Deine Biographie zählt

Berlin, 11. Feburar 2016. In einem größeren Bericht für das Deutschlandradio Kultur (11.2.2016) wirft Cara Wuchold einen Blick auf die Arbeitsrealität von Berliner Theatermacherinnen und Theatermachern mit Migrationshintergrund. Das noch von Matthias Lilienthal am HAU initiierte und von Shermin Langhoff kuratierte "Beyond Belong"-Festival habe 2006 eine Szene von neuen Künstler*innen sichtbar gemacht und vernetzt, die später am Ballhaus Nanynstraße und jetzt am Gorki Theater in Berlin ihre Zentren fand. Mit einigen der Protagonist*innen dieser Aufbruchszeit und einem neuen Gesicht auf Berlins Bühnen spricht Cara Wuchhold.

Loben, loben, loben

4. Februar 2016. Gestern wurden die zehn Einladungen zum Berliner Theatertreffen 2016 verkündet. Heute kommentieren die Zeitungen:

Genug mit der Politikberatung

1. Februar 2016. Liegt ein Problem des Theaters in der "ungeschulten Empfindlichkeit vieler Theaterleute gegenüber der idealistischen Sendungskraft ihres eigenen Mediums?" Das und anderes überlegt Simon Strauss in der FAZ in seinem Text über die Berliner Konferenzen der Dramaturgischen Gesellschaft und der AdK, die beide über die desolate Lage des deutschen Theaters beraten haben.

Theater als Anti-Radikalisierungs-Schule

21. Januar 2016. Unter dem Titel "Beharrungsvermögen vs. Verflüssigung" haben sich am 18. und 19. Januar 2016 etwa 60 Intendanten deutscher Theater und Orchester getroffen und über den Rollenwandel der Theater in der "Flüchtlingskrise" diskutiert. Außerdem berieten sie über ihren Umgang damit, dass Theaterhäuser immer wieder als Kulisse für Kundgebungen von rechten Kräften herhalten müssen (zum Beispiel montags in Dresden oder im vergangenen November in Mainz, wo die Beschäftigten des Theaters eine AfD-Demonstration mit Gesang übertönten und dafür eine Anzeige bekamen).

Im Schatten der DDR-Kulturpolitik

21. Januar 2016. Stefan Rosinski, noch bis zum Sommer Geschäftsführer des Rostocker Volkstheaters, hat gestern in der in Rostock erscheinenden Ostsee Zeitung ein "Variantenmodell" (hier der Wortlaut des 30-seitigen Papiers) veröffentlichen lassen, mit dem er den von der Rostocker Politik auferlegten Verkleinerungsüberlegungen für das städtische Theater begegnen will. Kern von Rosinskis Überlegung ist die Erhaltung und der Ausbau des Musiktheaters sowie die Erhaltung und Stabilisierung der 73-köpfigen Norddeutschen Philharmonie als konzertierendes Orchester, das zugleich Musiktheateraufführungen begleitet. Tanztheater soll in Rostock fürderhin in die Hände einer zu bildenden Landestanzkompanie nach baden-württembergischen und südhessischem Vorbild gelegt werden. Das Schauspielensemble soll nach Rosinskis Dafürhalten abgewickelt, Schauspieltheater in Rostock per Gastspiel und Koproduktionen mit freien Gruppen angeboten werden. Nur ein kleines vierköpfiges Ensemble bliebe am Volkstheater bestehen, um Jugend- und Kindertheater in flexiblen Formen anzubieten.

Ungefiltert, direkt, authentisch

20. Januar 2016. Auf Deutschlandradio Kultur geht Thomas Klug in fünf Akten der These nach, dass das Theater wieder politisch wird. Zunächst resümiert er, wie das politische Theater früher ausgesehen hat, nennt Rolf Hochhuth, Peter Weiß, Christoph Schlingensief. "Es folgte Theater-Routine, die außerhalb des Theaters kaum Widerhall fand. Es schien, als würde das Theater die Welt um sich herum nur durch ironische Distanz wahrnehmen. Vielleicht war es ein Stilmittel, um sich gegen den Optimismus allenthalben zu wehren, um gegen Fantasien des immerwährenden Wachstums anzustinken. Und vielleicht konnte Ironie gegen diejenigen helfen, die glauben, jedes Detail eines Lebens noch effizienter gestalten zu müssen. Als würde jedes einzelne Leben an der Börse gehandelt und müsste dem Markt gerecht werden. Der Wahnsinn der Realität fordert die Ironie geradezu heraus. Doch egal ob Wahnsinn oder Ironie, beides kann Überdruss hervorrufen.“

Handeln, zerstören, neu konfigurieren!

von Wolfgang Behrens

Januar 2016. Nach den neuerlichen Anschlägen von Paris spricht Theater der Zeit mit französischen Theatermachern, Theater heute schaut derweil auf ein bedenklich nach rechts rückendes Polen – während Die deutsche Bühne unverdrossen ins Mitmachtheater geht und dort widerständiges Potenzial entdeckt.

Schluss mit den Bittschriften, raus auf die Straße!

5. Januar 2016. In der Schweizer Sonntagszeitung (27.12.2015) wettert der Recherche-Theatermacher Milo Rau gegen den von ihm so genannten "zynischen Humanismus" in Europa. Es ist ein Humanismus, der in unpolitischer Weise eine "Wohlfühl-Ethik" auslebt. Der zynische Humanist "kritisiert die unmenschliche Grenzpolitik der EU, setzt auf nachhaltigen Konsum und adoptiert Genozid-Opfer". Aber, so Rau, die "grossen Fragen bleiben ungestellt, die wirklichen Verantwortlichkeiten verschwinden hinter dem Instant-Ergebnis des Helfens". Was auf der Strecke bleibe, sei der "gesellschaftliche Wandel".

Extrem eitel

4. Januar 2016. Und wieder singt einer der großen Alten den Abgesang aufs Theater. Diesmal Bruno Ganz, der im Interview mit Patricia Batlle auf ndr.de erzählt, dass er nicht mehr ins Theater geht: "Ich befinde mich in einer Art Dissens mit dem deutschsprachigen Theater. Ich finde es nicht so toll, was ich da sehe. Deswegen gucke ich es mir auch nicht mehr an."