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archiv » Theatertreffen 2008 (17)
Theatertreffen 2008

Durchsichtig werden

von Simone Kaempf und Nikolaus Merck

Berlin, 18. Mai 2008. Das muss ja auch doof sein. Da sitzt Frau oder Mann in der Jury des Theatertreffens, quält sich, reist ein Jahr lang, zwei Jahre, drei Jahre kreuz und quer durch zweieinhalb Republiken und muss dann, Jahr um Jahr, am Ende des Theatertreffens, nach all den vorangegangenen Diskussionen, noch einmal einem ignoranten, selbstzufriedenen Publikum Rede und Antwort stehen. Dabei: der Streit der früheren Jahre, das lustvolle Kritiker-Bashing, die emphatischen Schuldzuweisungen, die Jury hätte den Osten missachtet, die politischen Inszenierungen oder die sprengkräftigen Ästhetiken – diese Vorwürfe werden allenfalls noch als Pflichtübung vorgebracht. Lasch und ohne Herzblut.


Theatertreffen 2008

Sinnlose Rechtsbegriffe

von Esther Slevogt

Berlin, 15. Mai 2008. Dass es sich hier um ein Highlight des diesjährigen Stückemarkts handeln würde, war schon nach wenigen Minuten klar: An einem Tisch, auf dem ein paar billige Spielzeuge aufgebaut sind, sitzen die drei Schauspieler Brigitte Hobmeier, Sylvana Krappatsch und Thomas Schmauser und berichten in knappen und dennoch episch klingenden Sätzen, wie sie ein Kleinkind entführen, das später zu Tode kommt. In wenigen Minuten blickt man dann schon in die Abgründe dieser Tat. Dabei tut der flämische Dramatiker Klaas Tindemans nichts anderes, als was Autoren seit Schillers "Verbrecher aus verlorener Ehre" tun: nämlich das Verbrechen aus der Lebenswelt des Täters heraus zu rekonstruieren.


Theatertreffen 2008

Es war nur ein Spiel

von Esther Slevogt

Berlin, 12. Mai 2008. Das Ende war brachialer, als die poetische Versponnenheit der Gesamtinstallation hätte vermuten lassen. Nachdem das Militär in Ruby Town die Evakuierung des dort lebenden Völkchens beschlossen und verkündet hatte, hatten sich alle, außer Martha selbst, kurz vor dem Termin der Deportation am Samstag, dem 10. Mai das Leben genommen. Die Zuschauer waren dann um Punkt 18.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Militär aus dem Dorf gejagt worden. Und das, obwohl eine Gruppe von ihnen vorher noch per Petition versucht hatte, die Deportation hinauszuzögern – was man im Rahmen der Spielverabredung dieser Acht-Tage-non-stop-Performance wohl auch als Versuch verstehen konnte, eine Zugabe zu erreichen. Denn Applaus hätte hier ja nichts bewirkt, da das Verhältnis zwischen Darstellern und Zuschauern in diesem Projekt komplett anders definiert worden war.


Theatertreffen 2008

Tendenz zur Geheimnislosigkeit

von Esther Slevogt

Berlin, 10. Mai 2008. Nicht, dass es im Verlauf der Debatte keine anregenden Momente gegeben hätte. Zum Beispiel als Ulrich Khuon, Intendant des Hamburger Thalia Theaters, die aktuelle Dominanz von Bühnenbildern im gegenwärtigen Regietheater nicht ganz so euphorisch bewerten mochte, wie die anderen Kollegen auf dem Podium: Die Frankfurter Intendantin Elisabeth Schweeger zum Beispiel, die den Einfluß der bildenden Kunst auf aktuelle Bühnenbilder feierte, die nicht mehr illustrierten, sondern eigenständige Werke seien; Kampnagel-Chefin Amelie Deuflhard, die überhaupt die Räume immer wieder zum Hauptfaktor für Theaterprojekte erklärte.


Theatertreffen 2008

Freitag, 9. Mai 2008, 0 Uhr

von Wolfgang Behrens

Oben, am höchsten Punkt von Ruby Town, auf dem Balkon Martha Rubins, findet die Tragödie statt. Oder vielmehr: wird die Tragödie aufgeführt. Denn kurz nach Mitternacht – ich bin seit etwa einer halben Stunde wieder in Ruby Town – zieht Signa Sørensen, die sich hier Martha Rubin nennt, alle Register. Sie spielt mehrere Dramen gleichzeitig, darunter "Kassandra" und "Christus am Ölberg". Sie sitzt, gestützt von einigen Jüngerinnen, auf einer Bank und sticht immer wieder drei Finger in die Luft: "Drei Tage! Drei Tage noch! Dann sind wir alle tot! Drei Tage!"


Theatertreffen 2008

Donnerstag, 8. Mai 2008, 9 Uhr

von Nikolaus Merck

Strahlende Sonne überm Schöneberger Südgelände, noch der letzte Dreckhaufen sähe heute pittoresk und irgendwie verzaubert aus. Die Sonne scheint auch durch die Dachfenster der alten Lokhalle bei der Einreise nach R.T. Die Barackenstadt IST ein Dreckhaufen und sie SIEHT verzaubert aus, wie ein von Ilya Kabakov, Alvis Hermanis und Christian Boltanski geträumtes Osteuropa im Kalten Krieg.


Theatertreffen 2008

Kunstvolles Unglück

von Esther Slevogt

Berlin, 8. Mai 2008. Ein Ehepaar sitzt vor dem Fernseher und zappt sich lustlos durch das Programm. Bei einer Sendung über irgendeine Krisenregion in der Dritten Welt verweigert die Fernbedienung plötzlich ihren Dienst. Und nicht nur das. Aus dem Fernseher tritt plötzlich ein Kind heraus, schwarz und halb verhungert, das sich stumm neben das Paar auf Sofa setzt, und erst recht nicht mehr wegzappen lässt.


Theatertreffen 2008

Mittwoch, 7. Mai 2008, 17.30 Uhr

von Lena Schneider

Die Hochzeit. Alle reden an diesem Abend von ihr, alle haben davon gehört, auch wir. Von den gestrengen, spitzlippigen jungen Damen am Check-in des Nordstaates bis zu dem Burschen Mischa, dem einzigen Kind in RubyTown, das überall zugleich zu sein scheint – alle fragen früher oder später im Gespräch das Gleiche. Bleibst du zur Hochzeit? Are you staying? Wann genau das Fest stattfinden soll, weiß keiner so richtig. Wer nachfragt, verrät sich als frisch eingereister Tourist. Und bekommt eine typisch Ruby-Townsche Antwort: Wenn es dunkel wird.


Theatertreffen 2008

Dienstag, 6. Mai 2008, 9 Uhr

von Wolfgang Behrens

Ich habe Glück. Die erste, die mich morgens im fast besucherfreien Ruby Town anspricht, ist Stella. Sie sagt: "Grüß Gott!", aus welchen Gründen auch immer verstehe ich: "Bonsoir", und antworte: "Bonjour, es muss bonjour heißen!" Sie sieht mich verwirrt an, und schon sind wir im Gespräch. Stella berichtet, dass man immer die Franzosen zu ihr schicke, weil sie als Kind mit ihrer Mutter mal kurz in Frankreich gewesen sei. Was dann mich verwirrt: War Stella als Kind in Frankreich, oder war es ihre Darstellerin? Die Fangfragen, die ich ihr zu stellen versuche, kontert sie geschickt – es bleibt offen.


Theatertreffen 2008

Viel Arbeit für Simon

von Wolfgang Behrens

Berlin, 4. Mai 2008. Als Kind hatte ich ein Lieblingsbilderbuch. Es hieß "Simon in the land of chalk drawings". Darin gab es einen Jungen, der für sein Leben gern Figuren an Bretterzäune malte. Aber weil er auch ein bisschen faul war, malte er sie nie fertig. Bis ihn eines Tages ein solches unfertiges Männlein vom Bretterzaun her ansprach und in das Land seiner versehrten Geschöpfe einlud – da gingen ihm die Augen über, und aus Mitleid pinselte er brav alle Figuren gesund.


Theatertreffen 2008

Sonntag, 4. Mai 2008, 1 Uhr morgens

von Dorothea Marcus

"Willst du heute Nacht hier schlafen?" flüstert mir Camillo ins Ohr. Er hat Locken, trägt Hut und redet schon den ganzen Abend auf mich ein – unter anderem erzählt er mir, wie fantastisch es ist, mit Roumina verheiratet zu sein. Eigentlich war es eine Art Zwangsheirat. Aber mittlerweile lieben sich die beiden sehr, beteuert Camillo. Und jeden Abend arbeitet er daran, dass sie endlich schwanger wird.


Theatertreffen 2008

Wie soll der Mensch handeln?

von Lena Schneider

Berlin, 4. Mai 2008. "Auf der Suche nach Strippenziehern" war die Diskussionsrunde im Haus der Berliner Festspiele untertitelt. Während sich im Foyer die Eröffnung des Stückemarkts anbahnte, versammelte sich in der schmucken spiegelBAR, eine bunte Runde aus Redewilligen, um eine medienkompatible Stunde lang zu diskutieren, wie – oder ob – Politik und Theater zusammengehen. Wenn der Untertitel der Versuch war, das so große wie griffige wie inhaltlich schwammige Thema "Staat Macht Moral" in eine konkretere Richtung zu lenken, dann schlug der weitgehend fehl; von allem möglichen war die Rede, nur von Strippenziehern kaum. "Auf der Suche nach einem Thema" hätte die Stunde auch heißen können.


Theatertreffen 2008

Ruby Town – Signa beim Theatertreffen 2008

 

Freitag, 2. Mai 2008, 18 Uhr

von Esther Slevogt

Es ist kühl und dämmrig, die Stimmung beklommen. Besonders angesichts der Soldaten, ihrem altertümlichem Bürogerät und autoritären Verhalten spült das emotionale Gedächtnis Zeiten wieder hoch, als in Berlin noch die Mauer stand und man sich durch Kontrollpunkte wie diesen fädeln musste, um von einer Stadthälfte in die andere zu gelangen. Bloß dass damals der vorherrschende Dialekt das Sächsische war, während die Herrschaften aktuell nur Englisch sprechen.

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Samstag, 3. Mai 2008, 11 Uhr

von Robert Schröpfer

Es ist der zweite Berliner Tag von Ruby Town, und der Abend vorher muss ziemlich lang gewesen sein. Denn nicht nur, dass draußen vor der Halle kaum ein Besucher Schlange steht, auch drinnen in diesem Reservat herrscht am Vormittag noch allgemeine Dösigkeit. Der Lebensmittelladen (Haferflocken, Sellerie) – ohne Bedienung. Die Bar Sonja – verwaist. Und während junge Frauen in die Peepshow locken wollen, pafft Martha Rubin, Urmutter fast des kompletten Dorfes, die gestern noch als scheintot galt, in ihrer Matratzengruft trotz Rauchverbots schon wieder Selbstgedrehte.

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Samstag, 3. Mai 2008, 13 Uhr

von Dirk Pilz

Es war vor allem heimelig, fast kuschelig in Ruby Town. Zumindest am frühen Samstagnachmittag traf ich hier auf ein friedliches und schrulliges Völkchen. Hector schimpfte ein bisschen über die Soldaten, Sonia verkaufte an ihrer Bar Schnaps und Martha Rubin hockte in ihrer Kapelle zwischen Heiligenbildchen und raunte in Rätseln von einer ungewissen Zukunft. Mit Leo habe ich einen Kassettenrecorder repariert, mit Josef heimlich Südstaaten-Tabak geraucht und von einer Kollegin ließ ich mich zum Besuch im muffigen Peep-Show-Kabuff überreden, in dem es auf engstem Raum tatsächlich eine Peep-Show gibt.

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Sonntag, 4. Mai 2008, 1 Uhr

von Dorothea Marcus

"Willst du heute Nacht hier schlafen?" flüstert mir Camillo ins Ohr. Er hat Locken, trägt Hut und redet schon den ganzen Abend auf mich ein – unter anderem erzählt er mir, wie fantastisch es ist, mit Roumina verheiratet zu sein. Eigentlich war es eine Art Zwangsheirat. Aber mittlerweile lieben sich die beiden sehr, beteuert Camillo. Und jeden Abend arbeitet er daran, dass sie endlich schwanger wird.

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Dienstag, 6. Mai 2008, 9 Uhr

von Wolfgang Behrens

Ich habe Glück. Die erste, die mich im morgens noch fast besucherfreien Ruby Town anspricht, ist Stella. Sie sagt: "Grüß Gott!", aus welchen Gründen auch immer verstehe ich: "Bonsoir", und antworte: "Bonjour, es muss bonjour heißen!" Sie sieht mich verwirrt an, und schon sind wir im Gespräch. Stella berichtet, dass man immer die Franzosen zu ihr schicken würde, weil sie als Kind mit ihrer Mutter mal kurz in Frankreich gewesen sei. Was dann mich verwirrt: War Stella als Kind in Frankreich, oder war es ihre Darstellerin? Die Fangfragen, die ich ihr zu stellen versuche, kontert sie geschickt – es bleibt offen.

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Mittwoch, 7. Mai 17.30 Uhr

von Lena Schneider

Die Hochzeit. Alle reden an diesem Abend von ihr, alle haben davon gehört, auch wir. Von den gestrengen, spitzlippigen jungen Damen am Check-in des Nordstaates bis zu dem Burschen Mischa, dem einzigen Kind in RubyTown, das überall zugleich zu sein scheint – alle fragen früher oder später im Gespräch das Gleiche. Bleibst du zur Hochzeit? Are you staying? Wann genau das Fest stattfinden soll, weiß keiner so richtig. Wer nachfragt, verrät sich als frisch eingereister Tourist. Und bekommt eine typisch Ruby-Townsche Antwort: Wenn es dunkel wird.

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Donnerstag 8. Mai 2008, 9 Uhr

von Nikolaus Merck

Strahlende Sonne überm Schöneberger Südgelände, noch der letzte Dreckhaufen sähe heute pittoresk und irgendwie verzaubert aus. Die Sonne scheint auch durch die Dachfenster der alten Lokhalle bei der Einreise nach R.T. Die Barackenstadt IST ein Dreckhaufen und sie SIEHT verzaubert aus, wie ein von Ilya Kabakov, Alvis Hermanis und Christian Boltanski geträumtes Osteuropa im Kalten Krieg.

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Freitag, 9. Mai 2008, 24 Uhr

von Wolfgang Behrens

Oben, am höchsten Punkt von Ruby Town, auf dem Balkon Martha Rubins, findet die Tragödie statt. Oder vielmehr: wird die Tragödie aufgeführt. Denn kurz nach Mitternacht – ich bin seit etwa einer halben Stunde wieder in Ruby Town – zieht Signa Sørensen, die sich hier Martha Rubin nennt, alle Register. Sie spielt mehrere Dramen gleichzeitig, darunter "Kassandra" und "Christus am Ölberg". Sie sitzt, gestützt von einigen Jüngerinnen, auf einer Bank und sticht immer wieder drei Finger in die Luft: "Drei Tage! Drei Tage noch! Dann sind wir alle tot! Drei Tage!"

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Samstag, 10. Mai 2008, 18 Uhr

Das Ende der Geschichte erzählen Leser in den Kommentaren: Nämlich wie Ruby Town unterging, obwohl ein paar beherzte Berliner Zuschauer (die ja über reichliche Besatzungerfahrungen verfügen), versucht haben, Stadt und Bewohner zu retten ... (einfach nach unten zur Kommentarzone scrollen).

 

Montag, 12. Mai 2008, 17 Uhr

Man hätte sich wohl noch endlos Geschichten erzählen können von den Erlebnissen, inneren wie äußeren, in Ruby Town. Realität und Fiktion auseinander zu sortieren, fiel einem Teil der Zuschauer, die zum Gespräch mit SIGNA ins Haus der Berliner Festspiele gekommen waren, sichtlich schwerer als den Darstellern auf dem Podium. Aber eines war wie zuvor im Lokschuppen: Martha Rubin alias Signa Sørensen dominierte kraft ihrer lasziven Autorität die Szenerie. Esther Slevogt berichtet.


Theatertreffen 2008

Samstag, 3. Mai 2008, 13 Uhr

von Dirk Pilz

Es war vor allem heimelig, fast kuschelig in Ruby Town. Zumindest am frühen Samstagnachmittag traf ich hier auf ein friedliches und schrulliges Völkchen. Hector schimpfte ein bisschen über die Soldaten, Sonia verkaufte an ihrer Bar Schnaps und Martha Rubin hockte in ihrer Kapelle zwischen Heiligenbildchen und raunte in Rätseln von einer ungewissen Zukunft. Mit Leo habe ich einen Kassettenrecorder repariert, mit Josef heimlich Südstaaten-Tabak geraucht und von einer Kollegin ließ ich mich zum Besuch im muffigen Peep-Show-Kabuff überreden, in dem es auf engstem Raum tatsächlich eine Peep-Show gibt.


Theatertreffen 2008

Samstag, 3. Mai 2008, 11 Uhr

von Robert Schröpfer

Es ist der zweite Berliner Tag von Ruby Town, und der Abend vorher muss ziemlich lang gewesen sein. Denn nicht nur, dass draußen vor der Halle kaum ein Besucher Schlange steht, auch drinnen in diesem Reservat herrscht am Vormittag noch allgemeine Dösigkeit. Der Lebensmittelladen (Haferflocken, Sellerie) – ohne Bedienung. Die Bar Sonja – verwaist. Und während junge Frauen in die Peepshow locken wollen, pafft Martha Rubin, Urmutter fast des kompletten Dorfes, die gestern noch als scheintot galt, in ihrer Matratzengruft trotz Rauchverbots schon wieder Selbstgedrehte.


Theatertreffen 2008

Freitag, 2. Mai 2008, 18 Uhr

von Esther Slevogt

Es ist kühl und dämmrig, die Stimmung beklommen. Besonders angesichts der Soldaten, ihrem altertümlichem Bürogerät und autoritären Verhalten spült das emotionale Gedächtnis Zeiten wieder hoch, als in Berlin noch die Mauer stand und man sich durch Kontrollpunkte wie diesen fädeln musste, um von einer Stadthälfte in die andere zu gelangen. Bloß dass damals der vorherrschende Dialekt das Sächsische war, während die Herrschaften aktuell nur Englisch sprechen.


Theatertreffen 2008

Les enfants d'Olympe müssen draußen bleiben

von Wolfgang Behrens

Berlin, 2. Mai 2008. Am Ende konnte er sich's doch nicht verkneifen. Es gebe im Theater – wie auch in der Politik – eine Neigung zur "Verwechslung von Verpackung und Inhalt", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert am Schluss seiner kurzen Eröffnungsansprache zum 45. Berliner Theatertreffen, und wohlfeiler Applaus prasselte auf ihn nieder. Und, ja, die Schauspieler seien die Könige des Theaters – nochmal Applaus –, und schon hatte er sie wieder wachgerufen, diese immergleiche, gern auch mal präsidial angestoßene Debatte, ob nicht die Regisseure ein bisschen zu häufig ihre Kompetenzen überschritten.


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