Freitag, 22. August 2014

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Presseschau vom 29. Dezember 2012 – Claus Peymann gibt der Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau eine Audienz

Eine Art Arche Noah

29. Dezember 2012. Im Interview mit Dirk Pilz vom Feuilleton der Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau ist Claus Peymann "stets sehr freundlich", auch wenn er "manchmal mehr ruft als redet".

Sein Traum "ein Korrektiv zu einem Deutschland zu bilden, das sich zur Hegemonialmacht in Europa entwickelt", sei gescheitert, gibt Peymann zu, "entweder an meiner eigenen Unfähigkeit als Regisseur und Theaterleiter oder eben doch am Fehlen einer schlagkräftigen zeitgenössischen Dramatik." Oder sei das Theater als Waffe nicht mehr stark genug? "Müssen wir im Theater vielleicht andere Wege suchen?"

Auf jeden Fall glaube er nach wie vor "an die Unsterblichkeit des Theaters". Die Menschen hätten immer ihre Ängste abgebaut über das Theater. "Es ist wie das Singen ein Teil der menschlichen Natur."

In seinem Berliner Ensemble sehe man noch das ganze Stück, von Schauspielern, die noch sprechen können. "Theater als Feier des Geistes, das tägliche Fest." Die Menschen hätten Sehnsucht nach einer gerechten, heilen Welt, in all der Scheiße heut. Das BE sei in diesem Kontext "eine Art Arche Noah in einer Welt auf schwankendem Boden, in der die Politik so unverhohlen korrupt ist wie zu Shakespeares Zeiten." Es entstünden Ängste und Sehnsüchte, und die alten Stücke könnten den Menschen etwas von ihren Ängsten nehmen, ihnen den Traum von der Veränderbarkeit der Welt vorführen.

Den Bildungsauftrag des Theater beschreibt Peymann als "die Verpflichtung, die großen Stücke der Weltliteratur vorzustellen, das kulturelle Erbe, den Bildungskanon weiterzureichen".
Auch Teil dieses Bildungsauftrags sei es, ein Stück in all seinen Verästelungen zu zeigen. Man unterstelle ja gern, es gebe die Geduld nicht mehr. "Ich trete am Berliner Ensemble den Gegenbeweis an, es ist damit ganz klar auf einem Gegenkurs gegen das Zeitmaß des Fernsehens." Das BE beanspruche mit unseren Aufführungen das Zeitmaß des Theaters selber. "Das gefällt offenbar vielen Menschen."

Dagegen könne auch "die Provinzialität der Berliner Presse" nichts ausrichten. Das kulturfeindliche Klima der Stadt, das sich in einem Journalismus manifestiere, der sich nicht freuen könne, der sich nie überraschen lasse, der alles besser wisse. "Komisch nur: Ihre Leser sind unser Publikum! Die rennen uns die Bude ein, obwohl in Ihrem Blatt seit zehn Jahren behauptet wird: Am Berliner Ensemble ist alles Scheiße." Paradox sei das. "Wir haben immer mehr Besucher und Sie weniger Leser. Seien Sie nicht traurig, das ist einfach typisch Berlin."

Übrigens sei auch der Begriff "Freie Szene" eine journalistische Erfindung. "Wieso sollte ich nicht frei sein? Ich werde doch durch die Subventionen nicht gekauft." Er halte das Berliner Ensemble für extrem frei, während er die Freie Szene oft als spekulativ, also unfrei empfände.

Der allgemeine Niedergang des Theaters, den Peymann in dieser Freien Szene und auch sonst an allen anderen Bühnen außerhalb des BE-Bannkreises beobachtet, liegt für ihn unter anderem daran, dass die festen Ensembles sich aufgelöst hätten. "Eine Handvoll großartiger Schauspielerstars bestimmen die Spielpläne der großen Bühnen." Er, Peymann, vertrete bis heute das Ensembletheater.

Seine Selbstbestätigungen werden immer wieder mal durch ausgestellte Ratlosigkeit unterbrochen, wie zum Beispiel: "Jeder sieht es, die Krise ist da, der Boden wankt. Aber wie kann das Theater eingreifen?"

Angesichts solcher Tatsachen fühle er sich "wie ein anachronistisches Mammut" und antwortet auf die Frage, ob er weitermachen will als BE-Intendant (bis April müsse er entscheiden, ob er bleibe): "Beweggrund, weiterzumachen wäre für mich: Es noch mal allen zu zeigen!" Außerdem: Was sei er denn ohne dieses Theater und die Theaterfamilie? "Will ich Gastregisseur werden? Will ich so werden wie viele der heutigen Regiestars, die – egal, an welchem Theater sie gerade gastieren –, ihre Bedingungen diktieren? Will ich nicht."




Kommentare (56)

1. Presseschau Peymann: Lob
super interview, echtes streitgespräch. das liest man gern.
ensembler , 29. Dezember 2012 - 16:02 Uhr
2. Presseschau Peymann: nicht
Peymann, ich will Ihr Erbe nicht. Schenken Sie es dem Erstbesten und machen Sie es gut und besser: machen Sie es besser!
@Claus , 29. Dezember 2012 - 18:59 Uhr
3. Presseschau Peymann: das Glückstreben des Hedonisten
Am Schönsten ist es, wenn Peymann völlig unchristlich (obgleich er auf dem Foto christlich-fromm die Hände faltet) über sein Intendantengehalt spricht. Ich zitiere aus dem Interview:


Dirk Pilz: Ist ja nicht wenig, 200 000 Euro.

Claus Peymann: Ein Intendant am Bonner Stadttheater bekommt 350 000 Euro. Das hat mich geärgert! ["Der Neid. Struktur eines idealistischen Lasters", Robert Pfaller, Hinzufügung von mir] Als ich vor 15 Jahren meinen Vertrag in Berlin mit dem Senat ausgehandelt habe, habe ich zu dem "Zigeunerbaron" gesagt, wie hieß er noch? CDU, war früher mal Wahlkampfleiter bei Helmut Kohl. Wie hieß der denn noch...?

Dirk Pilz: Peter Radunski.

Claus Peymann: Genau. Ich habe gesagt, wir müssen nicht verhandeln, ich will 10 000 Mark im Jahr mehr verdienen als der teuerste Berliner Schauspielintendant. Er hat sofort zugestimmt - und Tatsache war: Ich habe 150 000 Mark weniger bekommen als am Burgtheater!


Gegen soviel nackt zur Schau gestellte Hybris hilft nur Gelassenheit. Robert Pfaller zitiert dazu Slavoj Zizek: "Wenn ein Buddhist einem westlichen Hedonisten begegnet, verurteilt er ihn keineswegs, sondern stellt wohlmeinend fest, das Glücksstreben des Hedonisten bewirke genau das Gegenteil dessen, was dieser erreichen möchte."
Inga , 30. Dezember 2012 - 09:29 Uhr
4. Presseschau Peymann: verstehe ich nicht
"Vollständig reaktionär ist für mich, was ein Großteil der jungen Autoren so schreibt. Die reine Ich-Sucht: Ist mein Pimmel länger als deiner …?"

Ich verstehe Herrn Pilz nicht. Wieso unterbricht er bei einem solchen Satz nicht und fragt nach, welcher Autor denn jetzt von sich behaupte sein Pimmel sei länger als beispielsweise der von Schimmelpfennig. Behauptet dies Herr Rinke? Wer tut sowas?

Und was ist mit der Länge, Breite oder Größe von den vielen Muschis unter den Autorinnen? - Und so einer hängt sich die Pussy Riots aufs Dach.

Er gesteht sich ein, dass er gescheitert ist. Warum wagt Herr Pilz sich nicht, dann einmal nachzufragen, warum er nicht abtritt? Und hört sich stattdessen Beurteilungen über Castorf an?

Ich gesteh, der Anfang des Interviews ist ganz symphatisch. Aber dann folgt das alte Lied. Wie hält Herr Pilz so ein Gespräch aus?
Wegen der weichen Sessel?
martin baucks , 30. Dezember 2012 - 18:55 Uhr
5. Presseschau Peymann: Freund der Schreiber
für autoren ist es immer besser beschimpft zu werden. der herr peymann weiß das. nur so können sie unabhängig bleiben und ihren freien geist bewahren und ihr genie. der arme herr peymann hingegen muss ja jeden tag ins theater gehen. aber wie freundlich er trotz allem ist: das haus mit allem zu grunde zu richten, um dem nachfolger jeden erfolg zu schenken! der freundliche herr peymann, freund der künstler, freund der schreiber
annemarie , 31. Dezember 2012 - 09:54 Uhr
6. Presseschau Peymann: aller Dinge König
darum geht es doch bei allen und jedem:
groß und klein - mein Schwert ist größer als dein kleines messer!

krieg ist aller dinge vater, aller dinge könig,
die einen macht er zu göttern, die anderen zu menschen,
die einen zu sklaven, die anderen zu freien.
schreiber , 31. Dezember 2012 - 11:57 Uhr
7. Presseschau Peymann: abgehakter Lieblingsfeind
Ich muß gestehen, mir geht es wie martin baucks: Ist der Peymann schon so sehr der abgehakte Lieblingsfeind, daß man nicht EINMAL nachfragt, wenn er seinen unwissenden Stuß über alle anderen erzählt? Glauben Sie, Herr Pilz, es reicht immer wieder ein paar ironische "hmm"s und "naja"s einzustreuen um das ein Interview zu nennen? Ist das feige oder nur bequem? Jounalismus ist es nicht. Dann lieber nicht zum Termin andackeln, wenn Papa Peymann am Apparat ist. Wir müßten uns alle weniger ärgern.
Anne , 31. Dezember 2012 - 14:22 Uhr
8. Presseschau Peymann: der Interviewer antwortet
Werte Anne,
da muss ich jetzt aber auch was beichten: ich bin etwas verwundert. Ich würde gern verstehen, was Sie bemängeln, aber ich verstehe es nicht. Haben Sie das Interview gelesen? Wirklich? Es wurde nicht nachgefragt? Nein? Und sind ein "hm" und ein "na ja" immer wieder eingestreute "hmm"s und "naja"s. Hm.
Zu dem, was Herr Baucks und Sie kritisieren: Herr Peymann sagt ja gleich nach seiner Pimmel-Aussage, dass es sein könnte, dass er sich irrt. Er stellt auch eine Frage, nämlich die: "Ist es das Alter, dass ich zu den heutigen Autoren keine Verbindung mehr finde?" Ganz so simpel, wie Sie sich Ihren Herrn "Papa" Peymann zu basteln scheinen, ist es womöglich nicht. Und ganz so fix lassen sich die Peymann-Vorurteile vielleicht nicht immer bestätigen, oder? Könnte das nicht auch sein?
Ich grüße Sie hochachtungsvoll,
Dirk Pilz
D. Pilz , 31. Dezember 2012 - 15:34 Uhr
9. Presseschau Peymann: zahnlos im weichen Sessel?
Lieber Herr Pilz,
stimmt, es waren nicht nur "Hms" und "naja" - ich hatte an prominenter Stelle das "aha" übersehen.
Zu Ihrer Frage: Ja, ich habe das Interview gelesen, jetzt nach Ihrem Beitrag zu meinem Ärger noch einmal - und ich glaube, Sie haben mich falsch verstanden: Ich ärgere mich nicht über Peymann, sondern über Sie als Jounalist. Mein Peymann-Hass hält sich in Grenzen, ich habe den Mann nie getroffen, er blockiert nur eins der schönsten Theater Berlins.
Aber daß Sie so zahnlos im weichen Sessel sitzen und bei dem entscheidenden Themen nicht nachhaken (Ich nenne nur eines: Daß Peymann stets seinen eigenen Niedergang gleichsetzt mit dem des Theaters generell), das macht das Interview zu einer Farce.

Vielleicht dann doch mal vor dem Gespräch auf eigene Kosten einen Espresso trinken.
Anne , 31. Dezember 2012 - 17:54 Uhr
10. Presseschau Peymann: Hoffnung
Klasse Interview. Toller Intendant, hoffentlich verlängert er!
Franz , 01. Januar 2013 - 10:18 Uhr
11. Presseschau Peymann: nicht zahnlos im Sessel
@Anna, also ich finde das interview überhaupt nicht zahnlos, gar nicht. es wurde doch ziemlich scharf nachgefragt und peymann antwortet auch so. meistens wird in interviews nur abgefragt, was man abfragen will, hier unterhalten sich zwei. klar hätte man da noch viel mehr fragen können, aber der vorwurf der bequemlichkeit ist quark. ich glaube, diese anna ärgert sich über was ganz anderes, was sie aber nicht sagt, nur versteckt. wahrscheinlich so eine doofe mischung aus neid (auf peymann) und mieser laune. ich fand das interview jedenfalls unterhaltsam und interessant.
harro felser , 01. Januar 2013 - 11:51 Uhr
12. Presseschau Peymann: freie Bahn für alle
jo, sehe ich wie der franz! achwas, noch besser ist: schafft die verlängerungen ab. dann können die intendantInnen so lange bleiben, wie sie wollen. und am besten sollen sie ihre gehälter selbst bestimmen dürfen! mindestens.
einer wie ich , 01. Januar 2013 - 13:36 Uhr
13. Presseschau Peymann: Projektionsfläche geboten
Es ist einfach nicht nachvollziehbar, warum Herr Pilz diese entsetzliche Konzeptlosigkeit im Umgang mit dem wichtigsten deutschen Autorentheater nicht hinterfragt und zulässt wie der Intendant immer wieder eine Projektionsfläche von sich rekonstruiert, in der sich selber spiegelt.
martin baucks , 01. Januar 2013 - 18:49 Uhr
14. Presseschau Peymann: Bote der schlechten Nachricht
@baucks: jetzt ist mal gut. wo gibt es denn derzeit relevantes deutschsprachiges autoren oder gar literaturtheater (einzige ausnahme : jelinek )? das sind doch entweder platte schreibseminarstückwerke, peinliche reza kopierversuche oder als diskurstheater verkleidetes bildungstheater mit copygepasteten fremdgedanken. das theater hat völlig an gesellschaftlicher und politischer relevanz verloren; da sollte man den boten der schlechten nachricht nicht unbedingt zum schuldigen machen.
Die Kantine , 01. Januar 2013 - 21:57 Uhr
15. Presseschau Peymann: Figuren einer Farce
@anne @baucks na ihr süßen, da habt ihr euch jetzt aber hübsch blamiert, so eitel und selbstbezogen wie ihr euch hier ausstellt. ohwehohweh ihr armen. bisschen sehr fixiert auf euren eigenen kram, gell? vielleicht seid ihr jungen autoren einfach nicht so wichtig wie ihr euch nehmt? wisst ihr was: ihr werft mit steinen im glashaus, oder? aber danke: ihr seid herrliche figuren einer farce. super.
unna , 02. Januar 2013 - 11:46 Uhr
16. Presseschau Peymann: Lob
Lieber Herr Pilz,

super Interview!
Und, Peymann soll verlängern!

Gruß
Hans-Heinrich Strobel , 02. Januar 2013 - 13:07 Uhr
17. Presseschau Peymannn: gescheitert
An die ahnungslose Kantine. Herr Peymann ist als Nachfolger von Müller und Brecht gescheitert.
martin baucks , 02. Januar 2013 - 14:52 Uhr
18. Presseschau Peymann: Monument
Also Baucks, Sie ebenfalls Ahnungsloser. Müller ist auch als Nachfolger Brechts gescheitert. Ebenso, wie die Weigel als Nachfolgerin Brechts gescheitert ist oder die Berghaus als Nachfolgerin Weigels oder Weckwerth als Nachfolger der Berghaus. Man kann immer nur scheitern, wenn man nicht sein eigenes Ding macht. Wie Peymann. Brecht sitzt im BE schon lange vor der Tür. Als Monument.
Molotow , 02. Januar 2013 - 16:00 Uhr
19. Presseschau Peymann: Dorfzeitung
An Martin Baucks. was heißt, er ist gescheitert? woran messen sie das? wieso glauben sie, das beurteilen zu können? haben sie das brecht und müller-theater erlebt? übrigens sagt der peymann das in dem interview ja selber, dass er gescheitert ist, dafür braucht es so eine pauschale aussage von ihnen nicht, da ist der schon weiter. so zeug einfach so zu reden, sorry, aber das ist auf dem niveau einer dorfzeitung. bringt keinen weiter.
justine , 02. Januar 2013 - 16:07 Uhr
20. Presseschau Peymann: geradezu sensationell
Die Qualität eines Interviews und also auch die Qualität von Fragen, scheint mir doch in den Antworten zu liegen und nicht im Bedürfnis, der Interviewer möge seinen Gesprächspartner in die Schranken weisen.
Und ich denke es handelt sich um ein ganz besonderes Peymann-Interview (schon fast eine eigene Gattung). Dass sich Peymann eingesteht er habe den Kontakt zum aktuellen Geschehen am Theater verloren und nicht nur sein eigenes Schaffen lobt, dass er tatsächlich verunsichert und auch ratlos wirkt, finde ich geradezu sensationell und weit entfernt von seiner üblichen Krawall Rhetorik. Dies muss etwas mit dem Interviewer zu tuen haben!
Also Danke.
Peter Fuchs , 02. Januar 2013 - 16:36 Uhr
21. Presseschau Peymann: Nachfrage
@Molotow & justine

Und wissen sie mit welchen Autoren er gescheitert ist? Mit Handke, Strauß und Kroetz. Nicht mit jungen Autoren. Vielleicht nehmen sie das zunächst einmal zur Kenntniss. Bevor wir ins Detail gehen.

Es waren die alten Autoren, die nicht mehr dazu genügten Stachel im Arsch der Mächtigen zu sein.
martin baucks , 02. Januar 2013 - 17:05 Uhr
22. Presseschau Peymann: Lob
Bravo, Justine!
naja , 02. Januar 2013 - 17:50 Uhr
23. Presseschau Peymann: Beckett oder so
Scheitern, wieder scheitern, besser scheitern, war doch Beckett oder so! In diesem Sinne...
Franz , 02. Januar 2013 - 20:51 Uhr
24. Presseschau Peymann: bemerkenswert
Peter Fuchs bringt es auf den Punkt. Das dachte ich beim Lesen auch. Im Vergleich zu anderen Peymann-Interviews ist dieses hier bemerkenswert nachdenklich. Danke an beide Gesprächspartner.
Rita Niedermeier , 02. Januar 2013 - 21:55 Uhr
25. Presseschau Peymann: Wer scheitert als was
"Herr Peymann ist als Nachfolger von Müller und Brecht gescheitert."
Und als wer oder was sind Sie gescheitert, Herr "baucks"?
Nachfrage , 03. Januar 2013 - 09:30 Uhr
26. Presseschau Peymann: Verzicht als Haltung
@25

Bin ich hier gerade Thema? Nein.

Im Jahr 2008 setzte die Jury des Deutschen Buchpreises den Titel "Die morawische Nacht." von Handke auf ihre Liste der besten zwanzig deutschsprachigen Titel. Handke bedankte sicht mit einem Brief für diese Nominierung, verzichtete aber zu Gunsten eines jüngeren Autors. Dies wäre eine Haltung, die auch Herrn Peymann sehr gut stehen würde.
martin baucks , 03. Januar 2013 - 12:30 Uhr
27. Presseschau Peymann: konzeptionelle Knute
Und nun gehen wir einmal ins Detail. Schauen wir einmal in die Premieren Ankündigung des BE. Da finden wir folgen Text als Ankündigung einer deutschen Erstaufführung eines Handke Textes:

Einen "Sommerdialog" nennt der Theaterdichter Peter Handke sein jüngstes Stück. Im Freien spielt es, unter Bäumen in einem Garten, und zugleich doch in seiner eigenen Wirklichkeit. Ein Mann, eine Frau, die sich als Paar offenbar spät gefunden haben im Leben, tauschen wie in einem Ritual, einem Spiel zwischen Distanz und Preisgabe, intime Mitteilungen über Liebe und Begehren. Es entspinnt sich ein Spiel zwischen Bewahrung und Preisgabe. Eine Art erotischer Biografie der Frau entsteht, voller Erinnerungen und unerfüllter Sehnsüchte. Am Ende ist der "Abstand" zwischen Frau und Mann nicht überwunden. Die beiden bleiben zurück, "nackt und allein". "Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende", heißt es in Schillers Don Carlos. Und weiter: "Wir sind vergebens hier gewesen."

Können sie an dieser Ankündigung auch nur irgendwo erkennen, dass es Peymann mit seinem selbst formulierten konzeptionellem Ansatz, "Stachel" sein zu wollen, ernst meint. Er sagt: "Das ist die größte Enttäuschung! Als ich nach Berlin kam, hatte ich gedacht: Die besten Leute müssen in dieser Stadt sein, um ein Korrektiv zu einem Deutschland zu bilden, das sich zur Hegemonialmacht in Europa entwickelt." Erkennen sie an dieser Handke-Ankündigung auch nur im Ansatz, dass es Peymann mit diesem Anspruch ernst meint?

Er stellt die Autoren unter eine konzeptionelle Knute, die seinen Sehnsüchten entspricht, und die er selber nicht einzulösen weiß. Er ist mit seinem eigene konzeptionellem Ansatz überfordert, und diese Überforderung reicht er ungefiltert weiter an eine imaginäre pimmelvergleichende Gruppe junger Autoren. Das ist letztendlich auf eine diffuse Art diskriminierend. Aber er beschädigt nicht nur diese imaginäre Gruppe, er beschädigt auch vorab Aufführungen von Autoren an seinem eigenen Haus.

Denn Handke hat vielleicht gar nicht ein Vergnügen daran, sich zum Popanz der politischen Sehnsüchte von Peymann zu machen. Er hat seine eigenen Themen, so wie jüngere Autoren auch.

Weder die eine noch die andere Generation von Autoren trägt die Schuld an Peymanns Scheitern, sondern sein falsch und zu platt gestellter Anspruch, der von einer enormen konzeptionellen Schwäche herrührt.
martin baucks , 03. Januar 2013 - 12:49 Uhr
28. Presseschau Peymann: nicht notwendiges Scheitern
Komisch nur, daß, wenn ich in den vergangenen Jahren in Berlin war, immer wieder bedauern mußte, am BE nicht wirklich fündig zu werden, und daß dies keineswegs daran lag, daß dort nur Strauß, Handke oder Kroetz gegeben worden wären, denn da wäre ich durchaus hingegangen. Wäre es nur so gewesen! Keine Ahnung, woher Herr Baucks das nimmt und warum diese Verengung auf "deutsch-
sprachiges Autorentheater" erfolgt im Zusammenhang mit dem Befund des Scheiterns: darin erschöpft es sich ja nicht, das Scheitern, daß dort nicht Baucks oder Schlender oder sonstwelcher "Battle"-Autor gezeigt wird, und Herr Peymann spricht das ja auch nicht als Hauptgrund seines Scheiterns an; ich sehe eben schon -wie gesagt wurde- eher eine gewisse Nachdenklichkeit Peymanns, ob da nicht ernsthaft etwas verpaßt wurde. Ich finde es allerdings nicht minder verkürzt bis albern, nun das gesamte jüngere Autorentheater in einem Zuge zu verteufeln, um dann -als jung auch irgendwie fragwürdig- nur die Jelinek gelten zu lassen. Die Schimmelpfennigs, Heckmanns, Hübners, Gieselmanns, Lohers und Walsers etcpp. (siehe beispielsweise die "Stückwerk"-Reihe von "Theater der Zeit") haben mitnichten nur immerzu Reza-Abreviaturen abgeliefert. Was ist, gerade bezogen auf das BE nicht abwegig, mit Thomas Brasch ? Wo ordnet Poster 14 Bukowski (den Macher des "Uraufführungstheaters") ein, oder Tine Rahel Völckers zweiteilige Deutschland-Sache in Weimar ?? Müßte nicht auch die Rede von anderen Formaten sein: Adaption (wir haben viele gute), Recherche, Interaktion, Reenactment usf., und dann die Frage erneut aufgemacht werden: Was macht das BE ? Werden die Stücke dort tatsächlich "stückgerechter" gespielt und besser intoniert, wie es bei Peymann rüberkommt, als anderswo ?? Gerade dort, wo Peymann seine Stärken sieht, sollte doch angesetzt werden meineserachtens. Stimmt das denn ??? Ich sehe zB. gar keinen Grund, notwendig mit Handke, Kroetz, Strauß zu scheitern: kann soetwas nicht auch an den Inszenierungen liegen ??!
Arkadij Zarthäuser , 03. Januar 2013 - 13:18 Uhr
29. Presseschau Peymann: Kommentar-Stil
Ich weiß, die Diskussion wurde hier schon oft geführt, was von der Redaktion freigeschaltet werden soll und was nicht, wo der Anstand aufhört und wo die Beleidigung anfängt. Aber Kommentare wie Nr. 15 und 25, die sich sicherlich nicht so eindeutig festlegen lassen, betrachte ich als wenig hilfreich, sie spielen meiner Meinung auf die Person, sind im Kern bewusst kompromittierend, ohne (Nr 15. zumindest im ersten Teil) zur Sache etwas beizutragen. Auch wenn man keine Schimpfwörter verwendet, kann man doch beleidigen oder wie immer man es nennen will. Hätte man 15 z.B. im ersten Teil durch Punkte zensieren sollen und den zweiten veröffentlichen? Es würde der Redaktion gut anstehen, solche Kommentare nicht zu veröffentlichen. Wie heisst es auf anderen Portalen dann an solcher Stelle: Bitte bleiben Sie sachlich./ Bitte äußern Sie sich zur Sache. o.Ä. Das wäre keine Zensur, man kann seine Gedanken dann ja gerne in einem weiteren Post noch einmal auf den Punkt zu bringen versuchen. (Der Gedanke Alt gegen Jung in dem Post ist ja sicherlich nicht uninteressant in diesem Zusammenhang, wenn auch aus anderen Gründen als den genannten.) Ich erwarte keine Antwort der Redaktion, schöner wäre, wenn man darüber noch einmal nachdenken würde. In diesem Thread erscheint es mir besonders stoßend, weil Dirk Pilz, den KommentatorInnen Vorwürfe wegen seines Interviewstils gemacht haben, Mitglied der Redaktion ist. Dadurch bekommt die ganze Sache eine zusätzlich merkwürdige Note. Vielleicht hält gerade jene Angriffigkeit, wie man sie auf nk leider öfter beobachten kann, Leute ab, hier überhaupt zu kommentieren und zu lesen. Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie, dass @martin baucks und @Anne hier sachlich argumentieren und dafür dann - wie will man es nennen? - abgebürstet werden. Wenn man meint, C.P. sei nicht gescheitert (zumal Scheitern in der Diskussion auf verschiedene Dinge bezogen wird und nicht immer darauf, worauf C.P. meines Erachtens abzielte), dann könnte man doch erklären, wieso man das meint, statt in Pauschalisierungen zu verfallen: Man könne ja nur scheitern und C.P. sei so toll und solle unbedingt verlängern.
AB , 03. Januar 2013 - 13:38 Uhr
30. Presseschau Peymann: Künstler anderer Zeit
Warum nennt sich Justine wie die Figur aus de Sades gleichnamigem Roman? Und wo wir gerade bei folgenlosem Klatsch sind: Meine Ex-WG-Mitbewohnerin Susanne hat mir mal genau dieses Buch aus meinem Bücherregal "geklaut" und es in ihrem Bett gelesen. Sie verteilte auch gern mal diese BE-typischen "Drucksachen" auf unserem Küchentisch. Versteht das einer?

Peymann hatte seine Zeit. Und er war/ist ein Künstler seiner, nicht meiner Zeit. Gleichwohl beschäftigte auch ich mich zunächst einmal mit den Aufbruchsjahren des politischen Theaters, u.a. mit Peymanns experimentellen Inszenierungen Ende der 60er des 20. Jahrhunderts, zum Beispiel von Handkes "Publikumsbeschimpfung".

Das Problem sehe ich persönlich darin, dass all diese Theaterdinosaurier inzwischen Salonkommunisten geworden sind, das heisst kaum noch Kontakt zur Basis haben. Ich sehe da folgenden Widerspruch: Wie kann er sich als Anarchist (= frei von Herrschaft) bezeichnen, wenn er sich mittlerweile selbst zum unumschränkten König der Löwen geadelt hat und gleichsam vergöttert werden will?

Und ich würde auch gern noch fragen, inwieweit er seine Arbeiter und Angestellten unter Kontrolle hat. Es war ja an anderer Stelle schonmal die Rede von den leeren bzw. vollen Flaschen auf dem Schnürboden.

Schließlich erinnere ich mich noch gut daran, dass Peymann Volker Löschs "Lulu" wahrlich nicht goutierte. Vielleicht störte er sich - ebenso wie ich, übrigens - auch an dem RTL II-Niveau des Nutten-Chor-Textes (Beispiel: "und dann kommt ein kunde zu mir / der sich outet als ehemaliger stasi-offizier / der wollte einen kaviar-termin / ich hab das halt nicht so gemacht / wir wirs abgesprochen hatten / auf seinem belly mit einer folie / sondern der hat die ganze scheiße / in seine fresse gekriegt / das ist ausgleichende gerechtigkeit"). Dann lieber Musik als Sprache. Pink Floyds "Great Gig In The Sky" oder anderes:
http://www.youtube.com/watch?v=MLHvohd8SJg
Inga , 04. Januar 2013 - 00:17 Uhr
31. Presseschau Peymann: Peymanns Stachel
@Arkadij
Ich komme auf diese drei Autoren, weil ich Uraufführungen von ihnen am BE sah. Ich denke, auch nicht, dass die Autoren gescheiteret sind, sondern das BE damit gescheitert ist durch sie ihren Anspruch "Stachel zu sein" zu erfüllen. Nicht ich schränke den Blick auf deutsche Autoren ein, Herr Peymann schreibt ihnen die alleinige Pflicht zu "der deutschen Hegemonialstellung in Europa Grenzen zu setzen."

Letztendlich täuscht Peymann doch den Interviewer, die Leser und seine Zuschauer, indem er ein Ziel vorgibt und gab, dass er niemals ernsthaft verfolgte. Und Herr Pilz hat die Gelegenheit verpasst diesen Schwindel aufzudecken.

Lesen Sie doch nur etwas weiter; wenn Herr P. auf Frau Merkel eingeht und sie als Feindin disqualifiziert, und verniedlich als "lieb", dann redet dort doch der letzte Macho der Theaterlandschaft, der eine der mächtigsten Frauen Europas zum Mäuschen umdeklarieren möchte. Da sind seine Absichten doch nicht wirklich ernsthaft gemeint. Er redet eben lieber über seine Gage und vergleicht sein Genital mit dem von Hern Castorf, dem er nur eine lange Sekunde zuspricht. Und den Rest sich selbst; wobei ihn selbst sein vermaledeites Scheitern noch glorifizieren soll.

Wie kokett!
martin baucks , 04. Januar 2013 - 12:21 Uhr
32. Presseschau Peymann: Komplexität der Zeitenläufe
@ 29
Richtig -wie ich vermute-, eine fehlende Sachlichkeit hat in der Tat auf nk immer wieder für Abschreckung gesorgt: es kann allgemein und könnte daher wohl prinzipiell erst recht in diesem offenen Forum, so viel mehr über einzelne Inszenierungen bzw. "Theaterpolitik" ausgetauscht werden als es desmeist der Fall ist.
Allerdings werden Kommentare wie Nr. 15 und 25, ich vermute wieder, Herrn Baucks ziemlich kalt lassen; warum auch mehr aus ihnen machen. Es bringt auch nichts, sich gegenseitig Vokabeln wie "Ahnungslosigkeit" an den Kopf zu werfen; so ist es nun einmal, daß hier desöfteren "Insider" auf Zuschauer treffen und es da ein gewisses Gefälle gibt; ich selbst greife aus Unkenntnis auch immer wieder einmal daneben und je früher ich darüber Aufklärung bekomme, desto besser ist dies eigentlich. Lese ich mich ein wenig ins Thema ein, so stoße ich auf die Tatsache, daß parallel zu Peymanns BE-Beginn Herr Baucks in einem Dreiergespann die Leitung der Kammerspiele übernahm: für drei Monate ! Das schreibe ich wirklich nicht mit Häme, ich wußte das so nicht, aber möglicherweise ist die Frage, woran diese Kammerspielführung scheiterte garnicht so irrelevant dafür, was jetzt als Scheitern Peymanns wiederum diskutiert wird und insgesamt mit dem "Relevanzproblem" des Theaters allgemein zu schaffen hat, auch wenn ich nicht glaube, daß Poster 25 wirklich darauf anspielt. Dennoch, viele haben die Barackenjahre Ostermeiers/von Treskows und das Gespann Baucks/Otteni, die Entwicklung des BE zB. einen Steinwurf davon entfernt verfolgt, da müßte es mit dem Teufel zugehen, wenn es da nichts Sachlicheres zu sagen gäbe ! Im Ungarn-Thread waren "wir" fast so weit, Tellkamp zum Intendanten des BE auszurufen; das war ja witzigerweise ein Otteni-Abend in Potsdam, und Otteni inszeniert(e) in Nürnberg und Karlsruhe, wen ? Handke ! Man ahnt hier doch ein wenig die Komplexität der Zeitenläufte, oder ? Wenn Peymann Handke nicht mehr bekommt, soll er Srbljanovic machen, schrieb ich einmal, und hatte keine Ahnung, daß am Hause Otteni/Baucks zu ebenjener Zeit des Einbaumstückes tatsächlich "Familiengeschichten Belgrad" an den DT Kammerspielen lief. Ich schwärmte hier auf nk gelegentlich von Musils "Schwärmern", Otteni debütierte damit seinerzeit: auch das wußte ich nicht. So eine Recherche gibt zu denken, mir jedenfalls, warum sollte es der einen oder anderen Leserin, dem geneigten Leser so sehr anders gehen, passieren ?
Wenn Otteni jetzt statt "Der Versuch über die Müdigkeit" oder
"Und immernoch Sturm" das Einbaumstück machte, gar am BE, nur so ein Gedankenspiel, gäbe das nicht auch neu darüber zu denken, daß Theater gemacht wird und (!) von manchem über Jahrzehnte ?? Wenn das bei Handke als "Lebensthema" fasziniert, warum nicht auch in Sachen Theater ?!
Arkadij Zarthäuser , 04. Januar 2013 - 14:48 Uhr
33. Presseschau Peymann: die behauptete Askese
An der Schaubühne gab es einmal einen Requisiteur namens Hans, welcher merk-würdigerweise genau dasselbe wie Peymann behauptete: Dass es jüngeren Autoren und Regisseuren doch nur darum gehe, wer den Längsten habe. Und sogleich schaute er selbst begierig auf zwei auf dem Ku'damm daherstolzierende Lolita-Freundinnen in kurzem Kleidchen und auf Stiletto-Pumps. In ebendiese Selbstwidersprüche ist wohl gerade die ältere Generation von Männern/Regisseuren permanent verstrickt. Ganz wie Slavoj Zizek (in: Robert Pfaller) es beschreibt. Hinter der vordergründig behaupteten Askese steckt vermutlich auch nur gewöhnlicher Potenzneid:

"Man spürt förmlich, daß ihr Kampf gegen den sündigen Anderen im Grunde ein Kampf gegen ihre eigene Versuchung ist."

Altersweisheit sieht anders aus. Beten Sie, Herr Peymann. Oder besser: Klären Sie auf, was Sie eigentlich stört(e). Alexander Kluge schreibt dazu in seinem "fünften Buch": "Du sollst Achtung haben vor der Wildheit, dem Eigensinn, der Genauigkeit deiner Empfindungen."
Inga , 04. Januar 2013 - 15:05 Uhr
34. Presseschau Peymann: Korrektur
Lieber Arkadij,

es waren 13 Monate. Aber davon, wenn es Thema ist.

baucks
martin baucks , 04. Januar 2013 - 16:25 Uhr
35. Presseschau Peymann: Wien vs. Berlin
@ 34

Lieber Herr Baucks,
gleich ein Beispiel für besagtes Danebenliegen ! Danke für die Korrektur. Gut, also wenn es Thema ist ! Aber, sind Sie sich wirklich so sicher, daß es so unsinnig ist, wo doch von Scheitern bei Peymann selbst die Rede ist (es ist und bleibt für ihn ungewöhnlich, damit wird er freilich nicht sogleich die reine Bescheidenheit, ein hölzernes Eisen wäre es gemäß Nachsatz obendrein, zur Schau (!) stellen) auf die Situation einzugehen, in der sich das BE -zum Teil nach Kürzestintendanzen- befand, bevor bzw. als Herr Peymann dieses übernahm ? Eigentlich liest sich das erste Kapitel von Herrn Kobergs Peymann-Buch diesbezüglich, es hebt mit dem Antritt am BE an, recht spannend. Peymann wollte im November der ersten Spielzeit beginnen, doch daraus wurde baubedingt nichts, Peymann inszenierte derweil den "neuen Mythos BE" via Berliner Presselandschaft, landete mit dem Ruf Taboris nach Berlin geradezu einen Coup, vermutlich werden viele ältere ZuschauerInnen Herrn Peymann allein dafür ewig verbunden sich fühlen, auch der Altersunterschied der dann ersten am BE Peymanns Neuinszenierenden von 55 Jahren läßt aufhorchen. "Angie" Merkel ist nun wahrlich auch nicht erst Peymanns Erfindung, sondern eher eine Taktik der Berater Frau Merkels, welcher Peymann, er gibt das doch irgendwie zu, für ihn in seiner Selbstwahrnehmung offenbar aufgesessen ist. Ich halte auch nichts davon, Theatermacher darauf zu verengen, ein solcher Stachel sein zu müssen, aber irgendwie ist Peymann zumindestens in Wien ein solcher gewesen, und ich halte C.P. für hoffärtig genug, tatsächlich für Berlin eine vergleichbare Wirkung im Sinn gehabt zu haben, und nun müßte meineserachtens zB. über spezifische "Berliner" bzw. "Wiener" Verhältnisse gesprochen werden vor der Folie einer allgemeinen Theaterentwicklung, um sich dem Komplex "Das Scheitern Peymanns" zu nähern. Und zB. Sie waren nun einmal ein unmittelbarer Nachbar Peymanns und können gewiß mehr zur damaligen Situation beitragen, so Sie wollen, so ging in etwa mein Gedankengang; freilich gab es noch einige Nachbarn mehr, ua. Flohbären, Stefans etcpp. ...
Arkadij Zarthäuser , 05. Januar 2013 - 10:10 Uhr
36. Presseschau Peymann: nicht der letzte Macho
@ Inga

Ach so, das vergaß ich noch: Herr Peymann hat sich hier ja nicht nach einer "Kudamm-Lolita" (vermutlich würde Ihnen eine solche Ihr Zitat gerne zurücküberweisen) umgesehen, sondern es handelte sich immerhin um Frau Merkel. Also, wenn das schon Askese ist ...
(Bild-Zeitungsleser würden gewiß dann noch den Satz beenden wollen, in etwa, daß sie dann nicht so oft sich in Griechenland zeigen sollte, damit ihre Betrachter ihre Askese schon darin erschöpfen, Sie anzusehen usw.), aber, Inga, Sie wollten wohl nur darauf hinaus, daß C.P. nicht der letzte Macho der deutschen Theaterlandschaft ist, sondern es mindestens noch H. aus der Requisite gibt; ich weiß nichts über H., aber Sie dürften hier richtig liegen, C.P. ist gewiß nicht der letzte Macho der deutschen Theaterlandschaft..
Arkadij Zarthäuser , 05. Januar 2013 - 10:29 Uhr
37. Presseschau Peymann: Irrtum und Frage
@ Arkadij Zarthäuser: Da haben Sie sich aber geschnitten, wenn Sie meinen, ich würde mich selbst auch als eine solche "Ku'damm-Lolita" betrachten. Nein, Frauen, denen es nur um Schminke und (hohe) Schuhe geht, die interessieren mich nicht die Bohne. Auch auf vollendete Machos stehe ich nicht.

Vor Peymann gab es ja dieses fünfköpfige Leitungsteam, bestehend aus Peter Zadek, Heiner Müller, Peter Palitzsch, Matthias Langhoff und Fritz Marquard. Was da - bis heute? - an Widerstand gegenüber der skeptischen Presse und innerhäuslichen Querelen abging, ließ die fünf Herren damals - und auch Peymann heute? - scheitern:

"Aber auch innerhalb des Hauses wurden keine Anstrengungen unternommen, ein gutes Betriebsklima herzustellen. Es wurden zwar Betriebsversammlungen abgehalten, aber man schickte den Verwaltungsdirektor Peter Sauerbaum vor, um die Entscheidungen der Intendanz zu verkünden. Es bildete sich eine hausinterne Opposition, die die Presse [die BILD-Medien?!] mit Skandalmeldungen aus dem BE versorgte. Die Zeichen standen nicht gut. Ich versuchte, die Leitung zu einem anderen Gebaren gegenüber der Öffentlichkeit zu bewegen. Vergeblich."
(Ulrich Roloff-Momin, zuletzt: kultur)

Und noch etwas würde mich persönlich sehr interessieren. Was genau meint Peymann eigentlich mit folgendem Satz?: "Dann ging eine gemeinsame Inszenierung von Manfred Karge und Matthias Langhoff - ein schöner Traum - schief." Warum dieses ein "schöner Traum"? Und was genau sollte da nochmal inszeniert werden? Das letzte Abendmahl? Oh, Gott.
Inga , 05. Januar 2013 - 11:56 Uhr
38. Presseschau Peymann: Themen, bei denen man sich positionieren muss
Ganz davon abgesehen. Natürlich muss man immer wieder danach fragen, worüber AutorInnen heute eigentlich so schreiben, um welche Themen es da geht und was ihnen also wirklich dringlich unter den Nägeln brennt. Themen, bei denen man sich nicht heraushalten kann, bei denen man sich positionieren muss. Und was sehen wird da? Ein echt supergeiles Thema, Justine del Corte, die Frau von Roland Schimmelpfennig, schreibt so richtig das Denken herausfordernde Stücke. Stücke mit dem Titel "Sex". Boah, ey. Schon wieder voll RTL II, nee 2.
Inga , 05. Januar 2013 - 13:18 Uhr
39. Presseschau Peymann: Verwirrung über Frage
@ 37

Nein, nicht als "Kudamm-Lolita", als Asketin, welche die Sünden der Schminkstraße brandmarkt, analog zu "Ihrem" Hans (Sie werden ihn ja irgendwie begleitet haben, um das festzustellen, was Sie schrieben).

Ihre Frage verwirrt mich ein wenig, denn schließlich posteten Sie seinerzeit im Karge/Langhoff-Thread vom 24.9.2012, der mit "Nicht realisierbar" betitelt war (und ist). Es ging um ein Kafka-Projekt namens "Sperrzone Kafka" (nach "Die Strafkolonie"); es wäre die erste gemeinsame Arbeit beider Regisseure seit über 30 Jahren gewesen. Herr Baucks schrieb seinerzeit aufatmend, daß uns damit eine weitere Sentimentalität erspart worden sei ; vielleicht, liebe Inga, erinnern Sie sich jetzt. lg aus Hamburg
Arkadij Zarthäuser , 05. Januar 2013 - 16:05 Uhr
40. Presseschau Peymann: Schluss mit den Zynismen
@inga: sparen sie sich bitte ihre zynismen. was verstehen sie "bei traum einer gemeinsamen inszenierung von karge und langhoff" nicht ? gefallen ihnen eher die machismen eines castorf, die körperliche ausbeutungen eines polleschs, die widerlichen sexismen eines fritsch ? und haben sie auch irgendwelche eigenen gedanken oder nur ihre fremdzitate, die ihren worthülsen auratische bedeutung geben sollen ?
Rosa L. , 05. Januar 2013 - 21:33 Uhr
41. Presseschau Peymann: Keine Sünden
@ Arkadij Zarthäuser: Nein, ich "brandmarke" keine Sünden. Ich verstehe auch gar nicht, was "Sünde" bedeuten soll. Und was meinen Sie jetzt mit der "Schminkstraße"? Das Schminken sei doch nun wirklich jeder Frau und/oder jedem Mann selbst überlassen, ich wäre da die Letzte, welche das sogleich "brandmarken" würde. Ich empfinde es nur nicht als so wichtig, als dass ich mich - wie wohl so manch eine Ku'damm-Lolita - 24 Stunden am Tag damit beschäftigen würde.

Und noch etwas, ich habe diesen Requisiteur Hans nie irgendwohin begleitet. Ich wurde nur einmal über einen ehemaligen Studienfreund in ein Gespräch mit ihm verwickelt, als er gerade ein langes Bühnenfleischermesser für "Der Hund, die Nacht und das Messer" (Mayenburg/Andrews) an einem Cafétisch vor der Schaubühne präparierte.

@ Rosa L.: Was genau war an meiner Frage jetzt zynisch? Ihr Zitateverbot entspricht übrigens nicht gerade der "guten alten" Rosa Luxemburg, welcher es immer auch um die Freiheit der Anderdenkenden ging.
Inga , 06. Januar 2013 - 00:26 Uhr
42. Presseschau Peymann: Körperliche Ausbeutung?
@ Rosa L.: Aber was meinen Sie jetzt mit "körperliche Ausbeutungen eines Polleschs"? Geht der mit allen seinen SchauspielerInnen ins Bett oder was.
Inga , 06. Januar 2013 - 00:41 Uhr
43. Presseschau Peymann: Klausur-Hilfe
Hey Leute ,
Schreibe nächste Woche Klausur über Much ado about nothing und keinen Schimmer von dem Stueck, kann mir hier einer weiter helfen?
Melina , 06. Januar 2013 - 21:29 Uhr
44. Presseschau Peymann: Intrige aufgedeckt
@ Melina: Am Besten erstmal das Stück lesen. Dabei darauf achten, welche Themen über die einzelnen Figuren bzw. Paare transportiert werden:

1) Das Paar Beatrice und Benedikt transportiert das Komische der Liebe. Das heisst, gerade in der streitbaren Auseinandersetzung und damit der wechselseitigen Anerkennung des Eigensinns beider Partner steckt die Liebe.

2) Das Paar Hero und Claudio transportiert das Tragische der Liebe. Aufgrund von Intrige und Verrat durch den "Frauenverschleisser" Don Juan wird Hero als "Nutte" verleumdet, was sie leiden lässt und Claudios Misstrauen schürt. Am Ende wird die Intrige aufgedeckt und das Liebespaar vereint.

3) Am Wichtigsten sind folglich vielleicht sogar die Gerichtsdiener Holzapfel und Schlehwein aus dem sogenannten "einfachen Volk", denn sie decken die Wahrheit auf. Ohne große, hohe und hehre Worte. Dazu könntest du zum Beispiel den Artikel zum Thema "Schöffen" in der "Berliner Zeitung" lesen. Hier der Link:
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/ehrenamtlicher-richter-mein-leben-als-schoeffe,10809148,21390906.html
Inga , 07. Januar 2013 - 13:16 Uhr
45. Presseschau Peymann: Berliner Pannen-Projekte
"Da reicht es nicht, wenn der Regierende Bürgermeister von der SPD nun den Vorsitz des Aufsichtsrates abgibt – ausgerechnet an Platzeck. Das ist lediglich der Weg durch den kleinen Ausgang. Der große Abgang wird fällig. Denn ein Neustart muss her. Nötig ist eine unabhängige Kommission, besetzt mit Fachleuten, die erkunden und klären kann, wo weitergebaut, wo abgerissen und wo neu geplant werden muss.
...
Pannen-Projekt Flughafen BER: Von Klaus Wowereit kann Berlin keine Impulse mehr erwarten - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/de...93381.html"

Hoffentlich fällt dann auch bald der Schutz und die Aufsicht für Herrn Peymann.
martin baucks , 07. Januar 2013 - 21:36 Uhr
46. Presseschau Peymann: alle mit allen
42. Ja, alle Regisseure gehen mit allen irren Schauspielerinnen
ins Bett,
und manch eine findet das auch noch nett!
Grechtchen , 08. Januar 2013 - 05:42 Uhr
47. Presseschau Peymann: spannende Müdigkeit
@32
danke, Herr Zarthäuser für die Komplexität der Zeitläufe. Es ist eben nicht alles so einfach, wie es die Kampf-Schreiber in den Kommentarspalten so darstellen. Daß Otteni einmal "Die Schwärmer" inszeniert hat, war mir auch entgangen, aber was er mit der "Müdigkeit/der Müdigkeitsgesellschaft" in Karlsruhe vorhat, liest sich, zuimndest in der Ankündigung, nicht so, als könnte das in Peymanns verschlafenem Theater durch die Altherrenzensur gehen. Nämlich spannend!
(Überraschend auch, daß Handke dafür die Erlaubnis gibt. Aber vielleicht hat er Ottenis Immer Noch Sturm gesehen, das wurde ja sehr gelobt.)
Vielleicht haben sich auch Handke -und Otteni- einfach auch weiterentwickelt, während "martin baucks" eher im eigenen Saft zu schmoren scheint. Von einem Engagement am BE mit Handkes "Einbaum" wäre Otteni dennoch abzuraten. Er könnte dort nur - böses S-Wort - "scheitern".
B.Lange , 08. Januar 2013 - 10:12 Uhr
48. Presseschau Peymann: blöd oder nicht bei vollem Bewusstsein?
@ Grechtchen: Die müssen ganz schön blöd sein, solche Frauen. Oder waren/sind die nicht bei vollem Bewusstein?
Inga , 08. Januar 2013 - 12:37 Uhr
49. Presseschau Peymann: Frage
@B Länge

Und ich war der Dramaturg der Schwärmer und schmore keinesfalls im eigenen Saft. Haben sie solche Bemerkungen wirklich nötig?
martin baucks , 08. Januar 2013 - 15:03 Uhr
50. Presseschau Peymann: Neuauflage des Einbaumstücks
@ 47

Ja, die Sache in Karlsruhe klingt spannend, ist nur leider nicht gerade bei mir um die Ecke. Die Handkeschen "Versuche" gingen bei mir einher mit den ersten eigenständigen Fern(er)reisen, und diese wiederum einher mit der Öffnung der Warschauer-Pakt-Staaten auf breiter Front. Sie können sich vorstellen, wie nun die Koinzidenz
eines 4. Versuches mit so einer Sache wie in Karlsruhe auf mich wirkt. Vielleicht gibt es eher ne Chance für "Der Versuch über den stillen Ort" am BE als für eine Neuauflage des Einbaumstückes. Jedenfalls scheint es sich mit Handke und Otteni so zu verhalten wie Sie es schreiben..
Arkadij Zarthäuser , 08. Januar 2013 - 15:49 Uhr
51. Presseschau Peymann: junge Regisseure für alte Autoren?
@49
Herr Baucks, Sie waren vielleicht der Dramaturg der Schwärmer, ja, Sie waren mal ganz wichtig, aber es geht doch hier um etwas Anderes, etwas Inhaltliches: Braucht jemand wie Handke nicht gerade junge, innovative Regisseure, wie Otteni, oder damals F.Heller in Wien, damit er nicht als alter Schnarchsack verkannt wird? Oder muß er es sich bei Peymann am Kamin gemütlich einrichten? Wenn er die Erlaubnis für einen Versuch über den "Versuch" für Karlsruhe gibt, scheint er doch noch ganz offen für Experimente zu sein.
philosoph , 09. Januar 2013 - 01:26 Uhr
52. Presseschau Peymann: es geht um Zugang zum Stoff
@philosoph

Zudem wurde Herr Tiedeman 1969 geboren und Herr Otteni 1966. Somit ist der Regisseur am BE drei Jahre jünger als der in Karlsruhe. Jung sind sie beide nicht mehr.

Es geht darum, ob man einen Zugang zu einem Stoff hat und welche Qualität dieser Zugang hat. Wenn einem dabei eine Prämisse vorgegeben wird, die so diffus daher kommt, wie jene "Stachelprämisse" kann das für alle Beteiligten schädlich sein.
martin baucks , 09. Januar 2013 - 09:14 Uhr
53. Presseschau Peymann: Stachel und Inflammation
martin baucks:
Also so diffus erscheint mir die "Stachelprämisse" gar nicht. Ein Stachel (und aben wohl alle schon, wenn man Stachel gegenständlich nimmt, erlebt ) erzeugt eine Inflammation, eine Reizung, einen Schmerz. Und diese Inflammation - die ich jetzt äußerst frei als "in Flamme versetzen" verwende, setzt mannigfache Energien frei: in der Zustimmung, in der Ablehnung, in der Presse, in der Diskussion. Wien hat 13 Jahre erregt über Theater gesprochen, heute ist das tatsächliche Interesse - nicht unbedingt die Verkaufszahlen- stark gesunken. Und bei Ihnen, lieber Martin Baucks, dürfte ja die Inflammation besonders stark wirken.
Susanne Peschina/Wien , 09. Januar 2013 - 10:05 Uhr
54. Presseschau Peymann: Wachheit durch Gerede entrissen
Ach nee, Frau Peschina,

da wirkt wohl weniger der Stachel, sondern eher die Lust an einer Wachheit, die Herr Peymann einem in Berlin durch sein Gerede zu entreißen droht. Berlin ist nicht Wien.

Ansonsten haben sie Recht und viele Grüße aus der Hauptstadt.
martin baucks , 09. Januar 2013 - 10:54 Uhr
55. Presseschau Peymann: ein "Und" sollte möglich sein
Zur "Müdigkeitsgesellschaft" in Karlsruhe liest man im Theatermagazin übrigens: Müdigkeit ist der Zustand, der „die Klammer der Identität lockert, die eine tiefe Freundlichkeit stiftet und eine Gemeinschaft erst denkbar macht. Menschen und Dinge zeigen sich verbunden durch ein freundliches und.“ (Handke)

Das wünscht man sich in den nachtkritik-Diskussionen auch oft: Daß einige der Herren die Klammer ihrer Identität lockern mögen, damit ein "und" möglich wird und nicht immer nur ein "aber".
Werdet müder, Jungs!
Karlsruherin , 09. Januar 2013 - 11:51 Uhr
56. Presseschau Peymann: produktive Müdigkeit
Liebe KarlsRuherin,

wen immer sie auch mit Jungs meinen, so sehr haben sie doch Recht, wenn ich lese, dass Herr P. die Gleichförmigkeit der Spielpläne beklagt, um nun das "fast vergessene" Stück "Kabale und Liebe." zur Premiere zu bringen, dann wünsche ich dem alten Herrn schon einen gesunden Schlaf "und" etwas produktive Müdigkeit, die ihn auf neue Ideen bringen könnte.
martin baucks , 09. Januar 2013 - 13:29 Uhr

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