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archiv » Der Theaterdiscounter Berlin (6)
Der Theaterdiscounter Berlin

4. Dezember 2021. Die Technik steht auf tönernen Füßen. Zwar können die Besucher im Chat von "Blackout" der Gruppe internil in der Einweisung per Kommando ihre Mitteilungen als Sprachnachrichten in den Raum des Theaterdiscounter, zum Livepublikum in Berlin, übertragen, außerdem eine kurze Passage von AC/DCs "Thunderstruck" abspielen, und, als Highlight, eine Drohne fernsteuern. Aber das alles funktioniert dann irgendwann nicht mehr. Außerdem muss einmal eine Präsentation neu gestartet werden. Nun ja. Die Tücke des digitalen Objekts, einerseits.


Der Theaterdiscounter Berlin

Genug vom Jetzt

von Stephanie Drees

Berlin 22. Oktober 2021. Spezialisierungen. Es liegt nahe, dass es in der Zukunft (wie viel es davon geben wird, sei erstmal dahingestellt) auch viel um sie gehen wird: Welches Spezialwissen wirst du einbringen in ein Zeitalter, das – eine mögliche Variante – den Superreichen gehören wird? Solchen wie Jeff Bezos und Elon Musk zum Beispiel, deren Lebensalltag sich außerhalb dieses Planeten abspielen könnte. In Raumstationen, beispielsweise, in denen partiell auch die Kunst ihren Platz hätte, gar vielleicht ihre berühmten Frei- und Spielräume einzubringen wüsste. Temporär. Frei nach dem Motto: "Jetzt ist Kunst, nachher ist wieder Scheiße" – die Dietmar-Dath-Version des guten alten "Brot und Spiele".


Der Theaterdiscounter Berlin

Postfaktische Textparade

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 7. Dezember 2017. Kein Verschwörungstheoretiker hätte sich das besser ausdenken können. Dass US-Präsident Donald Trump ausgerechnet am Premierentag von "Gog/Magog 3: Israel" Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt, also einen Brandbeschleuniger ins Feuer des Nahostkonflikts schmeißt – denn genau darum geht es der Performance-Gruppe Internil im Berliner Theaterdiscounter im dritten Teil ihrer vierteiligen Serie "Gog/Magog".


Der Theaterdiscounter Berlin

Therapie für Großstadtneurotiker

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 26. November 2015. Und dann ist wirklich wieder alles wie vorher. Das Licht ist an, die Tür ist offen, Hildegard Knef schmalzt vor sich hin wie schon beim Einlass, und die Leute kramen mit ihren Jacken rum und gucken auf ihre Telefone.


Der Theaterdiscounter Berlin

Das bisschen Theorie schaff ich leicht

von Eva Biringer

Berlin, 24. Januar 2013. Der Schmerz trägt ein rotes Käppchen und ein aufblasbares Maschinengewehr. Herrlich konkret steht er in der Mitte des Raums und muss sich einiges gefallen lassen. Neben ihm steht die Kapitalismuskritik im roten Abendkleid. Zwei Komplexe in Anführungszeichen. Und das da am Bühnenrand, ist das ein Stuhl oder schon postdramatisches Requisit? Und der ganze Rest: Ist das Theater oder kann das weg?


Der Theaterdiscounter Berlin

Der Lauf der Dinge und ein Crashtest-Dummy

von Christian Rakow

Berlin, 4. Juli 2009. Atemlos und schwitzend, in ärmellosem Shirt tritt der Performer Florian Feisel nach der Hälfte des Abends vor und gibt mit einem selbst gebastelten Abreißkalender Bericht von seinem Schauspieleralltag. "Am 30. Juni hatten wir Probe, und am 1. Juli auch" und so fort. "Heute ist Premiere – aber ich muss genauer werden." Und er beginnt die letzten 24 Stunden abzureißen, dann die vergangenen 10 Minuten, dann endlich die Sekunden. Wir rasen in die Gegenwart, und er triumphiert: "Jetzt bin ich in der Echtzeit!"


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