Ein eindeutiger Schnitt

Berlin, 22. Februar 2008. Die Schauspielformation Lubricat hat die zwölfjährige Zusammenarbeit mit den Sophiensaelen aufgekündigt und die beiden für dieses Jahr geplanten Premieren abgesagt. Das teilte Dirk Cieslak, Leiter und 1989 Gründer von Lubricat, in einer Pressemitteilung mit.

Lubricat gehörte 1996 neben Sasha Waltz, Jochen Sandig und Jo Fabian zu den Gründungsmitgliedern der Sophiensaele, die bis zur letzten Saison von Amelie Deuflhard geleitet wurden. Seit dieser Saison ist Heike Albrecht künstlerische Leiterin der Sophiensaele in Berlin-Mitte. 

Gegenüber nachtkritik.de unterstrich Dirk Cieslak, dass er "schon länger" mit "Unwohlsein" die fortschreitende "Institutionalisierung des Hauses" beobachte. "An den Sophiensaelen haben wir uns stets der Gründungsidee des Hauses, als ein produzierendes Künstlerhaus, verpflichtet gefühlt und das Haus dabei als gemeinsame Plattform verstanden, auf der wir autonom mit anderen Gruppen und Formationen arbeiten." Zuletzt hat Lubricat an den Sophiensaelen Anfang Oktober die Inszenierung Empathy Now herausgebracht.

Mit der von den Gesellschaftern der Sophiensaele GmbH (das sind: Sasha Waltz, Jochen Sandig und Amelie Deuflhard) eingesetzten neuen künstlerischen Leitung sei der "Bruch mit der Gründungsidee des Hauses vollzogen". Für Lubricat bedeute das, "dort nicht mehr die Unterstützung und den Willen zur Kooperation, den unsere Arbeit braucht", zu finden. "Es wird alles zur Disposition gestellt." So sei die ursprünglich zugesagte Unterstützung der Sophiensaele für Lubricat – eine der wenigen basisgeförderten Freien Gruppen am Haus – "plötzlich abgesagt worden".

Überhaupt, so Cieslak, ist "uns in den Gesprächen mit der Leitung der Sophiensaele weder klar geworden, wohin die neue Ausrichtung des Hauses gehen soll, noch worauf sich ein Interesse an unserer Arbeit begründen könnte". Alles, sagte Cieslak im Gespräch mit nachtkritik.de, sei "irgendwie nebulös und diffus" geblieben.

Auf diese Weise sei "keine gemeinsame, vertrauensvolle Gesprächsebene zu finden" gewesen und eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich erschienen. "Den neuen Stil und die an uns herangetragenen Forderungen haben wir punktuell als Übergriff auf unsere künstlerische Autonomie empfunden." Den "eindeutigen Schnitt" hält Cieslak deshalb "unter den gegebenen Umständen für angemessen und unausweichlich".

Für die Nachfolge von Amelie Deuflhard in der Position der künstlerischen Leitung war seinerzeit übrigens auch Dirk Cieslak im Gespräch; der jetzige Bruch mit den Sophiensalen habe aber nichts mit der Entscheidung gegen ihn zu tun, betont Cieslak im Gespräch mit nachtkritik.de. 

In Zukunft wird Lubricat am Ballhaus Ost als Artist in Residence arbeiten. Hier findet am 3. Juli 2008 die Premiere von "Goldener Boden" statt, ein "Theaterabend über das Verschwinden des Handwerks und über unser Verhältnis zu den Dingen"; am 19. November 2008 folgt dann die Inszenierung "Wake Island" am Ballhaus Ost.

In den Sophiensaelen war unterdessen niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

(dip)

 
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