausländern wie dem amerikanischen Historiker und Musikwissenschaftler Michael P. Steinberg oder dem englischen Filmemacher Tony Palmer.

Im Haus des Gehenkten spricht man nicht vom Strick

Zum 90jährigen Jubiläum laden die Festspiele das Publikum ein, bei einem Picknick im Park "jene Atmosphäre zu erleben, die bis zu Reinhardts Emigration diesen Ort so unvergleichlich belebte". Die Frivolität der Ankündigung erinnert an die Lesung der "Reklamefahrten zur Hölle" durch Karl Kraus, der Reinhardt übrigens hasste. Eingerahmt wurde, was als Picknick geplant war, von der berühmten amerikanischen Verfilmung des "Sommernachtstraums" in der Regie von Max Reinhardt und William Dieterle und von einer Studentenaufführung einiger Szenen dieses Stücks. Wahrlich, ein würdiges Gedenken.

In einem Brief von 1927 schreibt Max Reinhardt: "Ich halte es für meine Pflicht, für den ‚Sommernachtstraum‘ die besten Komiker als Rüpel, die graziösesten tänzerischen Talente für die Elfen und die geeignetsten Schauspieler für die Liebespaare auszuwählen." Ob die Schauspielschüler des Mozarteums dieser Verpflichtung gerecht werden können? Ist es nicht schon ein wenig kurios, wenn Festspiele, die finanziell besser ausgestattet sind als alle vergleichbaren Unternehmen in Europa, einen Theatermann, der vom totalen Theater träumte, der die großen öffentlichen Spielplätze suchte und fand, dessen überdimensionierte Salzburger Faust-Stadt, die er noch vor seinem Exil realisieren konnte, Theatergeschichte machte, just im engen Rahmen seines, wenn auch prächtigen, Wohnsitzes feiern will, in dem er seine illustren Gäste zu empfangen pflegte, als gälte es, den literarischen Salon des 18. Jahrhunderts auferstehen zu lassen, und wo lediglich im Jahr 1923, notgedrungen, "Der eingebildete Kranke" und 1931, im Gartentheater, "Was ihr wollt" aufgeführt wurden? Gibt es zu den Jubiläen Karajans, der zwei Mal in die NSDAP eintrat, auch nur eine Schüleraufführung im Park, ein Konzert des zweiten Jahrgangs von Studierenden der Instrumentalklassen?

Spätromantisches Shakespeareverständnis

Der "Sommernachtstraum" hat Max Reinhardt buchstäblich durch sein halbes Leben begleitet. 1905, mit 32 Jahren, hat er ihn zum ersten Mal inszeniert, sein Wald wurde berühmt wie lediglich noch das Birkenwäldchen von Peter Steins "Sommergästen". Dreißig Jahre später und acht Jahre vor seinem Tod entstand der Film, der nur bedingt über die Bühnenfassung Auskunft gibt. So macht die Kamera die Drehbühne, die Reinhardt 1905 auf revolutionäre Weise benutzt hatte, überflüssig. Als Filmregisseur erlangte Reinhardt, der zuvor vier Stummfilme gedreht hatte, niemals den Rang, den er als Theaterregisseur einnimmt.

Der heutige Zuschauer freut sich vor allem, den Gangsterdarsteller James Cagney als Zettel zu sehen. Denn machen wir uns nichts vor: Max Reinhardts spätromantisches Shakespeareverständnis ist heute nicht anders als der bigotte "Jedermann" nur noch theatergeschichtlich zu verstehen, und wenn man dem großen Pionier gerecht werden, ihn tatsächlich würdigen will, dann muss man ihn in einen (theater)geschichtlichen Kontext stellen. Vergleicht man einen Peter Stein oder eine Ariane Mnouchkine von heute mit dem Stein von 1970 oder der Mnouchkine von 1980, dann ist kaum anzunehmen, dass ein Max Reinhardt heute so inszenieren würde wie 1920 oder gar wie ein Christian Stückl 2010. Bedeutende Künstler verändern sich.

Es muss einen im Übrigen nicht unbedingt für Reinhardt einnehmen, wenn er gerührt vermerkt, dass der Erzbischof beim "Jedermann" geweint habe, als das Vaterunser gesprochen wurde. Und wer wollte dem Meister tatsächlich zustimmen, wenn er, allerdings mit 23 Jahren, notiert: "Es taugt nicht, wenn der Schauspieler zu viel denken will u. zumal der nicht, der Gefühle darzustellen hat."

Apropos Erzbischof. Der scheint auch heute noch, vor Helga Rabl-Stadler, die maßgebliche Instanz in Salzburg zu sein. Er stößt sich am heurigen von Michael Köhlmeier übernommenen Motto "Wenn Gott und Mensch zusammenkommen, geschieht Tragödie", und schon zieht Jürgen Flimm den Schwanz ein: "Weder im Alten noch im Neuen Testament gibt es das Wort Tragödie. Wenn man also ‚Gott‘ und 'Tragödie' zusammensetzt, muss man wissen, dass nicht der christliche Gott gemeint sein kann. Bei den Christen geht es nicht um Tragödie, sondern um Erlösung." Hat der Hausherr vergessen, dass bei dem katholischen Mysterienspiel auf dem Domplatz genau dies passiert, dass nämlich Gott und Mensch zusammenkommen, und dass es, bei aller Barmherzigkeit Gottes, eine Tragödie ist? Max Reinhardt dürfte daran keinen Zweifel gehabt haben.

Bühnen- und spieltechnische Neuerungen und die Dramaturgie

Es gehört zu den frustrierenden Aspekten theatergeschichtlicher Forschung, dass sich Inszenierungen, jedenfalls vor der Erfindung des Films, nur indirekt, auf Grund von Beschreibungen, Kritiken und Einzelbildern rekonstruieren lassen. Zwar gab es zu Reinhardts Zeiten bereits den Film, aber wenn man bedenkt, wie selten selbst heute, da Video praktisch kostenlos zur Verfügung steht, Theateraufführungen dokumentiert werden, darf man sich nicht wundern, wie fahrlässig man mit der Archivierung seiner Arbeiten umgegangen ist.

Aus den Aussagen seiner Zeitgenossen lässt sich jedenfalls entnehmen, was für ein anregender, aufgeschlossener Theatermacher Reinhardt war. Er gab, als Regisseur wie als Theaterleiter in Berlin und Wien, der Interpretation von Shakespeare und deutscher "Klassik" ebenso wie dem damals zeitgenössischen Drama entscheidende Impulse. Wie beim zwanzig Jahre jüngeren Erwin Piscator, als dessen politisch desinteressierter Konkurrent er gemeinhin dargestellt wird, wie auch im frühen sowjetischen Theater gingen bei ihm bühnen- und spieltechnische Neuerungen stets Hand in Hand mit dramaturgischer Analyse. Jene hatten dem Text und dessen Verständnis zu dienen. Sie waren Mittel, nicht Zweck. Heute gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass sich die Nutzung technischer Angebote verselbständigt und ihre Funktion aus dem Blickfeld entfernt hat.

Zugegeben: angesichts der sozialen Lage vieler Theaterleute hat es etwas Irritierendes, sich einen Regisseur als Schlossherrn von Leopoldskron vorzustellen. Max Reinhardts wirtschaftlicher Erfolg wurde ihm immer wieder zum Vorwurf gemacht. Er passt nicht zum verächtlichen Verständnis des Satzes aus "Emilia Galotti", wonach die Kunst nach Brot gehen muss. Entscheidend jedoch ist nicht, wo und wie ein Künstler wohnt. Die Frage ist, ob er fürs Wohlleben seine Prinzipien verrät. Widerwärtig ist das Kalkül. Dass es nicht immer aufgeht, dass es mancher Charakterlose nur zur Zweizimmerwohnung bringt, mag tröstlich sein, macht den Erfolglosen aber noch nicht moralisch überlegen.

Schauspielschule im Gewächshaus

Dass die Rechnung der Salzburger Festspiele nicht aufging, war dem launischen Wettergott zu verdanken, der offenbar kein Reinhardtfan ist. Oder war es der Fluch des Erzbischofs? Wegen "flächendeckenden Dauerregens" musste die Premiere in das Glashaus einer Gärtnerei verlegt werden. Das Picknick wurde zu einem Gemeinschaftsessen aus vorbereiteten Körbchen, der "Sommernachtstraum ganz eigener Art" im Park zu einem Stelldichein im Blumenarrangement und die marktschreierische Rhetorik des Festspielkatalogs zu einem leeren Versprechen, das der Regen, der bekanntlich jeglichen Tag regnet, auf ein nüchternes Maß zurechtzustutzen vermochte.

Das Programm ging dennoch über die Bühne und machte einmal mehr deutlich, dass das gescholtene Regietheater Österreichs Schauspielschulen noch nicht erreicht hat. Da agiert man wie vor 50 Jahren. Aber singen können sie, die jungen Leute vom Mozarteum. Gerne hätte man ihnen 75 Minuten zugehört und sich die Szenen aus dem "Sommernachtstraum" erspart, deren Beliebtheit an Theaterakademien sich der Tatsache verdankt, dass sie mit einem Jahrgang besetzbar sind, Frauen- und Männerrollen aufweisen und keine bloßen Nebenrollen. Die Gäste klatschten wie Theseus und Hippolyta bei den Handwerkern und fanden die Aufführung zauberhaft. Gerne wüsste man, wie oft sie die Vorstellungen der Schauspielklassen am Ende des Studienjahres besuchen. Ohne Picknick von Österreichs prominentestem Catering. Und ohne Festspielglamour.

 

Ein Sommernachtstraum
von Max Reinhardt und William Shakespeare
Picknick, Theater- und Filmaufführung im Park von Schloss Leopoldskron.


Regie: Matthias Kniesbeck, Bühne und Kostüme: Violaine Thel, Dramaturgie: Christoph Lepschy.
Mit: Anna Sophie Fritz, Liza Tzschirner, Frederik Götz, Nikolaij Janocha, Elisabeth Therstappen, Mirjana Milosavljević, Frederic Böhle, Ralph Kinkel, Michael Del Coco, Artur Spannagel.

www.salzburgerfestspiele.at

 

Mehr zu Max Reinhardt im nachtkritik-Lexikon.

 

Kritikenrundschau

Christine Dössel bezweifelt in der Süddeutschen Zeitung (2.8.2010), ob "die 'Short Cuts'-Version von Shakespeares 'Sommernachtstraum' (...) im Gartentheater von Leopoldskron sehr viel besser gewesen wäre" als in dem regenhalber bezogenen Ersatzspielort, einer Gärtnerei. "Wer im Gewächshaus der 'Kunstgärtnerei Doll' keinen vorderen Platz ergattert hatte, musste sich, zumal die Szenen mit Vorliebe auf dem Boden spielten, mit dem schlingpflanzenartigen Bewuchs des Glasdaches trösten. Man spürte sie hier förmlich, die photosynthetischen Aktionen im Dickicht der Stätte, während sich die Aktionen auf der kein bisschen erhöhten Bühne vor allem akustisch vermittelten. Soll heißen: Es herrschte ein Riesengetrampel und -geschrei, ein Rennen und Bellen, die Aufgeregtheit eines Pfadfinderlagers, gekoppelt mit der Eintönigkeit eines ganz braven Aufsagetheaters. Der Athener Wald: ein Dschungelcamp. Ich Tarzan, du Jane." Man müsse sich fragen, "wie und warum dieses 'Jugend forsch(t)'-Theater für festspielwürdig befunden werden konnte."

Von einem "frivolen Gedenkfest" spricht Norbert Mayer in der Wiener Tageszeitung Die Presse (31.7.2010). Eine Aufarbeitung der Geschichte um Max Reinhardts Vertreibung sei nicht geboten worden, auch sei man dem "Perfektionisten Reinhardt, für den die besten Schauspieler gerade gut genug gewesen waren" etwas mehr als nur eine Schauspielschul-Darbietung schuldig gewesen. Denn die" zehn Eleven des Mozarteums haben so brav und engagiert gesungen und gespielt, wie man sich das von einem zweiten Jahrgang erwartet." Allerdings notiert Mayer bereits eine "ziemliche Konstanz, sogar einige zauberhafte Momente." Auch ist es aus seiner Sicht gut möglich, "dass sich zum Beispiel Michael Del Coco (Zettel) zu einem bemerkenswerten Charakterdarsteller oder gar zu einem unverwechselbaren Komödianten entwickelt, dass Liza Tzschirner (Hermia) bald als große Tragödin auf einer größeren Bühne zu sehen sein wird oder Nikolaij Janocha (Demetrius) bei Castorf oder Pollesch landet."

Welch kluge Entscheidung von Schauspielchef Thomas Oberender, "Reinhardts Lieblingsstück" in Leopoldskron aufzuführen, findet dagegen Hedwig Kainberger in den Salzburger Nachrichten (31. 7. 2010). Auch der wetterbedingte Umzug habe langen Gesichtern keine Gelegenheit geboten, "weil schon am Eingang ins Ausweichquartier, die Gärtnerei Doll, die Gäste wohlgefüllte Picknickkörbe bekamen. Die erste Sommernachtstraumstunde war also dem Schnabulieren gewidmet, Prosecco wurde reichlich nachgeschenkt. Essen tröstet über fast alles hinweg." Vor, unter und neben üppigstem Grün waren Bühne und Sitzreihen aufgebaut, lesen wir weiter. "Schauspielstudenten des zweiten Jahrgangs der Universität Mozarteum spielten dort, tatsächlich im Wald, die Liebes- und Handwerkerszenen aus dem 'Sommernachtstraum'. Es gab einiges zu lachen, vor allem über die unglücklich verliebte, zänkische Helena (Anna Sophie Fritz) und über Zettel (Michael Del Coco), der den Löwen auch noch spielen mag. Der studentische Puck war etwas fahl. Das wog Mickey Rooney, der Puck im danach gezeigten Film von 1935, auf: ein wildes, exaltiert schadenfrohes Energiebündel. So vermittelte der Abend ein ausgewogenes Puck-Gefühl."

 




Kommentare (14)

1. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: Und Barenboims Eröffnungsrede?
Wie passt es eigentlich in ihr Konzept, dass Daniel Barenboim die Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele hält und als Jude darin ausdrücklich Kritik an Israel äußert? Da muss den Geld scheffelnden "Kindern der Nazis" - eine so hilflose Stammtisch-Klassifikation halte ich übrigens für unbrauchbar - ein schwerer Fehler unterlaufen sein. Wahrscheinlich sind sie nur clever genug, um zu wissen, dass man die Kritik dem Konsumenten gleich mit verkaufen muss. Dann wird es allerdings schwer, sich überhaupt noch über solche Themen unterhalten zu können.:
Jedermann , 30. Juli 2010 - 11:01 Uhr
2. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: Gender-Diskurs integriert viele Kategorien
Ja. Genau. Und ausserdem verstehe ich diese Form der ideologischen Realitätskontrolle nicht, nach welcher heute angeblich der "Rausch des Gender-Mainstreamings" alle anderen Themen verdrängen soll. Stimmt denn das? Ich möchte zu bedenken geben, dass gerade der aktuelle Genderdiskurs immer auch andere Kategorien wie die von Kultur, Klasse, Rasse und anderen Minderheiten miteinschließt, um den Hegemonieanspruch einer hierarchisierenden Begriffsbildung kritisch hinterfragen zu können. Beispielsweise wird der postkoloniale Diskurs mit dem Genderdiskurs verschaltet, um Fragen nach dem Zusammenwirken von Geschlechterdifferenz und ethnischer Differenz bzw. Rassismus stellen zu können.
Jederfrau , 30. Juli 2010 - 13:23 Uhr
3. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: was ins Bild passt
Natürlich ist Österreich nicht das Vorzeigeland im Hinblick auf Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Und sind die Festspiele nicht der Ort, wo diese Debatte im Vordergrund steht. Aber bestätigt der Autor Thomas Rothschild sich nicht allzu selbstgefällig die eigenen Vorurteile, wenn er dies ausgerechnet im Hinblick auf Max Reinhardt’s "Sommernachtstraum" einfordert? Seit 60 Jahren sind die Türen von Reinhardts Schloss für die Öffentlichkeit nicht mehr geöffnet gewesen. Reinhardts Schloss war seine größte Inszenierung, hier hat er die Festspiele erfunden und seine legendären Feste gegeben. Das Sommertheater und Picknick im Park ist eine Einladung, diese Atmosphäre, die Reinhardt prägte, zu erleben. Auch das gehört zu den Festspielen. Wer mehr zu Reinhardt und dem Nationalsozialismus wissen will, dem sei die von den Festspielen veranstaltete Jubiläumsausstellung im Stadt-Museum empfohlen. Und auf dem Festspielprogramm steht an anderer Stelle die Auseinandersetzung mit Leni Riefenstahl und dem Konzentrationslager für Zigeuner in Maxglan, oder dem Bürgerkrieg zwischen Roten und Schwarzen 1934. Der just wegen diesen Ereignissen emigrierte Stefan Zweig steht erstmals in der Festspielgeschichte auf dem Schauspielprogramm, Klaus Maria Brandauer hat dessen Novelle "Widerstand der Wirklichkeit" gelesen, die am Ende den heraufziehenden Faschismus beschreibt – nur passt das halt alles nicht so bequem ins Bild der reichen, geschichtsvergessenen Festspiele, wie der Autor das gerne vermittelt hätte. Bei der Lektüre solcher Beiträge fragt man sich schon, wer da eigentlich wen überführt.
Ein Zuschauer , 30. Juli 2010 - 17:08 Uhr
4. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: mit offenem Visier kämpfen
Ich nehme gerne jede Kritik entgegen und mir zu Herzen. Und der gute Ton des Journalismus verbietet es, darauf zu antworten. Nur: wenn sich hinter "Einem Zuschauer" offenbar ein Mitarbeiter der Festspiele verbirgt, jedenfalls deren Verlautbarungen wörtlich zitiert werden, sollte mit offenem Visier gekämpft werden, damit der Leser weiß, dass es hier nicht um Wahrheitsfindung, sondern um Interessen geht. Dann ließe sich entscheiden, ob, was ich mir angeblich selbstgefällig bestätige, Vorurteile sind oder Urteile, und was so "natürlich" daran ist, dass Österreich kein Vorzeigeland im Hinblick auf Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sei, wenn das doch zugleich ein Vorurteil sein soll.
Th.R. , 31. Juli 2010 - 08:20 Uhr
5. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: Reden Sie mit uns!
Ich bin kein Mitarbeiter und wirklich auch kein Freund der Salzburger Festspiele. Einige ihrer Standpunkte halte ich sogar für richtig, aber ihre Argumentation ist vollkommen kontraproduktiv und entbehrt jegliches Verständnis des Genderdiskurs. Sie arbeiten mit genau jenen Argumentationsmustern, die sie bei anderen inhaltlich kritisieren wollen. Das funktioniert aber leider nicht.

Judtih Butler hat den Preis für Zivilcourage nicht ausschließich deshalb zurückgewiesen, weil der Berliner CSD nur noch hedonistischen Charakter trägt. Sie kritisiert vielmehr den Rassismus jener Schwulen, die eine andere (gewaltausübende) Gruppe von Minderheiten über Rasse, Geschlecht und Kultur definieren. Es sind aber eben nicht junge, türkische Männer mit Migrationshintergrund, die Schwule klatschen, sondern Menschen mit einem sehr differenzierten Gesicht, das es gilt, genau zu beschreiben. Eine 2. oder 3. Generation einer Bevölkerung generell als "Kinder von Nazis" zu brandmarken, da fällt mir halt nichts mehr zu ein! Und wenn sie schon meinen, es gehöre zum guten - ich würde behaupten: ängstlichen - Ton, nicht zu antworten, dann reden sie doch einfach mit uns, so wie es jeder hier tut.
Jedermann , 31. Juli 2010 - 11:12 Uhr
6. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: schon immer ein Vorzeigeland
österreich war immer schon ein vorzeigeland im hinblick auf
nicht-auseinandersetzung mit dem nationalsozialismus
und daran wird sich so schnell nichts ändern

window , 31. Juli 2010 - 11:37 Uhr
7. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: weiträumig nachforschen
als ein kind von nazis
weiß ich darauf
KEINE antwort
vielleicht liegt es
an der mentalität meiner landsleute
und man müsste im mentalen der österreicher
weiträumig nachforschen
als ein zugegeben
weites feld
sie sprechen schon darüber
wenn man sie kennt
und was entdeckt man dann an und in ihnen? -
faschistoide züge
durchgehend
window , 31. Juli 2010 - 16:45 Uhr
8. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: in die Tradition hereingelogen
Was soll das für ein Land sein: Vorzeigeland, fast liegt schon "Weltmeister" in der Luft, im Umgang mit dem Nationalsozialismus bzw. "Antisemitismus", ist ja wohl auch noch zu unterscheiden im Grunde ??
Ungarn, Kroatien, Bulgarien, Rumänien , aber ach: Israel, USA, die "Achse des Bösen" gar, die "Achse des Guten" wohl noch, Transnistrien, Schland, Panenklavien ???
Wer so spricht, der nenne so ein Land !, warum sonst so sprechen !!

Ich unterstelle Herrn Rothschild hier keineswegs, daß er hier an dieser Stelle einer Formel das Wort redet, die die (hiesigen ?!) zweiten, dritten Generationen gewissermaßen mit holzhammerartiger Kollektivschuld befrachten will: im Gegenteil.
Es wird von ihm, denke ich, sehr bewußt ein glossierendes Verfahren gewählt, um seinerseits auf Nadelstiche zu verweisen, die jene "Implikationen", wohl eigentlich Suggestionen (siehe Umfragebeispiel) befragt, die medienseits üblich geworden sind und immer wieder auch überraschende "Kartellanmutungen" zeitigt: man schaue jetzt nur auf diese einhelligen Staatstrauerszenarien zur Loveparade: Wehe dem, der das Bild nicht vor Sprachwerdung abwehren konnte, daß genau das bei "Mc Fit" trainiert wird: Treten (Stepping) und Drücken, wehe dem, der einen Moment von Maßlosigkeit, von einer Erlaubnisgesellschaft, ungesunden Gewohnheiten handelt, wehe dem, der Doppelzüngigkeit dort vermutet, wo geschrieben wird: "Es gab Blogger, die haben gewarnt, so viel wurde gewarnt ..." und im selben Atemzug eine 25-jährige Feuilletonmitarbeiterin mit dem Reportageauftrag versehen haben, selbst garnicht so sehr beeindruckt von diesen Bloggern und Warnern im besten angenommenen Fall, sonst ja Leib und Leben der Mitarbeiterin selbst fahrlässig aufs Spiel setzend, unbedrängt !!, der ihr dann
(siehe Reportage) beinahe selbst zum Verhängnis (tödlich ...?!) wird, zudem wurde diese dann ja auch noch, nur Panik ??, bestohlen ... (siehe lfd. Nr. "Die Zeit"), wehe dem !!, denn es wurde bevorzugt von Schuld gesprochen ..., allerhöchstens von einer etwas "dummen Veranstaltung" gefaselt, das natürlich nicht weiter ausgeführt, der hier nicht umstandslos in den Tenor "Tragödie" einstimmen wollte !!!
Wozu denn so dümmliche Sentenzen absondern und von der Erfahrbarkeit der
1920er-Reinhard-Sphären schwafeln, als habe es keine Jahrzehnte zwischendrin gegeben: das ist doch sichtlich der Anlaß der recht zornig anmutenden, erfrischend
nicht-verständnissinnigseinwollenden "Kritik" Herrn Rothschilds.

Freilich: Was wäre daran besser gewesen, ich meine dem rothschildschen Gestus nachgehend, die besten und perfektesten Spielerinnen und Spieler hier auftreten zu lassen wie sonst nur zu Karajan-Festen in ungefähr; irgendwie hätte sich ein Veranstalter dann ja auch noch ungenierter in die Tradition "Reinhards" hineingelogen (?): ich finde ja sogar, daß das mit den Schauspielschülerinnen und Schauspielschülern noch das Charmanteste an der ganzen Veranstaltung ist !
Zumal es ja auch das "Max-Reinhardt-Seminar" gibt: mit "Schule" heben für mich immer noch Möglichkeit und Offenheit an, gewiß auch Möglichkeiten zu Schlechterentwicklungen, Möglichkeiten zu Zementierungen.

Was für ein "Kartell" damals zu Handke ?

Was für ein "Kartell" anläßlich der Börne-Preisverleihung an Herrn Broder seinerzeit ??

Herr Rothschild hat an anderer Stelle, lesenswert und ausführlich, sich mit derlei
Allianz-Anmutungen auseinandergesetzt: wer gemeint ist, wird sich vermutlich ein
wenig anders angesprochen sehen (müssen ?!) als es jetzt der vor dem Kopf gestoßene Leser sein mag, der sich (ganz zurecht) gegen Vereinnahmungen ("Kinder von Nazis") wehrt.
Wie aber, wenn Menschen einer zweiten, dritten Generation in einer merkwürdigen Art und Weise dann wirklich eine "Kontinuität der Eliten" ausprägten, in irgendeinem "Vorzeigeland" oder so, die derlei Kuriositäten im sichtbaren Einzelfall wie symbolisch hervortrieben wie "Vertreiben und Daranverdienen" ??
Ein Stasi-Oberer kann auch ein Buch schreiben, und viele würden das lesen ..., gewiß ein wirtschaftlicher Erfolg dann: ob der dann zurecht auch im Vordergrund der Debatten stünde: ein weites Feld..

Versagt da nicht vielleicht auch ein wenig unser üblich gewordenes Sprechen, unser Begriff von "Kritik", vom Journalismus ganz allgemein ?!!

Auch zum Thema "Journalismus vs. Bloggerwesen" hat sich Herr Rothschild eindeutig positioniert: siehe seine Ausführungen zur Zukunft vom "Freitag"; insofern halte ich seine Aussage zu "Antworten" gegenüber Kommentatoren für konsequent, wenngleich das weder bei nachtkritik de. durchgängige Praxis ist noch meiner Haltung zum entwicklungsoffenen Medium (Medium ??) entspricht.
Arkadij Zarthäuser , 01. August 2010 - 17:01 Uhr
9. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: glossierendes Verfahren
Vielen Dank für ihre Anweisungen, wie ich den Text von Herrn Rothschild zu lesen und verstehen habe. Ihr Ausflug zur Loveparade will mir allerdings nicht einleuchten. Plausibler erscheint mir ihr Versuch, die Kategorisierungen zu neutralisieren, indem sie alles als ein glossierendes Verfahren beschreiben. Vielen Dank auch für die nachgereichten Fussnoten, die ich nun sämtlich studieren werde. Die wenig hilfreichen Verleumdungen von Herrn Rothschild werden dadurch allerdings nicht besser.
Jedermann , 02. August 2010 - 14:14 Uhr
10. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: kein Zurück in die Gärten
@ Jedermann

Entschuldigen Sie, Anweisungen, wie Sie den Text zu lesen und verstehen haben,
wollte ich keineswegs liefern, ich glaube auch, daß das aus "Ich unterstelle
nicht, daß ..." schwerlich so -sachlich haltbar- abzuleiten ist.

Ihrem unter § 1 gemachten Einwand betreffs der Barenboim-Rede und die darauf-
hin entwickelte Frage nach Herrn Rothschilds "Konzept" stimme ich zu bzw. hätte
darauf auch lieber eine Antwort des Autoren vernommen.

Ich mußte zunächst bei dem Text ziemlich schlucken, fand ihn auch nicht sogleich "erfrischend-nichtverständnissinnig", nein, er hat zunächst, bewußt, das unterstelle ich allerdings, gequält ,und ist in diesem Maße für mich auch gut und gerne kritisierbar, zumal er sich sehr "lesartenabhängig", selbst aber wenig Umschweife macht, gewissermaßen auch eher Textbilder evoziert und gegeneinandersetzt (glossiert) als durchgängig argumentiert, Roß und Reiter nennt, was in den von mir herangezogenen Texten sichtlich und erfreulicherweise sich völlig anders verhält, und das mit den "Kindern von
Nazis" halte ich freilich auch nicht für förderlich, behutsam in etwa das Thema "Österreich und Reinhardt" aufzumachen und sagte mir folglich zunächst: "Das kann doch nicht der Ernst eines professioniellen Autors hier auf nachtkritik de. sein !"
Es stimmt, ich suchte für mich nach einer Erklärung für diese gewählte Vorgehensweise und beschäftigte mich hierzu mit einigen anderen Texten des Autors,
die mir meine jetzige und unter § 8 umrissene Auffassung des Textes nahegelegt
haben: ich stehe zu dieser meiner Vermutung und fühle mich im Zuge dieser auch nicht als "Kind von Nazis" diffamiert oder verleumdet, währenddessen das "Gender-Mainstreaming" an dieser Stelle mir etwas zu sehr bemüht erscheint, aber als Symbol für eine bestimmte Art und Weise, journalistisch "Säue durch die Stadt" zu treiben für mich schon taugt (immer dann, wenn Einseitigkeiten und Themenverengungen sich im rechten, linken, mittleren Spektrum so angleichen, daß "man" sich seinen common sense-Begriff zum "Themeneinstieg" beinahe vorzuwerfen geneigt ist ..., das geht im übrigen mir bei der Loveparade nicht sehr anders).

Ich fühle mich, ich wählte bewußt die "Loveparade" als Beispiel, um möglichst ein wenig Anmutung von den 90 Jahren zu geben, die zwischen den Reinhardtschen-Sphären, die das Festival "beschwört", von der hiesigen Einheitlichkeit zB. zur Loveparade schon ziemlich verarscht: irgendwo im "Spiegel" steht dann ganz zaghaft,
daß Polizei und Feuerwehr ja einfach nicht hätten mitspielen müssen oder so ...,
das ist schon fast die größte Abweichung vom Schuld-Diskurs-Mainstream, der jegliche Frage abblockt in Richtung "Titanikwesen, Leuchttürme und wie doch gerade die Presse mittut, daß es kleiner und Selbstkontrolle nicht untergrabend gehen könnte": "Er war an diesem Tag die pure Lebensfreude ...", welch ein Satz zum Drogenspielplatz, meinen Respekt !

Das ist heute: da gibt es dieses Zurück in Reinhardtsche Gärten so nicht, und wenn das nach 60 Jahren so aufgemacht wird, dann ist das mindestens dümmlich, dilettantisch, denke ich, wenngleich Sie, Jedermann, und auch "Zuschauer" da schon ein wenig geradegerückt haben mit ihren Einwänden: Barenboim, Lesungen, Ausstellungen: Ja, die gibt es: glücklicherweise.

Ein wenig sieht das auch gezwungen aus, seitens Herrn Rothschilds, diesen Anlaß zu nehmen, eine für ihn schon längere Auseinandersetzung mit "Antisemitismusvor-
würfen" (an ihn selbst !!) an dieser Stelle fortzuführen, zumal in einem Forum, das gerade seine Vorstellungen vom "guten Ton des Journalismus" bezüglich der Internetforen mindestens massivst befragt: - hier sollte der Text dann gewiß viel weniger "Verständnisarbeit" seitens der Leser erzwingen, Rösser und Reiter nennend, stringenter argumentierend.

Es war offenbar kein besonderes Theaterereignis: soweit ein Tenor aus den Kritiken,
dem ich sehr wohl über den Weg traue..
Arkadij Zarthäuser , 02. August 2010 - 21:12 Uhr
11. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: nicht deckungsgleich
over the top
sowieso
ein wenig "weltmeistern" aber schon
denkt man an haider und gleich darauf an thomas bernhard
als einem "weltmeister" in übertreibungskunst mittels schreiben
über nazis und katholiken (salzburg, jedermann usw.)
und
alle und alles ist verrückt und geisteskrank geworden
hat sich grundsätzlich daran etwas verändert?
bei schlechtem wettern (wie gerade jetzt)
und dauert dieses an
nicht viel
doch nein, bei gutem wetter sieht es gar nicht
einma1 so schlimm aus damit
ein neues sich-hinweg-heben
hinweg-denken (da gibt es viele möglichkeiten)
und viele beschwichtigende worte
die allen gut tun . . .
zu unterscheiden ist aber:
mit diesem begriff faschistoid
werden ja eigenschaften beziehungsweise haltungen
bezeichnet und gekennzeichnet
die dem faschismus in verschiedenen hinsichten
ähnlich sind
jedoch n i c h t deckungsgleich
mit diesem sind
window , 03. August 2010 - 05:54 Uhr
12. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: Wetterfühligkeit
wetterfühligkeit
nahezu jeder zweite leidet darunter (als ernstzunehmende befindlichkeitsstörung anerkannt)

kaum ist man von sonnigen lebensfrohen süden zurückgekehrt
und steigt man in VILLACH aus dem zug -
der heimatliche himmelmist (ungewollter schreibfehler: himmel ist) bedeckt
erkennt man mit schrecken:
man ist in eine bernhardsche welt der kranken
ins offene der heimat zurückgekehrt
und ohne es zu wollen
denkt man sogleich an bernhard
und die von ihm beschriebene (qualvolle) heimat
in seinen büchern die man nur schwer lesen kann und konnte
die man nie gerne gelesen und nie geliebt hat
denn diese welt ist eine unerträgliche
nichts anderes als ein
SOMMERNACHTS-ALP-TRAUM
jedoch vielleicht - wetterbedingt!
sodann
der vorhang wird aufgezogen
ein zwei tage schönstes sommerwetter lachender sonne
dann aber wieder und abermals (gewiss wetterbedingt)
diese elektromagnetischen impulse in der heimatlichen atmosphäre
die (vermutlich)
das vegetative nervensystem irr-i-tieren (sogenannte "sferics")
die wissenschaftler aber sind sich nicht einig:
"tatsächlich ist die frage, was w i r k l i c h hinter der
BESONDEREN SENSIBILITÄT gegenüber dem wetter steckt
noch nicht geklärt (so ein wiener physiologe)

es ist der-ist es der W A L D (das Unbewusste?)
ähnlich dem aus dem "Sommernachtstraum" von Shakespeare
und Max Reinhards "Sommernachtstraum" als film
ist tatsächlich die beste shakespeare-verfilmung
denkt man
und stellt sie noch
über den "Hamlet" von Olivier
window , 05. August 2010 - 05:44 Uhr
13. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: Eselskopf im Arm
Robin Goodfellow (auch Jedermanns Guter Gesell genannt):
Zur Aufheiterung + Belustigung des Publikums
bei anhaltendem Schlechtwetter, so wie wetterbedingten "bösen" Gedanken + Erinnerungen:

In ihren (der Kaiserin) Dichtungen sah sie sich meist als Feenkönigin Titania.
Die erfolglosen Verehrer wurden als Esel dargestellt -
wie im "Sommernachtstraum",
Elisabeths Lieblingsstück(!)
In jedem Schloss, das sie bewohnte, befand sich ein Bild
Titanias mit dem Esel(!)
Elisabeth zu Christomantos (ihrem griechischen Vorleser):
"Das ist der Eselkopf unserer Illusionen,
den wir unaufhörlich liebkosen...
ich kann mich daran nicht satt sehen."
Immer wieder beklagte sie Titania, die Einsame,
die nie Erfüllung in der Liebe fand:

Nur ich, die schier wie Verfluchte,
ich Feenkönigin,
ich finde nie das Gesuchte,
nie den verwandten Sinn.

Umsonst verschied'ner Malen
stieg ich vom Lilienthron;
es währte mein Gefallen
nie lang am Erdensohn.

In üpp'gen Sommernächten,
bei schwülem Vollmondschein
dacht oft: jetzt hab ich den Rechten!
und wollte mich schon freu`n.

Doch immer beim Morgengrauen,
an's Herz gedrückt noch warm,
musst' mit Entsetzen ich schauen
den Eselkopf im Arm!

Nun wandl'ich einsamen Pfades
schon manches lange Jahr;
es weilt nicht einmal im Hades
einer, der mir was war!

--------

Wie traurig für die, die die Kaiserin liebten, und die, die sie heute noch lieben . . .

... wer weiss, wer meine Titania war (Ariadne auch, die mir den "Zaubergarn" schenkte, um den Weg aus dem Labyrinth (Sommernachttraum-Wald) zu finden hätte Max Reinhardt mir (als einem der (unmöglichen Honoratioren) die mit glitzernden Spinnweben verzierte Geweihkrone des Oberon
aufs gedankenschwere Haupt gesetzt?

(das schlechte Wetter übrigens ist durch den
andauernden Streit zwischen Oberon und Titania
naturgemäß bedingt...)
Jedermanns Guter Gesell , 08. August 2010 - 10:46 Uhr
14. Salzburgs Umgang mit Max Reinhardt: Ähnlichkeiten im Wortlaut
"Ein Zuschauer" outet sich. Thomas Oberender am 26.8. in "Die Presse": „Wir feierten Reinhardt ja nicht mit einem Picknick, sondern es ging um die Öffnung eines Ortes, der bisher nur für geschlossene Veranstaltungen vorgesehen war. Bisher hatten wir in Leopoldskron nur exklusive Salons oder Vorlesungen veranstaltet. In diesem Jahr war es anders. Wir bemühten uns, diesen Ursprungsort der Festspiele dem Publikum wieder zugänglich zu machen, mit Sommertheater, Schauspielschülern, Picknick. Das Schloss ist Reinhardts größtes Stück, er hat es 18 Jahre lang inszeniert. All das, was er dort erfunden hat, war sein Gegenentwurf zur Wirklichkeit. Salzburg lebt noch immer von diesem Geist.“ Man beachte den Wortlaut. Der Veranstalter als sein eigener Zuschauer. Die zeitgemäße Form der Stimmungsmache. Es geht auch anders, aber so geht es auch. Aber Oberender sagt in dem Gespräch auch, dass er mit Flimm mittlerweile gut kann. Seinen Stil jedenfalls hat er erlernt. Hinterhäuser hat so etwas nicht nötig.
Th.R. , 26. August 2010 - 17:13 Uhr

Kommentar schreiben

kleiner | grösser

busy