Donnerstag, 24. April 2014

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Presseschau vom 6. März 2013 – Die Neue Zürcher Zeitung erinnert an die Theaterbauten von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer

Baumeister der Illusion

6. März 2013. Auf NZZ Online, dem Internetportal der Neuen Zürcher Zeitung schreibt Bernd Noack über die 40 Theater, die das Architekten-Duo Ferdinand Fellner und Hermann Helmer (und sein Wiener Büro) zwischen 1870 und 1913 in ganz Europa errichtet habe. Diese "Baumeister der Illusion" hätten die Wünsche des Bürgertums nach Glanz und Glamour erfüllt.

Besteige man heute in Wien einen Zug in Richtung Südosten, könne man eine "Ahnung bekommen" von der "europäischen Dimension", in der sich die Architekten Fellner & Helmer, mit Büro in der Wiener Servitengasse im 9. Bezirk, einst bewegt hätten. Nach Sofia brauche man immer noch über 30 Stunden, an den "äusseren Rand von Rumänien einen Tag und knapp eine Nacht, ans Schwarze Meer mit zweimal Umsteigen eineinhalb Tage".

Ferdinand Fellner (1847–1916) und Hermann Helmer (1849–1919) hätten ab 1870 in "nicht viel mehr als 40 Jahren" über 40 Theater in über 40 Städten gebaut, "daneben noch eine unglaubliche Zahl an Geschäftshäusern, Villen, Hotels, Bädern". Ihr "Ruf als perfekte 'Baumeister der Illusion' " sei legendär gewesen. "Die Spender und Financiers wollten Pomp und Prunk, Glanz und Samt, Putti und massenhaft Karyatiden", Fellner & Helmer lieferten, auch "in noch so entlegenen Städte".

Modernität

Die Baumeister, die mit List und Tücke die Aufträge ergattert hätten [wie genau das vor sich ging, beschreibt Noack nicht] hätten auf den Ringtheaterbrand von 1881 mit einem konkurrenzlosen Sicherheits- und Fluchtwegekonzept reagiert. Die Bauten führten sie mit Handwerkern und Künstlern aus, die sie aus Wien mitgebracht hätten. Kunsthistoriker hätten angesichts der pompösen eklektizistischen Pracht von "abgeschmackten Barockschnörkeln" und von "Mischmaschbau" gesprochen.

Für Fellner & Helmer sei es niemals ein Problem gewesen, Bauten, die sie für eine Stadt geplant hatten, in einer anderen fast detailgetreu noch einmal aufzuführen. Deshalb stehe in Fürth fast die Kopie des Theaters von Czernowitz. Und in Zürich bauten die beiden Modisten der Architektur das eigentlich für Krakau geplante Haus ans Ufer des Sees.

Peripherie

Oft jedoch hätten diese neu errichteten Theater gar nicht im Zentrum der Städte gestanden, sondern an der Peripherie, weil, wie etwa in Zagreb (dem damaligen Agram) nur am Rand Grundstücke in ausreichender Grösse für eine Neubebauung in diesen Dimensionen vorhanden gewesen seien. Unter diesen Umständen sei "der Theaterbesuch zum Ausflug in zivilisationsferne Gegenden" geraten, wo es "nicht einmal befestigte Strassen gab und die feinen Damen in langen Kleidern durch Staub und Dreck zur Oper stolpern mussten". Heute wirkten diese heater "nicht selten wie das wahnwitzige Opernhaus von Fitzcarraldo im peruanischen Dschungel: Deplaciert und viel zu gross zwängten sie sich zwischen die alte Bebauung".

Was "Kriege und die gestalterischen Vorlieben wechselnder Ideologien" nicht geschafft hätten, schreibt Noack über den heutigen Zustand der Bauten, sei nach 1945 Stadtplanern und Architekten, die für Restaurierung, Um- und Anbauten verantwortlich zeichneten, gelungen: Die Theaterbauten nachhaltig zu verschandeln. Das ehemalige Neue Deutsche Theater in Prag, die heutige Staatsoper, etwa stehe eingezwängt zwischen "hochgelegten Strassen und Eisenbahnschienen" und gehe zugleich zwischen "einem Parkhaus-Ungetüm und einem Museums-Klotz" unter.

Probleme

Die Theaterbauten der beiden Wiener Architekten seien für "die meisten Städte, in denen sie nach wie vor als kultureller Anziehungspunkt gelten, ein Segen, ein Aushängeschild, ein Denkmal, das es zu bewahren gilt". Obwohl sie in vielen Fällen schwer renovierungsbedürftig und mit ihrem Austattungspomp im Innern eine ästhetische Belastung für die heutige Kunst seien. Zudem wären die Zuschauerräume "für heutige Verhältnisse meist überdimensioniert": "Bis in die Logen und Ränge hinauf sind die Häuser oft für über tausend Zuschauer bestuhlt; eine allabendliche Auslastung ist da völlig illusorisch."

 

Mehr zu diesem Thema: Presseschau vom 5. Februar 2013 - die taz über das einhundertjährige Bestehen, das zur Zeit viele Stadttheater feiern




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