Arbeit und Struktur

von Stephanie Gräve und Jonas Zipf

Themen: Krisen des Intendantensystems in Trier und Bern | Künstler-Charisma vs. Unternehmensführung | Gegenbewegungen von unten: das Ensemble-Netzwerk et al. | Erfolgreiche Spartenautonomie in Mannheim und Dortmund Ein zeitgemäßes Alternativmodell: das Direktorium

18. Januar 2017. Zu Jahresbeginn geistert wieder ein Gespenst namens Performer durch die Theaterdebatten auf nachtkritik.de und anderswo, es scheint sich um eine Art Dementor zu handeln, der der Schauspielkunst das Leben aussaugt. Dabei kann doch das Theater beides vereinen, Performance und psychologisches Spiel, und tut es längst. Interessant allerdings ist, dass die Debatte häufig an Personen festgemacht wird: Da wird das Castorf-Theater gegen das Dercon-Theater in Stellung gebracht, da steht Kuratorengott Lilienthal gegen die Phalanx der intendierenden Regiegötter, und hie und da wird die Konfliktlinie der Spielstile kurzerhand gleichgesetzt mit den Konfliktlinien einer Strukturdiskussion, mit der Frage: Alleinherrscher oder Team? Eine Verkürzung, denn warum sollte ausgemacht sein, dass ein Kurator weniger Despot ist als ein Regisseur? Solange die Struktur Machtmissbrauch ermöglicht, kann es zu Machtmissbrauch kommen. Dringlich ist deshalb die Strukturfrage, und auch sie wird gestellt, befeuert durch Konflikte und Verwerfungen von Rostock über Trier bis Bern. Es geht zentral um die Rolle des Intendanten, und womöglich sind genau hier die beiden Debatten miteinander verknüpft: als unterschiedliche Ausprägungen desselben Unbehagens an den Machtstrukturen. Eines wachsenden Unbehagens angesichts der Übermachtposition eines Einzelnen, mit allen möglichen Konsequenzen von Angst und Abhängigkeit.

Quantensprung des Übersetzens

von Henning Bochert

9. Januar 2017. Theaterstücke für ein mehrheitlich deutschsprachiges Publikum werden nicht mehr notwendig auf Deutsch geschrieben. Erfahrene Autor*innen aus anderen Sprachräumen kommen zu uns, im Gepäck ihre Lebensgeschichten, und leben in Deutschland. Zwei Beispiele bereits arrivierter Autoren: Der Syrer Mohammad Al-Attar, dessen Stück Während ich wartete als Produktion des Kunstenfestivaldesarts in Brüssel nach Avignon eingeladen wurde, lebt jetzt in Berlin. Er produziert unter schwierigsten Bedingungen mit seiner syrischen Theatergruppe, deren Mitglieder in der Türkei, in Damaskus, in Ägypten leben. Peca Stefan, einer der bekanntesten rumänischen Theaterautoren, lebt ebenfalls in Neukölln. Er spricht kein Deutsch, schreibt aber für und produziert mit Gruppen unter anderem am Ballhaus Ost.

Der goldene Hashtag

von Michael Wolf

5. Januar 2017. Erstmals zeichnet nachtkritik.de die besten Tweets eines Jahres aus. In acht Kategorien ehren wir herausragende Leistungen in 140 Zeichen. Hier sind sie, die Gewinner des #goldenhashtag.

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29. Dezember 2016. Im Jahr 2016 sind ungefähr 8.700 Kommentare auf nachtkritik.de abgegeben worden. Die wird wohl niemand alle gelesen haben. Und wir werden sie hier auch nicht alle auflisten. Aber wenigstens 15 Kommentare haben wir völlig willkürlich ausgewählt, um mit Ihnen noch einmal auf 2016 zurückzuschauen – witzige, seltsame, treffende. Und die letzten drei stammen sogar aus dem großen Pool der unveröffentlichten Kommentare …