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archiv » Theatertreffen 2021 (4)
Theatertreffen 2021

Grenzen sprengende Freundschaft

von Stephanie Drees



Berlin, 24. Mai 2021. Ein Boden voller weißer, schimmernder Laken, umrundet von Flokati-Teppich. Eine angedeutete Bettenlandschaft, vielleicht auch ein utopisches Wolkenkuckucksheim, in jedem Fall ein intimes Zwischenreich, eingetaucht mal in zartes, violettes Licht, mal in tiefes Meerwasserblau. Und daneben ein Sofa, das auf einem Podest steht. Auf ihm wird ein Mann zum Puma. Er kniet, drückt den Rücken durch, räkelt sich, steigt vom Podest, schleicht auf allen Vieren über den Boden, umkreist mit Körper und Blicken eine Frau, die auf dem Laken liegt. Bewegt sich langsam heran, fixiert sie, beißt ihr spielerisch in den Arm. Lucy Wilke wartet da, lässig, die goldenen Steine auf ihren Beinschienen funkeln. Zwei in schimmernden Shorts und weißen Unterhemden, glamouröse Turner*innen, die nach dem Training so auch im Berghain tanzen könnten, umkreisen sich da spielerisch mit Blicken.


Theatertreffen 2021

Gemeinschaft ist möglich

von Simone Kaempf

Berlin, 24. Mai 2021. And the winner is? Den Werkauftrag des Stückemarkts hat am Ende dann doch nicht die große One-Woman-Show gewonnen, auch wenn es in der Luft lag. Mit "Midnight Movie" und "Nanjing" waren zwei besondere Ein-Personen-Stücke eingeladen. Und damit Monologe, deren Vorteil in den vergangenen Monaten auf der Hand lag: als risikoarme Konzentration auf den Einzelnen, der mit sich selbst im Mittelpunkt die Welt aufschließen kann.


Theatertreffen 2021

Who's That Girl?

von Jorinde Minna Markert

Berlin, 23. Mai 2021. Herta Heuwer gilt also als die Urheberin des inoffiziellen Wahrzeichen Berlins, der Currywurst – das ist eine der historischen Anekdoten dieser Lecture-Performance, die irgendwie besser hängen bleibt als andere. Anne Tismer, Solo-Darstellerin des Abends "NAME HER. Eine Suche nach den Frauen+", setzt die Erfindung der Currywurst mit vollem Körpereinsatz wie folgt in Szene: 1949, Feierabend im Kiosk Kant-/Ecke Kaiser-Fiedrich-Straße, Herta Heuwer, ganz Multitaskerin hält in einer Hand den Wischmop, in der anderen die überzählige letzte Wurst, rutscht auf dem gemopten Boden aus, die Wurst fällt, die Wurstverkäuferin rummst ans Gewürzregal, ein Gewürz fällt, Gewürz regnet auf die Wurst – der Rest ist Geschichte und Wirtschaftswunder. Die Stelle ist exemplarisch für die Streuung spielerischer Momente in den Abend, der oft auch ein klassischer Frontal-Vortrag mit multimedialer Begleitung ist.


Theatertreffen 2021

Licht in der Finsternis

von Thomas Rothschild

18. Mai 2021. Im österreichischen "Standard" dichtete Doron Rabinovici dieser Tage: "Ohne Burgtheater wäre es finster um uns." Meint er, seit er zu dessen Autoren gehört? Jedenfalls lässt sich die Behauptung bei genauerer Betrachtung so pauschal nicht aufrecht erhalten. Wessen Gedächtnis zurückreicht in eine Zeit vor Claus Peymann und Achim Benning, der wird sich noch gut an Zustände erinnern, in denen das Burgtheater wenig beigetragen hat zur Erhellung seiner Umgebung. Das hohle Pathos verstaubter Klassikerinszenierungen, nur gelegentlich aufgelockert durch einen streng nach Vorschrift zelebrierten Nestroy, sorgte für Ödnis und künstlerischen Stillstand.


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