Mohammeds Ständer

20. Mai 2015. Bekannt ist nur der Titel, nicht der Inhalt des geplanten Minidramas: "Mohammed Gets a Boner", zu deutsch etwa "Mohammed kriegt einen Ständer". Geschrieben hatte es der amerikanische Erfolgsautor Neil LaBute (u.a. "Das Maß der Dinge"), für die Eröffnung des Festivals "Planet Connections Theater Festivity", wie die New York Times und der Tagesspiegel berichten.

labute mohammed uDas Poster für die Benifizveranstaltung, die jetzt ohne Neil LaBute auskommen muss.Doch der Titel reichte der Spielstätte "Sheen Center for Thought and Culture" in Greenwich Village offensichtlich schon aus, um den Vertrag mit dem Festival zu lösen. Das "Sheen Center" ist von der New Yorker Erzdiözese finanziert, und es sah im Titel eine Mohammed-Beleidigung und somit den Auftrag verletzt, "to highlight the good, the true and the beautiful", also "das Gute, Wahre und Schöne zu beleuchten".

Kein Interesse am Schüren von Hass

Eine Ausweichspielstätte war zwar bald gefunden, aber dann zog Neil LaBute sein Stück freiwillig zurück. Auf der Homepage des Festivals erklärt er, dass er nicht wolle, dass es bei der Veranstaltung nur noch um sein Stück gehe, und nicht mehr um die tollen Arbeiten seiner Kollegen. Außerdem sei er nicht daran interessiert, Hass zu schüren oder plump zu provozieren; und die Möglichkeit einer echten Auseinandersetzung sei inzwischen wohl verloren gegangen.

So, und die Pointe? Das Drama hätte bei einer Benifizveranstaltung der "National Coalition Against Censorship" aufgeführt werden sollen, laut Tagesspiegel auch eine Reaktion auf die Anschläge auf "Charlie Hebdo" in Frankreich. Über den unbekannten Drameninhalt sagte der Festivalleiter übrigens nur, es werde darin diskutiert, ob in Ordnung ist, sich über Religionen oder religiöse Figuren lustig zu machen – oder nicht.

Die Frage hat sich wohl erübrigt.

(mw)

 

Kommentare

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#1 Blog Neil LaBute: Schere im Kopfpaolo 2015-05-20 16:57
neil labute hat den auftrag halt a weng umdefiniert: "to highlight the good, the bad and the ugly". ist schon auch eine schere im kopf, dass es immer ums gute, wahre, schöne gehen soll. sergio leone soll leben!

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