Vinge light mit Vorspultaste

von Sophie Diesselhorst und Georg Kasch

Berlin, 10. Mai 2015. Gestern Abend besuchte das Mobile Kritiker-Duo von nachtkritik.de das Theatertreffen-Gastspiel von Karin Henkels John Gabriel Borkman, erfreute sich an 3sat-Preisträgerin Lina Beckmann und musste natürlich zurückdenken an Vinge/Müllers epochalen Borkman im Volksbühnen-Prater. Hier das Gespräch, das Sophie Diesselhorst und Georg Kasch im Anschluss an die Vorstellung im Haus der Berliner Festspiele führten:

 

 

borkman i 560 klaus lefebvre uZwei Mütter zerren an einem Sohn: Julia Wieninger als Gunhild und Lina Beckmann als Ella,
zwischen ihnen Jan-Peter Kampwirth als Erhart, in Karin Henkels "John Gabriel Borkman" aus Hamburg  © Klaus Lefebvre

 

Die Nachtkritik der Hamburger Premiere von John Gabriel Borkman vom September 2014.

Unsere Theatertreffen-Festivalübersicht mit Nachtkritiken und Kritikenrundschauen zu allen Premieren sowie aktuellen Texten unseres mobilen Kritiker-Duos zu den TT-Gastspielen.

Und so war der John Gabriel Borkman, den Vegard Vinge und Ida Müller im Oktober 2011 im Prater der Berliner Volksbühne entzündeten und der 2012 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde.

 

Kommentare

Kommentare  
#1 TT15, Borkmann: Zentrum Lina BeckmannK.K. 2015-05-10 14:44
Lina Beckmanns Tante Ella stolpert und stakst durch Karin Henkels "John Gabriel Borkman", zerrt an ihrem bedauernswerten Neffen Erhart (Jan-Peter Kampwirth) und liefert sich ein sehr unterhaltsames Duell mit Zwillingsschwester Gunhild (Julia Wieninger). Im langen, begeisterten Schlussapplaus des Festspielhaus-Publikums ging die Schlusspointe bei manchen Zuschauern wohl unter: “Das ist mein Applaus!”, “Nein, meiner!”, fauchen sich die beiden Rivalinnen auch beim Verbeugen an der Rampe noch an, nachdem sie sich fast zwei Stunden in den Haaren gelegen haben.

Ein Ibsen-Abend, der in den ersten Szenen fast wie eine Totenmesse beginnt (Josef Ostendorf in der Titelrolle des betrügerischen Pleite-Bankers im Bühnenhintergrund aufgebahrt und von Kerzen umringt) und sich zur Komödie entwickelt. Das funktioniert erstaunlich gut und liegt vor allem an Lina Beckmann, dem Zentrum dieses Abends, die im Anschluss mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet wurde. Ihre Ella ist ebenso wie alle Figuren um sie herum eine Verzweifelte, die sich viel mehr vom Leben erhofft hat und mit aller manipulativen Gewalt versucht, sich das zu nehmen, was ihr vermeintlich zusteht. Die Stärke dieser Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg ist, dass die Abgründe und die ernsten Themen, die Ibsens Drama verhandelt, hinter der Komik immer sichtbar bleiben.

Und dennoch bleibt eine gewisse Enttäuschung zurück: Am Abend vor dem Gastspiel porträtierte die 3sat-Kulturzeit die Preisträgerin Lina Beckmann. Der Zusammenschnitt einiger besonders gelungener Szenen weckte Vorfreude auf das Live-Erlebnis der ca. 100 Minuten. Das stark verdichtete “Best-of” hat es naturgemäß viel einfacher, eine intensive Wirkung zu erzielen. Aber mit diesen Appetithäppchen im Hinterkopf fällt erst recht auf, was auch Sophie Diesselhorst und Georg Kasch als Mobiles Kritiker-Duo bemängelten: ja, der Abend ist unterhaltsam und es wird viel gelacht, zwischendurch gibt es aber einige Längen und Durchhänger, bis wieder Lina Beckmann in Aktion tritt.

kulturblog.e-politik.de/archives/24906-theatertreffen-fazit-2015-lina-beckmann.html

Kommentar schreiben