Mittwoch, 16. April 2014
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Offener Brief an Die Zeit zur N-Wort-Debatte

"Unangemessener konservativer Populismus"

London, 27. Februar 2013. Bereits vor einer Woche haben sich zehn Migrationsforscher_innen, allesamt Stipendiat_innen der ZEIT-Stiftung, in einem Offenen Brief an die Redaktion der Wochenzeitschrift Die Zeit gewandt und ihr vorgeworfen, in der Debatte um die Entfernung rassistischer Begriffe aus Kinderbüchern versagt zu haben. 

Die Kritik entzündete sich an einem Dossier in der Zeit-Ausgabe vom 17. Januar 2013, in dem sich verschiedene Autoren mit der Überarbeitung von Kinderbüchern und der Ersetzung rassistischer Formulierungen auseinandergesetzt hatten. Insbesondere gegen die Artikel von Ulrich Greiner, Die kleine Hexenjagd, und Axel Hacke, Wumbabas Vermächtnis, hatte sich vielfältiger Protest auch innerhalb der Zeit erhoben. Diesen beiden Autoren werfen die Unterzeichner_innen des Offenen Briefes mangelnde Sachkenntnis, fehlende "kritische Reflexivität hinsichtlich des kolonialen Erbes" sowie falsche Tatsachenbehauptungen vor. 

(jnm)




Kommentare (1)

1. N-Wort-Debatte: mit der Handkante über den Hals
Eine kleine, wahre Geschichte von einer überraschenden Begegnung mit einem Jungen mit Migrationshintergrund: Es passierte im Januar, noch bedeckte Schnee die Straßen. Ich fuhr zur Arbeit, wie immer und trotz des Schnees mit dem Fahrrad. Ich fuhr langsam und vorsichtig, da die Radwege, wie so häufig, noch nicht gestreut waren. Die Autos hatten, wie in so vielen Metropolen dieser Welt, auch in Berlin offenbar ein Vorrecht. Am Schlesischen Tor sprang mir plötzlich ein etwa zehnjähriger Junge vom Straßenrand her vor das Rad. Ich bremste abrupt ab, kam ein wenig ins Rutschen und am Ende sicher zum Stehen. Ich war froh, dass ich den Jungen körperlich nicht getroffen hatte. Er stand nun, ebenfalls sicher dort angekommen, auf dem Fußweg und schaute mich mit offenen Augen aufmerksam an. Plötzlich fuhr er sich mit der rechten Handkante über seinen Hals und machte dazu ein Geräusch, als ob ihm die Kehle durchgeschnitten würde: Krrrhh! Ich erschrak. Ein Scherz? Oder bitterer Ernst? Wenn ja, dann wäre das schon das zweite Mal, dass mir so etwas passierte. Dass hier nicht gemeinsam und miteinander, sondern immer nur weiter gegeneinander gekämpft würde. In welchem Kontext stand diese Geste? Gab es einen Vorlauf? Ich kannte den Jungen nicht. Ich fuhr entmutigt weiter, ohne etwas zu sagen. Hätte ich den Jungen lieber fragen sollen, warum er das tat und was er mir damit sagen wollte? Wenn jetzt schon Kinder für die ideologischen Kämpfe ihrer Eltern bzw. der Erwachenen instrumentalisiert werden würden, wem würde das am Ende nützen?

"Die Entwicklung der heutigen Demokratiebewegungen zeigt jedoch, dass der Minderheitenschutz keine Kontrolle der Mehrheit erfordert und keinen Zerfall der Gesellschaft in separate Gruppen bedeutet. Vielmehr eröffnet die Beziehung der Singularitäten beim Entscheidungsprozess Möglichkeiten zur Einbeziehung von Unterschieden. [...] Horizontale, demokratische Versammlungen suchen keine Einstimmigkeit, sondern verwenden einen pluralen Prozess, der für Widersprüche und Könflikte offen ist. [...] Mit anderen Worten ist die Mehrheit keine homogene Gruppe und auch kein fester Block, sondern ein Konzert von Unterschieden."
(Michael Hardt/Antonio Negri: "Demokratie! Wofür wir kämpfen")
Inga , 05. März 2013 - 20:18 Uhr

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