Die Infragestellung des Theaters ist der Mainstream

28. August 2015. Gestern noch hat nachtkritik.de einen "Text der Saison" des Dortmunder Dramaturgen Alexander Kerlin wiedervorgelegt, heute bereits reagiert Peter Laudenbach in der Süddeutschen Zeitung.

Dem Stottern abgerungen

27. August 2015. Soeben wurde sein Stück "Die lächerliche Finsternis" zum Stück des Jahres in der Kritiker*innenumfrage von Theater heute gekürt. Zum bestmöglichen Zeitpunkt also erhält der Dramatiker Wolfram Lotz in der aktuellen Ausgabe des Cicero ein Porträt, in dem ihn die Journalistin Katrin Ullmann als Mann von großer "Ernsthaftigkeit" vorstellt, "vertieft in sein Nachdenken".

Macht Thüringen zu viel Theater?

23. August 2015. In einem Debattenbeitrag, nachzulesen auf der Website des MDR, stellt MDR Figaro-Redakteur Stefan Petraschewsky die Frage, welche Ziele die derzeit diskutierte Strukturreform der Theater- und Orchesterlandschaft Thüringens eigentlich anpeilen könnte.

Der Alf vom Rosa-Luxemburg-Platz

von Wolfgang Behrens

August 2015. Die Theatermagazine bekämpfen das Sommerloch: Die deutsche Bühne wertet ihre Saisonumfrage aus, Theater heute führt das Festival Foreign Affairs als Argument für Chris Dercon ins Feld.

"Hamlet"-Hysterie um "Sherlock"-Spieler

21. August 2015. In London ist die Hölle los. Und ausnahmsweise geht es dabei tatsächlich ums Theater. Denn Benedict Cumberbatch, der Millionen Fans schwere "Sherlock"-Star, spielt "Hamlet" im Barbican Center, in der Regie von Lyndsey Turner. Und obwohl die Premiere am nächsten Dienstag erst bevorsteht und zurzeit nur die üblichen Voraufführungen (Previews) laufen, spielen sogar die Kritiker*innen verrückt.

Das West-Berlin des Ostens

18. August 2015. "Im heißkalten Volksbühnen-Krieg sind Freundschaften zerbrochen und lange Arbeitsbeziehungen. Hate-Mails wurden verschickt, geistige Bunker errichtet", konstatiert Rüdiger Schaper heute im Tagesspiegel, und: "Es gibt eine Mauer zwischen denen, die noch an Castorf glauben, an seine ewige Regenerationskraft, und denen, die seinen finsteren, sechsstündigen Kulturschuttplatzpartys nicht mehr viel abgewinnen können, ob es nun um Brecht geht oder Malaparte oder Dostojewski. Die sich unbehaglich fühlen in diesen Endmoränen der Theaterkunst oder sich einfach langweilen."

Wer beruft die Berufenen?

17. August 2015. In einem Essay für die Berliner Gazette (10.8.2015) analysiert der Künstler Wolfgang Müller eingehend die Aktionskunst des Zentrums für politische Schönheit (ZpS) im Vergleich mit der Aktionskunst von Christoph Schlingensief. Der Fokus liegt auf dem ästhetischen Profil und der Logik des künstlerischen Auftritts. Das "Weißsein“ der Aktionskünstler wird vermerkt ebenso wie der dezidiert nicht queere Look ihrer Auftritte: "Die Aktivisten und die Aktivistinnen wirken insgesamt sehr smart, sehen gut aus und könnten genauso gut einem Prospekt der Sparkasse, der Jugendgruppe der Liberalen oder der Grünen entstammen. Sie wirken jedenfalls kein bisschen queer."

Man darf sich nicht gemein machen mit der Tagespolitik

17. August 2015. In einem langen Gespräch mit Natascha Freundel vom Deutschlandfunk (online 16.8.2015) beschreibt Regisseur Nicolas Stemann noch einmal ausführlich seine Arbeit mit Flüchtlingen für die Umsetzung des Elfriede Jelinek-Textes "Die Schutzbefohlenen". Ziel sei es gewesen, die Flüchtlinge selbst sichtbar  und ihre Probleme hörbar werden zu lassen. Gleichzeitig erforderte die Stückumsetzung die "Experten des Theaters", also die Schauspieler. Das Repräsentationsverhältnis des Theaters dabei selbst einer Reflexion zu unterziehen, hebt Stemann als eine der Stärken seiner Arbeit hervor.

Sei umschlungen, Subproletariat!

14. August 2015. Wenn heute Abend die Ruhrtriennale startet, dann hat sie die erste Debatte bereits hinter sich. Denn der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken, Eyüp Yildiz, hat dem neuen Festival-Leiter Johan Simons vorgeworfen, für seine Eröffnungsinszenierung "Accattone" nach Pasolini (nachtkritik.de wird morgen berichten) die Zeche Lohberg bloß als "pittoreske Schachtkulisse" zu nutzen, "in der sich die Gesellschaft des Kulturspektakels für einen Sommer lang feiert, um dann weiterzuziehen."