Wir gratulieren Walter Schmidinger zum 80. Geburtstag
© www.zeitzeugen-tv.com28. April 2013. Walter Schmidinger hat einmal in einer Filmdokumentation die wunderbare Joana Maria Gorvin nachgeahmt: "Nun sind wir in Madriiid", mit einem genussvoll-elegischen langen i – und schon möchte man Schmidinger stundenlang beim Gorvin-Imitieren zuhören. Er sagt dann noch über sie, sie habe über eine Sprache verfügt, "von der man im wahrsten Sinne des Wortes sagen muss, sie war Musik". Da hätte Schmidinger auch über sich selbst sprechen können!
Wir gratulieren Dimiter Gotscheff zum 70. Geburtstag
26. April 2013. Die Kenner werden jetzt warten, wann das erste Mal der Name Heiner Müller fällt. Weil es da diesen berühmten Brief vom 27. März 1983 von Müller an Gotscheff gibt. Gotscheff hatte die bulgarische Erstaufführung von Müllers "Philoktet" gemacht, Müller ihm daraufhin geschrieben, Gotscheff aber "nur Bahnhof" verstanden, wie er dem Kollegen Ulrich Seidler vor vier Jahren in einem Interview sagte. Nachvollziehbar.
Wir gratulieren Helmuth Lohner zum 80. Geburtstag
24. April 2013. Bernhard Minetti soll Harald Juhnke für den besten Darsteller des Archie Rice (im unverwüstlichen "Entertainer" von John Osborne) gehalten haben. Ich will das nicht beurteilen, denn ich hab's nicht gesehen. Aber ich habe Helmuth Lohner als Archie Rice erlebt, in einer Aufführung des Thalia Theaters Hamburg in der Regie von Jürgen Flimm: Und das war grandios! Wie man in der Schmierigkeit verzweifelt sein kann und aus Verzweiflung schmierig, das hat Lohner gespielt wie kein Zweiter (na gut, Juhnke vielleicht ausgenommen).
Wir gratulieren Kirsten Dene zum 70.
16. März 2013. Berühmt ist die Hamburgerin mit der Orgel-Stimme, seit sie Thuschen war, die Hermann-Gattin in der "Hermannsschlacht", und eitel war und komisch und grausam beim Peymann in Bochum vor 30 Jahren. Ewigkeit verlieh Thomas Bernhard ihrem Namen, als er ihr ein Drittel Dramentitel schenkte: "Ritter, Dene, Voss". Höher hinauf geht's im deutschsprachigen Theater ja eh nimmer mehr.
Wir gratulieren Bibiana Zeller zum 85. Geburtstag
25. Februar 2013. Ihr Rollentypus ist laut Klatschtanten-Seiten im Internet die "etwas skurrile Frau". In Wahrheit ist Bibiana Zeller eine klassische Allrounderin. Gespielt hat sie fast alles von Bernhard bis Shakespeare, von Jonke bis Schimmelpfennig und bei (fast) allen. Beim Peymann wie bei William Dieterle (der einmal ein berühmter Filmregisseur war), bei Leopold Lindtberg wie bei Martin Kušej. In der Wiener Josefstadt begann sie 1951, seit 1972 gehört sie zum Ensemble der Burg und heißt seit 1998 in Wien Frau Kammerschauspielerin.
Wir gratulieren Barbara Nüsse zum 70.
17. Februar 2013. Man würde diesen Monolog heute gerne nochmal von ihr sehen: Barbara Nüsse in James Joyce's "Ulysses" als Penelope alias Molly Bloom. Wie sie da zwei Stunden alles rauslässt, das Druckventil öffnet, während sie auf den Mann wartet, der nach seinem langen Tag in Dublin morgens zu seiner Frau heimkehrt. Irgendwann in den 90er Jahren war das in Hamburg, wo man um Nüsses Molly-Penelope nicht herumkam, wenn man Theater sehen wollte. Sie gehörte seinerzeit zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses unter Frank Baumbauer, aber war, so scheint es im Nachhein, vor allem an den Hamburger Kammerspielen präsent.
Wir gratulieren Martin Schwab zum 75.
9. November 2012. Immer wenn ich nach Wien gefahren bin, bin ich naturgemäß ins Burgtheater gegangen. Und naturgemäß war da, wann immer ich ins Burgtheater gegangen bin, auch Martin Schwab. Das hatte etwas Tröstendes, denn sollte ich mich über eine Aufführung geärgert haben, dann hatte ich doch wenigstens Martin Schwab gesehen.
Wir gratulieren Jürgen Holtz zum 80. Geburtstag
10. August 2012. Seine berühmteste Rolle war der Motzki. Da saß er 1993 ein paar Wochen lang im deutschen Fernsehen rum und meckerte als zu kurz gekommener Ex-Fahrlehrer West über die Ostler. Das Holtz-Antlitz war kein schlechtes Gesicht für den West-Ost-Frust. In "Good bye Lenin", dem Film zur Vereinigung, maulte er dann östlich über die Westler. Dabei ist Jürgen Holtz, der 1948 aus den Berliner West-Zonen nach Weimar emigrierte, alles andere als ein harmlos-nerviger Nörgler. Holtz ist immer dabei gewesen, wenn die Kacke am Dampfen war.
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