Mittwoch, 16. April 2014

Anzeige

    

Anzeige

    

test


| Drucken |

Müdigkeitsgesellschaft / Versuch über die Müdigkeit – Stefan Otteni sorgt in Karlsruhe mit Byung-Chul Han und Peter Handke für philosophische Tiefenentspannung

Müdigkeit hält in Bewegung

von Steffen Becker

Karlsruhe, 2. März 2013. Der Beruf eines Nachtkritikers ist der Inbegriff einer neoliberalen Tätigkeit. Eine Arbeit, für die man sich gerne selbst ausbeutet, weil sie einem das Gefühl von Freiheit und Initiative verleiht. Im besten Falle erzeugt sie die Befriedigung, kluge Gedanken schon formuliert zu haben, bevor die Kollegen von den Printmedien überhaupt die Chance hatten, sie schreibend zu entwickeln. Dieses "Ich kann" ist nach Meinung des Philosophen Byung-Chul Han der innere Zwang, der uns effektiver in den Burn-Out treibt als die äußere Kraft von Anordnungen. So liegt man denn auf einer Matratze im Studio des Staatstheaters Karlsruhe, hört drei Schauspielern zu, wie sie Hans Essay über die Müdigkeitsgesellschaft bearbeiten und fühlt sich ertappt.

Gemeinschaft stiften
Was diese Leute zitieren (mit Mikro) und debattieren (einfach so), beschreibt viel von der eigenen Realität: Wer in Projekten denkt, ist nur vordergründig sein eigener Herr, letztlich aber immer selber schuld, wenn es nicht klappt. Das überforderte Leistungssubjekt reagiert mit Hyperaktivität, die in der Reaktion auf jeden Impuls im Grunde passiv agiert. Kennt man von vielen so genannten kreativen Berufen. Die der Regisseure und Schauspieler zählen auch dazu. Umso gespannter durfte man sein, ob und wie Stefan Otteni und sein Team ihre eigene Erschöpfung ausstellen – mit Han als Analyst der depressiven Müdigkeit und Peter Handkes "Versuch über die Müdigkeit" als Gegenpol einer befreienden Müdigkeit, eines Gemeinschaft stiftenden Zustandes.

Das Setting dieser Inszenierung der Reihe "philosophisches Theater" versucht indes, jede Anspannung vom Publikum abfallen zu lassen. Helfer versichern, dass schlafen in Ordnung ist. Sie liefern Vitamine und Kekse, bieten eine Rückenmassage an und geleiten in der Pause zur Toilette. Anne Neuser (Bühne) spannt über die Besucher eine Art Zelt, das verklärte Pfadfinder-Erinnerungen wachrufen.

muedigkeitsgesellschaft 560 felix gruenschlossMüdigkeitsgesellschaft: Thomas Halle und Publikum © Felix Grünschloß

Das fühlt sich wohlig-entspannt an – und ist eine Wurzel des Dilemmas, das Otteni seinem Publikum zur individuellen Lösung darreicht. Während man sich in der Decke wälzt, wird man aufgewirbelt von den Schauspielern Ursula Grossenbacher, Thomas Halle und Gunnar Schmidt. Sie diskutieren lautstark über die philosophischen Fragen der Müdigkeit, demonstrieren Accessoires für den Power-Nap (flauschige Vogel-Strauß-Masken) und veranschaulichen die Oberflächlichkeit von Multitasking mit Affeneinlagen. Ihre Haupttexte von Handke und Han fordern Konzentration, ebenso die Schlenker zu Platons Höhlengleichnis, zu Herman Melvilles Anwaltsgehilfen Bartleby, griechischen Göttersagen und Friedrich Nietzsche.

Quell von Erkenntnis

Man muss sich entscheiden, nach welchem Prinzip man der Vorstellung folgt – gibt man dem Impuls der Müdigkeitsgesellschaft nach, kann man sich der Entspannung kaum hingeben. Denn das bedeutet mit dem Prinzip eines Theaterbesuchs als Fortbildung zu brechen. Die Verunsicherung ist im Premiere-Zeltlager deutlich zu spüren. Es entsteht zumindest zu Beginn nicht das Handke'sche "Volk der Müden", dessen Müdigkeit es empfänglicher macht für den Kern einer Sache. Langeweile als Quell von Erkenntnis – eine so schöne wie fremdartige Vorstellung. Stattdessen spürt man vor Ort auch als Kritiker die Scham, die Hans Müdigkeitsgesellschaft in Bewegung hält. Darf ich einfach an die Decke starren und etwas verpassen? Kann ich mich mit dem Stück gut fühlen oder muss ich erst benennen können, warum?

Besonders eindrucksvoll demonstriert Otteni diese Ambivalenz von Müdigkeit, als ein Junge eine Matratze entert, weil er allein nicht schlafen kann. Es wirkt wie eine ungewollte Unterbrechung und die Schauspieler stellen ihn mit dem Kinderlied "LaLeLu" und aggressivem Ton ruhig. Zum Schluss gehen sie dann einfach, ihr Gute-Nacht-Gesang verhallt und das Publikum schaut eine Weile in den künstlichen Sternehimmel. Nach zwei Stunden siegt dann doch das körperliche Verlangen nach Spannungsabfall und es hat sich wohlige und als Gemeinschaft empfundene Ermattung breit gemacht.

Arbeitsverweigerung vermeiden

Für den Nachtkritiker ist der Ausstieg schwieriger. Man hat sich das Nichtstun jetzt verdient – gefühlt und von Philosophenverstand bestätigt. Oder zumindest die Muße, über das Gehörte schlafen zu dürfen. Man fühlt sich ermutigt durch die Aufforderung der Schauspieler, einmal laut den "schönen (!) Satz" zu sagen: Nein, ich möchte lieber nicht. Um Arbeitsverweigerung zu vermeiden, muss man sich doch zurückziehen auf das Beispiel neoliberalen Künstlerdaseins. Schauspieler Thomas Halle hatte berichtet, wie er nach Proben erschöpft durch die Straßen streift und mit Herablassung auf Menschen mit Berufen schaut, die so eine königliche Müdigkeit nicht hervorrufen. Mit diesem Gefühl klammert man sich an den Kritikerlaptop. Die Handke'sche Utopie verfliegt im Geklapper der Tasten. Zum Glück wird es der normale Zuschauer einfacher haben mit dem Genuss dieses Stücks.


Müdigkeitsgesellschaft / Versuch über die Müdigkeit (UA)
von Byung-Chul Han / Peter Handke
Regie: Stefan Otteni, Dramaturgie: Kerstin Grübmeyer, Bühne/Kostüme: Anne Neuser.
Mit: Ursula Grossenbacher, Thomas Halle, Gunnar Schmidt.
Dauer: 2 Stunden, eine Pause

www.staatstheater.karlsruhe.de

 

Kritikenrundschau

Für Andreas Jüttner von den Badischen Neuesten Nachrichten (4.3.2013) ist dieser Abend "bemerkenswert", weil er "selbst umsetzt, was er fordert: eine Unterbrechung des Alltags, eine Entschleunigung des Produktivitäts-Hamsterrades". Anders als in anderen Kunstaufführungen werde das Wegdämmern hier geradezu gefördert. Die Text-Collage sei "bewusst unaufdringlich gehalten" und werde "auf Dauer angenehm beruhigend" durch das "unaufgeregte Sprechen" der Akteure vorgebracht, "ab und zu unterbrochen durch Gute-Nacht-Lieder".

Ein "interessanter Abend", von dem insbesondere Handkes Erzählungen "im Gedächtnis" blieben, so schätzt es Georg Patzer in der Stuttgarter Zeitung (4.3.2013) ein. Wobei es den Schauspielern zu verdanken sei, dass Texte und Gedanken hier "zum Leben erwachen und Handkes häufig schwer erträgliches Pathos ein wenig gemildert wird". Regisseur Stefan Otteni gelinge es, "aus den widerspenstigen – vor allem bei Hans auch manchmal konfusen, dogmatischen – Textfragmenten eine interessante, aber fragile Mischung herzustellen, die den Zuschauer nicht einschläfert, sondern mit Gedankenanstößen in einen Zustand erhöhter Gedankenempfänglichkeit versetzt".

Im Badischen Tagblatt (5.3.2013) aus Baden-Baden schreibt Ute Bauermeister: mit einem "außergewöhnlich intensiven und intimen Theaterabend" versetze Stefan Otteni die Zuschauer in eine angenehme "Wir-Müdigkeit", in einen entspannten Zustand des "Sich-rundum-Wohlfühlens". Meisterhaft gelinge es Otteni aus theoretischen Texten von Han und Handke einen Theaterabend zu machen, Sprache werde "Erlebnis", Gedanken und Theorien würden "sinnlich wahrnehmbar". Die Schauspieler rezitierten Passagen aus Büchern, plapperten über eigene Erfahrungen, sängen oder kommentierten "hitzig" die Texte – ein "Spitzenmüdigkeitsteam".

In der Süddeutschen Zeitung (5.3.2013) schreibt Christine Dössel: mit Handke gesagt, sei sie in Karlsruhe in einen "Horizont der Müdigkeit" eingetreten, auf den T-Shirts der Helfer stünde: 'It"s okay if you sleep'. Womit schon das Problem beginne, die Liegeposition sei der Konzentration nicht förderlich, auch sehe man schlecht und überhaupt sei es anstrengend, den Texten der Herren Han & Handke und gleichzeitig der "Wellness-Auflage des Regisseurs" zu folgen. Man habe es mit einer "verordneten Als-ob-Müdigkeit" zu tun. Der Abend sei eigentlich interessant, wenn die Schauspieler bloß nicht "unter permanentem Hochdruck, mit aufgekratzter Diskursfreudigkeit, einem schmissigen Motivationstrainer-Impetus und diesem (reichlich verlogenen) Bescheidwisser-Gestus" die Erkenntnisse von Han & Handke zum Besten gäben. Dössel vermisst den "Leidensdruck", die "Überforderung" "Erschöpfung, Ermüdung und Erstickung' angesichts eines 'Zuviel", welches Byung-Chul Han unserer Zeit attestiere.

 




Kommentare (40)

1. Müdigkeit, Karlsruhe: großartig-gemein
Der Kritiker beschreibt sehr schön die durchtriebene Versuchsanordnung, mit der Otteni und seine Schauspieler den Zuschauer in die Wellness-Falle locken: WäHrend alles im Setting bis zur Parodie nach Umsorgtsein und Entspannung ruft (die Massagen, die Musik, der Apfelschnitz vor dem Schlafengehen)hauen einem die Spieler die Thesen um die Ohren, daß man nicht entspannen darf. Ein grossartig-gemeiner Abend.
Müder , 03. März 2013 - 09:54 Uhr
2. Müdigkeit, Karlsruhe: toll
Ein toller Abend! Wer denkt sich sowas aus????
Noch Müder , 03. März 2013 - 14:13 Uhr
3. Müdigkeit, Karlsruhe: wirklich nötig?
Den Schauspielern ist es zu verdanken, daß die han-ebüchenen Theorien eines koreanischen "Philosphen" nicht zum Einschlen geführt haben. Danke für die Kekse aber sind solche Abende wirklich nötig? Der ganze Aufwand für was?
Rita B. , 04. März 2013 - 08:53 Uhr
4. Müdigkeit, Karlsruhe: nicht immer nur Thesen
Manchmal wünsche ich mir einfach richtiges Theater und nicht immer nur Thesen , Thesen , Thesen ...
Peer , 04. März 2013 - 11:29 Uhr
5. Müde in Karlsruhe: Danke
Endlich mal eine Kritik und nicht dieses Geblubber in Karlsruhe! danke sehr!
marlene s. , 04. März 2013 - 16:41 Uhr
6. Müde in Karlsruhe: Respektlosigkeit
Das Verschneiden von Texten ist nichts anderes als eine Respektlosigkeit den Autoren gegenüber. Handke zu spielen und Han als Referenz in das Spielplanheft aufzunehmen, wäre eine weitere Möglichkeit gewesen. Ganz offensichtlich traut die Generalintendanz Spuhler ihrem Publikum das Herausbilden einer eigenen Sicht auf die Dinge nicht zu.
@4 , 04. März 2013 - 16:46 Uhr
7. Müde in Karlsruhe: reproduziert Strukturen
Schon wieder dieses privatisierende Burnout-Thema? Reproduziert das nicht gerade die kapitalistischen Strukturen, welche eigentlich aufgelöst gehörten? Ich kämpfe, also bin ich. Bis ihr MIT MIR reden MÜSST:

"Ich habe eine solche Depressionsschau satt. Ich glaube nicht, daß wir im Reich der Gleichheit und Freiheit leben, und auch nicht, daß die Souveränität vorhanden ist - an ein solches republikanisches Märchen kann nur ein Soziologe, und erst recht ein französischer [Alain Ehrenberg. Oder auch Byung-Chul Han] glauben. Ich gehe aber davon aus, daß das Individuum handeln kann. Sei es nur, wenn er dem, der ihm eben jegliche Handlungsmöglichkeit verweigert, eins auf die Fresse haut. Kampf ist angesagt!
Mit Kampf meine ich keineswegs Kriegshetzerei und großartige Strategien a la Clausewitz, sondern das, was die alten Völker Asiens und Südamerikas unter 'kämpferischem Geist' verstanden."
(Guillaume Paoli)
Inga , 04. März 2013 - 17:38 Uhr
8. Müde in Karlsruhe: wieso?
"wenn er dem"

Wieso wählen sie hier die männliche Form?
martin baucks , 04. März 2013 - 18:37 Uhr
9. Müde in Karlsruhe: Wie Frauen hauen
@ martin baucks: Gute Frage. Keine Ahnung. Ist mir auch bereits aufgefallen. "wenn es dem" müsste es natürlich eigentlich heissen. Aber es wäre auch eine interessante, offene Frage, ob Frauen nicht genauso draufhauen (könn[t]en) wie Männer. Und/oder warum sie das dann doch nicht tun. Und woran das liegt. Angeboren? Oder Sozialisation?

Aber es geht ja im Text von Guillaume Paoli auch noch weiter, nicht dass hier Missverständnisse aufkommen. Am Ende schlägt er ebenfalls eine Art passiven Widerstand vor. Alle Arbeitslosen sollten sich auf eine Wiese legen, mit oder ohne Getränk, und einfach dort liegenbleiben, ohne sich von Leuten stören zu lassen, die sie zwanghaft "politisch engagieren" oder zwanghaft "in Arbeit bringen" wollen. Erst dann würde wieder bewusst, wie sehr "unsere Chefs" von der Masse der "Arbeiter und Angestellten" abhängig sind. Wenn "wir" an der Basis alle streiken würden, dann würde das kapitalistische System zusammenbrechen. Tja.
Inga , 05. März 2013 - 13:16 Uhr
10. Müde in Karlsruhe: übergriffig
So ein dämlicher Abend.
Ich kam mir vor wie auf den Entspannungsinseln eines Kirchentages.
Vollkommen humor- und gedankenfrei.
Eine im RES000882-1167 Fall übergriffige Inszenierung, absolut hinfällig , ob da ein Handke oder sonstwas verhandelt wird.
War da , 05. März 2013 - 13:31 Uhr
11. Müde in Karlsruhe: Macbeth-Müdigkeit
@ 7

Wohlgemerkt: Ihr neuerliches Zitat bezieht sich keineswegs auf die oben besprochene Inszenierung. Was daran macht es für Sie zu einer solchen "Depressionsschau" ?
Und unterschlagen Sie nicht gleichsam den Handke-Anteil des Abends ?? Der Handketext ist mitnichten eine Depressionsschau. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß Guillaume Paoli etwas mit dieser polaren Inszenierungsanlage anfangen könnte; vielleicht bedarf es sogar ein wenig jenes "kämpferischen Geistes", um redlich müde sein zu können und empfänglich zu werden für die Gemeinschaft stiftenden Müdigkeiten und um den "Schlaf der Gerechten" möglicherweise schlafen zu können.
Wird "Macbeth" (siehe Nachbarthread) nicht auch mit Schlaflosigkeit geschlagen und einer isolierenden Müdigkeit. Wieviel von "unseren" Müdigkeiten ähnelt eher solcher Macbeth-Müdigkeit ?? Das wäre durchaus ein Ansatz hin zur Steckel-Lesart via Müdigkeitsthema. Am 13.3.2013 geht es in den Sophiensälen im übrigen ("Turbo Pascal" , nachtkritik de. wird berichten) los mit einem Müdigkeitsabend für Berlin.
Arkadij Zarthäuser , 05. März 2013 - 15:50 Uhr
12. Müde in Karlsruhe: Han lesen, nicht nachplappern
@Inga
liebe Inga,
sie haben den Abend wohl wie so oft nicht gesehen. Den Text von Han haben Sie aber scheinbar auch nicht gelesen, denn er ist das Gegenteil von privatisierend sondern entwirft ja genau eine scharfe politische Sicht auf das Thema. Also vielleicht auch mal eins ihrer geliebten Zitate hinterfragen, bevor Sie es einfach brav nachbuchstabieren. Reproduzieren Sie durch Ihr Nachplappern nicht eigentlich die-medialen-kapitakisischen-Strukturen-welche-eigentlich-aufgelöst-gehörten?
user , 05. März 2013 - 17:59 Uhr
13. Müde in Karlsruhe: nicht gesehen, kann's mir aber vorstellen
@ Arkadij Zarthäuser und user: Sie haben Recht, das Zitat passt hier tatsächlich nicht hin, jedenfalls nicht, um diesen Abend zu kritisieren. Denn laut der Karlsruher Staatstheater-Homepage geht es Handke eben gerade nicht um eine weitere theatrale Depressionsschau, sondern vielmehr um folgendes: "Handkes positive, weil entlastende, widerständige Müdigkeit stellt Han der depressiven Müdigkeit des ausgebrannten Leistungssubjekt gegenüber". Gut. Paoli geht es da, in meinem Verständnis, um ähnliches. Und übrigens, ich plappere weder nach noch reproduziere ich, sondern ich denke mit anderem Verstand, welcher zu meinem Verstand wird. Nein, ich habe es nicht gesehen, aber ich kann es mir vorstellen.
Inga , 05. März 2013 - 20:42 Uhr
14. Müde in Karlsruhe: halbinformiert
Ganau liegt das Problem, Inga. manche Abende kann man sich nicht vorstellen, zum Beispiel diesen: überhaupt nicht. Das szenische Set-up ist nämlich genial: einfach, subversiv, pseudo-kuschelig, und ganz anders, als man erwartet. Und um auch mal ein Zitat zu benutzen, hier eins von Wittgenstein: "Worüber man nicht reden kann, kann man nur schweigen." Gutes Theater muss man nicht halbinformiert totreden....
user , 05. März 2013 - 23:05 Uhr
15. Müde in Karlsruhe: theaterfeindlicher Satz
"...Nicht gesehen, kanns mir aber vorstellen."
dieser fürchterliche und theaterfeindliche Satz erklärt leider so vieles auf nachtkritik...
heureka , 06. März 2013 - 10:22 Uhr
16. Müde in Karlsruhe: Miterleben versus Imaginieren
@ user: Und WER spricht hier jetzt vom "TOTreden"? Theater ist offene Kommunikation. Immer und überall. Das Totschweigen dagegen, das hat noch nie jemandem weitergeholfen, auch und gerade im politisch-ökonomischen Kontext nicht. Denn manch eine/r schweigt ja vielleicht auch nur deswegen, weil er zu wenig genaue Informationen hat. Und/oder diese verschweigen muss. DAS ist undemokratisch. Mit schönen Grüßen an Tobias Schuster.

@ heureka: Warum theaterfeindlich? Theater lebt doch vor allem über die Imagination. Aber okay, man kann natürlich auch mit nacktem Unterkörper und baumelndem Pimmel durch die Zuschauerreihen laufen, wie neulich bei der andcompany ("Der [kommende] Aufstand nach Friedrich Schiller") gesehen. Das öffnet dann allerdings nichts mehr in der Imagination. Mutig war's natürlich trotzdem, wie da mit der eigenen Scham UND der (Fremd-)Scham bzw. Beschämung der Zuschauer gespielt wurde. Ansonsten war's aber irgendwie doch auch ein wenig zum Einschlafen, weil keine Geschichte mehr erzählt wurde. Man kann auch zu viel dekonstruieren.
Inga , 06. März 2013 - 12:06 Uhr
17. Müde in Karlsruhe: Bemühungen ums Totreden
@ user und heureka bzw. § 4 und § 6

Der Satz "Nicht gesehen, kanns mir aber vorstellen." im Hinterkopf mag schon so manchen Theaterbesucher begleitet haben, erst recht, wenn er vorher zu einer Kritik oder gar mehreren gegriffen haben sollte, denn irgendwie ist das ja wohl auch ein Kernproblem jedweder Verbalisierung von Theatererfahrung(en) (außerhalb ihrer selbst, es gibt ja allerlei Formate), daß sie selbst in der Regel kein Theater sind. Und garnicht so selten wird man dann von der eigenen Sicht auf die Sache geradezu überrascht und findet ganz eigene Zugänge bzw. die angebotenen gerade nicht; dann, gerade dann scheint mir ein Austausch über das Erlebte Chancen zu eröffnen, fruchtbar zu sein. Mitunter kommt dergleichen auf nachtkritik de. vor, mitunter ärgert man sich, daß es gerade nicht passiert: die sachliche, persönlich durchdrungene Diskussion über das Erlebte, der Austausch darüber. "heureka", ich weiß nicht, wieweit Sie Otteni-Stränge auf nachtkritik de. verfolgt haben, aber ein Thread hat beispielsweise vor einigen Monaten direkt darauf hingewiesen - eine "Karlsruherin" postete seinerzeit-, daß dieser "Versuch über die Müdigkeit/Die Müdigkeitsgesellschaft"
in Karlsruhe geplant ist und mag letztlich sogar dazu beigetragen haben, daß nachtkritk de. diesen Abend besprochen hat, so daß dieser nun einen eigenen Thread hat. Auch dieser Satz erklärt, denke ich, zum Glück so einiges auf nachtkritik de., zB. daß es durch diese Seite eher schwerer geworden sein dürfte, gutes Theater halbinformiert totzureden. Könnte ich auch "theaterfeindlich" lesen, so einen Satz, wie kann ich gutes Theater totreden ?, muß und werde ich aber nicht. Wenn man sich gerade diesen Abend so garnicht vorstellen kann, gerade weil das szenische Set-up genial ist, sollte man sich vielleicht auch ein wenig fragen, wie oft einem so das Geniale vor die Füße springt und kann dann vielleicht wieder ein wenig milder urteilen: jedenfalls so ein Theater würde keiner mehr totreden können, davon bin ich überzeugt, man kann auch das Theater des Centraltheaters in Leipzig nicht mehr totreden (dennoch kann irgendwann Schluß sein).
Doch es gibt in diesem Thread auch Gegenstimmen, §4 und §6.
Schaue ich allein in den Monatsplan für den März, so scheint es mir
nicht, daß ich da keine Stücke finde, lieber Peer, und Ottenis "Und immernoch Sturm"-Handke ist doch wohl auch eines gewesen, oder ? Es gibt schon einige Nachtkritiken zu Karlsruhe, es gibt einige "Verschnitte" und Stücke darunter; bei den "Verschnitten" fällt aber wesentlich auf, daß sie in "Doppeltiteln" wie im hiesigen Fall darauf hinweisen, daß sie "Verschnitte" sind: auch ist der Handketext hier ebensowenig ein Stück wie der Han-Text. Ich finde, daß jemand, der einen solchen Abend besucht, schon damit rechnen darf, nicht ein Stück im "herkömmlichen Sinne" zu sehen. Da Otteni auch ein Handkestück inszeniert hat, dürfte der Einwand, man traue dem Publikum in Karlsruhe offenbar zu wenig zu, nicht sonderlich verfangen: offenbar mutet man ihm sogar etwas zu, und das sollte man wohl auch nur tun können, wenn ein gewisses Zutrauen da ist..
Arkadij Zarthäuser , 06. März 2013 - 13:11 Uhr
18. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: Raum lassen
Da ich hier schon zitiert werde, und man mir sogar die Macht zuspricht, Kritiker zu beeinflussen, möchte ich mich auch äußern.
Ja, ich habe Ottenis "Immer Noch Sturm" gesehen, es WAR ein Stück (warum ist das wichtig?), ich war begeistert und habe mich auf Karlsruhe gefreut. Nachdem ich nun die zweite Vorstellung des "Versuchs Über die Müdigkeit" gesehen habe, muß ich sagen: Ich war überrascht,es war KEIN Stück, es war etwas völlig anderes (also, daß sich dieser Regisseur wiederholt, kann man ihm nicht vorwerfen...) und nach einiger Irritation kam wieder derselbe Gedanke wie in Nürnberg: Wie sagenhaft gelassen die Schauspieler mit den Texten umgehen, gerade mit den großen Handke-Monologen, wie sehr sie diese Sprache zum Blühen bringen. Das scheint ein Merkmal von Otteni zu sein, daß er den Schauspielern und den Texten Raum lässt. Wenn ich dazu noch ein Stück Apfel bekomme - umso besser.
karlsruherin , 06. März 2013 - 19:55 Uhr
19. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: Reingehen und entspannen
seltsame Diskussion hier. Ich war auch in der zweiten Vorstellung und kann allen, die es noch nicht gesehen haben, aber schon wissen, wie schlecht es doch ist, nur sagen: Noch nie habe ich so einen Abend in Karlsruhe gesehen. Die Idee des Schlafsaals, die klugen Texte, die Schauspieler alle ein gutes Stück besser als sonst - ihr Nörgler: geht da rein und entspannt euch!
Antje , 07. März 2013 - 10:15 Uhr
20. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: Neben Schwaben
Ich war drin und konnte vor lauter verspannten Schauspielern in einer unglaublich angestrengten Inszenierung nun wahrlich nicht entspannen.
Und wegen gratis Äpfeln ins Theater gehen , liebe Karlsruherin , na ja , Baden liegt neben Schwaben.
@antje , 07. März 2013 - 11:11 Uhr
21. Müde in Karlsruhe: sehr gut
Sie haben mich komplett missverstanden. Der Abend war sehr gut und daran ändert auch Ihre Häme nichts
Antje , 09. März 2013 - 09:37 Uhr
22. Müde in Karlsruhe: wie Musik mit geschlossenen Augen
Die letzten Tage war ich zu müde zum Schreiben, aber heute endlich möchte ich Stefan Otteni für den Theaterabend der besonderen Art danken. Es war sehr ungewöhnlich das Publikum auf Matratzen liegen zu sehen - sobald ich mir eine Platz gesucht und mich hingelegt hatte, fand ich es gleichsam spannend und entspannend. Mir gelang es ganz schnell in das Thema des Abends einzutauchen: die Müdigkeit, die Müdigkeit der Gesellschaft, die Müdigkeit des einzelnen, die Müdigkeit zwischen Paaren usw.
Ein gelungenes Experiment nicht still sitzen zu müssen und nicht immerzu dem Geschehen mit den Augen zu folgen, vielmehr liegend in die Sterne zu schauen oder die Augen zu schließen und sich auf das Hören zu konzentrieren. Es war wie Musik mit geschlossenen Augen hören oder bei einem Konzert aufstehen und tanzen können, genauso gut!
Babsi , 09. März 2013 - 20:19 Uhr
23. Müde in Karlsruhe: gefällig und bemüht
... meine ansprüche und erwartungen an das stück wurden nicht erfüllt ...
und der versuch "etwas" besonderes zu machen wirkte auf mich insgesamt zu sehr bemüht.
aber für das karlsruher publikum scheint´s ja zu reichen ...
nette äpfel und so harmlos gefällig ... schade um die arbeit.
marcel , 10. März 2013 - 12:46 Uhr
24. Müde in Karlsruhe: Texte mit Sprengkraft
@marcel
wenn Sie im alten Stil provoziert werden wollen (mit diesen beiden Texten??), müssen Sie wahrscheinlich hingehen, wo die Castorf-Epigonen noch wüten. Hier müsste man dann doch auch mal auf die Texte hören, scheint mir, denn alles in dieser Veruchsanordnung lief darauf hin. Die Texte dann haben genug Sprengkraft und ind alles andere als harmlos - nicht die Äpfel und die Massagen. Aber einlassen muß man sich schon...
user , 10. März 2013 - 13:24 Uhr
25. Müdigkeit, Karlsruhe: unverbunden
... nicht die texte sind harmlos und gefällig,
ganz im gegenteil ...
(war vielleicht missverständlich) ...
aber die inszenierung ...
für mich hat sich das nicht verbunden ...
text und das was daraus gemacht worden ist)...
deshalb meinte ich: schade um die arbeit ...

... ps: habe nur einen text geschrieben ...
marcel , 11. März 2013 - 09:05 Uhr
26. Müdigkeit, Karlsruhe: ein Geschenk
"Ich möchte lieber nicht", dass dieser tolle Theaterabend so tot geredet wird.
Anscheinend ist es aber den meisten Kommentarschreibern hier sowieso wichtiger sich auf dieser Seite zu profilieren, anstatt sich auf eine aussergewöhnliche Inszenierung einzulassen. Grosse Reden schwingen, teilweise ohne es selbst erlebt zu haben, wie aussergewöhnlich dieser wunderbare Theaterabend eigentlich war. Wohl zu grosse Schwierigkeiten sich darauf einzulassen. Dabei war es ein Geschenk, nicht nur für Müde, herrlich sich hinlegen oder auch sitzen zu dürfen, um den drei tollen Schauspielern, mal aufgeregt, mal ganz entspannt, auf Ihren Entdeckungen zu folgen, den spannenden Gedankengängen von Han, Handke und Arendt und und und widersprüchlich und anregend zugleich.
Es ist mir ein Rätsel, warum es für manch einen so schwierig zu sein scheint, sich auf Aussergewöhnliches einzulassen und man wohl lieber den traditionellen Theaterabenden hinterher weint, anstatt die erfrischenden Angebote, geistiger wie auch körperlicher Art wie etwa Nackenmassage, anzunehmen. Ihr braucht wohl die harte Bestuhlung und bloss keine Berührung, eure schicke Garderobe könnte wohl knittrig oder gar fettig werden.
Eine Frankfurterin 01 , 11. März 2013 - 13:28 Uhr
27. Müde in Karlsruhe: aufwühlende Gute-Nacht-Geschichte
Der Abend ist wundervoll: einfach Schuhe ausziehen und mit kuscheligem Bettzeug bewaffnet eine gemütliche eigene Matratze bekommen, um dann liegend lauschend oder auch schauend staunend, wie ein Kind geborgen zur Gute-Nacht-Geschichte, um dann aber eben eine "Gute-Nacht-Geschichte", die es in sich hat, geboten zu bekommen, die in entspannter Position ganz schön aufwühlt. Und noch während sich am Ende des Abend, die Stimmen und der Gesang der Schauspieler immer weiter entfernen und man immer noch da liegt und nicht aufhören will in den mit Sternen bestückten Zelthimmel zu schauen, denkt man noch über das Dargebotene nach, verinnerlicht den tollen Moment, bevor er dann leider doch vorbei ist. Auch sehr schön: ganz ohne Applaus!!! Ich hoffe, dass die drei Schauspieler und der Regisseur und das gesamte Haus trotzdem wissen, wie gut ihre Darbietung gefallen hat. Der Weg aus Frankfurt hat sich sehr gelohnt!
Eine Frankfurterin 02 , 11. März 2013 - 19:37 Uhr
28. Müde in Karlsruhe: demnächst müde in Berlin
@ 26

In § 11 ging es mir um eine Richtigstellung (mindestens einen Hin-
weis) zum Paoli-Zitat und der offenbaren Anlage der Inszenierung, eine Inszenierung in der Tat, die leider weit weg ist von meinem Heimatort, nochmals: leider !
Zudem wollte ich auf einen Müdigkeitsabend in den "Sophiensälen" hinweisen (nicht jeder, der in der Märzvorschau den Titel liest, muß sich darunter schon etwas vorstellen können und überliest möglicherweise etwas sie/ihn Betreffendes).

In § 17 ging es mir um ein Pauschalurteil darüber, was angeblich hier so auf nachtkritik de. vor sich geht und wollte zur Entkräftung dieses Vorwurfes noch einmal darauf hinweisen, daß dieser Thread bereits einen Vorlauf im Otteni-Thread zu seiner "Und immernoch Sturm"-Inszenierung (Nürnberg) hatte, von Totschweigen also gerade zu Otteni-Sachen (siehe auch Potsdam, "Der Eisvogel") keine Rede sein kann.
Wenn "Karlsruherin" daraus macht, ich schriebe ihr/uns die Macht zu, nachtkritik de. nach Karlsruhe zu bewegen bzw. die nachtkritik de.-Redaktion es für geboten hält zu titeln "Bemühungen ums Totreden", so kann ich da nichts zu. Tatsächlich hat nk schon verschiedentlich positiv auf ZuschauerInnenhinweise reagiert, ohne daß ich den Karlsruher Fall hier als Beispiel handeln will/wollte, denn das entzieht sich meiner Kenntnis einerseits, andererseits sind auch sonst schon diverse Otteni-Inszenierungen (ohne Hinweis) besprochen worden. Der Abend selbst spaltet offenbar die sich darauf eingelassen habende Zuschauerschaft, die sich hier ja auch schon verschiedentlich geregt hat (und ich sehe noch keinen Anlaß, hier von Profilierungen zu sprechen); das Diskussionsklima hier halte ich für gereizt, und gerade das geht mir nicht recht auf. Die Bewertungsfunktion ist hierbei aber fast (!) ein Segen, in kaum einem Thread läßt sich das Auf und Ab so verfolgen; dennoch wäre es besser, gelegentlich etwas genauer zu lesen als vermeintlich gegen die eigene Haltung Sprechendes pauschal runterzubügeln oder als Profilmache zu denunzieren.

Arkadij Zarthäuser , 11. März 2013 - 19:46 Uhr
29. Müde in Karlsruhe: nicht außergewöhnlich
oh gott , vielleicht hat es einigen ( und mir ) nicht gefallen , weil es eben nicht außergewöhnlich , sondern schrecklich banal war .
auf außergewöhnliches muss man sich nicht "einlassen". es passiert von selbst ( oder eben auch nicht , weil es für jeden anders verläuft ) . auf jeden fall aber nicht zwangsläufig wegen matrazen und äpfeln und massage.
warum muss ich mir einen theaterabend denn als einzigartig verkaufen lassen , bloss weil einige nicht mit ihrem leben in seinen angeboten und hilfen zurechtkommen. bei allem Respekt.
@eine frankfurterin 01 , 11. März 2013 - 22:53 Uhr
30. Müde in Karlsruhe: Bilder explodieren
Ein vielsinnlicher Genuss ist dieser Abend, der Zuschauer als Teil des Bühnenbildes mitten im Geschehen, sich immer wieder verlierend in Erfahrungswelten, Müdigkeitszuständen und dem Geschehen im Raum. Bilder explodieren und verschwimmen unvermutet.
Mit leichter Hand und Lust zum Text inszeniert, vielen Dank, Stefan Otteni, ich möchte bitte
mehr!
Christina , 12. März 2013 - 04:11 Uhr
31. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: interessante Reaktionen
Ich kann nicht beurteilen, wie der Abend ist, ich wohne zu weit weg von Karlsruhe, aber es ist interessant, wie diese doch scheinbar sanfte Veranstaltung so aggressive Reaktionen hervorruft. Und in dieser Aggression auch großen Quatsch: "auf außergewöhnliches muß man sich nicht einlassen, es passiert von selbst" - schon lang nicht mehr sowas Dummes gelesen. Wie die Geschichte der Kunst immer wieder zeigt, war Außergewöhnliches stets extrem angefeindet.
@@eine frankfurterin 01 , 13. März 2013 - 09:25 Uhr
32. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: ein mehr des weniger Ich
@28 Lieber Herr Zarthäuser,
jetzt haben Sie schon so oft auf den "Müdigkeitsabend" in Berlin hingewiesen, jetzt sagen Sie mir:
Sind Sie denn mit der Produktion irgendwie verbandelt?
Waren Sie da und können berichten?
Werden jetzt die Müden Hauptstädter gegen die Müden Provinzler aus Karlsruhe streiten? (Mich wundert auch der raue Ton der Kommentare. Macht Hinlegen schon aggressiv?) Laut Programmheft geht es doch in Karlsruhe um "Ein Mehr des weniger Ich". Das wäre hier im thread auch mal schön
A. Harthäuser , 13. März 2013 - 17:34 Uhr
33. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: Antworten
@ 32

- Nein, ich bin nicht mit jener Produktion verbandelt.
(soviel Beiseite sei mir gestattet: Ich habe hier nicht durch-
gehend den Eindruck, daß hier ansonsten Unverbandelte sich
zu Wort melden, ist aber ihr gutes Recht und steht der eigenen
Einschätzung frei zu Gebote)

- Nein, gestern war Premiere (siehe die "Versuch über die Müdigkeit
überschriebene Nachtkritik"), ich weiß noch nicht, ob ich die
Tage noch spontan einen kleinen Berlin-Trip starte (SIGNA, F.I.N.
D., Müdigkeitsabend, es ist ja mancherlei los, was mich
anspricht)

- Hauptstädter versus Provinzler (Berliner gegen Karlsruher), alle-
mal ohne mich !

- Zur "Aggression" und zu allerlei Pauschalurteilen und der Nicht-
bereitschaft aufeinander einzugehen fiele mir schon noch etwas
ein, aber: ich werde mich zurückhalten..
AZ (abschließend) , 14. März 2013 - 15:09 Uhr
34. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: Enttäuschung in Berlin
Also die 8 Stunden schlafen mindestens von turbopascal in berlin waren schon mal eine enttäuschung: selbsterfahrung satt substanz: jetzt die vorfreude auf die müdigkeit in karlsruhe: da sollen ja wenigstens die texte zum einsatz kommen.
achtstundensindkeintag , 15. März 2013 - 08:37 Uhr
35. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: gemeine Mischung
Ich war sehr skeptisch, und der Abend fängt auch fürchterlich an: Schuhe abgeben und wohlfühlen, ogott, nettes Theater für nette Menschen. Aber dann ist diese Mischung aus supernett und kuschelig - und diesen Texte, die den Finger auf die Wunde des selbstausbeuterischen Ichs legen ziemlich genial, weil man, wie der Kritiker auch, nicht weiß, wie man reagieren soll: Empört, umsorgt, zustimmend nicken, was denn? Hut ab vor dieser gemeinen Mischung.
Auch Karlsruher , 01. April 2013 - 22:38 Uhr
36. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: augenöffnend
Ich bin durch das Stück zum ersten Mal auf diesen Philosophen aufmerksam gemacht worden. Das ist erschreckend, wie er unsere Arbeitswelt auf den Punkt bringt. Ich habe an dem Abend oft gedacht, da wird mein leben beschrieben. Es ist egal ob man das im sitzen oder liegen hört. Danke für diesen augenöffnenden Abend.
Regine , 06. April 2013 - 10:23 Uhr
37. Müdigkeitsgesellschaft, Karlsruhe: Sonntagsphilosophie
Es lässt einen den Glauben an wirkliche Gedankenarbeit verlieren, wenn man sieht wie Byung-Chul Han auf einmal in aller Munde ist, und hier in diesem thread von Leuten wie @Regine auch noch als "augenöffnend" gefeiert wird. Han ist nichts weiter als ein Zweitverwerter von im Altertum und in den 90ern entwickelten Philosophien des Müßiggangs. Das macht er sehr schlau und wie man sieht, bringt er es sogar ins Theater damit. Aber offenbar braucht es Kekse und Massagen um bei seinen Texten die Leute bei Laune zu halten. Und wie man ihn mit Peter Handke, einem wirklich Großen der Literatur vermixen kann, das ist mir unbegreiflich; Sind doch die Welten von Handke unendlich tiefer als die des Sonntagsphilosophen Han.
S. Weinert , 06. April 2013 - 17:05 Uhr
38. Müde in Karlsruhe: mangelndes Vertrauen?
In Karlsruhe werden Texte verschnitten, weil es Intendanz und Dramaturgie an Vertrauen mangelt- Vertrauen sowohl dem Schreibenden gegenüber, als auch denen, die zusehen.
elias , 07. April 2013 - 01:20 Uhr
39. Müdigkeit, Karlsruhe: erst lesen, dann kritisieren
@37, 38
(...) wieder regen sich scheinbar nur die über den Abend auf, die ihn gar nicht gesehen haben. Die Texte sind "verschnitten" weil sie sich sogar aufeinander beziehen. Man muß den Han schon auch lesen, bevor man ihn kritisiert. Das in Karlsruhe ist ein geiler Abend, und wer nicht denken will, muß schlafen.
user , 07. April 2013 - 10:02 Uhr
40. Müdigkeit, Karlsruhe: außergewöhnlich
Wir haben uns gestern schon zum zweiten Mal auf die Matratzen von Handke und Han gelegt - es ist immer noch der außergewöhnlichste Abend, den das Staatstheater seit langem hatte!
Susanne M. , 13. Oktober 2013 - 14:51 Uhr

Kommentar schreiben

kleiner | grösser

busy