Freitag, 18. April 2014

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Waisen – Im Hannoveraner Theater an der Glocksee lässt Brit Bartkowiak mit Dennis Kelly eindringliches Sozialdrama spielen

Hell strahlt der Abgrund

von Stephanie Drees

Hannover, 16. April 2014. Er bricht herein. Ein Schlaglicht auf Liam, den Eindringling, den großen Jungen, der diesen Abend sprengt. Da steht er nun, zitternd, verwirrt, das weiße Shirt voller Blut. Dabei sollte es mal so richtig schön werden an diesem Abend für Helen und Danny, das junge, ordentliche Paar. Das Essen steht bereit, beim Tanzen flüstern sie den Text des Schmusesongs mit. Dann poltert Liam, das wandelnde Problem, herein. Und mit ihm das Draußen.

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Brain and Beauty – Angela Richter hat in Beverly Hills recherchiert und bringt ihr Schönheitschirurgen-Material in Köln auf die Bühne

Was liest du beim Friseur?

von Stefan Keim

Köln, 16. April 2013. Michael Jackson will schon wieder eine Schönheitsoperation. Sein Hautarzt legt ihn auf den OP-Tisch, betäubt ihn, macht nichts und weckt ihn wieder auf. Jackson ist glücklich und lobt seinen Arzt. Es gibt einige hübsche Anekdoten in dem Dokufictiontheaterabend "Brain and Beauty".

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Betrunkene – Alexander Simon überdreht am Hamburger Thalia in der Gaußstraße frohgemut Iwan Wyrypajews Texte über Lüge und Liebe

Nah bei Gott?

von Katrin Ullmann

Hamburg, 13. April 2014. Vielleicht sollte man sich diesen Abend betrunken ansehen. Oder verkatert. Zumindest mit etwas Alkohol im Blut. Das könnte helfen. Dann würden all diese pathetischen Allgemeinplätze und Sinnfälligkeiten, die ganzheitlichen Aussagen und Absagen, die überschwänglichen Gefühle nicht so schwer im Raum hängen. Sondern, gemeinsam mit dem Alkohol, nach und nach verdunsten.

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Tannhäuser – Als Opernregisseurin vergoldet die Choreografin Sasha Waltz an der Staatsoper Wagner

Kuscheln mit Goldkante

von André Mumot

Berlin, 13. April 2014. Es gibt ihn schon früh, den Moment, an dem die zwei Welten aufeinander prallen, an dem man kurz die Luft anhält, auch hören kann, wie ein unterdrücktes Raunen durch die Reihen des Schillertheaters geht. Noch schwelgt und zuckt und glänzt die Staatskapelle im Bacchanal der Pariser Tannhäuser-Fassung, in der Sex- und Rauschmusik, die Wagner eigens fürs französische Publikum komponierte – und von jetzt auf gleich rutscht das gesetzte Opern-Establishment mitten hinein ins zeitgenössische Tanztheater. Es ist Peter Seiffert persönlich, altgedienter, stets zuverlässiger Heldentenor, Jahrgang 1954, der den Tannhäuser nach eigener Aussage schon 150 mal gesungen hat. Heute aber lässt er sich in die große Röhrenöffnung hineingleiten, die Sasha Waltz für den ersten Aufzug auf die Bühne gebaut hat und in der sich ihre Tänzer so aalen wie man sich eben aalt, wenn eine Orgie dargestellt werden soll.

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Die Wildente – Stephan Rottkamp lässt die Ibsen-Maschine in Braunschweig in neuem Glanz erstrahlen

In Lügen lächeln

von Michael Laages

Braunschweig, 12. April 2014. Erstaunlich gut tut es an diesem Abend dem Ensemble und uns, dem Publikum, sich mal wieder wie zum ersten Mal einzulassen auf eines dieser Dramaturgie-Maschinchen, die in der Schreibwerkstatt von Henrik Ibsen gerattert haben müssen; gnadenlos und unausweichlich, nach Bau- und Schaltplänen, die nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen. Noch für das entlegenste Nebenröllchen findet sich gegen Ende ein anderer Baustein seinesgleichen – bis wirklich alles passt. Und gern steht dann am Ende – wie in "Die Wildente", entstanden vor 130 Jahren – die schlimmstmögliche "Lösung"; schon darum, weil sie keine ist.

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Glückliche Tage – Stéphane Braunschweig verdoppelt und vergrößert Becketts Stück in Düsseldorf

Neue Endzeit

von Sascha Westphal

Düsseldorf, 12. April 2014. Etwas stimmt nicht mit dieser Welt. Vielleicht hat ihr Schöpfer mitten in der Arbeit das Interesse an ihr verloren. Es könnte ihm auch das Geld ausgegangen sein. Oder – und diese Vermutung drängt sich noch eher auf – sie hat ihren Zweck schon längst erfüllt und wurde nur nicht vollständig abgebaut: Fünf ineinander übergehende Stahlgerüste suggerieren eine sanfte Hügellandschaft. Das im Zentrum der Bühne ist zu gut zwei Dritteln von einem blauen Überwurf bedeckt. So könnten die Kulissen für ein Science-Fiction-B-Movie aussehen.

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Agnes – Regisseurin Daniela Löffner erzählt im Zürcher Schiffbau den Erfolgsroman von Peter Stamm nach

Boy meets girl(s)

von Claude Bühler

Zürich, 12. April 2014. Der Rest ist Lesen: Der Roman schreibt sich selbst zu Ende, der Autor ist verschwunden, der dunkle Bühnenraum füllt sich wie von Geisterhand mit seinen Textzeilen, projiziert auf die kahlen Betonwände der Schiffbau Box, projiziert auch auf die durchsichtigen Plastikwände, in deren Raum sich sein Liebesdrama abgespielt hat. Eine gespenstische Installation, größer und mächtiger als die Menschen, Sinnbild für eine Geschichte, die sich verselbständigt hat. Mit tragischem Ende, wie wir von Beginn an wissen, denn: "Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet."

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Dogville – Karin Henkel bringt Lars von Triers gefilmtes Theater mit filmischen Mitteln auf die Bühne des Schauspiels Frankfurt

Hundestadt ohne Hundegefühl

von Grete Götze

Frankfurt, 11. April 2014. "Was hat der eigensinnige Däne diesmal nur wieder angestellt? Er hat ein Theaterstück gefilmt." Das schrieb die Zeitschrift Spiegel, nachdem 2003 Lars von Triers Film "Dogville" in die Kinos gekommen war. Artikel-Titel: Theater, Theater. Ein brutaler Film, in dem Lars von Trier den Zuschauer mit ellenlangen Einstellungen, Überlänge und einer furchtbaren Dorfgemeinschaft quält, die ihre hässliche Fratze im Zusammenleben mit einer schutzlosen Fremden zeigt. Und ihm am Ende nicht einmal die Hoffnung lässt, dass Grace (Nicole Kidman) oder man selbst besser ist, weil man sich ihren Rachefeldzug nur herbeigesehnt hat.

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Orpheus steigt herab – in Potsdam setzt Elias Perrig mit Tennessee Williams auf männliches Balzgehabe

Und ewig nölt der Frauenflüsterer

von André Mumot

Potsdam, 11. April 2014. Er ist ja ganz patent, dieser Fremde in der engen Hose. Seinen letzten Job hat er auch nur verloren, weil er so viel Quatsch erzählt hat. Dafür spielt er dufte Gitarre und macht jedermann wuschig, der ihm über den Weg läuft. Die neue Chefin jedenfalls moniert seinen koketten Hüftschwung und wirft ihm etwas verklemmt vor: "Alles, was du tust, erinnert einen ... daran!" Spätestens in diesem Moment aber schaut man vom Potsdamer Zuschauerraum aus noch einmal genauer hinauf zum Bühnenrund, wo sich der junge Mann in seiner Schlangenlederjacke verbiegt und nölt und sich nicht gerade aufreizend gebärdet, eher wie ein Schluck Wasser in der Kurve, und ratlos kratzt man sich am Kopf.

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Fräulein Hallo und der Bauernkaiser – Max Claessen ebnet in Münster Liao Yiwus chinesische Sozialgeschichte von unten ein

Wo sich der chinesische Drache wölbt

von Tim Schomacker

Münster, 11. April 2014. Ob sie die Plätze der toten Seelen markieren sollen? Ein Parteitagsauditorium andeuten? Oder gleich beides? Hochgradig symbolisch jedenfalls stehen sie da, die Reihen baugleicher knochenweißer Plastikstühle, die sich im ebenerdigen schwarzen Bühnenraum bis in angedeutete Unendlichkeit fortzusetzen scheinen.

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Urteile – Christine Umpfenbachs bewegender Dokumentarabend am Münchner Residenztheater über die Opfer der NSU-Morde

Aus der Heimat rausgerissen

von Petra Hallmayer

München, 10. April 2014. Die Mörder treten nicht auf. Im Gegensatz zu den meisten der NSU-Stücke, die allerorten die Bühnen erobern, richtet die Regisseurin Christine Umpfenbach im Marstall das Scheinwerferlicht nicht auf das Zwickauer Neonazi-Trio. Sie lenkt den Blick auf die Opfer, darauf, was ihren Angehörigen angetan wurde in den qualvollen Jahren bis zur Aufdeckung der rechtsradikalen Motive der Mordserie, die zehn Menschen das Leben kostete.

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Frühlingsopfer – She She Pop und ihre Mütter inszenieren am Berliner HAU mit Igor Strawinskys Ballett weiter an ihrem Familienalbum

Was hast du aufgegeben, Mutter?

von Matthias Weigel

Berlin, 10. April 2014. Nur die allein daheim wartenden Mütter seien nicht gerade begeistert, hieß es vor vier Jahren, dass die Väter nun mit den Töchtern um die Welt reisten. 2010 hatte das Performance-Kollektiv She She Pop mit Testament seinen bis dato größten Erfolg gefeiert: Ein an Shakespeares "King Lear" angelehnter Abend, an dem die Performer ihren alternden Vätern gegenüber traten. Einladungen zum Berliner Theatertreffen und zu Festivals in der ganzen Welt folgten. Nun also der späte Ausgleich: "Frühlingsopfer", nach Igor Strawinsky, zusammen mit den Müttern, wiederum am Berliner HAU herausgebracht. Auch wenn es kein wirkliches Gegenstück ist.

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Der gute Mensch von Sezuan – Antje Schupp zündet mit Bertolt Brechts Lehrplanklassiker in Ulm die große Pop- und Verwandlungsshow

Unter rappenden Blutsaugern

von Steffen Becker

Ulm, 10. April 2014. "Wer kennt das Stück?" fragen die Schauspieler, bevor sich der Wellblechvorhang zur Aufführung von "Der gute Mensch von Sezuan" hebt. Viele Hände im Theater Ulm gehen hoch, klar, ist ja seit Generationen ein Klassiker des Deutsch-Unterrichts und so auch für diese Klasse 9 auf ihrem Theaterausflug. "Und wer mag das Stück?" Nicht mal die Hälfte der Hände bleibt oben. In Klasse 9 hat man vermutlich mehr Interesse am guten Leben – und keinen Bock auf die von Bertolt Brecht durchexerzierte Frage, was ein guter Mensch ist.

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Süpermänner – Idil Üner beleuchtet im Berliner Ballhaus Naunystraße Klischees vom türkischen Mann

Deutsche Tugenden

von Eva Biringer

Berlin, 9. April 2014. Der Supermann von heute trägt Anzug, Krawatte und schwarze Lederschuhe. Sechs Vertreter dieser Spezies stehen auf der Bühne des Ballhaus Naunynstraße, von deren Decke unzählige Glühbirnen in unterschiedlicher Höhe baumeln, mal gedimmt, mal strahlend hell (Bühne: Robert Schweer). Einer der Männer stimmt eine Melodie auf dem Flügel an, woraufhin die anderen inbrünstig singen, allerdings kreuz und quer, ein jeder sozusagen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Hätte der Pianist François Régis nicht beide Hände auf seinem Instrument, er würde sie über dem Kopf zusammenschlagen. Stattdessen nimmt er einen Schluck aus der Whiskeyflasche und zeigt sich zuversichtlich. Was nicht ist, kann ja noch werden!

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Die Schule der Frauen – Herbert Fritsch inszeniert Molière am Hamburger Schauspielhaus konsequent auf seinen Hauptdarsteller Joachim Meyerhoff hin

Sinistres Menschenexperiment

von Falk Schreiber

Hamburg, 5. April 2014. Und jetzt einen Gang hochschalten. Darauf baut das Theater von Herbert Fritsch – auf ein konsequentes Anziehen des Tempos. Sowohl in Bezug auf die Inszenierungen als auch auf die Karriere des Regisseurs: Eben war Fritsch noch Volksbühnenschauspieler, schon galt er als Nachwuchsregisseur, der mit Arbeiten in der sogenannten Provinz auf sich aufmerksam machte, schon ist er der Provinz entwachsen. Andere benötigen für so etwas ein ganzes Theaterleben, Fritsch reichen wenige Jahre.

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Das Mädchen Rosemarie – Milan Peschel siedelt Erich Kubys Edelprostituierte und Wirtschaftsspionin Rosemarie Nitribitt in einem Unsittengemälde an

Konservation im Séparée

von Tim Schomacker

Hannover, 5. April 2014. Wenn der Zeitungsverkäufer in der Hotellobby in der Anfangsviertelstunde zum x-ten Mal von seinem Barhocker gleitet, schwant einem Böses: Zu klamaukig wird hier ein Stoff angegangen, der dermaßen durchhistorisiert ist, dass er heute keinem mehr weh tut. Was kümmern uns polizeiliche Ermittlungspannen und politische Vertuschungen der späten 1950er Jahre in einem gewiss delikaten und prominenten, aber eben auch sehr lange vergangenen Todesfall? Doch so wie der quirlige Oscar Olivo in schauspielerisch gekonnten Varianten immer wieder unverletzt zurücklandet auf dem Barhockerleder, gelingt es auch Regisseur Milan Peschel, diesen Dreistundenabend über die Frühgeschichte der Bundesrepublik immer wieder geschickt – und manchmal überraschend – in die Spur zu setzen. Etwa indem er Olivos Dienstleistungsrandfigur den anwesenden, meist schwerindustriellen Hotelgästen immer wieder mit freundlich-bestimmt dahingelächelten Kurzzusammenfassungen die SPD-Parteizeitung "Vorwärts" feilbieten lässt. Oder indem er in komisch-knappen, aber souveränen Schritten die Dienstleistungs-Hauptfigur unternehmerisch erwachsen werden lässt.

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Candide – Am Jungen Theater Göttingen kocht Robert Hartmann sich Voltaire zurecht

Der beste Eintopf der Welt

von Jan Fischer

Göttingen, 6. April 2014. In Göttingen weht nach "Candide oder: You Are (Not) In Wonderland. Eine Reise um die beste aller möglichen Welten" der Geruch von westfälischem Eintopf. Der Eintopf, bekam das Publikum ganz zu Anfang mitgeteilt, mache, sofern er richtig zubereitet würde, unsterblich. Außerdem bekäme das Publikum nun Voltaires "Candide" zu sehen, in der Bearbeitung mit diesem langen Titel.

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Life & Strive / This is the land – Zwei Produktionen israelischer Regisseure zur Eröffnung des zehnten Radikal jung Festivals am Volkstheater München

Ausgegrenzte aller Länder, vereinigt euch und spielt!

von Isabel Winklbauer

München, 5. April 2014. Die Rahmenhandlung von Eyal Weisers "This is the Land" ist so kompliziert, dass man einen Knoten im Kopf bekommen könnte. Realität ist: 2011 erfand das israelische Ministerium für Kultur den Zionist Creation Award, einen Preis, der seitdem vorbildliche zionistische Kunst auszeichnet. Viele Regisseure boykottierten den Preis, der Kunst unverfroren in den Dienst der Politik stellt. Andere tobten, weil ihre Arbeiten nach Gutdünken abgelehnt wurden. Die fiktive Reaktion auf diesen Eklat liefert nun der israelische Regisseur Eyal Weiser, indem er von einem imaginären Gegenfestival ausgeht, dem Festival all derer, die beim Zionist Creation Award abgelehnt wurden. So einen "Salon der Abgelehnten" gab es auch in der Pariser Kunstszene des 19. Jahrhunders, wo die Nachwuchsmaler um einen Platz in der Jahresausstellung, genannt Salon, rangen; er ist durchaus ein Traditionsformat. Weiser lädt nun zum "Zionist-Creation-Salon der Abgelehnten". Was bedeutet, dass hier Kritik am Zionismus erlaubt ist.

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Woyzeck III – Mirko Borscht führt Georg Büchner-Adaption am Maxim Gorki Theater in ur- und endzeitliche Stimmung

Vorbewusster Zustand

von Christian Rakow

Berlin, 4. April 2014. Warum eigentlich "Woyzeck III"?, fragte ich am Pressetisch vor der Premiere. Weil es im groben drei Teile gäbe (um es vorweg zu nehmen: sie wirkten wie einer, mit einem Exkurs), weil Woyzeck gewissermaßen in drei Figuren aufgespalten wäre (worüber man bei den vier männlichen Darstellern dann doch trefflich rätseln konnte) und auch weil "Terminator III" anklingen dürfte. Ah ja. Wenn damit ein Fingerzeig in Richtung Endzeitstimmung gegeben werden sollte, so hat er sich eingelöst. Wobei die Endzeitstimmung kaum von Urzeitstimmung zu unterscheiden war.

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Andrej Rubljow – Robert Borgmann umhüllt Tarkowskijs Film am Schauspiel Köln

Ans Kreuz genagelter Maler

von Martin Krumbholz

Köln, 4. April 2014. Wenn ein Kinoregisseur einen dreistündigen Film macht, hat das in der Regel Gründe. Als Andrej Tarkowskij in den sechziger Jahren in der Sowjetunion "Andrej Rubljow" drehte und aus Zensurgründen zwei unterschiedlich lange Fassungen herstellte, hatte er eine gewaltige Geschichte erzählt. Die Geschichte eines um 1400 lebenden Malers und Mönchs, der in eine tiefe Glaubens- und Schaffenskrise stürzt, das Malen – und das Sprechen – aufgibt, schließlich aber, veranlasst durch das Erlebnis des Gießens einer Glocke, zum Glauben zurückfindet. Der große russische Regisseur, der gestern 82 Jahre alt geworden wäre (er starb 1986), hatte einen großartigen Film geschaffen: eine Parabel auf die Aporien des Künstlers auch in der Gegenwart der UdSSR. Das Eingreifen der Zensur zeigt, dass es funktioniert hat – ohne dass das Werk sich je in der Provokation erschöpft hätte.

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