Donnerstag, 23. Oktober 2014

Anzeige

    

@nachtkritik

test

Anzeige

    

test


Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Der Argentinier – Das Theater Marie in Aargau zeigt Klaus Merz' Novelle dicht am Text

Erzählen und erzählen lassen

von Julia Stephan

Aarau, 22. Oktober 2014. Es gibt Theaterabende, nach denen man es als Kritkerin bitter bereut, den Bühnenstoff wie eine Musterschülerin vorbereitet zu haben. So passiert bei der Uraufführung des "Argentiniers", einer Novelle des Schweizer Schriftstellers Klaus Merz aus dem Jahr 2009. Der Lakoniker Merz, der 1997 mit dem Fast-Roman "Jakob schläft" international bekannt wurde, zeichnet im "Argentinier" in zarten Skizzen die Lebensgeschichte eines Schweizers nach, der in der Nachkriegszeit nach Argentinien auswandert, um Gaucho zu werden, in Buenos Aires eine Karriere als Tango-Tänzer startet, und schliesslich für seine Jugendliebe in die Schweiz zurückkehrt. Dort fristet er bis zum Tod ohne weitere Ausreisser ein sehr mittelmässiges und sehr schweizerisches Leben als Dorfschullehrer. Trotzdem bleibt er in den Augen der Dorfbewohner auf Lebenszeit ein Fremder, der die volle Integration in das sozialen Gefüge des Dorflebens geschickt vermeidet.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Viel gut essen – Sibylle Berg hat ätzende Tiraden Marke Internetkommentar vertextet und Rafael Sanchez bringt ihr Stück in Köln zur Uraufführung

Die Hassbürger greifen an

von Sascha Westphal

Köln, 18. Oktober 2014. Da sind sie, diese Sätze, die jeder nur zu gut kennt. Sei es nun aus Gesprächen im Büro und der Kneipe, oder – und dort fallen sie mit schauriger Regelmäßigkeit – aus den Kommentarspalten im Internet. Sätze wie: "Ich bin ein verdammt normaler Bürger, und ich habe nie ein Vorurteil gehabt. Aber ich habe doch Augen im Kopf." Oder drastischer: "Man muss die Frage stellen dürfen, ob Schwule und Lesben überhaupt Öffnungen haben, die diese Bezeichnung verdienen. Und ob sie das Recht haben, ihre Perversionen an unsere Kinder weiterzugeben." Oder auch: "Wir verstehen, dass ein paar Juden und Russen immer mehr Geld haben und wir sind egal."

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Ein Sommernachtstraum – Daniela Löffner streicht Shakespeare am Schauspielhaus Zürich das Happy End

Zettels Version

von Claude Bühler

Zürich, 18. Oktober 2014. Das Publikum war hörbar erleichtert, als die Aufführung beim fünften Akt ankam, jenem Spiel im Spiel, wo die naive Handwerkerstruppe zur Hochzeit des Königs und zum Happyend all der Liebeswirren die Tragödie von Pyramus und Thisbe radebrecht. Und das Ensemble bewies Komödienlust. Claudius Körber als Liebhaber Pyramus näselt mit süddeutschem Akzent durch die Wand, die Klaus Brömmelmeier mörtelverschmiert und mit stoischem Ernst verkörperte, seiner Thisbe (Anna Blomeier) schwülstig-hohle Liebesphrasen zu, die als schauspielender Handwerksgeselle mit dem Mörtel am angeklebten Schnurbart kämpfte. Und mit heiligem Ernst vollzog Körber mit einem Klappmeter als Dolch Pyramus’ Liebesselbstmord, als er die Geliebte von einem Löwen (Katharina Schmidt, mit fürchterlichem Gebrüll) gerissen wähnte. Shakespeares Verse, eine Parodie auf die Lyrik seiner Tage, stachen wie am ersten Tag, das Publikum war hingerissen.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Geschichten aus dem Wiener Wald – An den Münchner Kammerspielen ordnet Stephan Kimmig die Gefühle dem Walzertakt unter

Sekündlich grüßt die Wachau

von Michael Stadler

München, 18. Oktober 2014. Ein Lied kann ein Gefängnis sein, kann den Menschen einschließen mit seiner Melodie und seinem Rhythmus, kann ihn verfolgen und bis ins Mark durchdringen, bis nichts weiter bleibt als mitzusingen. Oder mitzutanzen. Ach, klingt es nicht sirupsüß und wienerisch schön, das Lied "Da draußen in der Wachau"?  "Wo blühen die Bäume so rot und so weiß, und wo sind die Nächte so duftig und heiß…", singt Peter Brombacher im Dunkeln. Ein älteres Paar hat zum Auftakt elegant ein paar Walzerrunden auf die Bühne der Kammerspiele hineingezwirbelt, und diesem singenden Peter Brombacher nun, der mit Kopftuch die Großmutter, mit Messer den Metzgersgehilfen Havlitschek und rot behütet den Nachtclub-Conférencier geben wird, ihm kann man einfach nicht widerstehen.

weiterlesen...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Faust hoch zehn – Am Theater Bremen lassen Felix Rothenhäusler und Tarun Kade Faust eigene Schritte tun

Was würde Faust tun?

von Andreas Schnell

Bremen, 18. Oktober 2014. Wenn Goethe und sein Wirken nun also wirklich so wesentlich für unsere Kultur sein sollten, dann dürfte es kaum nötig sein, sich ständig seinen "Faust" vorführen zu lassen. Dessen Zeitgenossenschaft müsste sich, so knapp gefasst der Gedanke von Felix Rothenhäusler und Tarun Kade, auch anders nachweisen lassen, das Faustische an sich die kulturelle Matrix so weit durchdringen, dass es sich im heutigen Individuum und seiner Umwelt zeigen lassen müsste.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Foxfinder – Die deutschsprachige Erstaufführung von Dawn Kings raffinierter Überwachungsstaatsparabel in Ingolstadt

Zeit der Füchse

von Willibald Spatz

Ingolstadt, 18. Oktober 2014. Mit "Foxfinder" hat die Autorin Dawn King einen Hit geschrieben. Das Stück spielt in keinem bestimmten Land zu keiner bestimmten Zeit und lässt gerade daduch Deutungsspielraum; es weist ebenso parabelhaft auf zeitgenössische Überwachungsstaatstendenzen wie auf Ängste, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Es zeigt, wie die Möglichkeit, nur ein wenig Macht über einen Mitmenschen zu gewinnen, ein faschistisches System stützen kann, wie Aberglaube in der Lage ist, eine technokratische Welt ins Chaos zu stürzen, und wie der Mensch seinem Mitmenschen ein Wolf oder besser: ein Fuchs sein kann.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

A Párt – Die Partei – The Party – Mit Ingrimm reflektiert Árpád Schilling sich selbst und das heutige Ungarn beim Steirischen Herbst

Auf der nackten Haut der Verzweiflung

von Reinhard Kriechbaum

Bad Gleichenberg, 17. Oktober 2014. Zwei Seelen, wohnen, ach, in seiner Brust. Die zweite, die in seiner ungarischen Heimat ortsansässige, wird gerade arg malträtiert. Der derzeit vor allem als Opernregisseur international nachgefragte Árpád Schilling arbeitet ja immer noch, wie seit zwei Jahrzehnten, mit seinem Ur-Ensemble Krétakör (Kreidekreis). So eine freie Gruppe mit subversivem Gespür für politischen Ungeist hätte im Ungarn Orbáns alle Hände voll zu tun, wenn man sie nur ließe. Aber gerade dieses Ungarn meint es – logischerweise – nicht gut mit Schilling und Krétakör: Man hat ihnen und anderen aufsässigen Theatermachern schlichtweg den Geldhahn zugedreht.

weiter …

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Das Käthchen von Heilbronn – Stefan Bachmann bietet am Schauspiel Köln für Kleists Ritterspektakel viel Physik und wenig Chemie auf

Nackte Seelen mit eigentümlichen Ergüssen

von Martin Krumbholz

Köln, 17. Oktober 2014. Theaterdramaturgien geben gelegentlich Rätsel auf. Dass Kleists "Käthchen von Heilbronn" sich häufiger auf den Spielplänen findet als etwa der "Prinz Friedrich von Homburg" – doch das bei weitem brisantere Stück – und fast so häufig wie der unverwüstliche "Zerbrochne Krug", ist eines dieser dramaturgischen Rätsel. Aber schließlich geht es um einen akuten Fall von Liebe – die Liebe von Regisseuren zu einem Stück –, und die lässt sich meistens nicht recht erklären. Leider ist es so, dass Kleists großes historisches Ritterschauspiel diese Liebe partout nicht erwidert; es wird unterschätzt wie eine launische Geliebte.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Komm in meinen Wigwam – Wenzel Storch geht in Dortmund auf eine Expedition in die Paradiese der katholischen Anstandsliteratur

Messdieners Popel im Paradies

von Sascha Westphal

Dortmund, 17. Oktober 2014. Natürlich wäre es maßlos übertrieben, jetzt zu behaupten, die Literaturgeschichte müsse noch einmal neu geschrieben werden. Aber ein wenig kann man schon in Versuchung geraten. Schließlich entführt einen der Filmemacher und Autor Wenzel Storch mit seiner ersten Theaterarbeit in eine wundersame, exotische Welt, die von der offiziellen Literaturgeschichtsschreibung sowieso immer nur ignoriert wurde. Und selbst die katholische Kirche breitet mittlerweile lieber den Mantel des Schweigens über sie.

weiter …

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Wassa Schelesnowa – Altmeister Dieter Giesing drapiert Maria Schrader in einer Leerlauf-Etüde nach Maxim Gorki, am Schauspielhaus Hamburg

Die Sklavin des Materiellen

von Jens Fischer

Hamburg, 17. Oktober 2014. Oh wie fein, willkommen bei den Reichen daheim. Damit wir gleich wissen, was dort los ist, erstrahlt eine eisig grell ausgeleuchtete, bedrohlich gemütlichkeitsfreie Metall-Glas-Beton-Designerhölle. Schräg zum Publikum hin gebaut, kippt sie die Geschichte der Gier geradezu ins Parkett. Wie immer bei Karl-Ernst Herrmanns Bühnenbauten gibt es auch einen Ausblick: Zwei Lichtbänder weisen den Weg zu einem glitzerndem Meeresprospekt. Aber Fluchtfantasien oder Sehnsüchte hegt das Stückpersonal nicht – trödelt lieber missmutig durch den Thronsaal der Patriarchin.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Elektra – Ann Liv Young stellt beim Steirischen Herbst eine tragische Playlist nach Sophokles zusammen

Entrüstungspop

von Leopold Lippert

Graz, 16. Oktober 2014. Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen – Elektra ist durchaus nicht die erste mythische Frauengestalt, an der sich die amerikanische Choreographin und Performerin Ann Liv Young abarbeitet. Doch das Zauberhafte, das den Märchenheldinnen der Gebrüder Grimm spätestens seit ihrer Disneyfizierung anhaftet, fehlt der antiken Rachefigur: Spitze Spindeln und vergiftete Äpfel mögen grausam erscheinen, aber vorsätzlicher Muttermord ist doch ein ungleich brutaleres Handlungselement.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Tessa Blomstedt gibt nicht auf – Christoph Marthaler führt an der Volksbühne Berlin Onlinedating, Castingshows und Schlagerparade zusammen

Schlagerernst und Castingknäuel

von Simone Kaempf

Berlin, 15. Oktober 2014. Welch schöne Funken Regisseur Christoph Marthaler aus Verliebtsein, Heiratsanträgen und Eheanbahnung schlagen kann, hat er zuletzt in Das Weisse vom Ei bewiesen. Im höchst bürgerlichem Ambiente speisen zwei Familien zum Abendessen, damit der Sohn um die Hand der Arzttochter Emmeline anhält. Man beobachtet Menschen, denen altertümlich die Perücken stauben oder die über Teppiche stolpern. Aber allen voran führt ihre gehemmte Leidenschaft zu hochkomischen Situationen, in der man auch leise Kritik an verbarrikadierter Bürgerlichkeit ablesen kann.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Ich bereue nichts – Jan-Christoph Gockel, Thomas Halle und Konstantin Küspert suchen in Karlsruhe nach emotionalen Bildern für den NSA-Skandal

Keksdose Internet

von Georg Patzer

Karlsruhe, 12. Oktober 2014. Edward Snowden als Baby, Edward Snowden als Cowboy spielendes Kind im Kreis seiner glücklichen Familie, Edward Snowden mit seiner Freundin auf Hawaii. Dazwischen Bilder von seinem ersten Computer. Bilder, Bilder, Bilder: "Wie lässt sich der größte Überwachungsskandal der Geschichte in ein emotionales Bild fassen?" Das war die Ausgangsfrage für das Theaterprojekt "Ich bereue nichts" des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, für das der Regisseur Jan-Christoph Gockel, der Schauspieler Thomas Halle und der Autor und Dramaturg Konstantin Küspert verantwortlich zeichnen.

weiter …

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Hunde Gottes – Im Schauspielhaus Wien hat Barbara Weber ein Stück von Thiemo Strutzenberger aus der Taufe gehoben

Der Vater ist immer der Gärtner...

von Reinhard Kriechbaum

Wien, 11. Oktober 2014. … aber wer ist dann sein Mörder? Und wer sind die Mitwisser? Das mitwissen wir seit gestern, haben es erfahren im Schauspielhaus Wien. Geahnt haben wir es schon deutlich länger, denn Thiemo Strutzenberger (Jahrgang 1982) grast in seinem Stück "Hunde Gottes" auf einer schon mehrmals abgearbeiteten Wiese: will er ein neues Lied aufs Hollywood-Melodram singen. Besonders auf Douglas Sirk und seinen Film "All that Heaven allows". Den haben zwar auch schon Rainer Werner Fassbinder (mit "Angst essen Seele auf") und Todd Haynes (mit "Far from Heaven") paraphrasiert – aber alle paar Jahrzehnte kann man schon dem guten alten Rührstück zur Gerechtigkeit verhelfen wollen. Es hat es verdient, denn bei näherer Betrachtung steht es ideologisch nicht so ungebrochen da mit seinem mehr oder eben weniger sanften Träume-Schäumen des Kleinbürgers vom unteren Rand der Bourgeoisie.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Ödipus Stadt – Klaus Kusenberg sucht in Nürnberg ewige Wahrheiten im Antiken-Sampler nach Sophokles, Euripides und Aischylos

Was dem Wissenden nichts nützt

von Dieter Stoll

Nürnberg, 11. Oktober 2014. Eine bühnenbreite Bretterwand, Fichte lackiert, trennt den zornigen König Ödipus vom pestverseuchten Alltag seiner Stadt Theben. Die Götter strafen einen ungeklärten Mord und der angeschlagene Herrscher muss auf Weisung des blinden Sehers Teiresias die Wahrheit wie ein Detektiv ergründen: Er selbst wurde ohne es zu wissen zum Vatermörder und gar zum Gatten der eigenen Mutter, mit der er Kinder zeugte. Nun will er heulend in den Schoß zurückkriechen, der ihn geboren und befriedigt hat. Mehr Gram pro Familie geht eigentlich nicht, aber die antike Dichtung kennt im Gegensatz zu ihrer Enkelin, der Soap, keine Schmerzgrenze – zumal, wenn sie die gestauchten Erkenntnisse aus vier Dramen an einem Abend unterbringen soll.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Sarajevo 14 oder Der Urknall in Europa – Innsbruck will mit einer Uraufführung von Franzobel den Ausbruch des Ersten Weltkriegs neu erzählen

Jagd um den Waschkessel

von Martin Jost

Innsbruck, 11. Oktober 2014. Das Tiroler Landestheater hat bei Franzobel ein Stück zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bestellt. Der Erfolgsautor ist angetreten, das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie neu zu erzählen. "Geschichte ist wie Musik, die immer neu interpretiert werden muss", sagt Franzobel in einem Text für das Programmheft. "Jede Zeit schreibt sich die Geschichte neu." Schade, dass er den historischen Ereignissen nichts wirklich Neues abgewinnt.

weiter…

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Volksrepublik Volkswagen – In Hannover spielt Stefan Kaegi von Rimini Protokoll die Wolfsburger Autobauer und die Volksrepublik China gegeneinander aus

Mehr Demokratie wagen? Mehr Volkswagen!

von Alexander Kohlmann

Hannover, 10. Oktober 2014. Ein Kinderchor. Hannoveraner Jungen und Mädchen, unterschiedlich gekleidet, unkoordiniert und durcheinander – die kleinen Individualisten stehen ausgerechnet in einer Szene zum Schulunterricht als chinesische Schüler an der Rampe und versuchen nachzusprechen, was der Lehrer auf dem Monitor ihnen vorsagt.

weiter ...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Diskussion über Rassismus und Johan Simons' Inszenierung "Die Neger" am Hamburger Schauspielhaus

Die Blauäugigen

von Falk Schreiber

Hamburg, 10. Oktober 2014. Von Anfang an stand Johan Simons' Inszenierung von Jean Genets "Die Neger" unter einem schlechten Stern. Die Koproduktion von Wiener Festwochen, Hamburger Schauspielhaus und Münchner Kammerspielen provozierte schon vor der Premiere in Wien Proteste von Antirassismus-Aktivisten, die sich vor allem vom Titel und vom auf den Festivalplakaten angedeuteten Einsatz von Blackfacing angegriffen fühlten. Die Kritiken nach der Festwochen-Premiere fielen dann weitgehend desaströs aus (Reinhard Kriechbaums Nachtkritik war noch eine der freundlicheren Stimmen). Und schließlich verletzte sich Schauspieler Benny Claessens kurz vor der für Juni geplanten Hamburger Premiere, so dass die Aufführungen in der Hansestadt und in München in die nächste Spielzeit verschoben werden mussten.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Straight White Men – Young Jean Lees abbildungstreue Versuchsanordnung beim Steirischen Herbst in Graz

"It all comes out on Christmas!"

von Leopold Lippert

Graz, 10. Oktober 2014. Ein Stück "Straight White Men" zu nennen, das klingt nach ironischem Gezwinker. Vor allem wenn man weiß, dass Young Jean Lees letzte Produktion, "Untitled Feminist Show", eine queere Burleske voller nackter, tanzender Frauen war. Und die Bühne, die David Evans Morris ins Grazer Orpheum gestellt hat, sieht auch tatsächlich nach einem schlechten Witz aus: ein in hässlichen Brauntönen gehaltenes amerikanisches Mittelschichtswohnzimmer, mit vollem Bücherregal und beiger Ledercouch, einem klobigen Nussholztisch, leeren Bierflaschen, Fernbedienung, Dartscheibe und Plastikweihnachtsbaum.

weiter ...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Zerbombt – Am Landestheater Schwaben führt Julia Heinrichs das Stück von Sarah Kane in die Furcht von heute

Eine Geschichte der Angst

von Willibald Spatz

Memmingen, 10. Oktober 2014. Einen Skandal wie einst zur Uraufführung 1995 kann man mit Sarah Kanes "Zerbombt" nicht mehr auslösen. Und Schocken muss man auch keinen mehr damit. Dafür gibt es inzwischen derberes Material. Aber man kann immer noch gut von der Einsamkeit des Menschen erzählen und von dessen Sehnsucht nach Berührung. Diese Themen stecken zwischen den kalkulierten Tabubrüchen und Scheußlichkeiten, die in dem Stück vordergründig aneinander gereiht werden.

weiter...

 
 

Seite 1 von 6