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Kolumne: Straßentheater

14. Dezember 2021. Eigentlich haben diese beiden Vorgänge gar nichts miteinander zu tun. Das Ermittlungsverfahren, das in Berlin gegen einen Mann eingeleitet wurde, der zwar betrunken, aber doch in vollem Bewusstsein an eine Stele des Holocaust-Mahnmals gepinkelt haben soll. Und der für morgen angekündigte, kontroverse Beschluss des Nürnberger Stadtrats, mit der sanierungsbedürftigen Staatsoper vorübergehend in die monströse Kongresshalle auf dem ehemaligen "Reichsparteitagsgelände" umziehen zu wollen. Die Respektlosigkeit des Einzelnen gegenüber dem Mahnmal und der Umgang einer Stadtgesellschaft mit dem Denkmal – das sind sehr verschiedene Dinge.

NAC Kolumne Janis El Bira V3Aber beide Ereignisse zeigen auch, wie bigott in diesem Land der Umgang mit der Last der Geschichte noch immer ist. Zumal, wenn man das vor wenigen Wochen publik gewordene Video jener Berliner Polizisten hinzunimmt, die an den Stelen gutgelaunt Liegestütze machten. Wenn ausgerechnet diejenigen, die als Vertreter des Staates derlei Verhalten eigentlich sanktionieren sollten, selbst gegen die Würde des Ortes verstoßen, hängt etwas schief in unserem Verhältnis zu den Orten der Erinnerung. Mit Unkenntnis lässt sich da schlecht argumentieren, mit Dummheit vielleicht. Wahrscheinlich aber geht es um ein viel grundsätzlicheres Missverhältnis: Das Mahnmal wird den Ermordeten zugeordnet, "für" die man schließlich meint, es errichtet zu haben. Ein Ort der Anderen. Das umstrittene Denkmal aber – und als solches ist die Nürnberger Kongresshalle schließlich seit 1973 "geschützt" – reklamieren die Kinder der Täter, die sich den wohlfeilen Grusel vor dem Abgrund der eigenen Geschichte nicht kampflos nehmen lassen wollen.

Sekt trinken, wo Hitler grüßte

Denn während also in Berlin das Mahnmal bepinkelt und beliegestützt wird, kocht in Nürnberg ein Streit über die Neunutzung eben dieses historisch äußerst belasteten Gebäudes. Die nie fertiggestellte Kongresshalle ist ein tankerförmiges Monument der Nazi-Architektur, einst gedacht für Massenveranstaltungen mit 50.000 Menschen. Jede Menge Platz gibt es darin. Zumal man mit einer klugen Nutzung des nicht überdachten Innenhofs, der eigentlichen Halle, tausende Quadratmeter hinzugewinnen würde. Und Platz ist genau das, was Nürnbergs Kunst- und Theaterszene fehlt. Sie würde neben der Staatsoper wohl am ehesten in der Kongresshalle Unterkunft finden. Aber kann man das machen? Eine Nazi-Gigantomanie reaktivieren, vielleicht sogar indirekt teilvollenden, damit anschließend "Sekt trinkende Damen und Herren bei einer Opernmatinee" unter den hohen Decken dieses steingewordenen Hitlergrußes flanieren, wie der Nürnberger Historiker Alexander Schmidt seine Bedenken jüngst in der FAZ zitieren ließ? Kann man Künstler:innen zumuten, an einem Ort kreativ zu arbeiten, der sinnbildlich für die Ästhetik totalitärer Herrschaft steht?

Abreißen oder abnutzen

Während die letzte Frage nur individuell beantwortet werden kann, zeugen die Bedenken des Historikers von einer Käseglocken-Mentalität, die den beabsichtigten Überwältigungseffekt dieser Architektur nahtlos fortspinnt: Was hier errichtet wurde, scheint so groß und schrecklich, so gefährlich faszinierend, dass man eigentlich einen Bannkreis darum ziehen müsste. Als läge ein böser Zauber über diesen Orten, der sofort wieder entfesselt würde, erweckte man sie aus ihrem schützenden Schlaf. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Je mehr mit einem Gebäude wie der Nürnberger Halle im wahrsten Sinne veranstaltet wird, je mehr man sie "bepinkelt und beliegestützt", umso kleiner und weniger schrecklich wird es werden. Scheu ist da keine gute Ratgeberin. Denn NS-Großstätten wie die Kongresshalle sind gar keine Denkmäler. Oder wessen würde man anhand ihrer schon gedenken wollen? Sie sind Übriggebliebenes, zufällig nicht Zerbombtes oder Gesprengtes. Anders als das Berliner Mahnmal sind das würdelose Orte. Für sie gilt: Entweder abreißen oder abnutzen, dazwischen gibt es nicht viel.

 

Janis El-Bira ist Redakteur bei nachtkritik.de. In seiner Kolumne Straßentheater  schreibt er über Inszeniertes jenseits der Darstellenden Künste: Räume, Architektur, Öffentlichkeit, Personen – und gelegentlich auch über die Irritationen, die sie auslösen.

In seiner letzten Kolumne ging Janis El-Bira dem Fall des zu einer Haftstrafe verurteilten Youtubers Drachenlord nach

 


Kolumne: Straßentheater

Endlicher Spaß

von Janis El-Bira

2. November 2021. Einige Wochen wird mein YouTube-Algorithmus wohl brauchen, um sich zu erholen. Seit der kontroversen Verurteilung des Mannes, der sich auf der Videoplattform der "Drachenlord" nennt, und die bei mir eine anfallsartige Beschäftigung mit dem merkwürdigen Fall ausgelöst hat, nisten sich hier jedenfalls lauter seltsame Charaktere auf der Kachelwand ein. Fast ausschließlich sind es Videos junger Männer, dem Anschein nach oft eben erst der Pubertät entwachsen. Und mit ihnen kommen die Themen: Games und Autos, Technikkram und vor allem jede Menge Satire, Videos über Videos und Re-Uploads von offenbar in der Zielgruppe längst Bekanntem.

Zu viel Engergy-Brause im Blut

Fixstern dieses Paralleluniversums ist eben jener YouTuber Drachenlord, den ein Fall von Körperverletzung nun für zwei Jahre bewährungslos hinter Gitter bringen soll. Eigentlich heißt er natürlich anders, und dass hinlänglich bekannt ist, wie er tatsächlich heißt, ist ein Teil des Problems. Denn die Geschichte des Drachenlords ist vielleicht der verstörendste, sicherlich aber komplexeste Fall von Cybermobbing im deutschsprachigen Internet.

NAC Kolumne Janis El Bira V3Für die glücklich Ahnungslosen: Beim Drachenlord handelt es sich um einen Video-Blogger und erkennbaren Metal-Fan aus dem fränkischen Raum, dessen pfundiges Erscheinungsbild, stark dialektgefärbte Sprache und mitunter hirnverbrannte Aussagen (er bezeichnete den Holocaust einst als eine "nice Sache", wofür er sich später entschuldigte) im Netz eine riesige Subkultur gestiftet haben, die sich in Follower und Hater spaltet. Und seitdem der Drachenlord einmal seine Anschrift preisgab, auf dass eben jene Hater vorbeikommen und er "die Scheiße aus ihnen herausprügeln" möge, nehmen diese die Einladung in bizarrer Regelmäßigkeit an und stehen in seinem 40-Seelen-Kaff leibhaftig am Gartenzaun. Eine picklige, randalierende Troll-Armee mit viel zu viel Energy-Brause im Blut.

Die Schlechtigkeit des digital vernetzten Menschen

Die Details des seit Jahren andauernden Falls, in dem es mehrfach zu Straftaten und Gerichtsprozessen kam, erspare ich Ihnen. Nachlesen konnte man sie kürzlich in einem schäumenden Text des Journalisten Sascha Lobo beim SPIEGEL. Lobo nahm die Verurteilung des Drachenlords zum Anlass für eine Generalabrechnung mit der Schlechtigkeit des digital vernetzten Menschen und eines machtlosen Justizsystems, nach deren Lektüre man eigentlich gerne duschen oder wenigstens den Laptop zuschleudern wollte. Bei ihm ist der Drachenlord ein Märtyrer, ein fränkischer Laurentius, der von sadistischen Hatern geröstet wird. Bis hin zu jenem tatsächlich ekelhaften "Prank", für den sie ihm über Wochen eine vermeintliche Freundin vor die Webcam gesetzt hatten, und die ihn schließlich bei einem per Livestream übertragenen Heiratsantrag grausam demütigen sollte.

Drachengame und Merchandise

Wer sich die Qualen (und es sind beträchtliche!) zumutet, die Videos des Drachenlords und seiner Hater zu sichten, kann darin aber auch einen Menschen erkennen, der die Selbstinszenierung als "last man standing" weidlich ausschlachtet. Wie in einem Western von Sam Peckinpah hockt der Drachenlord verschanzt in seinem Haus und präsentiert die Tools und Gadgets, mit denen er nächtliche "Besuche" seiner Hater dokumentiert und abwehrt. Er lebt mit ihnen in einem verfluchten, aber aufmerksamkeitsbewährten und damit klickzahlförderlichen Abhängigkeitsverhältnis. Indem er auf alles eingeht, was ihm vor die Haustür gekübelt wird, bestärkt er noch die Durchgeknalltesten unter seinen Gegnern in der Überzeugung, dass alles "nur ein Spiel" sei. "Drachengame" nennen diese entsprechend auch das Gesamtpaket, das mittlerweile neben den Videos und Pilgerfahrten sogar Merchandise mit dem Konterfei des "Drachen" umfasst.

Anders als auf Schulhöfen früher

Die Markierung als Spiel gibt den einen Absicherung in ihren Quälereien, dem anderen nimmt sie sie. Denn mehrfach schon, auch im jüngsten Urteil, scheinen sich Gerichte an der dünnen Trennscheibe zwischen Spiel und Ernst die Nase blutig zu drücken. Die um sich greifende "Gamification" der Wirklichkeit jedenfalls unterscheidet nicht zwischen Mobbern und Gemobbten, solange beide den Raum eines Spiels nicht verlassen, dessen Regeln dehnbar erscheinen.

Vielleicht nicht zufällig verbringen alle am "Drachengame" Beteiligten ihre Zeit fast ausschließlich auf maximal gamifizierten Oberflächen, die durch unmittelbare Belohnung in Form von Likes und Abos die Dopaminwerte nach oben schnellen lassen. Von "schnellbereiteter Zustimmung" und "maßlosem Übertreiben in Lob und Tadel" schrieb einst der in Ehren verblichene Kulturtheoretiker und Antifaschist Johan Huizinga in seinem Klassiker "Homo ludens" über die Infantilisierung der Gegenwart. Das war 1938. Man mag das heute eigentlich so nicht wiederholen, kein Klagelied auf die Gaming-Kultur singen und sowieso nicht kulturpessimistisch werden. Aber früher, meine ich, war das Spiel auf dem Schulhof im Normalfall wenigstens vorbei, wenn einer weinte. Heute beendet es der Knast.

 

Janis El-Bira ist Redakteur bei nachtkritik.de. In seiner Kolumne Straßentheater schreibt er über Inszeniertes jenseits der Darstellenden Künste: Räume, Architektur, Öffentlichkeit, Personen – und gelegentlich auch über die Irritationen, die sie auslösen.

 

In seiner letzten Kolumne analysierte Janis El-Bira den explosionshaften Anstieg von Ödipus-Inszenierungen auf den Bühnen unserer Tage.

 


Kolumne: Straßentheater

Triell auf Kolonos

von Janis El-Bira

21. September 2021. Wie sich die Theater unsere Gegenwart zurechtlegen, verraten am schönsten die Spielplankollisionen der kurioseren Art. Vor ein paar Wochen sorgte eine solche selbst in Berlin für Aufsehen, wo es ja notorisch eh alles doppelt und dreifach gibt: An drei aufeinanderfolgenden Abenden waren da, quer durch Schauspiel und Musiktheater, drei Premieren zu sehen, die sich allesamt dem Ödipus-Mythos widmeten. Doch damit nicht genug, das Berliner Trio komplettierte sich an diesem Sonntag mit Maja Zades Stoffadaption an der Schaubühne zu einem ödipalen Quartett, Mitte Oktober wird Johan Simons in Bochum mit "Ödipus, Herrscher" nachziehen. Bestimmt sind in den kommenden Wochen irgendwo noch ein, zwei weitere thebanische Königssöhne auf der Suche nach den großen Zusammenhängen ihrer Existenz.


Kolumne: Straßentheater

TikTok kauft sich ein

von Janis El-Bira

29. Juni 2021. Unter den Meldungen der vergangenen Wochen flog eine ganz zu unrecht tief unterm Radar hindurch: TikTok macht jetzt Theater. Nicht etwa auf die Weise, wie es angeblich schon immer irgendwie Theater gemacht hat, weil ja auch auf TikTok Menschen unter gewissen formalen Regeln vor sich hin performen. Nein, TikTok steigt jetzt richtig ein in die Sache und spendiert dem Nationaltheater Mannheim 100.000 Euro für dessen neues "Institut für Digitaldramatik". Aus dem Topf, so heißt es, sollen Autor:innen mit Förderstipendien unterstützt werden, die das Schreiben im digitalen Raum erforschen wollen.


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Die einen wüten, die anderen schaudern

von Janis El-Bira

27. April 2021. Nein, an der verschallerten Videoaktion #allesdichtmachen der 52 Film- und Theaterschauspieler:innen von vergangener Woche gibt es nicht viel zu verteidigen. Dass sie als Satire hemdsärmelig daherkam und als sarkastischer Kommentar nicht funktionierte, weil bloß zynisch ist, wer in Fragen von Leben und Tod das Spotten nicht lässt – darüber waren sich die Top-Athlet:innen unter den Kommentierenden aller Sparten, Profile und Kanäle schon Stunden nach Veröffentlichung der Filmchen weitgehend einig. Man selbst musste sich nicht einmal bis zum infamierten, mittlerweile zurückgezogenen Video des in Plastiktüten atmenden Richy Müller durchgeklickt haben, um ihnen recht zu geben: Mit dieser Aktion hat keine:r der an ihr Beteiligten sich auch nur den geringsten Gefallen getan. Sie ist ein Auffahrunfall mit Vorsatz.


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Raus aus dem Selbstbetrug!

von Janis El-Bira

16. März 2021. Dies sei der Raum, "wo Theaterträume vorgeträumt und geplant" werden. So soll einst Claus Peymann sein Büro im Berliner Ensemble beschrieben haben, dessen Intendant er bis 2017 war. Jenen Raum mit dem berühmten Modell der BE-Bühne also, mithilfe dessen der Chef im Kleinen vorträumen konnte, was später im Großen zu sehen sein sollte. Ein Zimmer als Herzkammer des Theaterkörpers, pulsierend und Kreativblut pumpend bis in die letzten Zellen, die kleinsten Verschläge, wo vielleicht die Praktikant:innen und Assistent:innen wohnen. So die Vorstellung, so der Traum.


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Quatsch mit Sauce

von Janis El-Bira

2. Februar 2021. Der Eintopf, den die Algorithmen von Twitter und Co. in den vergangenen Tagen aufkochten, hinterließ seltsame Kleckse auf so mancher Timeline: Überall ging es plötzlich um Würzsaucen und ein Talkformat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, um M*****-Apotheken und N****-Könige, blonde Frauen mit großen Brüsten und alte weiße Männer, um Jimi Hendrix, Thomas Gottschalk, Sinti und Roma und die türkischen, arabischen und sonstigen Freund:innen eines Schlagersängers. Doch selbst wer den Anlass der zahllosen Tweets und Posts ausnahmsweise nicht mitbekommen hatte, verstand trotzdem das Entscheidende: Es ging offenbar um Rassismus. Genauer um jene komplizierte Art von Rassismus, bei dem Menschen sich regelmäßig um Kopf und Kragen reden. Sie also standhaft beteuern, keinesfalls Rassist:innen zu sein, nur um sich im Gegenzug nicht von einem rassistischen Sprachgebrauch (Z*******-Sauce, M*****-Kopf, …) trennen zu müssen. Kurzum: Es geht um den Rassismus in uns allen.


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Ein beinahe wärmendes Erlebnis

von Janis El-Bira

15. Dezember 2020. In den vielen theaterlosen Monaten dieses elenden Jahres habe ich das Theater selten mehr vermisst als dort, wo es ganz nah schien. Wo alles wirkte, als ginge es jetzt gleich los oder würde doch wenigstens aufhören. Man also hoffen konnte, bald mit einem Fußtritt aus der unseligen Vorstellung entlassen zu werden, in die man sich hier verirrt hatte. Etwa so wie damals in Köln, als ich nach einem vielstündigen Signa-Exzess, schlecht riechend und mit allerlei Flüssigkeiten an der Kleidung, wieder auf der Straße stand, während die Performance-Zombies zum Abschied von innen an der gläsernen Einlasstür kratzten. Sie würden vielleicht auf alle Zeit dort drinnen und in meinem Gedächtnis bleiben, aber ich war wieder frei – so viel war sicher.


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Nonstop-Performance

von Janis El-Bira

3. November 2020. Darf man den Vorhersagen trauen (darf man?), dann müsste heute eigentlich ein weiterer in der zuletzt langen Reihe schlechter Tage für die Theater anbrechen. Denn mit dem absehbaren Ende der Präsidentschaft Donald Trumps verlieren Regisseur*innen und Dramaturg*innen jetzt auch noch ihren ziemlich besten Feind. Auf den Bühnen war Trump Witz- und Hassfigur, Symbol und Symptom und nicht zuletzt auch Distinktionsmarker für ein dem amerikanischen Ungeist sowieso verständnislos gegenüberstehendes Kulturbürgertum. Obendrein bescherte er den Theatern auch noch ungleich weniger Arbeit als den sich rührend abstrampelnden politischen Kommentator*innen: Orangenes Haar, roter Schlips – fertig war das Trump-Gesicht. Kurzum, ein Geschenk für Macher*innen und Publikum, das so billig lange nicht mehr zu haben sein wird.


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Geschichte als Beute

von Janis El-Bira

22. September 2020. Man soll ja nicht gleich mit Shakespeare kommen, aber dieser Satz ist natürlich zu schön: Dass die ganze Welt eine Bühne sei und alle Menschen bloße Spieler. Also fängt man doch mit Shakespeare an. Lieber jedenfalls als mit einem Wortungetüm wie "Inszenierungsgesellschaft", obwohl diese Kolumne der Theoriebildung rund um Theatralität und Performativität immer mal wieder die Stichworte verdanken wird. Aber eigentlich will ich mich bloß umschauen, tatsächlich oder virtuell, und mich mit Ihnen, liebe Leser*innen, einigen Orten und Situationen aussetzen, die starke Behauptungen vor sich hertragen. Denn aus Behauptungen ist das Theater schließlich gezimmert. Aus der Behauptung zum Beispiel, ein*e Andere*r zu sein oder ganz man selbst, weit weg oder im Hier und Jetzt, alles neu zu machen oder einer Tradition dienen zu wollen. Die Lagerkämpfe, die entlang dieser Behauptungen regelmäßig aufwallen (etwa rund um den Begriff der Authentizität), interessieren mich weniger.


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