altAkzentverschiebungen, aber keine Revolution

Berlin, 31. Mai 2011. Annemie Vanackere wird neue Leiterin des Berliner HAU. Wie Kulturstaatssekretär André Schmitz in diesen Minuten auf einer Pressekonferenz mitteilt, wechselt die gebürtige Belgierin (Jahrgang 1966) von der Rotterdamse Schouwburg, wo sie derzeit künstlerische Leiterin ist und dem International Theatre Festival Rotterdam vorsteht, zum September 2012 nach Berlin. Ihr Vertrag in Berlin hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

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Annemie Vanackere. © Rhiz.eu

Die internationale Vernetzung sei bei der Wahl der Leiterin sehr wichtig gewesen, so Schmitz. Vanackere habe in Rotterdam bereits mit etablierten Künstlern des HAU wie Meg Stuart, Rimini Protokoll und Hans-Werner Kroesinger zusammengearbeitet. Sie verspricht für das Berliner HAU "Akzentverschiebungen". Aber "ich mache keine Revolution", so Vanackere. Mehr Geld werde es für das HAU nicht geben, erklärte Schmitz. Wie unter Vorgänger Matthias Lilienthal müssten weiterhin Drittmittel eingeworben werden. Mit der Drittmittelakquise ist Vanackere aus Rotterdam vertraut.

Vanackere tritt ein großes Erbe an. Matthias Lilienthal hat als Leiter und Geschäftsführer 2003 das HAU als "Theaterkombinat" neugegründet und zu einer der wichtigsten Spielstätten für Freies Theater in Europa entwickelt. Zum HAU gehören das ehemalige Hebbel-Theater (HAU1), das alte Theater am Halleschen Ufer (HAU2) sowie das ehemalige Theater am Ufer (HAU3). Im August 2010 gab Lilienthal bekannt, dass er seinen Vertrag über das Jahr 2012 hinaus nicht verlängern werde.

Seither brodelte die Gerüchteküche. Als Kandidaten für eine Doppelspitze galten, einem Bericht der Berliner Zeitung aus dem Februar zufolge, die Leiterin des Ballhauses Naunynstraße Shermin Langhoff in Verbindung mit dem Dramaturgen Jens Hillje. Langhoff dementierte allerdings umgehend, dass sie sich um die Stelle beworben hätte. Wie Anfang Mai 2011 gemeldet, wechselt Langhoff als stellvertretende Intendantin und Chefkuratorin in die Leitung der Wiener Festwochen.

Für Vanackere fällt in Berlin viel Arbeit an. Bereits Mitte Mai hatte der Landesverband der Freien Theaterschaffenden Berlins (LAFT) in einem offenen Brief mit der Forderung "Besetzt die Leitung des HAU neu!" auf den nahenden Einsendeschluss für Projektanträge verwiesen. Ohne eine handlungsfähige Leitung am HAU fehlte den Künstlern der Freien Szene bisher der Produktionspartner und Garant von Spielstättenvereinbarungen für die Spielzeit 2012/2013.

(chr)

 

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