Sprung ins Schweigen

20. September 2016. Das Ensemble des Staatsballets Berlin hat seine Teilnahme an einem für den heutigen Dienstag angesetzten Gespräch mit dem designierten Intendantenduo Sasha Waltz und Johannes Öhman abgesagt. Das berichten diverse Medien, darunter Spiegel-Online. Das Ensemble habe das Treffen abgesagt, weil die Berliner Kulturverwaltung verlangt hätte, seine Fragen für das Treffen 24 Stunden vorher vorgelegt zu bekommen. Auch wollen die Tänzer*innen sich Informationen des Berliner Tagespiegels zufolge erst dann mit der neuen Leitung auseinandersetzen, wenn es ein konkretes Konzept gebe und die neue Berliner Regierung ernannt sei. "Bis dahin erscheint uns ein Treffen nutzlos", zitiert die Zeitung aus einer Mitteilung des Ensembles.

Dem geplanten Treffen waren Proteste des Staatsballetts gegen die unmittelbar vor dem Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus erfolgte Ernennung von Waltz und Öhman vorausgegangen. Die Entscheidung sei "mit der Ernennung eines Tennis-Trainers zu einem Fußball-Trainer oder eines Kunstmuseumsdirektors zu einem Chefdirigenten" zu vergleichen, hatte das Ensemble argumentiert. Tanz und Ballett seien vollkommen verschiedene Disziplinen. Eine Online-Petion gegen Waltzs Ernennung hat inzwischen 6.232 Unterstützer*innen gefunden (Stand: 20.9.2016, 15:46 Uhr).

Eine Zukunftsvision für den Berliner Senat

In einem von der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten verbreiteten Schreiben äußern Waltz und Öhman ihr Unverständnis über die Absage. Sie hätten bei dem Treffen ihre "Zukunftsvisionen" darlegen wollen.

"Der Berliner Senat ist der Überzeugung, dass das Staatsballett Berlin ein zukunftsweisenderes Repertoire spielen soll. Wir wurden deswegen von der zuständigen Senatsverwaltung aufgefordert, eine Zukunftsvision für das Staatsballett zu entwickeln", heißt es in dem Schreiben. "Um diesem Auftrag nachzukommen, haben wir vorgeschlagen, dass das Staatsballett Berlin einen Sprung in die Zukunft wagen muss – um eines der führenden Repertoire-Ensembles in Europa zu werden. Als neue Intendanz des Staatsballetts Berlin ab 2019 werden wir das klassische Erbe pflegen und gleichzeitig Neukreationen der besten heutigen Choreographen erarbeiten, sowohl klassische als auch zeitgenössische."

50 Prozent der Produktionen würden in der Form von klassischen Balletten (wie "Schneewittchen", "Schwanensee", "Giselle", "Nussknacker" u.a.) programmiert. "Außerdem wird das Staatsballett neoklassische und zeitgenössische Werke international führender Choreographen zeigen." Darüber hinaus werde Sasha Waltz neue Stücke für das Staatsballett Berlin erarbeiten. Die Compagnie "Sasha Waltz & Guests" bleibe als eigenständige Struktur bestehen.

(Spiegel-Online / Der Tagesspiegel / Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten / sle)

 

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