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Noch einmal davon gekommen?

Hamburg, 17. Dezember 2011. Heute Abend fand im Thalia Theater Hamburg die Auszählung zur Spielplanwahl 2012/2013 statt. Die meisten der per Postkarte oder E-Mail abgegebenen 5529 gültigen Stimmen erhielten:

 1) Die Ehe des Herrn Mississippi von Friedrich Dürrenmatt (703 Stimmen)

 2) Peers Heimkehr von Gregor Hopf, Stefan Schmidt und Bastian Emig (636 Stimmen)

 3) Wir sind noch einmal davon gekommen von Thornton Wilder (635 Stimmen)

 

Die Plätzen 4 bis 10 belegen:

 4) The Black Rider von William S. Burroughs / Tom Waits / Robert Wilson (413 Stimmen)

 5) Die Erbsenfrau von Jens Nielsen (354 Stimmen)

 6) Jack the Ripper (Das Musical) von QEP GmbH / Falk Röbbele (278 Stimmen)

 7) Die Tagebücher von Adam und Eva von Kevin Schroeder, Marc Seitz, Christian Struppeck und Andreas Gergen (244 Stimmen)

 8) Einladung zum Klassentreffen von Martin Schörle (213 Stimmen)

 9) Shakespeare in Trouble von Chris Alexander / Hille Darje (133 Stimmen)

10) Larva. Mein Tod ist keine Insel von Natascha Gangl (130 Stimmen)

 

Am 4. November hatte das Thalia Theater Hamburg sein Publikum in Nah und Fern dazu aufgerufen, vier Stücke für eine Neuinszenierung in der kommenden Spielzeit zu wählen. Bis heute, Samstag, den 17. Dezember, um 12 Uhr konnte per Post, Urnenwahl oder per Mail abgestimmt werden. Erlaubt war jeder Vorschlag: Roman- und Filmvorlagen, Klassiker, Uraufführungen, die eigenen Lieblingsstücke. Einzige Einschränkung: Stücke, die in den letzten fünf Jahren im Thalia auf dem Spielplan standen, durften nicht gewählt werden.

Inszeniert werden sollen in der kommenden Spielzeit im Großen Haus des Thalia die drei Stücke mit den meisten Stimmen. Eine vierte Inszenierung unterliegt dem Minderheitenschutz, wie das Thalia Theater in seiner Bekanntgabe des Ergebnisses der Auszählung mitteilte. "Ein besonders origineller oder wichtiger Vorschlag" wird vom Theater selbst unabhängig von der Stimmzahl ausgewählt werden. Welches der vorgeschlagenen Stücke das sein wird, soll "zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben" werden. Laut Dramaturg Carl Hegemann müsse man über den eingereichten Vorschlag "Wolf unter Wölfen" von Hans Fallada ernsthaft nachdenken. Immerhin hatte Hamburgs Oberspielleiter Luk Perceval, der für diesen Roman interessiert werden solle, mit "Kleiner Mann - was nun?", einem anderen Krisenstoff Falladas, einen außerordentlichen Erfolg an den Münchner Kammerspielen gefeiert.

Die Spielplanwahl hatte auch auf nachtkritik.de für heftige Diskussionen gesorgt. Nach der Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses zeigte sich der Thalia-Dramaturg und Mitinitiator der Spielplanwahl Carl Hegemann enttäuscht. Ihm persönlich sei das letzte veröffentlichte Zwischenergebnis, bei dem kein aprobierter Stoff auf den ersten drei Plätzen zu finden gewesen war, programmatisch interessanter vorgekommen.

Dagegen sagte Thalia-Intendant Joachim Lux: "Ich freue mich, dass die Spielplanwahl einen klaren Sieger hervorgebracht hat. Mein herzlicher Glückwunsch geht an die Sieger und natürlich auch an die Wähler. Viele haben diese Aktion bekämpft, viele haben sie befürwortet, manche waren ratlos. Theater ist – im Übrigen wie das Internet – ein Ort des Spiels, des Als-Ob, und wir werden uns in diesem Sinne ernsthaft mit dem Wahlergebnis auseinandersetzen. Das Ergebnis wird auf der Spielzeitpressekonferenz Anfang April bekannt gegeben."

(Thalia Theater / Spielplan Deutschland / Matthias Weigel / sle / jnm)

 

Für nachtkritik.de kommentierte Georg Kasch die Spielplanwahl am 6. Dezember 2011. Und hier geht's zum Videointerview mit Carl Hegemann.

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