Mittwoch, 01. Oktober 2014

Anzeige

    

@nachtkritik

test

Anzeige

    

test


Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Lotte in Weimar – Nationaltheater-Intendant Hasko Weber inszeniert den Thomas-Mann-Stoff am Ort des Geschehens: im Hotel Elephant

Goetheklößchen an Vanilleeis

von Frauke Adrians

Weimar, 28. September 2014. Zur "Lotte" gibt es rosa gebratenes Rumpsteak mit einer Senfkruste, Speckbohnen und, ganz wichtig in Thüringen, gebratene Kloßscheiben. Man spielt Theater im Weimarer Hotel Elephant, dem ersten Haus am Platze heute wie vor 200 Jahren, und der findige Hotelier offeriert dazu das Lotte-Arrangement: "Theateraufführung, Übernachtung und Kulinarik verbinden!" Das viergängige Menü im Elephantenkeller ist für 36 Euro zu buchen.

weiter ...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Das Jahr100Spektakel – Manuel Soubeyrand eröffnet seine Intendanz an der Neuen Bühne Senftenberg

Für die Nachgeborenen

von Hartmut Krug

Senftenberg, 28. September 2014. "Machs leicht", hat Heiner Müller zum Uraufführungsregisseur Leander Haußmann gesagt, als dieser seinen Text "Germania 3. Gespenster am toten Mann" uraufführen sollte. Ein so kesser wie vergeblicher Wunsch des 1995 gestorbenen Autors, der die ersten beiden Inszenierungen seines Stücks nicht mehr erlebte. Die fanden, gar nicht leichtgewichtig, sondern bedeutungssatt, 1996 in Bochum (durch Leander Haußmann) und am Berliner Ensemble (durch Martin Wuttke) statt, gefolgt von Frank-Patrick Steckels Zugriff aufs ausuferndes Textkonvolut am Akademietheater Wien. Danach ist es ruhig geworden um Müllers letztes (Un)Stück. Seine Forschungsreise durch Geschichte und gescheiterte Utopien des 20. Jahrhunderts ist  eine düstere Totenbeschwörung. Wer wie Manuel Soubeyrand dieses Werk zum Auftakt seiner Intendanz an der Neuen Bühne Senftenberg auf die Bühne bringt, beweist Mut. Und Vertrauen in ein "Provinz"-Publikum, das durch Soubeyrands nach Rostock gewechselten Vorgänger Sewan Latchinian und dessen "Glückaufspektakel" schon manche Überforderung bestanden hat und nun auch "Germania 3" gebannt folgte.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Amerika – In Konstanz verwandelt Andrej Woron Franz Kafkas Romanfragment in eindrucksvolles Körpertheater

Alptraumlandschaft Übersee

von Elisabeth Maier

Konstanz, 27. September 2014. Durch eine Alptraumlandschaft jagt Andrej Woron Karl Rossmann, den jungen Auswanderer aus Franz Kafkas Romanfragment "Amerika". Für den unvollendeten Text, in dem der Prager Schriftsteller Anfang des 20. Jahrhunderts ein geistiges Gefängnis kreierte, hat der polnische Bühnenbildner und Regisseur in der Spiegelhalle des Theaters Konstanz ein klaustrophobisches Zimmer konstruiert, unter dessen Decke ein schlichtes, schwarzes Holzkreuz hängt. Darin erlebt der 16-jährige Karl, den seine Eltern "wie eine Katze" verstoßen und mit dem Schiff nach Amerika schicken, die Kehrseite des amerikanischen Traums.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Macbeth – Am Theater für Niedersachsen setzt Gero Vierhuff in seiner Shakespeare-Inszenierung auf Atmosphäre

Schlimm bleibt schlimm

von Leonie Krutzinna

Hildesheim, 27. September 2014. Als wäre der Anfang das Ende. Wie zum Schlussapplaus tritt das Ensemble aus der Bühnenflucht dem Publikum entgegen, ein Trupp Hooligans, kostümiert irgendwo zwischen Rambo und Braveheart. Doch statt erlösendem Beifall ertönt in Endlosschleife die seherische Formel der Hexen: "Schön ist schlimm und schlimm ist schön". Prophetisch umklammert die Dichotomie von Gut und Böse, das "fair is foul and foul is fair", Shakespeares "Macbeth" und begleitet die Figur Macbeth auf seinem Weg vom treuen Vasallen zum blutrünstigen Mörder.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Das schweigende Mädchen – Elfriede Jelineks NSU-Prozessaufarbeitung von Johan Simons an den Münchner Kammerspielen düster uraufgeführt

Das Wort ist Wort geblieben

von Tim Slagman

München, 27. September 2014. Im Anfang, wir wissen es längst, war das Wort. Insofern gehört auch das Theater zu den Schriftreligionen, und gerade in den Stücken von Elfriede Jelinek hebt sich die Sprache stets noch hinaus über ihre menschlichen Träger. Sie kreiert Textflächen, die diesen Namen tatsächlich verdienen, weil sie Ernst machen mit der Auflösung von Figurensubjekten in Sprechautomaten: Es wird nicht nur durcheinander, sondern zumeist auch einfach unheimlich viel gequasselt bei Jelinek.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

All Tomorrow's Parties I+II – Beim Steirischen Herbst 2014 sinniert die Needcompany laut und nachhaltig über die Darstellende Kunst

Der volle Raum

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 26. September 2014. Frei im Wienerlied-Slang: Es wird eine Party sein, und wir wer'n nimma sein. Oder werden wir gerade deshalb doch sein, allen Unkenrufen einer "Eventisierung" der Kunst zum Trotz? Ein Eiertanz auf zunehmend flachem Terrain gewiss...
Grace Ellen Barkey, Jan Lauwers und die Needcompany waren eingeladen, genau darüber zu meditieren. Was für die Truppe in dem Fall bedeutete: aufdrehen und nach handfester, griffiger Gestalt für was auch immer suchen – und dann Winkelzüge einbauen ins Performative, die einem das eben so befreiende Lachen eigentlich im Hals stecken bleiben lassen sollten. Aber eben nur kurz, mit Ironie, und dann weiter im Getriebe! Für das war genug Raum in der Grazer Helmut List Halle: Eine Spielfläche von gut zwanzig mal zehn Metern mitten im Raum, die Zuseher drum herum stehend oder gehend. Aber Fortbewegung musste gar nicht sein, es zogen alle mit allem mal vorbei.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Ein Teil der Gans im Haus der Lüge – Am Zürcher Neumarkt leistet Simone Blattner Wiedergutmachung an der Martin Heckmanns-Komödie

Eine Erlösung

von Julia Stephan

Zürich, 27. September 2014. Als Martin Heckmanns' Boulevardstück "Ein Teil der Gans" 2007 am Deutschen Theater in Berlin zur Uraufführung kam, zerrupfte Kritiker Wolfgang Behrens ungerührt dessen witzlose Umsetzung. Nur das Stück selbst verschonte er damals: "Ja, Martin Heckmanns hat ein Boulevardstück geschrieben. Aber aufgeführt wurde es noch nicht", schrieb er, und machte Regisseur Philipp Preuss für die Pleite verantwortlich.

weiter ...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Charles Manson: Summer of Hate – Stefan Pucher wagt am Thalia Theater Hamburg ein Tänzchen mit dem Sektenguru und Massenmörder Manson

Es gibt keine Morde im heiligen Krieg

von Jens Fischer

Hamburg, 26. September 2014. Wie kommt man aus der Nummer wieder raus? Gebatikte Kleidchen für die Damen, Rauschebärte, Wuschelperücke, Sonnenbrillen, fransende Lederjacken für die Herren. Randvoll mit Flower Power betankt, blickt das Ensemble glücksrosa durchs wüstengelbe Ambiente: Death-Valley-Zierrat schmückt die Rockkonzertbühne. Zur Feier eines populären Mythos. Neue Werte, Lebensformen, kulturelle Ausdrucksformen braucht das Land. Vom Aufbruch ins Unbekannte wird erzählt, von einem Dasein in friedvoller Freiheit einer Gruppenehe, gesättigt mit drogenberauschter Liebe und ernährt aus den Mülleimern der Überflussgesellschaft. Volle Hippiedröhnung im Thalia Theater.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Spur der Steine – Cornelia Crombholz feiert mit dem Ostklassiker von Erik Neutsch ihren Einstand als Schauspieldirektorin in Magdeburg

Sozialistischer Retroismus

von Ute Grundmann

Magdeburg, 26. September 2014. Die Brigade schwingt die Preßlufthämmer. Rhythmisch zucken die Körper im Takt ihrer Arbeitsgeräte, es fließt der Schweiß, und ein bißchen dürfen die Arbeiter mosern über die Verhältnisse, die hier kein Material, dort keinen Plan bieten. Doch insgesamt ist man ein fröhlich-anarchischer Haufen. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht die von der Partei wären. Wie ein Ölgemälde des sozialistischen Realismus kommt diese Inszenierung von Erik Neutschs Roman "Spur der Steine" daher, mit der Cornelia Crombholz ihren Einstand als neue Schauspieldirektorin in Magdeburg gibt.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Richard III. – In Stuttgart stellt Robert Borgmann Shakespeares Figuren ins Assoziationen-Gewitter

So sterben Arschlöcher

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 26. September 2014. "Was gibt's Neues in unserem Wackelstaat?", fragt Lord Hastings (Elmar Roloff), bevor er, wie die meisten anderen, sterben muss. Ach so, jetzt schnackelt's beim Zuschauer in Sachen Bühnenbild – gespielt wird durchweg auf einer runden, langsam rotierenden, blutroten Fläche, die mal nach hinten, mal nach vorne kippelt: In Englands Gesellschaft ist halt der Wurm drin. Die Machtverhältnisse ändern sich von Tag zu Tag, immer entlang einer fetten Blutspur.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Hauptrolle – Choreograph Christoph Winkler und Tänzer Ahmed Soura beleuchten am Berliner Ballhaus Ost die fehlende Diversität am Theater

Ich bin nicht Hamlet

von Eva Biringer

Berlin, 25. September 2014. Es wäre anzunehmen, dass der Theaterbetrieb als Aufklärungsanstalt sensibel ist für neue gesellschaftspolitische Belange. Immerhin ist mit der Blackfacing-Diskussion die Frage nach multiethnischen Ensemblezusammensetzungen virulent geworden; Anfang dieses Jahres legte Murali Perumal in einem offenen Brief pointiert die Situation von Akteuren mit sogenanntem "Migrationshintergrund" am Theater dar. Als in Bonn geborener Schauspieler mit indischen Wurzeln hat er eine solide Ausbildung und Engagements an namhaften Häusern vorzuweisen. Nichtsdestotrotz werde er stets als "der Ausländer" besetzt, genau wie all seine Kollegen nicht-deutscher Herkunft. Nicht "bio-deutscher" Herkunft, müsste es eigentlich heißen, lebt doch ein Großteil von ihnen in zweiter oder dritter Generation in Deutschland. Welche Vorurteile und Stolpersteine Diskussionen über Migration mit sich bringen, eruieren Podiumsgespräche wie jenes vergangene Woche im Ballhaus Naunynstraße.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Kinder der Sonne – Im Münchner Volkstheater vermarthalert Csaba Polgár Maxim Gorkis Intelligenzlerdrama

Der Gott der Algen

von Sabine Leucht

München, 25. September 2014. Braunalgen sind braun, Grünalgen sind grün. Das ist nicht weiter kompliziert. Dass sie auch in den Ritzen zwischen vergilbten Tapetenbahnen wachsen, ist hingegen neu und liegt vermutlich daran, dass auf der Bühne des Münchner Volkstheaters sehr viel von dem vorhanden ist, was Algen gerne mögen: Wasser – denn Pawel Fjodorowitsch Protassow hat seine chemischen Experimente rund um einen stark frequentierten, aber erst halb ausgepackten Whirlpool angelegt. Und Sonne – weil von der in Maxim Gorkis Stück immer dann die Rede ist, wenn es um jene bessere, erhabenere Art von Menschen geht, zu der das Stückpersonal aus Wissenschaftlern und Künstlern sich zählt.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

catastrophic paradise - Ein Entgrenzungsabend von Claudia Bosse am FFT Düsseldorf

Kannibalistischer Akt

von Martin Krumbholz

Düsseldorf, 25. September 2014. Wer diesen ungewöhnlichen, anspruchsvollen und gegen Ende sich suggestiv steigernden Abend beobachtet und zu beschreiben versucht, dem stellt sich die Frage, ob er tatsächlich – der übliche Vorgang beim Schreiben einer Kritik – eine Art Hierarchie konstruieren soll in der Konfrontation mit einer Arbeit, die gerade das nicht tut und deren Thema letztlich die Entgrenzung ist, also die Vermeidung jeder Festlegung auf einen geographischen oder weltanschaulichen Ort.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Atlas der abgelegenen Inseln – In Thom Luz' Hannoveraner Inszenierung von Judith Schalanskys Buch werden die Zuschauer zu Gestrandeten

Es schmilzt das Eis im Treppenhaus

von Jan Fischer

Hannover, 21. September 2014. Aus dem Nebel tauchen sie auf, die ersten leisen Geigenklänge, da kommen sie, von oben, die Treppe runter: die Verirrten, die Verlorenen, die Gestrandeten, sie sind bleich, sie haben Augenringe, und wenn sie lächeln, sieht man auch die schlechten Zähne. Und dann gehen sie wieder.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Die Unvernünftigen sterben aus – Alexander Riemenschneider entblättert am Schauspielhaus Bochum Peter Handkes frühe Prophetie des modernen Turbokapitalismus

Lebenszeichen eines Soziopathen

von Friederike Felbeck

Bochum, 21. September 2014. Es ist eine weiße Hölle, vor deren Hintergrund sich Menschen wie Schmeißfliegen abheben. Eine teure Designerlampe, die andernorts als "nackte Glühbirne" durchgeht, ist neben einer Zimmerpflanze, der man fast wünschen möchte, sie möge künstlich sein, das einzig Verwegene im Raum. Ein Diener in lindgrüner Livree wie aus einem Molière-Stück hält ein silbernes Tablett mit Zahnputzglas. Der Unternehmer Quitt sinniert, in Seide und Kirchenpurpur gehüllt, während er sich mit einer elektrischen Zahnbürste die Beißer poliert, über sein "Gemütsleben" und das, was uns am Ende alle gleich macht: die Scheißerei, den Haarwuchs, den Tod. Seine Zentrale der Macht mit Ledersofa und Plastikstühlen, in die er vier befreundete Unternehmer zu illegalen Absprachen einlädt, gibt es gleich dreifach: drei identische Räume kreisen auf der Drehbühne um die eigene Achse und die Figuren klappern auf ihrem Weg von Raum zu Raum mit den Türen wie im schönsten Boulevardtheater.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Das Glasperlenspiel – Martin Nimz bringt Hermann Hesses Spätwerk in Karlsruhe als Medien-Total-Theater auf die Bühne

Magister Ludi im Zeitalter des 3D-Spektakels

von Elisabeth Maier

Karlsruhe, 21. September 2014. Erdrückt vom Ballast seiner Bildung treibt es den Magister Josef Knecht in Hermann Hesses "Das Glasperlenspiel" ins Leben hinaus. Hesse hat sein unter dem Eindruck der Krise der Weimarer Republik und Nazi-Deutschlands entstandenes Spätwerk 1943 nach zwölf Jahren Arbeit veröffentlicht. Er geißelt darin den Geist des "feuilletonistischen Zeitalters", das von Zerstreuung und Massenkultur geprägt war. Das geistige Universum Hesses, der zwischen Pietismus und den Lehren des Hinduismus seine Mitte suchte, spiegelt der Regisseur Martin Nimz nun am Staatstheater Karlsruhe in einem Total-Theater, wie es der Bühnenerneuerer Erwin Piscator in den 1920er-Jahren entwickelte.

weiter …

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

John Gabriel Borkman – Karin Henkel erzählt Ibsens finales Stück am Hamburger Schauspielhaus als grotesken Schwesternzwist

Geschlossene höhere Gesellschaft

von Tim Schomacker

Hamburg, 21. September 2014. Betontreppen laufen auf ein kleines hohes Hinten zu. An den grauen Wänden hängen vergebliche Vorhänge. Unwahrscheinlich, dahinter Fenster zu finden. Geschweige denn Luft. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Plüschbär. Kandelaber, die kaum das Nötigste erhellen. Vage Figurenzeichnungen. Wer in diesem Bunker lebt, ist längst tot. Wie die Zombies nach Gehirn gieren, so verzehren sich die Alten in Karin Henkels Lesart des letzten Ibsen-Stücks nach der Jugend. Erwarten von den Jungen mancherlei Erlösung. Und pflanzen ihnen doch jene Zweifel, jene Missgunst, jenes Unglück ein, von dem sie selbst auf den letzten Drücker so gern noch erlöst werden würden. Oder, wenn das nicht geht: Alle mit in den Abgrund, die man für irgendwas verantwortlich machen kann. Die Fallhöhe ist nicht mehr groß. Tot und gescheitert ist man ja schon.

weiter …

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

1. Stapellauf. Neubeginn – Sewan Latchinian beginnt am Volkstheater Rostock mit drei Premieren im spartenübergreifenden Eröffnungsspektakel

Hier ist was los!

von Hartmut Krug

Rostock, 20. September 2014. Auf dem lange verwaisten, ungemütlichen Vorplatz des Rostocker Volkstheaters ist plötzlich was los. Ein Leuchtturm und große Eisbären aus Pappmaché empfangen den Besucher. Sewan Latchinian, neuer Intendant, versucht, sein Haus mit viel Phantasie und Aufwand in die öffentliche Aufmerksamkeit zu rücken. Mit Mitteln, die schon an seiner vorherigen Spielstätte, der Neuen Bühne Senftenberg, erfolgreich waren.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Ein Sommernachtstraum – Alex Rigola inszeniert in Düsseldorf Shakespeare im Geist der Factory von Andy Warhol

Feen im Rausch

von Dorothea Marcus

Düsseldorf, 20. September 2014. Wie es eben so geht, wenn man erwachsen wird, auch in den höchsten, verklemmtesten Kreisen – da kann man schon mal ausbrechen wollen, wenn man einfach verheiratet werden soll. Die Jugend von Athen sieht aus, als sei sie gerade dem Internat entsprungen: ein schüchterner Haufen in Schuluniform, senfgelben Röcken und hochgeschlossenen weißen Blusen. Hermia (Sarah Hostettler) sitzt zwischen zwei streng gescheitelten, kaum unterscheidbaren Jünglingen vor schlammbrauner Sixties-Tapete und schmachtet Lysander an. Als sie mit Demetrius verheiratet werden soll, fliehen sie einfach – raus aus dem Drill, ins wilde New York. Mitten in einen White Cube bettet sich das junge, naive Paar zwischen akkurat aufgestellten Brillo-Boxen (derzeitiger Wert auf dem Kunstmarkt pro Stück: rund 200.000 bis 800.000 Euro) erschöpft zur Ruhe, unter einem Double-Elvis von Andy Warhol.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Onkel Wanja – Stephan Kimmig reduziert Tschechow in Bochum auf ein Spiel banaler Äußerlichkeiten

Im Echoraum des Jürgen Gosch

von Sascha Westphal

Bochum, 20. September 2014. Gleich zweimal kurz hintereinander verkündet die gelangweilte und aus Unentschlossenheit grausame Elena Andrejewna: "Dieses Haus hat etwas Desolates". Damit spricht sie genau das aus, was das Publikum weiß, seit es den Saal betreten hat. Schließlich wird Oliver Helfs Bühnenbild von einem großen und recht weitläufigen Gerüst dominiert, auf dem nur ein paar Holzbalken liegen und eine Art Dach andeuten. Eine Pfütze, in der in einer Szene gleich drei Figuren auf einmal ausrutschen werden, komplettiert das traurige Bild des Verfalls. Dieses Haus hat wahrhaft etwas Desolates.

weiter...

 
 

Seite 1 von 4