Lolita und Maude

von Georg Kasch

21. Februar 2017. Es kann ein Fluch sein, gut auszusehen und im Rampenlicht zu stehen. Klar, man hat auch jede Menge Vorteile: Erfolg im Beruf, beim Flirten, eigentlich überall, und zuweilen liegt im Aussehen ja auch der Grund, warum man berühmt ist. Aber je erfolgreicher und gutaussehender man ist, desto mehr interessieren sich die Menschen dafür, mit wem man das Schlafzimmer teilt (und wenn mit niemandem: warum nicht).

Die Welt als GIF und Verstellung

von Esther Slevogt

Berlin, 14. Februar 2017. Richtig aufgefallen ist die Sache im vergangenen Sommer, als mich durch die digitalen Kanäle plötzlich verstärkt sternübersäte Fotos von Leuten mit Hasengesichtern oder zierlichen Mauseöhrchen und Nagerstupsnäschen erreichten. Bald fand ich selbst Gefallen daran, mein Gesicht in die Smartphone-Kamera zu halten und mich in ein Alice-in-Wonderland-lookalike Kaninchen zu verwandeln, rosa Herzen als Sprechblasen auszustoßen, mir digitale Blumenkränze aufzusetzen oder Videoschnipsel zu produzieren, in denen ich als Manga-Figur mit verzerrter Stimme wiedergeboren werde.

"Diese Kolumne ist enorm!"

von Wolfgang Behrens

7. Februar 2017. Als ich noch ein Zuschauer, ein Leser und sogar noch ein Student war, da belustigten sich ein Freund und ich regelmäßig an der Beobachtung, dass auf der Rückseite eines jeden Suhrkamp-Taschenbuches ein paar Sätze von Günter Blöcker abgedruckt waren, die sinngemäß aussagten: "Dieses Buch ist enorm! Ein ganz großes Meisterwerk!" Wir stellten uns feixend Günter Blöcker vor, wie er irgendwo in einer Literaten-Mansarde hockte und en gros solche Phrasen für die Klappentexte produzierte, und zugleich lachten wir über die Lektoren, die solche Sätze aus irgendwelchen Kritiken herausfischten.

Freunde oder Feinde

von Dirk Pilz

31. Januar 2017. Heute nur ein paar Fragen. Knapp 14 Tage haben wir ja inzwischen Trump. Er wurde gewählt, seine politischen Entscheidungen gleichen jedoch einer Machtergreifung. Wer jetzt noch zweifelt, was dieser Mann will, wer womöglich hofft, dass er von der sogenannten Realpolitik gebremst würde, macht sich der Naivität schuldig.

Rollenspiel

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Rollenspiel auf nachtkritik.de bisher: 105 Mal

24. Januar 2017. Treffen sich acht Menschen um einen Mord zu begehen, kann das einen herrlichen Abend ergeben. Ihre investigative Kolumnistin von nachtkritik.de, der Wahrheit verpflichtet, dem Verbrechen auf der Spur, befindet sich auf dem Weg zu einem sogenannten Mörder-Dinner namens "How to Host a Murder". Einem Rollenspiel, Unterkategorie Murder Mystery Game, dessen erste Episode "The Watersdown Affair" 1983 vom amerikanischen Spielehersteller Decipher, Inc. auf den Markt gebracht worden ist und seither als Serie fortgesetzt und produziert wird.

Aber sicher

von Georg Kasch

18. Januar 2017. Vor wenigen Tagen las ich auf Facebook den Eintrag eines Freundes aus den USA. Er ging mit seinen Kindern zum Essen aus. Beim Betreten des Restaurants folgte ihnen ein Mann, dem, kaum war er zur Tür hinein, eine halbautomatische Schusswaffe herunter fiel, direkt vor die Füße der kleinen Tochter meines Freundes.

Weil ihr es wert seid

von Esther Slevogt

Berlin, 10. Januar 2017. Dass ich das noch erleben darf, in meinem bürgerlichen Heldenleben! In einer Stadt geht dieser Tage einer der spektakulärsten und schönsten Bauten der letzten Jahre ans öffentliche Netz, und es ist kein Büro- und Luxuswohnungsturm, der sich in schwindelerregende Höhen windet, kein güldener Tower, keine Shoppingmall, mit der zum x-ten Mal den üblichen verdächtigen globalen Marken eine glitzernde Lokalumrandung gegönnt wurde. Vielmehr handelt es sich um einen Ort, der schon fast anachronistisch schien in unseren Zeiten, in denen man lieber Theater schließen oder abreißen will (siehe Düsseldorf, siehe die Berliner Ku'dammbühnen) statt neue Orte des öffentlichen Kunstgenusses zu eröffnen: einen Bau, den man im Wesentlichen nur betritt, um dort friedlich einem Konzert zu lauschen. Oder ist da doch noch mehr?