Der Unangefochtene

5. Juni 2015. Ewald Palmetshofer gewinnt mit die unverheiratete den diesjährigen Mülheimer Dramatikerpreis 2015. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und gilt als wichtigste Auszeichnung für deutschsprachige Gegenwartsdramatik. Das Stück des gebürtigen Linzers Palmetshofer (Jahrgang 1978) wurde am Wiener Burgtheater von Robert Borgmann uraufgeführt. Es thematisiert die Aufarbeitung des Denunziantentums in der NS-Vergangenheit.

Ewald Palmetshofer Reinhard WernerPreisträger Ewald Palmetshofer
© Reinhard Werner
Über die Preisvergabe entschied eine Preisjury, wie üblich in Mülheim in einer öffentlichen Diskussion, moderiert von dem Theaterkritiker Michael Laages. Der Preisjury gehörten in diesem Jahr an: Prof. Michael Börgerding (Intendant, Theater Bremen), Bettina Stucky (Schauspielerin, Deutsches Schauspielhaus Hamburg), Robert Koall (Chefdramaturg, Staatsschauspiel Dresden), Karin Fischer (Theaterkritikerin und Kulturredakteurin beim Deutschlandfunk) sowie als Vertreterin des Auswahlgremiums: Dagmar Walser (Theaterkritikerin und Redakteurin beim Schweizer Radio SRF2 Kultur).

Palmetshofer, der bereits mit seinen Stücken "hamlet ist tot" (2008) und "faust hat hunger" (2010) nach Mülheim eingeladen war, verwebe in seinem "beeindruckend konstruierten Drama", das eine "große Kongruenz zwischen Sprachstruktur und Erzählung" kennzeichne, "virtuos mehrere Erinnerungsebenen", so die Jury laut Pressemitteilung. Sie bezeichnete den "intelligenten, radikalen Umgang mit Sprache" als "großen Wurf, inhaltlich wie stilistisch mutig". Was der Autor sprachlich wage, sei "sehr eigen, nicht modisch". Aus einer vermeintlich kleinen Familiengeschichte entfalte Palmetshofer "ein Weltdrama".

"die unverheiratete" von Ewald Palmetshofer setzte sich gegen sechs weitere zu den Mülheimer Theatertagen geladene Stücke durch: "Die Schutzbefohlenen" von Elfriede Jelinek , "Homo Emphaticus" von Rebekka Kricheldorf, "Furcht und Ekel" von Dirk Laucke, "Die lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz, "Common Ground" von Yael Ronen und "Wunsch und Wunder" von Felicia Zeller. In der finalen Runde der Jurydiskussion wurden, wie Vera Lisakowski auf Twitter informiert, die Stücke von Jelinek, Palmetshofer, Ronen und Lotz diskutiert. Für das Siegerstück von Ewald Palmetshofer stimmten Michael Börgerding, Bettina Stucky und Robert Koall. Dagmar Walser favorisierte Wolfram Lotz, Karin Fischer Yael Ronen.

Der Publikumspreis ging in diesem Jahr an die Balkankriegsauseinandersetzung "Common Ground" von Yael Ronen und Ensemble (uraufgeführt in eigener Regie am Gorki Theater Berlin).

Der mit 10.000 Euro dotierte Kinderstücke-Preis wurde bereits am 23. Mai 2015 verliehen. Es gewann Carsten Brandau mit seinem Stück "Dreier steht Kopf" (inszeniert von Rob Vriens am Theaterhaus Frankfurt am Main).

Die Preisverleihung wird am 28. Juni 2015 in Mülheim stattfinden.

(chr / ape)

 

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