Freitag, 22. August 2014
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vallegeraeumt11082014-280 mariannasalzmann uDas Plakat "Wie trist ist die Besonnenheit"
vor dem Teatro Valle © Marianna Salzmann

Rom, 13. August 2014

Das Problem ist auf dem Berg und nicht im Tal

Das Teatro Valle ist geräumt. Zumindest sind die Besetzer ausgezogen. Das Transparent, das mehr als drei Jahre lang im Zuschauerraum des historischen Theatersaals hing, befindet sich nun draußen vor der Tür. Was sonst noch geschah, schreibt Marianna Salzmann in einem Postskript zu ihrem Bericht über die letzten Tage der Besetzung, die keine sind, auf Deutsch und Englisch.

Aus einer spontanen Besetzung sind inzwischen drei Jahre geworden. Das römische Teatro Valle wird nach wie vor von den dort arbeitenden Künstlern selbst verwaltet. Aber vielleicht nicht mehr lange: praktisch jeden Tag rechnet man dort mit der Räumung. Was damit alles verloren gehen würde und wie es überhaupt so weit kam, berichtet die Theatermacherin Marianna Salzmann, die seit über drei Wochen vor Ort ist. (Hier der Text auf Italienisch und auf Englisch.)

Krieg in Gaza. Bilder der Zerstörung gehen um die Welt. Kann man da über Theater sprechen? Man kann. Und zwar mit der palästinensischen Theatermacherin Iman Aoun. Sie ist künstlerische Leiterin des Ashtar Theaters in Ramallah, das seit langem einen Ableger in Gaza unterhält. Dort entstanden 2010 u.a. "Die Gaza Monologe". Herwig Lewy hat mit Iman Aoun über ihre Theaterarbeit und die aktuelle Situation gesprochen.

Russland ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall: Der Gesprächsfaden zwischen Politik und Kunst ist zerrissen, wo früher Zensur war, herrscht heute ökonomische Auslese. Mit Formenvielfalt stellt sich das Theater als politische Kunst neu auf: Das Dokumentartheater blüht, Dramatiker schreiben eher Dystopien als Satiren, Migranten betreten die Bühne. Nur Kirchenkritik ist Tabu. Im Theaterbrief aus Russland beschreibt Pavel Rudnev das aktuelle politische Theater in seinem Land.

Fragen nach nationaler Identität: Im Sozialismus einst ein Tabu, inzwischen in den Staaten Osteuropas ein Thema, das – siehe Ukraine – im schlimmsten Fall zu bewaffneten Konflikten führt. Auch in der Kulturpolitik sorgt das Thema für Debatten. Zuletzt am Slowakischen Nationaltheater Bratislava, das sein neues Theaterfestival Eurokontext aus der Taufe hob. Mit Produktionen aus Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei, die im Spannungsfeld von westlicher Öffnung und sozialistischer Vergangenheit Identität und Geschichtsbilder befragten. Simone Kaempf berichtet.

Als vor einem Jahr im Gezi-Park demonstriert wurde und sich die Proteste ausweiteten, gingen auch zahlreiche türkische Theatermacher auf die Straße. Vielen wurde daraufhin die Förderung entzogen. Privatisierungen machen den Künstlern bereits seit Jahren zu schaffen, viele alte Theatergebäude stehen leer. Doch trotz aller Schwierigkeiten wird der Theaterszene im Moment neues Leben eingehaucht. Mehr von der Istanbuler Journalistin und Theaterkritikerin Bahar Çuhadar.

Über den Umgang mit der Vergangenheit herrscht in Polen ein Lagerkampf, in dem auch Theaterregisseure immer wieder ihre Stimme erheben, auf und vor der Bühne mit ideologischen Argumenten operieren. Michał Zadaras Inszenierung von Schillers Die Räuber vor drei Wochen in Warschau zeigt, wie es auch anders geht. Mehr über den Zustand des politischen Theaters in Polen berichtet Anna R. Burzyńska.

Das Budapester Nationaltheater versteht sich unter seinem neuen Intendanten Attila Vidnyánszky auch als Bollwerk gegen die Globalisierung, den ihr unterstellten identitätsnivellierenden Sog. Das neue Theaterfestival M.I.T.E.M. präsentierte dort nun – mitten in der Ukraine-Krise – Produktionen von Nationaltheatern: hauptsächlich aus ehemaligen Sowjetrepubliken und einstigen Ostblockstaaten. Ein anderes Theater? Ein anderes Europa? Mehr von Esther Slevogt.

Spätestens seit dem Riesen-Erfolg, den Sebastian Nüblings und Simon Stephens' "Three Kingdoms" in London einfuhr, ist klar: Das britische Theaterpublikum ist offen für "kontinentale Theaterexperimente" jenseits des well made Autoren-Theaters. 2013 eröffnete das Londoner Lyric Hammersmith Theater ein Labor: Im Secret Theatre sollen neue Formen des Theatermachens erprobt werden, "secret" ist es insofern, als dass vor Premiere nicht einmal der Stücktitel verraten wird. More from Andrew Haydon.

Die Auslastung ist höher als im Eishockey oder Fußball. Aber auch das finnische Theater hat mit sinkenden Etats zu kämpfen – und arbeitet in veränderten Strukturen dagegen an: Wie neue finnische Dramatik gefördert wird, wie die internationale Vernetzung voranschreitet, und welche Gruppen man auf dem Zettel haben sollte, wenn man demnächst auf Festivals reist, das berichtet im Theaterbrief Finnland nachtkritik.de-Autorin Friederike Felbeck.

Toll gespielt, schön gemacht sind die Pariser Inszenierungen der letzten Zeit. Doch sie schauen lieber auf die Vergangenheit, als das Jammertal der Gegenwart zu durchschreiten. Dafür muss erst eine Inszenierung aus dem fernen Südafrika gastieren. Über die Konfrontation des Publikums mit einer Geschichte von antiker Wucht berichtet Ute Nyssen im Theaterbrief aus Paris.

In Iran findet dieser Tage das 32. Fadjr-Theaterfestival statt – nachdem 2008 anlässlich eines Gastspiels des BE bei dem Festival darüber diskutiert worden war, ob es statthaft für ein Theater ist, sich in eine Diktatur einladen zu lassen, ist in diesem Jahr erstmals wieder eine deutsche Produktion nach Teheran gereist. Wie es den Schauspielerinnen damit ging, dass sie sich auf der Bühne verschleiern mussten und ob in Rohani-Iran wirklich Tauwetter herrscht, eruiert Ralf-Carl Langhals, der mit dem Nationaltheater Mannheim mitgereist ist.

Die politische Lage in Polen ist explosiv. Auch das Theater gerät unter Druck, wie ein Vorfall am Krakauer Stary Teatr zeigt. Seit Januar wird es von dem auch hierzulande vielbeschäftigen Regisseur Jan Klata geleitet, am 14. November wurde seine Strindberg-Inszenierung "Nach Damaskus" von Zuschauern unterbrochen. Angriffe in rechten Medien und Drohungen per E-Mail sind an der Tagesordnung, eine Resolution fordert nun gar Klatas Absetzung. Anna R. Burzyńska über die Hintergründe.

Die Finanzierungslage der Theater in Europa ist prekär. Das machte auch das hochkarätig besetzte Internationale Kulturforum deutlich, zu dem die Russische Föderation nach St. Petersburg geladen hatte. Begrüßt von der stellvertretenden Ministerpräsidentin Olga Golodets tauschten sich so prominente Theaterleute wie Lev Dodin, Ilan Ronen, Valerie Fokin und Michael Bytschkow aus. Auch Russlands Kulturminister Vladimir Medinsky war da. Und Herwig Lewy.

Brasilien: Papstbesuch, Weltmeisterschaft und Wirtschaftsboom sollten derzeit das Land bestimmen. Doch was ist zu beobachten? Ein noch stärkeres Auseinanderklaffen von Arm und Reich, Proteste gegen überteuerte, unfertige Stadien, Favelaräumungen. Inmitten probt Intendantin Karin Beier ein Stück über die Nachfahren von Auswanderern, die sich einst in Hamburg auf den Weg machten. Michael Laages war vor Ort.

Was macht eigentlich Ex-HAU-Chef Matthias Lilienthal? Ist der nicht in Beirut? Ja, genau. Er unterrichtet und vermengt mit seinen Studenten auch dort Kunst und Leben. Sein Theaterformat "X Wohnungen" hat er als X Apartments Beirut mitgebracht. Der Fotograf und Autor David Baltzer war mit auf Tour.

Solidarność? Waren das damals, als die Streiks der polnischen Gewerkschaft das Land und sein System derart zum Wackeln brachten, dass dieses Beben noch bis 1989 reichte, wirklich nur Männer? Auf polnischen Bühnen hat eine neue Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte eingesetzt. Mehr im Theaterbrief aus Polen von Iwona Uberman.

"Ungarn wird in eine Diktatur verwandelt, und die Welt schaut zu!" Ein bitterer Satz, den der Produktionsleiter des renommierten freien Budapester Theaters Krétakör da äußert. Das ungarische Theater aber will nicht widerstandslos zusehen, wie der Gesellschaft eine rechtsnationale Ausrichtung aufgepfropft wird. Der ungarische Kritikerverband hat kürzlich internationale Theaterleute und Journalisten zu einem Showcase nach Budapest geladen, bei dem Kraft und Ohnmacht des ungarischen Theaters offenbar wurden. Esther Slevogt berichtet.

Vom 1. bis 3. März fanden in Moskau die Moskauer Prozesse statt. Unter Ausschluss der russischen Öffentlichkeit, begleitet von einer internationalen Reporterschar, ließ Milo Rau drei Prozesse gegen russische Künstler neu verhandeln. Eine Provokation des Staates durch den westlichen Liberalismus? Ein Angebot zur Versöhnung der gespaltenen russischen Gesellschaft? Kunst? Politik? Sensationsmache? Stefan Bläske war dabei.

Das Engagement für politisches Theater lebt in Paris derzeit auf. Und zwar auch an den kleineren Bühnen in den Quartiers, in denen die Metropole Paris weit weg scheint. Im Théatre Quartiers d'Ivry gastierte Stanilas Nordey mit einem Abend, der Fragen des Living Theatre neu aufwirft. Oder es werden Stücke nach ihrer Uraufführung von 1847 zum ersten Mal wieder gespielt. Mehr im Theaterbrief von Ute Nyssen.

Stimmen im Dialog hieß das Motto der dritten Ausgabe des Interferences-Festivals, das am Wochenende im rumänischen Cluj zu Ende ging. 21 Produktionen aus neun Ländern wurden gezeigt und in drei bis vier Sprachen übertitelt und simultan übersetzt. Das Schaulaufen und Vernetzen im multikulturellen Siebenbürgen hat sich Herwig Lewy angesehen.

Julia Holewińska und Magdalena Fertacz gehören zu einer neuen Generation in Polen, die keine Scheu mehr vor den heiligen Kühen der Geschichtsschreibung kennt. Beide werden zu Gast beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens sein. Iwona Uberman stellt die Dramatikerinnen vor.

Erst 1988 wurde das Théâtre de la Colline im 20. Pariser Arrondissement eröffnet. Als einziges unter den französischen Nationaltheatern entsagt das La Colline völlig der klassischen Kunst und konzentriert sich stattdessen auf die Gegenwart, selbst wenn sie in Gestalt deutscher Regietitanen daher kommt. Intendant des La Colline ist Stéphane Braunschweig, Ute Nyssen hat ihm einen Besuch abgestattet.

Wenn künstlerisches Personal durch Manager aus der Wirtschaft ersetzt werden soll, schaut es für die Kunst wahrscheinlich nicht gut aus. An mehreren Theatern in Polen ist genau dies der Fall. Auch das traditionsreiche Warschauer Teatr Dramatyczny ist bedroht: Extreme Etat-Kürzungen, ungelöste Personalfragen. Die polnische Theaterszene solidarisiert sich wie nie zuvor in einem offenen Brief und ruft nach Unterstützung.

Merkwürdige Dinge gehen in Ungarn vor sich: Während die Theaterszene ums Überleben kämpft, werden in Hinterzimmern die Fürsten der Provinztheater und kleinerer Budapester Häuser gekürt. Nach dem Neuen Theater (Új Színház) gab es zuletzt Zoff ums Budapester Trafó. Mehr über die Vorgänge weiß die ungarische Theaterwissenschaftlerin Beatrix Kricsfalusi zu berichten.

Im vergangenen September wurden die staatlichen Zuschüsse für die Kultur in den Niederlanden radikal gekürzt, die Hochkultur von der rechtskonservativen Regierung zum linken Hobby erklärt. Die Empörung war zwar groß, aber schnell verpufft. Künstler und Insitutionen haben sich still an das Verfassen neuer Förderanträge gesetzt. Doch das Ausmaß der Kürzungen wird langsam deutlich. Der niederländische Theaterkritiker Simon van den Berg berichtet.

Was ist eigentlich aus dem Teatro Valle geworden, jener römischen Institution, an der sich das Versagen der italienischen Kulturpolitik wie der Überlebenswillen von Künstlern und Publikum ablesen lassen? So fragten die nachtkritik.de-Leser vor Kurzem. Seit dem 14. Juni 2011 wird das Valle besetzt – und noch immer sind die Hoffnungen groß, hier ein dauerhaftes Gegenmodell aufbauen zu können, wie Markus Hladek berichtet.

Noch immer ist das Teatro Valle in Rom besetzt. Jetzt aber hat es sich auf einer Pressekonferenz eine Art Verfassung gegeben. Es werden Transparenz, Lohngerechtigkeit, ein Ausgleich zwischen großen und kleinen Produktionen, eine erschwingliche Eintrittspreispolitik gefordert. Wer dahintersteckt? Die deutsche Schauspielerin Eva Löbau war dabei.

Aus Protest gegen die geplante Privatisierung. Für die Besetzer aber geht es um mehr: Sie stemmen sich gegen die geistige Verarmung Italiens. Jeden Abend wird die Bühne bespielt. Der Kinoregisseur Nanni Moretti trat auf, der Schriftsteller Andrea Camilleri rief eine Kultur-Revolte aus. Die deutsche Schauspielerin Eva Löbau hat mehrere Tage mit den Besetzern verbracht.

Überall in Europa das gleiche Bild: wo die Populisten regieren, sind Rassismus und Kulturkampf auf dem Vormarsch. Darunter leiden auch die Künste, wie derzeit in den Niederlanden, wo die rechte Regierung unter Mark Rutte, inspiriert vom Salonrassisten Geert Wilders, sich anschickt, drastische Einschnitte (nicht nur) in der Theaterförderung zu beschließen. Simon van den Berg berichtet.

Und man kann nichts tun? DOCH, kann man, diese Petition unterzeichnen.

In einem Brandbrief protestieren Stephan Kimmig und John von Düffel gegen die geplanten Kürzungen.

Mit einer Videobotschaft wendet sich Kent Nagano, Generalmusikdirektor der Bayrischen Staatsoper, gegen die drohenden Orchesterschließungen in den Niederlanden.

Sein neuestes Stück, das er mit der eigenen Truppe inszeniert hat, ist ständig ausverkauft, er hat den renommierten Prix Molière erhalten und gilt längst als einer der wichtigsten Dramatiker und Regisseure Frankreichs: Joël Pommerat. In ihrem Theaterbrief aus Paris geht Ute Nyssen diesem französischen Phänomen nach.

Repräsentative historische Reenactments sind in den USA so populär wie bei uns allenfalls die Störtebeker-Festspiele. Nun aber entdeckt auch die amerikanische Freie Szene das Potential dieser Theaterform für sich, um eine Gegengeschichtsschreibung zu vermitteln. In Chicago wurde zum 1. Mai etwa der blutige Haymarket Riot nachgespielt. Der Theaterwissenschaftler und Wissenschaftshistoriker Jan Lazardzig machte dabei Bekanntschaft mit Schaumstoffknüppeln.

Vergessen Sie Ekkehard Schall, vergessen Sie Martin Wuttke! In Seoul gibt es jetzt einen Arturo Ui zu besichtigen, der die großen Vorbilder noch toppt. Der Regisseur Alexis Bug hat Bertolt Brechts Hitler-Al-Capone-Stück mit der koreanischen Street Theatre Troup inszeniert. Brecht-Experte Jan Knopf berichtet in seinem Theaterbrief aus Südkorea, wie sich koreanisches Masken-Theater mit Heiner-Müller-Intellekt verbindet.

Im vergangenen Jahr wurde das Warschauer Theatertreffen wegen des Absturzes der Regierungsmaschine bei Smolensk abgesagt. Deswegen findet diesmal eine Doppelausgabe statt, in der wie immer der Showcase eingebettet ist, eine Art Minifestival, das die bemerkenswertesten aktuellen Arbeiten jüngerer Theatermacher zeigt. Thomas Irmer entdeckte Arbeiten von beneidenswerter Wachheit.

Seit in Ungarn die rechtskonservative Fidesz-Partei von Viktor Orban bei den Parlamentswahlen im April 2010 die absolute Mehrheit erreichte, steht die Theaterszene zunehmend unter Druck. Georg Kasch hat sich vor Ort in Budapest umgesehen und berichtet, welche Auswirkungen das auf Arbeit und Ästhetik der Theater hat.

Es gibt im französischen Theater nicht das, was man im deutschsprachigen Regietheater nennt. Aber es gibt sehr wohl eigensinnige Regisseure mit eigenwilligem Zugriff auf den Text. Ute Nyssen stellt in ihrem Theaterbrief aus Paris drei Regisseure und ihre Ästhetiken vor: Gwénaël Morin, Thomas Jolly, Francois Orsoni. Morin ist gelernter Architekt, Jolly ist ausgebildeter Schausp und ieler, Orsoni war Wirtschaftswissenschaftler. Gemeinsam repräsentieren sie ein Theater, das diesen existenziellen Ort als Daseinsform verteidigt.

Wenn in einer Stripteasebar der Texaner mit den fauligen Zähnen nicht grölend im Publikum sitzt, sondern selbst an einer Lapdance-Stange aktiv wird, dann hat hier entweder irgendjemand einen bedenklichen Drogentrip eingeworfen. Oder man ist in der schrillen, neoburlesk funkelnden Welt derNew Yorker Off-Off-Theaterszene angekommen. Beim Fringe-Festival zeigt diese Szene jeden Sommer, welche Wege abseits des Broadways möglich sind. Was es in diesem Jahr hier zu entdecken gab, berichtet Sascha Just.

Deutsche und Brasilianer begegnen einander ja mittlerweile recht oft im Theater. Inszwischen sogar im großen Stil und mitfinanziert von der Kulturstiftung des Bundes. Aber was finden sie eigentlich so interessant aneinander? Oder: Wer frisst wen? Zwischenbilanzen aus São Paulo von Michael Laages.

Im finnischen Tampere ist das größte Theaterfestival Skandinaviens zu Ende gegangen. Die eingeladenen Inszenierungen zeigen, dass das Thema Gewalt den finnischen Theatermachern wichtig ist. Aber auch gute Bekannte des europäischen Theaterreisebetriebs waren zu sehen: Alvis Hermanis und NO99 etwa, sowie die von Andriy Zholdak inszenierte "Anna Karenina". Mehr über die Highlights aus dem hohen Norden von Stefan Bläske.

Heute geht es nach kurzer Pause weiter im Festspiel-Premierenreigen: Sylvain Creuzevault und seine Pariser Truppe d'ores et déjà zeigen beim Young Directors Project der Salzburger Festspiele ihre "theatralische Untersuchung" Notre Terreur. Die Unternehmung beschäftigt sich mit der Zeit des Robespierre'schen Terrors in Paris. Creuzevault und seine Truppe, die kein Kollektiv sein will, sondern etwas viel Lebendigeres, sind dabei auf der Suche nach einem neuen politischen Theater. Ute Nyssen hat in ihrem Theaterbrief aus Paris vorab eine Beschreibung versucht.

Michael Jackson als moderner Minstrelstar? Der Kalte Krieg als gigantische Militärsimulation? Die New Yorker Off-Szene bringt amerikanische Selbstbilder auf lustvolle Art zum Einsturz. Sascha Just stellt vier aktuelle Produktionen vor, von der legendären Wooster Group, dem Erfolgsautor Branden Jacob-Jenkins, den Experimental-Theaterpunks Radiohole und den anarchisch unreifen Les Freres Corbusier.

Mariano Pensotti ist einer der wichtigsten Regisseure und Autoren des argentinischen Theaters der letzten Dekade. 2008 gastierte er schon einmal beim steirischen herbst, und gerade zeigte er sein El pasado es un animal grotesco beiden Theaterformen in Braunschweig. Anne Phillips-Krug schreibt aus Buenos Aires.

Siebeneinhalb Millionen Einwohner, die viereinhalb Millionen Eintrittskarten kaufen. Wenn man die Fanatiker, Fundamentalisten, Kinder, Greise und alle diejenigen abzieht, die kein Hebräisch verstehen, geht in Israel jede Einwohnerin und jeder Einwohner mindestens einmal im Jahr ins Theater. Da kann es schon mal vorkommen, dass Aufführungen zwei Jahre im Voraus ausverkauft sind. Deutschland hat vielleicht die dichteste und dollste Theaterlandschaft der Welt, Israel aber ist für Theatermacher das Paradies. Interessiertes Publikum, Stoffe, Konflikte, alles im Übermaß vorhanden. Oder? Der Regisseur und Dramaturg Avishai Milstein berichtet für in einem Theaterbrief aus Tel Aviv.