Gegen rechtsextreme Theaterleitung

24. Oktober 2011. Wie mehrere deutsche Medien melden, weitet sich in Ungarn der Widerstand gegen die Kulturpolitik der Regierung aus. Rund 2000 Menschen haben Spiegel Online zufolge am Samstag in Budapest vor dem Neuen Theater demonstriert.

Sie verlangten von Budapests Oberbürgermeister Istvan Tarlos (Mitglied der rechtskonservativen ungarischen Regierungspartei Fidesz), die Ernennungen von György Dörner zum Direktor und Istvan Csurka zum Intendanten des Neuen Theaters zurückzunehmen. Csurka ist ursprünglich Theaterschriftsteller und mittlerweile Chef der rechtsextremen Partei MIEP, Dörner ist Schauspieler und mehrfach bei Kundgebungen der rechtsradikalen Partei Jobbik aufgetreten. Sie sollen das Theater im Februar 2012 übernehmen (nachtkritik.de berichtete).

Zahlreiche ungarische und internationale Künstler haben bereits ihren Protest gegen die designierte neue Theaterleitung kundgetan, die Oberbürgermeister Tarlos gegen den ausdrücklichen Rat einer Fachkommission ausgewählt hat. Erst am Wochenende sagte der deutsche Dirigent Christoph von Dohnányi einen Gastauftritt an der Budapester Oper ab – mit der Begründung, dass er nicht in einer Stadt auftreten wolle, "deren Oberbürgermeister die Führung eines Theaters zwei bekannten rechtsradikalen Antisemiten anvertraut hat."

(Spiegel online / sd)

Mehr zu den Ereignissen in Ungarn findet sich auf dem Blog Pusztaranger. Außerdem besteht hier die Möglichkeit, eine Protestpetition zu unterschreiben.

Auf dem Onlineportal der Welt (26.10.2011) wendet sich Paul Jandl gegen die Pläne für das Budapester "Heimatfront-Theater": "Wenn Ungarn im Gulaschsaft seiner Heimattümelei schmoren soll, dann haben István Csurka und György Dörner das passende Rezept."

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