Wir gratulieren Friedo Solter zum 80.
24. Juli 2012. Er ist einer, der stets an die Kunst des Möglichen glaubte, und damit oft den Argwohn jener weckte, die das Unmögliche wollten: die DDR reformieren zum Beispiel – Friedo Solter, Regisseur und Schauspieler des Jahrgangs 1932, dessen Name untrennbar verbunden mit dem Berliner Deutschen Theater ist. An die Spitze dieses Theaters, wo er seit 1959 erst Schauspieler und dann Regisseur gewesen ist, hatte ihn 1984 ein Debakel geführt, das fast sogar einen DDR-Kulturminister um sein Amt gebracht hätte: Solters eigene, kurz vor der Premiere gescheiterte Inszenierung Faust II nämlich, mit der das Theater nach langer Sanierung 1983 eigentlich staatstragend hätte wieder eröffnet werden sollen.
Wir gratulieren Claus Peymann zum 75.
7. Juni 2012. Mitte der 90er Jahre verbrachte ich einen Monat lang meine Nachmittage forschend in einer Wiener Bibliothek und meine Abende schauend im Burgtheater. Wenn ich dem Herrn Oberbibliotheksrat, der meine Bücherbestellungen entgegennahm, von meinen Ausflügen ins Theater erzählte, fuhr der ansonsten eher ruhige Mann jedes Mal ohne Vorwarnung aus der Haut. Er würgte dann meist, begleitet von Verwünschungen, den einen Namen, den des damaligen Burgtheater-Intendanten, hervor: "Peymann!" (Bei ihm, dem Wiener, klang es fast wie "Bähmann!").
Lorenz Tomerius: Grundsätzliche Menschen- und Theaterliebe
18. Dezember 2011. Gestern vor der Premiere von Marlowes Edward II. in der Berliner Schaubühne hätte ich beinahe an die Wiederauferstehung geglaubt. Als nämlich plötzlich durch die Tür ein Mann mit englischem Jacket und rotem Schal geschlendert kam, in dem ich einen Moment lang den Anfang November verstorbenen Theaterkritiker Lorenz Tomerius zu erkennen glaubte. Komisch, dachte ich dann, dass manche Menschen einem erst zu denken zu geben beginnen, wenn sie real nicht mehr anwesend sind.
Lorenz Tomerius: Grundsätzliche Menschen- und Theaterliebe
Berlin, 18. Dezember 2011. Gestern vor der Premiere von Marlowes Edward II. in der Berliner Schaubühne hätte ich beinahe an die Wiederauferstehung geglaubt. Als nämlich plötzlich durch die Tür ein Mann mit englischem Jacket und rotem Schal geschlendert kam, in dem ich einen Moment lang den Anfang November verstorbenen Theaterkritiker Lorenz Tomerius zu erkennen glaubte. Komisch, dachte ich dann, dass manche Menschen einem erst zu denken zu geben beginnen, wenn sie real nicht mehr anwesend sind.
Wir gratulieren Christoph Marthaler zum 60. Geburtstag

17. Oktober 2011. "Du hast den Hund vergiftet!" "Ich habe den Hund nicht vergiftet." "Hättest Du den Hund nicht vergiftet, dann hätten wir jetzt wenigstens einen Hund." Mit solchen Nonsens-Dialogen – dieser stammt aus "Murx den Europäer", anderthalb Jahrzehnte lang ein Kultstück an der Berliner Volksbühne – spießt Christoph Marthaler ganz nebenbei etwas auf, was man gerne "Befindlichkeit" nennt.
Wir gratulieren Gert Voss zum 70. Geburtstag
© www.gert-voss.at
10. Oktober 2011. Wie soll man einen besingen, der unter allen Regiegrößen seiner Zeit brillierte? Der als Claus Peymanns Richard III. die Wiener Burg eroberte, Peter Zadeks Shylock war und George Taboris Othello, sich von Thomas Bernhard das Stück "Ritter, Dene, Voss" auf den Leib schreiben ließ, mit Ignaz Kirchner ein grotesk-aberwitziges Dreamteam bildete, kurz: über Jahrzehnte das deutschsprachige Theater im Kern prägte?
Wir gratulieren Robert Wilson zum 70. Geburtstag
4. Oktober 2011. Soeben ist im Daco-Verlag ein großer, schwerer Prachtband erschienen: "The Watermill Center - A Laboratory for Performance – Robert Wilson's Legacy". Ein schönes Buch, in dem von Laurie Anderson bis Isabelle Huppert lauter Weggefährten Wilsons sein Werk und Wirken würdigen. Ein Buch voller Lob und Bewunderung. So ist das, wenn es die Großen der Zunft zu feiern gilt. Und gefeiert wird mit Wilson einer der einflussreichsten Erneuerer, Umstürzler, Visionäre des Nachkriegstheaters.
Wir gratulieren Alexander Lang zum 70. Geburtstag!
24. September 2011. Eine der berühmtesten Rollen, die er als Schauspieler gespielt hat, war die Titelrolle in Adolf Dresens epochalem Kleist-Abend "Der Prinz von Homburg": ein preußischer Held mit gebrochenen Flügeln. 1975 war das, am Deutschen Theater Berlin. Bald darauf inszenierte Alexander Lang selbst. Um als Regisseur noch berühmter zu werden. Sein greller, fast neoexpressionistischer epischer Regiestil zeigte die Menschen als das, was sie waren: Marionetten, die an den Fäden der Geschichte zappeln, manchmal wütend, manchmal auch nur todtraurig. Kurz vor der Wende ging er als einer der letzten Theatermigranten von Ost nach West. Der Fall der Mauer entzog seinen Arbeiten dann auf fast gespenstische Weise die Rahmung. Bis zu seiner Schließung gehörte Lang der Leitung des Berliner Schiller Theaters an. In den letzten Jahren war er hauptsächlich als Schauspieler aktiv. Unter anderem in Robert Wilsons "Lulu" konnte man erleben, welch ein Akteur hier dem deutschen Theater verloren gegangen ist. Heute wird er 70 Jahre alt. Wir gratulieren. (sle)
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