Dienstag, 29. Juli 2014

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Blog – Schon wieder! Skandal! In Bayreuth!

Zuerst hieß es, es sei nur eine Panne. Doch was dann herauskam, hat uns wirklich geschockt.

Bayreuth, 26. Juli 2014. Auch wenn niemand zur Eröffnung kommt ("unter ihnen dutzende Prominente wie [...] der Schlagersänger Roberto Blanco", stern.de) schafft man es bei den Bayreuther Festspielen verdammt nochmal in die Schlagzeilen. Und wenn Katharina W. eigenhändig Steinchen ins Getriebe der Hebebühne werfen müsste. Also sollte es verdammt nochmal auch auf nachtkritk.de einen Text geben, der angeklickt wird! Diesmal also: Nach einem "lauten Knall" nach nur 20 Aufführungsminuten wurde die Eröffnung mit Tannhäuser unterbrochen! Erstmals in der Geschichte der Bayreuther Festspiele! Und – nach eigenen Recherchen – weltweit erstmals bei einer Oper die mit dem Buchstaben T beginnt!

Suche nach dem Schuldigen

Was geschah? Die Bild-Zeitung hat eine böse Ahnung: "Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Bayreuth dementierte ausdrücklich eine Bombendrohung: 'Davon kann gar keine Rede sein.'" Auf Nachfrage von nachtkritik.de dementiert außerdem eine Sprecherin der Volksbühne Berlin einen neidgetriebenen Sabotageakt des Intendanten Frank Castorf, der zur Zeit normalerweise für Bayreuth-"Skandale" zuständig ist: "Davon kann gar keine Rede sein." Weiterhin dementiert die Mutter von Jonathan Meese, der 2016 in Bayreuth inszenieren wird, eine vorgezogene Störaktion ihres Sohnes: "Davon kann gar keine Rede sein. Außerdem hat mein Jonathan keine Zeit, weil er die Hakenkreuze für das Bühnenbild für 2016 malen muss."

Keine Käfig-Fahrten?

Endlich dann Klarheit. In einer geschliffenen Pressemitteilung erklären die Bayreuther Festspiele: "Wegen einer technischen Störung in der Untermaschinerie musste der 1. Akt 'Tannhäuser' kurz nach der Ouvertüre unterbrochen werden, um die Sicherheit der Mitwirkenden nicht zu gefährden. Die Vorstellung wurde ohne 'Käfig'–Fahrten fortgesetzt. Zwischenzeitlich konnte bis zum Beginn des 2. Aktes der Schaden behoben werden. Insgesamt verzögert sich der Ablauf der Aufführung um ca. 1 h!"

Aha! Ein deutlicher Eingriff in die Inszenierung also! Tannhäuser-Regisseur Sebastian Baumgarten konnte glücklicherweise während seines Urlaubes auf der Wartburg für eine Stellungnahme erreicht werden: Ob er so wie Frank Castorf auch einen prominenten, juristisch tätigen Schwager habe, mit dessen Hilfe er mit rechtlichen Schritten gegen den Eingriff in seine künstlerische Arbeit drohen könne? Baumgarten: "... Davon kann gar keine Rede sein."

(mw)

 
 

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Blog – Aufregung um Thorleifur Örn Arnarssons "Viel Lärm um nichts" bei den Klosterfestspielen Wettingen im schweizerischen Aargau

Kloster-Schocker

23. Juli 2014. Aktuell herrscht Gleichstand bei der Sommer-Umfrage der Aargauer Zeitung (AZ). "Halten Sie das Stück 'Viel Lärm um nichts' an den Klosterfestspielen Wettingen für zu vulgär?", das ist die Frage. Auf die begeisterte Kritik des Abends von Christian Berzins erhielt das Blatt nach eigenen Angaben eine Menge empörter Leserbriefe, die Thorleifur Örn Arnarssons auch von uns und den anderen Rezensenten gemochte Inszenierung unter anderem als "vulgäre Verarschung von Shakespeare-Stoff" schimpften.

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Leipziger Thesen zur Theaterwissenschaft XII – Gerald Siegmund über das Ästhetische als spezifische Leistung im theatralen Dispositiv der Gegenwart

Theater als ästhetisches Dispositiv

von Gerald Siegmund

Leipzig, 16. Juli 2014.

1. Theater ist der Ort, an dem Hören und Sehen aufeinander bezogen, Stimme und Blick inszeniert werden sowie Körper und Sprache miteinander in Berührung kommen, um etwas zu produzieren: Gefühle und Affekte, Erkenntnisse und Erfahrungen.

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Leipziger Thesen zur Theaterwissenschaft XI – Wolf-Dieter Ernst über Technik- und Risikoreflexion im Theater

Performance, Technologie und "tragische Individualisierung"

von Wolf-Dieter Ernst

Leipzig, 16. Juli 2014. Theaterbegriffe wie "Inszenierung", "Katastrophe" und "Tragik" sind "grenzüberschreitend" gebräuchlich und prägen unter andrem Ulrich Becks soziologische Theorie der Weltrisikogesellschaft. Becks Theorie in Kürze: Die selbst-reflexive Moderne inszeniert globale Risiken, worunter er abzuwehrende Katastrophen versteht. Dieser Inszenierungsprozess verlaufe paradox, sodass Risiken gerade dann entstehen, wenn sie zuvor mit technischen Mitteln minimiert werden sollen. Dieser Inszenierungsprozess führe auf seiner Rückseite zur "tragischen Individualisierung". Das heißt, einige wenige profitieren von der Minimierung inszenierter Risiken, während viele auf sich selbst zurückgeworfen sind und die teilweise dramatischen Folgen des Risikomanagements tragen müssen.

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