Kamel oder Chamäleon sein?

Wiesbaden 29. Juni 2015. Die Hessischen Theatertage 2015 sind am Staatstheater Wiesbaden mit der Preisverleihung zuende gegangen. Den Jurypreis (einer mit sieben Studierenden besetzten Jury) in Höhe von 5.000 Euro erhält die Produktion "KameLions" der "Theaterperipherie" aus Frankfurt in der Regie von Hadi Khanjapour. Der ebenfalls mit 5.000 Euro dotierte Publikumspreis geht an "Wie du reimt keiner, Rainer" von "Die Werft" in der Inszenierung von Arne Dechow, deren Aufführung in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden stattfand.

Das Stück "KameLions" wird in der Presseaussendung wie folgt beschrieben: "Kamel: Lastentier, Lion: König der Tiere, Chamäleon: Passt sich jeder Situation an. Vier Jungs: aufgewachsen mit den Werten und nach den Traditionen ihrer Familien, vertraut mit den Gesetzen ihrer Straßen. Nach der gemeinsamen Schulzeit gehen sie getrennte Wege und entwickeln sich unterschiedlich. Ein Unglück führt sie wieder zusammen. Gemeinsam versuchen sie, sich dem Ereignis, dem anderen und sich selbst anzunähern. Das Wiedersehen wird zur Stunde der Wahrheit für ihre Freundschaft und ihre Suche nach der eigenen Identität. Jeder muss sich die Frage stellen: Bin ich Kamel, Lion oder Chamäleon? Oder eben ein KameLion?"

Das Projekt "Wie du reimt keiner, Rainer", basiert auf einem Brief von Rainer Maria Rilke aus dem Februar 1903, in dem der Poet auf Fragen eines jungen Dichters zum Wesen von Literatur antwortet. "Im Februar 2015 wurde dieser Brief, persönlich und handschriftlich, sämtlichen Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden zugestellt", so die Pressemitteilung. "Einige der jungen Männer haben reagiert, in Texten und Gedichten, die nun in einer szenisch-musikalischen Collage auf die Bühne kamen. Ein Abend über Sehnsucht, Wut, Einsamkeit — aber auch Voyeurismus, Sensationen und die Droge Aufmerksamkeit."

(Staatstheater Wiesbaden / chr)

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