Auf Leinwandgröße

von Andreas Wilink

Recklinghausen, 3. Mai 2013. Vor Zeiten, länger oder kürzer sind sie her, musste man nicht weit fahren, um von Recklinghausen aus das unbekannte Wesen Hedda Gabler kennenzulernen – zweimal nach Bochum zum Beispiel oder auch einmal nach Dortmund, und einmal hätte man direkt im Festspielhaus bleiben können. Für eine überflüssige, für eine unfertige Frau, für einen untätigen Menschen hat diese dramatische Person ziemliche Präsenz.

Traditionen: Peter Zadeks britisch delikate Hedda

Unser frühestes Exemplar in Ibsens Bestiarium stammt von 1977, als Bochums damaliger Intendant Peter Zadek in einer klaren, knappen Inszenierung das Drama wie ein britisches Konversationsstück spielen ließ. Sie habe, erzählte Rosel Zech, während der Proben viel Patricia Highsmith gelesen. Ihre Hedda Gabler hielt die Schwebe zwischen Hochmut, Machtgier, Unsicherheit und Schwäche, hatte hysterische und verkrampfte Züge, benahm sich schlecht und war doch am Ende das Opfer. Höchst delikat, wie da eine wohlerzogene Person ihre bösen Spiele trieb. Der Ekel, den Polanski in seinem Film "Der Mieter" vermittle, den müsse Hedda auch noch haben, habe Zadek verlangt.

Alles und noch viel mehr. Das ist das Problem. Das ist die Chance. In dieser Figur ist alles drin, aber sehr viel weniger erklärbar.

Diven in der Enge des Wohnzimmers: von Dörte Lyssewski bis Constanze Becker

Ein Vierteljahrhundert später in Bochum, inszeniert von Ernst Stötzner: Dörte Lyssewski und die vielen Gesichter der Hedda Gabler: fröstelndes Sterntaler-Mädchen, Diva im Pelz, Kluge mit Brille, Unschuld vom Lande, Manipulatorin und Vandalin, die im Gartengrill das Manuskript Lövborgs anzündet und als Vestalin unerreichter Liebe dann den Ofen wie einen Kinderwagen schaukelt, um darin das imaginäre Kind der Verbindung zwischen Lövborg und Tea Elvsted in den Tod zu fahren.

Was die Pistolen-tüchtige Generalstochter, die sich "müde getanzt", daraufhin ihr Ja-Wort an den falschen, selbstgenügsamen Mann gegeben und bald gemerkt hat, dass sie in der Behaglichkeits-Falle sitzt, was diese Hedda, verheiratete Tesman, alles sein kann oder muss! Bei Birgit Unterweger am Theater Dortmund (2006, Regie: Philipp Preuss) war sie cool wie Modesty Blaise und fast eine Wiedergängerin der Bardot aus Godards "Die Verachtung". Sie blieb am Leben, einem Leben ohne Überbau. Und der Himmel war leer.

Constanze Becker (Regie: Alice Buddeberg fürs Schauspiel Frankfurt, aber bei den Ruhrfestspielen zur Premiere gebracht) lümmelte vor vier Jahren missgelaunt in einer vereisten Wohnzimmer-Landschaft, um sich schließlich in Dessous eine letzte Zigarette statt den finalen Schluss zu geben. Frau Heddas Gespür für Schnee und Frau Constanzes Gespür fürs Tragische schmolzen gespenstisch im Alltäglichen dahin.

Und nun: Nina Hoss als Hollywood-Idol

So weit. Und nun? Nina Hoss. Der Klang einer Spieluhr kündigt den Auftritt an. Nicht im Morgengewand, sondern in einer wie gepanzerten, kettenhemdartigen und Jett-verzierten Robe betritt sie den Salon. Ein seltsamer Nachtfalter mit geflochtenem Haarkranz – oben herum Ufa-Gretchen, vom Hals abwärts Hollywood-Sirene, als hätte bei der Stilbildung Josef von Sternberg mitgewirkt. Hedda goes to Hollywood.

hedda2 560 arno declair uMae West lässt grüßen: Nina Hoss und Felix Goeser © Arno Declair

Stefan Pucher erschafft ein Idol, das seine statuarische Erscheinung zunächst ungelenk aufzulösen sich müht, wenn Hedda Frau Elvsted in ihren routinierten Schlagerstar-Attitüden nachzuahmen versucht. Und konstruiert für sie einen Laufsteg und Boulevard, der sich in Streckenabschnitte teilt. Der Anfang führt mit brauner Holzverschalung, Standuhr, Kamin und Messing-Spiegel in historisches Gelände, darin Tesman (bärtig, kahl, stocksteif und sträflich arglos: Felix Goeser) und Tante Jule (Margit Bendokat) es sich in ihrem Biedersinn gesprächsweise gemütlich machen. Zum Schluss – wie mit Ausrufezeichen als schales Melodram dargeboten – führt der Weg ins Altfränkische zurück; ergänzt um einen moritatenhaften Epilog, den die Bendokat mit an Heiner Müller geschulter Stimme vorträgt.

Liebe ist kälter als der Tod

Szenisch wartet man nach der Tümelei geradezu auf den befreienden Schock der Verwandlung. Der erfolgt auf der opulenten Rundbühne (Barbara Ehnes) dreifach: als schwarzweiß designte Moderne, im Panton-Look knallig blinkender, poppig blubbernder Kunststoff-Farben und als schick-cooles Sound-Studio. Heddas Transformation bzw. Dekonstruktion läuft parallel: zur blondmähnig nordischen Daliah Lavi, die sich in transparent roter Chiffon-Bluse katzenhaft im gelackten Plastiksessel vor Richter Brack (Bernd Moss als aasige Harald-Juhnke-Version) fläzt, oder zur ondulierten Belle of the Thirties. Um bloß durchmustert zu werden wie in dieser flauen, denkfaulen Inszenierung, die vor dem Stück kneift, aber ist Nina Hoss zu schade und bleibt als verzogene, sich selbst überdrüssige Vater-Tochter hinter den Bildsetzungen zu schmal.

Auftritt Lövborg vor einer Klangkulisse, als sei das Raumschiff Orion gelandet. Mit weißer Schlaghose, Lederjacke und Schnäuzer gleicht Alexander Khuon einer frühen Fassbinder-Figur. Liebe ist kälter als der Tod. Da brennt also nichts zwischen ihm und Hedda – oder nur indirekt. Das Medium Video wird zur (natürlich ironisch gebrochenen) Botschaft mit Showdarbietungen, Close-up-Leidenschaften, romantischer "Liebeslied jener Sommernacht"- Sentimentalität und Western-High-Noon-Duellen. Der Schuss, mit dem sich Hedda aus der Welt schafft, fällt – wie es sich gehört – im Off. Even Cowgirls get the Blues.


Hedda Gabler
von Henrik Ibsen
Deutsch von Peter Zadek und Gottfried Greiffenhagen
Regie: Stefan Pucher, Bühne: Barbara Ehnes, Kostüme: Annabelle Witt, Musik: Christopher Uhe, Video: Meika Dresenkamp, Dramaturgie: Claus Caesar.
Mit: Margit Bendokat, Felix Goeser, Nina Hoss, Alexander Khuon, Bernd Moss, Naemi Simon, Anita Vulesica.
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

www.ruhrfestspiele.de
www.deutsches-theater.de


Mehr über Stefan Puchers Faible für Film-Theater erfahren Sie im nachtkritik.de-Lexikon.

Kritikenrundschau

Karin Fischer schreibt auf der Website des Deutschlandfunks (4.5.2013, 17:30 Uhr): Bei Pucher gehe es "ums Probehandeln". "Was wäre, wenn man der Spießigkeit Einhalt gebieten könnte? Wenn man Mut hätte, sein Leben nach seinen eigenen Wünschen zu leben?" Nina Hoss sei das gleißende Zentrum. "Narzisstisch und eitel, sprühend und grausam manipulativ, und der Quell überhaupt aller Emotionen in diesem Versuchsraum". Pucher und Barbara Ehnes siedelten das Stück optisch in zwei Zeitebenen an. In einer Blockhütte, in der alles unecht sei und in einem stilechten 70er-Jahre-Overkill in rot-orange oder grau-schwarz-weiß. Pucher erweise sich als Quentin Tarantino des Theaters. Bei den Mitteln immer etwas drüber - nur die Dialoge seien bei Tarantino "vielleicht aufregender".

Die ganze Regie liege in der Arbeit der Kostümbildnerin Annabelle Witt, holt Gerhard Stadelmaier in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (6.5.2013) aus. "Hoss, der Star, trägt keine Figur, er trägt Marken beziehungsweise Stile beziehungsweise Abziehbilder aus Modemagazinen vor." Ihre Hedda komme nicht nur deshalb gar nicht zu sich. "Denn sie ist nur ein Dreh, ihr wichtigstes Hilfsmittel deshalb die Drehbühne." Mit ihr drehe sie sich durch Zeiten und Moden. "Die Regie möchte wohl andeuten, dass sie nicht das Stück von Ibsen in Szene zu setzen in der Lage sei, nur irgendwie dessen rezeptiven Gang durch die Geschichte. Wobei Hedda offenbar keine Frau, sondern ungefähr alle Frauen sein soll und kann." Wenn aber alle Frauen diese zickig-launische Modepuppe sein sollten, gerate der Gang durch die Frauenbildergeschichte erstens zum denunziatorischen Stillstand, zweitens zum ewigen Klischee. "Ibsen hätte darüber höhnisch gelacht. Er schrieb Dramen. Keine Groschenromane." Dieser Abend sei, so Stadelmaier, jetzt in Hochform: "die dümmste, denkfaulste, reaktionärste Version eines Stücks, in dem ein gewaltig rätselhafter Frauenmensch eine Welt zerstört, die nicht zu ihm gehört – weil er seine eigene Welt ist." Hier habe sie keine Welt, nur Kostüme. "Zu wenig für eine Hedda. Und auch für eine Hoss (Der Name des Regisseurs übrigens tut nichts zur verlorenen Sache)."

"Nina Hoss könnte die perfekte Besetzung für Henrik Ibsens lebensverachtendes Luxusweib sein. Doch Stefan Puchers Inszenierung bleibt in Oberflächlichkeiten stecken", bleibt Stefan Keim dagegen in der Welt (6.5.2013) cool. Stefan Pucher sehe in Ibsens Drama einen amoralischen Italo-Western. Was bei dieser Lesart herauskomme, sehe schick aus, sei über zwei pausenlose Stunden hinweg durchaus unterhaltend, und ohne Zweifel stünden hervorragende Schauspieler auf der Bühne. "Doch sie wirken, als ob sie die Handbremse angezogen hätten, keiner geht an seine Grenzen." Natürlich entstehe Spannung durch dauerndes Lauern und Locken, doch die Fassaden brächen nicht, nie werde es existenziell. "Popsongs sollen das emotionale Defizit wettmachen, wie so oft im Theater." Ja, sie könnten auch musizieren, die vielfach begabten Mimen. Aber sie berührten einen an diesem Abend nicht. "Ibsen für 'Vogue'-Leserinnen. Stefan Pucher inszeniert Hochglanztheater ohne Seele."

"Pucher steht mit seiner Lust auf theatralische Stilmittel der Antriebslähmung seiner Protagonistin denkbar konträr gegenüber", schreibt Arnold Hohmann in der WAZ (6.5.2013). "Kühler Smalltalk ist seine Sache nicht, bei ihm müssen Bilder sprechen und möglichst unterhaltsam sein, weshalb er die Figuren Ibsens auch gleich klar festlegt." Man merke sehr schnell, dass Pucher für seine Art des Ibsen-Entertainments jedes theatralische Mittel recht sei. "Und hätte er keine so dominierende Aktrice wie Nina Hoss, das Stück könnte gelegentlich Gefahr laufen, sich dabei selbst zu verlieren." Sie aber halte dieses Gefüge zusammen mit ihrer Präsenz, ihren Sticheleien, ihren Intrigen – und ihrer Lustlosigkeit.

"Wie sie da im Zimmer auf zu enger Stelle tritt, eine Tigerin im Holzkäfig, da ist gleich klar: Hier hat eine Rolle ihre Schauspielerin gefunden", ist Dorothee Krings in der Rheinischen Post (6.5.2013) begeistert von Nina Hoss. Pucher mache aus Ibsens kaltblütigem Gesellschaftsstück eine kurzweilige Zeitenrevue. In seiner Inszenierung sei Hedda kein Opfer, keine unerfüllte Frau, die sich nach Selbstverwirklichung sehnt und Mitleid verdiente. "Sie ist der verkörperte Zynismus, eine Ästhetin des Bösen, die 'einmal im Leben Macht über das Schicksal eines anderen' haben will und glaubt, als Übermensch Erhabenheit zu spüren." Indem Pucher durch die Zeiten spule, zeige er das Zeitlose in Heddas Haltung. "Jede Generation produziert ihre Überdrüssigen, die vom Weltenekel Befallenen, die nicht an die Gegenwart glauben. Und an die Zukunft schon gar nicht." Pucher inszeniere das nicht moralisch, sondern abgebrüht unterhaltsam. Und "Nina Hoss kann solche Frauen spielen, ohne Monster aus ihnen zu machen." Man spüre ihre Härte, fürchte ihren tödlichen Sarkasmus, ihre ansteckende Abgebrühtheit. "Nie war Hedda Gabler so zeitlos – und so sehr eine von uns."

"Die Hedda Gabler der Nina Hoss (…) bleibt in ihrer schillernden Erscheinung von Anfang an äußerlich", schreibt Andreas Rossmann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (5.5.2013). Aufwändig weiche die Inszenierung dem Drama aus. "Die Figuren und Beziehungen werden unterbelichtet, ihre Energien und Spannungen flach gehalten." Deklamierend und dekorierend führe Pucher das Stück durch die Zeiten und verfehle dessen Gegenwart. Und auch Nina Hoss bleibe das Maßlose der von Langeweile und Lüge getriebenen Egozentrikerin schuldig. "Unter ihren Möglichkeiten bleibend, kommt sie bei Ibsen nicht an."

"Fatal komisch" sei dieser Abend, schreibt Martin Krumbholz in der Süddeutschen Zeitung (13.5.2013. "Ungefähr so abgründig komisch und humorvoll wie eine Horrorgeschichte von Franz Kafka." Stefan Pucher setze in seiner Inszenierung ganz auf die Groteske. Was aus Sicht des Kritikers aufgeht. Ibsens schwarzer Humor werde häufig übersehen, "weil die elementaren Menschheitsfragen, die er aufwirft, den Zuschauer sehr in Anspruch nehmen und, wie Brecht gesagt hätte, romantisch glotzen lassen." Entsprechend lasse Pucher den Abend auch enden, und zwar triumphal "mit einer kafkaesken Coda, vorgetragen von der unvergleichlichen Margit Bendokat".

Peter Kümmel schreibt in der Zeit (16.5.2013): Nina Hoss wirke wie "jemand, der weiß, dass er seinen Platz nicht verlassen kann, weil sonst das Gebäude einfällt". Und das Publikum hoffe "insgeheim" darauf, weil ansonsten "kein Leben im Bau" sei. Stefan Pucher illustriere die These, dass der Kriminalfilm von heute verdünnter Ibsen sei. Die Drehbühne wirke wie eine Maschine, welche Ibsens Figuren ausspeie, nachdem sie mit den zehntausend Filmfiguren, die Pucher in seinem Leben gesehen hat, "im selben großen Waschgang gewaschen" worden sind. "Wenn man eine Pucher-Inszenierung sieht, möchte man anschließend immer den Kopf in den Nacken legen und rückwärts ausparken – weil man das Gefühl hat, man sei im Autokino gewesen...". Pucher befreie seine Figuren von den Zwängen des Theaters, vielleicht aber auch sich selbst von den Figuren indem er sie zu erledigten Fällen erkläre. Dagegen müsse Hoss anspielen sie kämpfe um jeden Moment, das bringe sie in "eine Defensive, welche sich mit der herrischen Kälte der Hedda Gabler nicht gut verträgt". Aber sie baue sich die Rolle, "gegen den Strom der Regie", immerzu spanne sie "geheime Muskeln vor Zorn". "Sie ist die Vorläuferin einer freien Frau; Befreiung erlangt sie in kleinen, tückischen Terrorakten".

In der taz (17.5.2013) schreibt Katrin Bettina Müller: "Unglaublich klein" könne sich der große Felix Goeser machen, womit über die Aussichtslosigkeit seiner Beziehung zu Hedda "schon ziemlich viel gezeigt" sei. "Großes Kino hätte diese Hedda gern". Mit Filmeinblendungen und "wilden Songs, die Heddas Sehnsüchte weiterdichten und bis in die Gegenwart dehnen", buchstabiere Puchers Inszenierung Heddas Egozentrik "äußerst genüsslich aus", mit der Musik verschmölzen die unterschiedlichen Zeithorizonte zwischen Gründerzeit und den siebziger Jahren und heute – und immer passt es. Das ist ein erstaunliches Kunststück. "Innere Hohlheit bei äußerster Eleganz" spiele Nina Hoss mit "großer Bravour". Sie, "die in vielen Filmrollen gerade für das fein ausgearbeitete psychische Drama unter der Oberfläche gelobt und geliebt wurde, karikiert hier gewissermaßen auch die eigene Kunst". Pucher gelinge es, "Heddas Feigheit und Faulheit in keiner Hinsicht zu beschönigen und sie dennoch nicht einfach an die Verachtung zu verraten".

Im Berliner Tagesspiegel (17.5.2013) schreibt Christine Wahl: Stefan Pucher inszeniere "die Pistolenfreundin" Hedda als "zeitenübergreifende Hollywood-Diva", die "quasi mit jedem Kleid" auch das "Ambiente" und den "(film-)historischen Kontext" wechsele. Nina Hoss könne so "in ihrer letzten Rolle am Deutschen Theater noch mal reüssieren", und sei "auf der Höhe ihrer – auch ironischen – Darstellungskunst". Nur habe man eben die kunstvolle Vorführung von Oberflächen nach 15 Minuten verstanden und frage sich die restlichen 90, ob einen dieser Ansatz noch irgendwo anders hinführe. Was er nicht tue. Nur Schauspieler-Momente blieben: Margit Bendokat mache aus der Tante Juliane Tesman eine mit "sämtlichen Verfremdungswassern gewaschene und von allen Altdamen-Klischees lässig emanzipierte Lachnummer".

Ulrich Seidler schreibt in der Berliner Zeitung (17.5.2013): "Tolle Bilder, Qualitätsmusik, Filme, Mode und Einrichtungsideen" − Stefan Puchers Ibsen-Inszenierung thematisiere alles, was ein "edles Stilmagazin" brauche. Schnell habe man diesen "geschmackvoll und sauber layouteten Hundertminuten-Abend durchgeblättert", und das zurückbleibende "deprimierende Gefühl von Unbefriedigtheit" sei wohl ungefähr das, woran auch Hedda Gabler zu leiden habe. Die Schauspieler wechselten nicht nur ausdauernd die "Outfits", "sie musizieren auch, ach". Goeser am Schlagzeug, Anita Vulesica hat Musical-Stimme, "aber auch Nina Hoss schmachtet ordentlich einen weg": "I hate myself for lovin' you" von Joan Jett. Pucher lasse "die Welt in Medienprodukte und Kulturzitate zerfallen". Wie Hedda habe Pucher die Sehnsucht nach etwas Echtem so gut wie überwunden.

 

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