Donnerstag, 31. Juli 2014

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Theaterbrief aus der Slowakei – Das Festival Eurokontext in Bratislava im Juni 2014

Botschaften der Zerrissenheit

von Simone Kaempf

Bratislava, Juni 2014. Schließlich kam er doch. Fragte, wo er am Theater parken könnte, und erst damit war den Mitarbeitern des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava klar, dass Attila Vidnyánszky, Intendant des Ungarischen Nationaltheaters, tatsächlich an der Diskussion teilnehmen würde. Selbstverständlich war das für das Theater und das von ihm ausgerichtete Festival "Eurokontext" nicht. Denn als Vidnyánszky in diesem März nach Budapest zum Nationaltheater-Festival "M.I.T.E.M"- lud, hatte sein Kollege Roman Polák, Intendant des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava, eine Gastspiel-Einladung ausgeschlagen.

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Theaterbrief aus Istanbul – Das zeitgenössische türkische Theater zwischen Repression und Widerstand

Chaotisch und voller Hoffnung

von Bahar Çuhadar

Istanbul im Juni 2014. Die Türkei besitzt eine dynamische, hin und wieder chaotische, dennoch hoffnungsvolle Theaterlandschaft. Man kann sie grob in vier Bereiche unterteilen: Zum einen gibt es die Staatstheater, die 1949 gegründet wurden, aktuell in 21 Provinzen aktiv und dem türkischen Kultur- und Tourismusministerium unterstellt sind. Ferner haben mehrere Städte ihre Stadttheater, die an die Stadtverwaltungen gebunden sind und dessen ältestes sich in Istanbul befindet. Hinzu kommen die privat geführten Theater, die teilweise schon seit mehr als einem halben Jahrhundert bestehen und zu Institutionen wurden (Dostlar Tiyatrosu, Ankara Sanat Tiyatrosu, Kenter Tiyatrosu, Oyun Atölyesi, etc.). Darüber hinaus existieren die unabhängigen Theaterensembles, die – sowohl aus künstlerischer Perspektive als auch im Hinblick auf das Publikumsinteresse – nach den Gezi-Protesten eine Art Erwachen auslösten.

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Theaterbrief aus Polen (11) – Michał Zadaras Inszenierung von Schillers "Die Räuber" in Warschau steht beispielhaft für ein neues politisches Theater

Die politische Dimension des Erinnerns

von Anna R. Burzyńska

Warschau, 30. Mai 2014. Vor fünfzehn Jahren entdeckte das polnische Theater, maßgeblich beeinflusst durch das deutsche Theater und insbesondere Frank Castorf, die Politik neu für sich. Ein großes Problem für die Theaterschaffenden war allerdings das Fehlen einer entsprechend aktuellen Dramatik, die Regisseure hofften sehnsüchtig auf einen polnischen Mark Ravenhill, Marius von Mayenburg oder Nikolaj Kolada. In der Zwischenzeit bereiteten sie klassische, dem Publikum wohlbekannte Texte für die Gegenwart auf. Man übersetzte die alten Stücke in eine zeitgemäße Sprache und ergänzte sie um populärkulturelle Zitate aus Videoclips, Computerspielen oder Kultfilmen.

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Theaterbrief aus Moskau – Political Theatre in Russia in the Year 2014

Let's talk about faith

by Pavel Rudnev

Moscow, 3. July 2014. Art and the government are in a state of war in today's Russia. The government doesn't know how to control the artists and the artists are incapable of communicating with the government, mostly because there are no proper channels for discourse between the two. The ideological censorship of the final years of perestroika gave way to the lawlessness of the 1990s, throwing the artistic marketplace into chaos. An economic censorship was introduced in the 2000s that will surely be remembered as a gift by theater-makers, being soft and more easily surmountable than aesthetical censorship. However, in the 2010s, it proved to be insufficient; the liberal attitude of the theaters as well as the social criticism of the avant-garde movement began to be perceived by the authorities as an attack on those in power. As a result, culture is now in the crosshairs. It is difficult to foresee where this process will lead us, but today it is important to answer one question: Is there such a thing as aesthetical political theater in Russia in our time?

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Theaterbrief aus Ungarn (4) – Das Budapester Theaterfestival M.I.T.E.M. und seine Suchbewegungen in Richtung einer Neuformulierung der Nationaltheateridee

Theater gegen die Mcdonaldisierung der Welt

von Esther Slevogt

Budapest, April 2014. Putin-Witze machen die Russen am liebsten selber: Es sei natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Wladimir Putin sich auch Alaska zurückholen werde, sagt ein junger Dramaturg vom St. Petersburger Bolschoi Drama Theater und grinst: "Putin's Ice-Krim" sozusagen. Die Halbinsel wäre schließlich 1867 vom dummen Zaren zu einem Schleuderpreis an die USA verhökert worden und natürlich von extremer strategischer Bedeutung. Er ist im Gefolge von Andrej Mogutschis St. Petersburger Lewis-Caroll-Abend "Alice" nach Budapest gekommen, eines der Highlights der ersten Ausgabe des neuen Theaterfestivals M.I.T.E.M. am Nationaltheater.

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Theaterbrief aus Großbritannien – Das vom "German theatre" inspirierte Experiment "Secret Theatre" des Lyric Hammersmith London

Avantgarde food for a starving audience

by Andrew Haydon

26 March 2014. In May 2012 Sebastian Nübling's collaborative production of Simon Stephens's Three Kingdoms landed in London. The effect felt like a massive explosion within British theatre. The mainstream, and broadsheet critics, either hated it ("You'd have to be debauched beyond redemption in order to conclude that you were actually enjoying the spectacle while it happened" – Michael Coveney, WhatsOnStage.com) or politely dismissed it ("It's an unsettling piece that pulses with menace and demented humour yet slips at times into self-indulgence." – Henry Hitchings, Evening Standard). The Guardian's Michael Billington tried to bury it ("The plot is made harder to follow by Nübling's grossly self-advertising production, in which everything is overstated and overheated... his production is always trying to tell us how idiosyncratically clever it is.").

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