Dienstag, 27. Januar 2015

nk tt2014 abstimmung

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Das Käthchen von Heilbronn – David Bösch taucht Kleists großes Ritterschauspiel am Wiener Burgtheater ins Dunkel des Gefühls

Heiliger Ernst, ein Kinderspiel

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 24. Januar 2015. Diese Welt ist schwarz und weiß. Auch grau, aber mehr schwarz und mehr weiß. Und alles, was glänzt, und alles, was Farbe hat, das gehört zur Welt der Kunigunde. Zur Welt der Lüge, des Truges, des Scheines also. Der gegenüber steht das Käthchen von Heilbronn. Die Tochter vom Schmied Theobald Friedeborn erblickt Friedrich Wetter Graf vom Strahl, und wie ein Blitz durchzuckt sie eine Gewissheit, der sie nicht eigentlich Ausdruck verleihen kann. Etwas bestimmt sie von da an wie eine Naturgewalt. Eben: Wetter, Blitz, und später Feuer.

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Life of N in a Nutshell – machina eX entwerfen als Artists in Residence am Schauspiel Leipzig ein interaktives Erinnerungspuzzle

Glücklich scheitern mit Bob Dylan

von Tobias Prüwer

Leipzig, 25. Januar 2015. "Es ist ein Würfel, also würfle!" So wird unter Anweisung eines Nachtkritikers ein Requisit zerstört, denn gesagt, getan – und der Holzwürfel zerbricht. Zur Premiere tobt sich die denkbar rabiateste Rollenspielgruppe aus, mit der die machina eX-Macher rechnen konnten. Doch ihr analoges Point-and-Click-Abenteuer übersteht den Härtetest und bietet unterhaltsames Mitmachtheater.

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Sammy und die Nacht – Annette Pullen bringt Azar Mortazavi in Osnabrück zur Uraufführung

Beleidigung des Glücks

von Jens Fischer

Osnabrück, 24. Januar 2015. Wir befinden uns in den 1970er Jahren. Also flankieren ganz fiesfarbig bekringelte Tapetenmuster den Ort, die Bodenwelle, das Bühnenbild. Kindlich Verspielte und übermütig ineinander Verknallte animiert das zum ganz realen Herunterrutschen – was natürlich auch symbolisch gemeint ist. Denn hinab geht's, eine Beleidigung des Glücks. Wir sollen einer Liebe beim Scheitern zusehen und den Grund dafür in den Traumata eines Flüchtlings erkennen. Nur müsste sie dafür erstmal himmelhoch jauchzen, die Liebe, um dann in einer Lebenssenke losheulen zu können.

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Der Volkshai – Die in Bonn uraufgeführte Korruptionsklamotte des Autorenduos Nolte Decar surft an Ibsen, "Pretty Woman" und Spielbergs "Weißem Hai" entlang

Etwas ist faul im Ferienparadies

von Dorothea Marcus

Bonn, 24. Januar 2015. In Rimini geht der Bürgermeister sogar zu Beerdigungen in quietschbuntem Bademantel. Ein junger Mann ist ums Leben gekommen, vielleicht durch eine Schiffsschraube – sauber hat sie Arme, Beine und fast sogar den Kopf abgetrennt. Seine Trauer kann Bürgermeister-Darsteller Sören Wunderlich gut unter Kajalstrich und blondiertem Schopf verbergen. Jovial und mit großer Geste spricht er zunächst von Rache, dann von einem bedauerlichen Unfall – und dankt danach erstmal seinen Wählern. Um schließlich über den Toten herzuziehen, der das "Gen der Einwanderer trug: Verbrechen und Chaos". Sören Wunderlich, erst eine Woche vor der Premiere für den erkrankten Bernd Braun eingesprungen, schwenkt erfrischend souverän zwischen fürsorglichem Stadtvater, schmierigem Wahlkämpfer und betroffenem Trauergast. Entrüstet gucken sich die drei Trauergäste an, bevor sie sich dann doch mit ihm auf dem schwarzen Holzsarg lümmeln: Giulia, die liebreizende Bademeisterin, ihr Freund Dino mit blondem Rauschebart und noch so ein halbseidener Journalist.

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Der Zauberberg – Der Schweizer Regisseur Thom Luz inszeniert Thomas Manns Jahrhundertroman als psychedelischen Halbtotentanz

In der Zeitblase

von Claude Bühler

Basel, 23. Januar 2015. Die Aussicht auf die "Unmöglichkeit", den 1000-seitigen Roman Thomas Manns auf der Bühne erzählen zu können, habe ihm "gefallen", sagt Thom Luz im Interview (Programmbüchlein). Um gleich darauf, wie ein Kind zu rufen: "Schau, ein Rotkehlchen!" So unbeschwert scheint der 33-jährige Regisseur die Aufgabe mit dem Jahrhundertroman von 1924 anzugehen. "Endlos fasziniert" von der "Rätselhaftigkeit" des Romans inszeniert Luz einen psychedelischen Tanz der Todgeweihten, den Handlungsort – die Davoser Lungenheilstätte "Berghof" – als schattenhaftes Übergangsreich.

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Unsere neue Stadt – Am Pforzheimer Theater gibt man Flüchtlingen ein Gesicht

In der Sperrzone

von Verena Großkreutz

Pforzheim, 23. Januar 2015. Wer verlässt schon seine Heimat, seine Familie, seine Freunde freiwillig, begibt sich grundlos aufs dünne Eis der Fremde? In ein Land, dessen Sprache er nicht mächtig ist? "Ohne Sprache ist man tot", sagt die irakische Chemikerin, die mit ihrer Familie 2001 vor dem Krieg in ihrem Lande floh, "man kann gar nichts machen. Sprache ist wie die Augen, Sprache ist Sehen". Sie landete in Pforzheim. Ihre Flucht fand ein gutes Ende. Sie und ihre Familie wurden eingebürgert. "Ich wollte Sicherheit für uns. Die haben wir", sagt sie. Jeden Tag träume sie aber von Bagdad, "von Bagdad wie es früher einmal war". Jetzt ist ihre Herzensstadt zerstört.

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Eine Familie – In der Komödie am Ku'damm bringt Ilan Ronen das well made play von Tracy Letts auf eine Simultanbühne

Nichts als die Wahrheit

von Georg Kasch

Berlin, 22. Januar 2015. Das Boulevardtheater ist immer für eine Überraschung gut. Als in den Kategorien E und U erzogener Mensch schaut man auf die Schauspielerliste, sieht viele bekannte Fernsehgesichter, gleicht das mit seiner bisherigen Erfahrung mit Theatern und Inszenierungen dieser Art ab und denkt sich: naja.

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Proletenpassion 2015 ff. – Christine Eder belebt im Wiener Werk X die alte Geschichte des Aufstands

Haltung, trotz allem!

von Kai Krösche

Wien, 22. Januar 2015. Endlich! Endlich einmal nicht durch ein Übermaß an Ironie zerbrochenes Schulterzucktheater, endlich einmal keine gelähmte Ratlosigkeit, nur weil die Welt nun einmal eben so (komplex, undurchdringlich und widersprüchlich) ist, wie sie ist, endlich einmal Mut zur klaren politischen Haltung, obwohl – oder gerade weil – eine klare politische Haltung so schwierig, kompliziert und vorbelastet ist!

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Die Leiden des jungen Werther – Bei Simon Solberg in Stuttgart trifft Goethes Held auf eine zynische Leistungs- und Konsumgesellschaft

Im Weltenwahnsinn

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 18. Januar 2015. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Mensch so töricht sein kann, sich zu erschießen." Wäre ja auch ein Wunder, wenn der gefühlskalte, skrupellose Albert das verstünde. Werthers bis zum Hals bewaffneter Konkurrent in Sachen Liebe knallt, während er's spricht, ganz nebenbei Elefanten, Kängurus und allerlei seltsames Gefieder ab (gespielt vom skurril kostümierten Ensemble). Werther steckt sich die Waffe lieber in den eigenen Mund: Das bisschen Verstand, das ein Mensch habe, zählt eben wenig, "wenn Leidenschaft wütet und die Grenzen der Menschheit einen drängen".

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Winterreise – Anne Lenk inszeniert Elfriede Jelineks Text am Thalia Theater Hamburg als Stationenstück

Lost in Jelinek

von Katrin Ullmann

Hamburg, 18. Januar 2015. Fünf Frauen recken sich, fünf Frauen in weißen schulterfreien Kleidern mit zarten Hochsteckfrisuren und niedlichen Löckchen: beschützenswerte Wesen im Biedermeierstil (Kostüme: Silja Landsberg). Kindlich – auch weil das Piano auf Stelzen übergroß daherkommt – greifen fünf Hände in die Tasten. Spielen stockend ein paar Takte und sprechen dann im Chor.

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Wie es euch gefällt – In Dresden balanciert Jan Gehler die Komödie zwischen Volkstheater und Farce aus

Asyl auf der Augenweide

von Tobias Prüwer

Dresden, 17. Januar 2015. Stadtluft macht frei? Von wegen. In "Wie es euch gefällt" kennzeichnet Shakespeare den Wald als Hort der Freiheit. In Jan Gehlers Inszenierung im Staatsschauspiel Dresden fügen sich agiles Sprechtheater und Life-Musik zum melankomödischen Patchwork mit eingewebter Sehnsucht nach einer besseren Welt: "Kein Gott
/ Kein Staat
/ Keine Arbeit
/ Kein Geld
/ Mein Zuhause
/ Ist die Welt" (Das Zelt, Jeans Team).

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Jakobs Ross – Peter Kastenmüller inszeniert Silvia Tschuis Bestseller am Neumarkt

Wenn sich die Alpenwut rötet ...

von Julia Stephan

Zürich, 17. Januar 2015. Die 13-jährige Dienstmagd Elsie sieht sich gross in der Welt. Sie will Künstlerin werden. In Florenz. Doch bevor sie aus ihrer kleinen Stellung entfliehen kann, wird die talentierte Geigerin von ihrem Hausherren, einem Schweizer Industriellen, geschwängert, mit Knecht Jakob notverheiratet, und auf einen Hof in der Nähe des Zürichsees abgeschoben. Dort träumt Gatte Jakob, ein Kind seiner Zeit, noch nicht vom BMW, aber vom eigenen Pferd. Eine Fantasie, die brutal mit Elsies feingeistigen Fidelambitionen kollidiert. Das ergibt: einen Totalschaden für die Ehe.

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Der Ring: Siegfried / Götterdämmerung – Antú Romero Nunes bringt sein "Nibelungen"-Projekt am Hamburger Thalia zu Ende

Ein Traum von einer Oper

von Falk Schreiber

Hamburg, 18. Januar 2015. In zeitgenössischen Heldenerzählungen ist meist der zweite Teil am spannendsten. "Star Wars", "Herr der Ringe", die zweite Staffel von "Game of Thrones": Da leisten sich die Drehbücher Abschweifungen, da werden die Helden brüchig, da kann noch einmal alles umgeschmissen und neu erzählt werden, außerdem muss man in zweiten Teilen so wenig ein Setting aufbauen wie man Handlungsstränge zu einem Ende führen muss. Wenn man also bei Wagners "Ring des Nibelungen" "Das Rheingold" als Vorabend sieht und "Die Walküre" als ersten Tag, dann darf man den zweiten Tag, "Siegfried", als zweiten Teil sehen. Und kann sich entsprechend freuen auf "Der Ring 2", den zweiten Teil von Antú Romero Nunes' "Nibelungen"-Verknappung am Hamburger Thalia, deren erster Teil Ende Oktober noch ein wenig ziellos im Popmythologischen waberte.

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Licht unter Tage – Frank Behnke zeigt in Münster Tennessee Williams‘ Erstling als robustes Bergarbeitermelodram

Grubenlampe am roten Stern

von Tim Schomacker

Münster, 16. Januar 2015. Um Namen war er selten verlegen, der Herr Williams. In Frühlingsstürme, das vor knapp zwei Jahren in Münster seine deutschsprachige Premiere feierte, hieß die lieblich-höhere Tochter Heavenly. Diesmal schickt Tennessee Williams dem Bergarbeiter und Arbeiterrechte-Agitator Birmingham Red die Bergarbeiter-Tochter Star in die Arme. Red und Star. Diesen roten Stern zu entziffern, dürfte nicht schwer gefallen sein im amerikanischen Süden der mittleren 1930er Jahre, der Zeit der Großen Depression.

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Theodor Herzog von Gothland – Tatjana Rese kombiniert in Detmold Grabbes blutige Tragödie mit Texten von Heiner Müller

Morden als natürlicher Zustand

von Stefan Keim

Detmold, 16. Januar 2015. Herzog Theodor hat seinen Bruder umgebracht. Wenig später erkennt er, dass der Mord ungerechtfertigt war. Es ist ihm egal. Er hat nun schon so viel getötet, jetzt kann er auch einfach weitermachen. Der junge Christian Dietrich Grabbe hat 1822 ein ungewöhnlich bitteres und zynisches Theaterstück geschrieben. Seine Zeitgenossen konnten nichts damit anfangen, wenn sie denn überhaupt Kenntnis davon nahmen. Uraufgeführt wurde es erst 70 Jahre später. In den vergangenen Jahren wird es gelegentlich wieder inszeniert, in Karlsruhe, München und in der Bochumer Rottstraße 5 – nun auch in Grabbes Heimatstadt Detmold.

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Gespenster – Im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich erwecken Markus & Markus eine Ibsen-Figur zum Sterben

Margot will Endlichkeit

von Jenny Berg

Zürich, 16. Januar 2015. Sterben müssen wir alle. Nur wann? Und wie? – "Ähm, Markus: Du hast vergessen, Deine 8-Uhr-Tabletten zu nehmen!" sagt der eine Markus. Der andere Markus antwortet: "Herrje, irgendwas ist immer! – Merci!" Er fummelt bunte Pillen aus einem graublauen Medikamentendispenser und spült sie mit einem Sirup-roten Partygetränk von der festlich gedeckten Tafel hinunter.

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Zement – Sebastian Baumgarten weckt am Berliner Gorki-Theater mit seiner Heiner-Müller-Übermalung Geister der Vergangenheit

Ein Gespenst geht um

von Matthias Schmidt

Berlin, 16. Januar 2015. Am Anfang ist die Stasi. Sebastian Baumgarten beginnt den Abend mit einem Müller-Text aus dem Jahr 1993. Gerade sind einige Karteikarten aufgetaucht, Indizien dafür, dass Heiner Müller zehn Jahre lang als IM "Heiner" tätig gewesen sein könnte. Der Vorwurf selbst bleibt unausgesprochen, als sei er irrelevant. Man muss ihn erahnen. Die Reaktion aber hat es in sich. Sie ist eine dieser typischen Müller-Lakonien, die Persönliches derartig mit Weltwissen verdichten, dass man Stunden auf die Analyse verwenden könnte. Sie ist ebenso Eingeständnis wie Gegenangriff, und die Volte, die Müller dabei schlägt, sorgt für etliche Lacher im Saal: Auch die Geschichte der Bundesrepublik sei noch nicht geschrieben, sagt der Bühnen-Müller alias Thomas Wodianka und hebt dabei drohend den Zeigefinger.

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Onkel Wanja – Im Schauspielhaus Hamburg belebt Karin Beier Tschechows Gutshoflangeweile tänzerisch

Wer besser tanzen kann

von Katrin Ullmann

Hamburg, 16. Januar 2015. "Ich möchte Sie küssen, zum Abschied" – fordert Astrow (Paul Herwig) gegen Ende. Bevor Elena Andrejwna (Anja Laïs) geht. Zuvor hatte er mit ihr geplaudert, ihr seine Hingabe offenbart und seine totale Verzücktheit. Elena, geschmeichelt, tänzelt, weicht zurück, küsst ihn und umarmt ihn dann. Lang. Viel zu lang. Eine schreckliche Ewigkeit lang. Vor allem, wenn man diesen Abschied durch die Augen von Sonja (Lina Beckmann) sieht. Ungelenk und möglichst unauffällig hatte sie zwischenzeitlich den Arzt umarmt. Zart und doch mit Nachdruck, hinterrücks, heimlich und das Herz auf der Stirn. Dabei rutscht ihr Körper immer weiter an ihm ab, bis ihr Gesicht schließlich in seiner Kniekehle landet und da verweilt. Verzweifelt ob der nicht erwiderten Liebe und doch voll glühenden Glücks, dem Doktor so nahe zu sein.

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Wunsch und Wunder – In Saarbrücken macht Marcus Lobbes aus Felicia Zellers neuem Stück eine veritable Komödie

Diagnose in der Hose

von Stefan Schmidt

Saarbrücken, 16. Januar 2015. Das Theater kann ein schwerfälliger Brutkasten sein. So kommt es, dass die globalisierte Realität Felicia Zellers neuestes Textflächenprodukt "Wunsch und Wunder" schon überholt hat, bevor es in Saarbrücken in der Regie von Marcus Lobbes zur Uraufführung kommen konnte. Während auf der Bühne noch die Spätfolgen der frühen Phasen deutscher Reproduktionsmedizin verhandelt werden, zahlen US-amerikanische IT-Unternehmen schon längst für das so genannte "Social Freezing": Mitarbeiterinnen lassen ihre Eizellen in Kühlkammern sperren, um erst einmal Karriere zu machen und die Familie für spätere Zeiten zu planen. Die Folge: eine Zuspitzung der gesellschaftlichen Debatte, die dem aktuellen Auftragswerk Zellers für das Saarländische Staatstheater mutmaßlich nicht gelingen wird.

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Baal – Mit Brecht setzt Frank Castorf in München seine Reise durch die Abgründe der Geschichte des Abendlandes fort

Krepieren muss die Welt!

von Michael Stadler

München, 15. Januar 2015. Ein bisschen Viech kann nie schaden, erst recht im Theater des Frank Castorf nicht. Einen wie Baal, der auf seiner hemmungslosen Glückssuche beständig säuft, frisst und die Weiber, sogar seine wahre Liebe, Ekart, verschleißt, kann man getrost als Schwein bezeichnen. Also ist gleich mal ein Schwein auf der Bühne, ein lebloses, von Franz Pätzold als Ekart getragen. Neben ihm spricht Aurel Manthei als Baal beruhigend textgetreu einen Ausschnitt aus dem Stück, bevor der Vietnam-Krieg als zweite Linie in den Prolog hineingesampelt wird. Andrea Wenzl macht als Perücken-Blondine das Eingangs-Trio perfekt, um sich im Lauf eines nicht unbedingt klar verständlichen Sprechfeuers als würdiger Neuzugang im Céline-erprobten Castorf-Team des Residenztheaters zu erweisen. Tempo, Exzess, aber bitte sofort.

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