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archiv » Berliner Festspiele (7)
Berliner Festspiele

Sprung vom Dach der Volksbühne

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 1./6. Juli 2017. Wie fängt man an nach zwei mal zwölf Stunden in einer Theaterwelt, aus der es schwierig ist, den Ausgang zu finden? Die sich gleich zu Beginn selbst so hermetisch findet, dass der Regisseur-Diktator Vegard Vinge seinen Figuren und dem Publikum ein Loch in die Wand des "Nationaltheaters Reinickendorf" schlagen muss, damit sie den Eingang zum Zuschauersaal finden? Damit Baumeister Solness und seine Frau Alvine nicht bis in alle Ewigkeit Rotkäppchen-Sekt-Flaschen köpfen und über dem erwartungsvollen Premierenpublikum versprühen müssen.


Berliner Festspiele

Ausweitung der Kunstzone

von Elena Philipp

Berlin, 30. Juni 2017. Ein Vortasten – mit dieser Grundbewegung nähern sich die Berliner Festspiele ihrem auf mehrere Jahre angelegten Programmschwerpunkt Immersion. Das zweite Jahr beginnt mit einem Hybridformat zwischen Bildender Kunst und Theater, annonciert unter dem Titel "Limits of Knowing". Bis Ende Juli wird die Schau im Martin Gropius Bau gezeigt, dem Museum der Berliner Festspiele, die ihre beiden Standorte mit dem Programm inhaltlich zusammenrücken. An die Grenzen des Wissens möchten sie sich dabei titelgemäß vorwagen – aber auch die Grenzen der Kunstsparten stehen zur Disposition: Handelt es sich noch um eine Aufführung, wenn jede*r Besucher*in ein rein individuelles Kunst-Erlebnis verzeichnet, die Zuschauer*innen nicht einmal mehr zeitgleich physisch präsent sind? Kann man von einer Ausstellung sprechen, wenn die erlebbaren Werke keine feste materielle Form mehr haben und ohne Zuschauer(inter)aktion inexistent oder zumindest unvollendet bleiben?


Berliner Festspiele

Glück verheißende Untersuchung

von Wolfgang Behrens

Berlin, 17. Oktober 2016. Keine 24 Stunden, bevor ich "Rhizomat" besuche, bekomme ich in meiner Funktion als Kritiker eine Mail mit der Anweisung: "Bitte verraten Sie Ihren Lesern nicht, was die Standarduntersuchung ist und wie man zum Rhizomat kommt." Uff! Das ist ja mal 'ne Ansage. Ich soll also etwas schreiben (denn das möchten die produzierenden Berliner Festspiele ja schon ganz gerne), aber über den Knackpunkt – da sag' mal besser nichts. In zugespitzter Form hätte die Botschaft auch lauten können: "Bitte teasern Sie uns an, aber reflektieren Sie uns nicht!"


Berliner Festspiele

Lost in Expectation

von Wolfgang Behrens

Berlin, 3. März 2014. Das war's nun also. Vorbei, vorbei. Am Ende erhebt sich der Saal nahezu geschlossen, um zu feiern, was man gemeinsam erlebt hat. Und was man zu erleben hatte, das war einem schon vorher und auch nachher wieder, bei der sich anschließenden Foyer-Festivität, zur Genüge eingetrichtert worden – vom Intendanten der Berliner Festspiele Thomas Oberender bis hin zum Regierenden Bürgermeister: einen historischen Moment. Wobei es ja eigentlich kein historischer Moment war, sondern nur die Beschwörung eines solchen. Ein bisschen wie Weihnachten also, nur dass der historische Moment in unserem Falle nicht über 2000 Jahre, sondern erst knapp 40 Jahre zurückliegt.


Berliner Festspiele

Mit Wolfsgeheul belebt

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 29. November 2012. Das erste Mal, dass das berühmte "Nach Moskau" ertönt, wird es gejubelt, von Irina, der jüngsten der Drei Schwestern. "Maskwuuu!" ruft sie mit ihrer hellen Stimme und wedelt dazu mit dem weißen Tischtuch, als könnte sie es schwuppdiwupp in einen fliegenden Teppich verwandeln. Es ist ihr Namenstag, und sie sprüht vor Unternehmungsgeist, den sie durch ständiges Tisch-Auf- und –Abräumen und zielloses Herumflattern im Salon der Familie Prosorow, den die Bühne darstellt, ventiliert.


Berliner Festspiele

Voll erwischt

von Simone Kaempf

Berlin, 5. Oktober 2007. Eigentlich haben der Biedermeier-Schriftsteller Adalbert Stifter und der Komponist und Regisseur Heiner Goebbels nicht viel miteinander zu tun. Vielleicht so viel wie ein Pferderitt entlang eines schneebedeckten Fichtenwaldes und eine Autofahrt durch eine nächtliche Großstadt. In beiden Fällen ziehen draussen Dinge vorbei. In beiden vergeht Zeit. Deswegen spricht auch nichts dagegen, von Stifters übergenauen Natur-Schilderungen eine Brücke zu schlagen zu heutigen Wahrnehmungs-Mechanismen.


Berliner Festspiele

Theater des Lichts

von Petra Kohse

Berlin, 13. Dezember 2006. Das Theater des Robert Lepage erkennt man am Licht. Ein dramatisches und zugleich filmisches Licht, ein Licht, das sich auf die Personen und Requisiten richtet wie eine Kamera und den Rest im Dunkeln lässt. 


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