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Krieg spuckt Krieg aus

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 26. Juli 2015. Eine propere Dame im luftigen Sommerkleid – Montezuma – erwartet Herrenbesuch. Sichtlich nervös ist sie, rückt im blütenweiß eingerichteten Wohnzimmer noch schnell jedes Buch an die rechte Stelle, kreist immer noch einmal prüfend um Tisch und Sitzgarnitur. Draußen nähert sich Cortez mit einem Strauß Rosen. Eine Eroberung ist angesagt. Er klettert über Autowracks. Verlegene Schritte macht auch er, vor und zurück. Noch wäre Zeit, umzukehren ...

Eigentlich sollte in Salzburg ja jedes Jahr eine Opern-Uraufführung sein (so der Plan des Nicht-mehr-Festspiel-Intendanten Alexander Pereira), aber auf eines der bestellten Werke wartet man nun schon geraume Zeit: Der ungarische Komponisten-Grandseigneur György Kurtag ließ sich auch für heuer nicht drängen.

DieEroberungvonMexico1 560 Skovhus Denoke SalzburgerFestspiele MonikaRittershaus uEine Eroberung steht an: Bo Skovhus und Angela Denoke © Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus

Also eröffnen die Salzburger Festspiele (nach der seit einigen Jahren üblichen Konzert-Woche "Ouverture spirituelle") nun die Szene in der Felsenreitschule mit Wolfgang Rihms Musik-Theater "Die Eroberung von Mexico". Einem Klassiker aus dem Jahr 1991. Bestens aufgehoben in der Felsenreitschule, in der Wolfgang Rihms teils leise-irisierenden, dann wieder mit äußerster Vehemenz losbrechenden Klänge wunderbar in den Raum greifen können. Für feinnervige rhythmische Durchpulsung (in den Schlaginstrumenten klingt in Spurenelementen mexikanischer Lokalkolorit an) sorgt Dirigent Ingo Metzmacher am Pult des ORF Radio-Symphonieorchester Wien: Der leise Herzschlag quasi zu dem sinnlichen, oft schwebenden Vokal-Gespinst, das aufdringliche Verortung weit hinter sich lässt und die eigentliche Qualität dieser Musik ausmacht.

Rabiat-Lyriker mit hellem Bariton

"Die Eroberung von Mexico" ist ja nicht als historisches Tableau zu lesen. Das Aufeinanderprallen des Fremden, das Unverständnis fürs Gegenüber, der daraus fast zwingende Clash – das ist Rihms Thema. Um einander nahe zu kommen, müssten die beiden Protagonisten erst ihr Ich besser ausloten.

Hochaktuell eigentlich in einer Zeit der Migrantenströme. Aber solche (heutige) Nähe verkneift sich Regisseur Peter Konwitschny, der aufs Anschauliche einer fast banalen Beziehungsgeschichte setzt. Montezuma: eine blonde Dame, wie aus einem Film der sechziger Jahre entsprungen. Täte nicht wundern, wenn sie schnell mal zum Staubsauger greift. Dagegen Cortez: ein Freier mit kräftigem Schritt, viril in der Gestik, aber irgendwie auch rührend unbeholfen, schnell mal ratlos am Rande stehend.

Besser geht's fast nicht, wie Bo Skovhus diesen selbst-unsicheren "Eroberer" gestaltet, denn er ist ein Sänger mit vorzüglichen hellen Bariton-Qualitäten. Diesem Rabiat-Lyriker nähme man augenblicklich ab, dass er eine echte Beziehung zu Montezuma wollte. Weicher Kern, harte Schale: Stimmt schon, er müsste nicht gleich über die Dame herfallen, die eher den schöngeistigen Dialog sucht und gerne über Bücher redet. Angela Denoke ist diese starke Sopranistin, die Cortez auch schon mal die Tür weist und einmal sogar recht kräftig zurückschlägt, sich ihm aber auch offen, einladend zuwendet.

Video-Game-Schlacht

Die von Peter Konwitschny den beiden Hauptdarstellern quasi auf den Leib geschriebene, feinmotorisch gut entwickelte Geschichte einer unmöglichen Beziehung hat der Regisseur ziemlich genial der Rihm'schen Partitur abgehört. Verblüffend, wie manch banaler Handlungsschritt musikalisch gedeckt scheint. Verschränkungen zwischen Orchestergraben und Bühne: Montezuma (in Sopran-Lage) hat dort ja zwei Frauenstimmen als Assistenz – die beiden Sängerinnen eilen der Protagonistin mehrmals auf der Bühne zu Hilfe: einmal als Geburtshelferinnen. Was holen sie unter der Decke hervor? Tablets und iPads, der Kampf zwischen Conquistadores und Azteken wird zum video-generierten Computerspiel, dessen Faszination sogar die Begleiterinnen der Frau Montezuma erliegen. Sie ringt tumultuös mit Cortez um den Apple und singt: "Krieg spuckt Krieg aus!"

Cortez hat im Orchestergraben zwei Schauspieler als unmittelbar Verbündete, die manch rhythmisch knifflige Vokalise und pointierte Haugeräusche produzieren müssen. Nicht weniger als die Sängerinnen Susanna Andersson und Marie-Ange Todorovitch sind also auch Stephan Rehm und Peter Pruchniewitz musikalisch gefordert. Auch sie marschieren als Handlanger gelegentlich auf die Bühne, so wie die große Gruppe männlicher Statisten.

DieEroberungvonMexico2 560 Denoke Skovhus SalzburgerFestspiele MonikaRittershaus uDer Conquistadore und sein Cabrio: Angela Denoke und Bo Skovhus
© Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus

Ausgelotete Gedankentiefe

Immer und immer wieder verblüffend schlichte, direkte Ideen in Handlung und Ausstattung – die notwendige Erdung des Antonin Artaud entlehnten Textes, den Wolfgang Rihm als sein eigener Librettist durchaus ein wenig prätentiös arrangiert hat. Dem steuern Konwitschny und sein Ausstatter Johannes Leiacker zielstrebig entgegen. Da ist etwa die Szene, da Cortez die Jungfrau Maria gegen die lokalen Götter ausspielt. Er kommt er im knallroten Cabrio vorgefahren, einem Fetisch neuen Glaubens. Auch ist in der Felsenreitschule genug Platz für eine Spritztour mit einer nackten Gold-Girlgroup. Es ist in Konwitschnys Inszenierung genug Platz, um in solchen Szenen Denkraum zu gewähren, etwa über die Rolle der Kirche bei solchen Raubzügen à la Mexico. In solchen Details spiegelt sich das Raffinement der Inszenierung: Wenn Konwitschny dem verstiegenen Surrealismus Artauds und dem artifiziellen Destillat Rihms scheinbar Banales entgegensetzt, wird die Oper keineswegs desavouiert. Eher wird Gedankentiefe ausgelotet.

Wie die Geschichte ausgeht? Montezuma, nach dem Video-Game-Schlacht in ein Hochzeitsgewand gezwängt, liefert dem vom Bildschirm nicht mehr aufschauenden Cortez eine lebensgroße Puppe als Alter Ego. Als Cortez sich getäuscht sieht, verstümmelt er die falsche Braut, wirft die Gliedmaßen im Zorn gegen die Wand und schneidet sich die Pulsadern auf. Auch er hat ja hoffnungslos verloren, wenngleich er als Sieger in die Geschichtsbücher Eingang finden wird.

Rihm hat auch ans Ende dieses Schlussaktes ein berührendes Stück Lyrik von Octavio Paz gesetzt: Wie untote Schatten sitzen Montezuma und Cortez nebeneinander auf dem Sofa und singen unbegleitet von der "unerschöpflichen Liebe, der Tod entströmt".

"Ende (?) der Oper" hat Rihm unters Libretto geschrieben. Das Fragezeichen steht nicht hinter dem Wort Oper ...

 

Die Eroberung von Mexico
Musik-Theater nach Antonin Artaud
von Wolfgang Rihm, Libretto von Wolfgang Rihm
Musikalische Leitung: Ingo Metzmacher, Regie: Peter Konwitschny, Bühne und Kostüme: Johannes Leiacker, Licht: Manfred Voss, Videodesign: fettFilm, Klangregie: Peter Böhm, Florian Bogner, Dramaturgie: Bettina Bartz.
Mit: Angela Denoke, Bo Skovhus, Susanna Andersson, Marie-Ange Todorovitch, Stephan Rehm, Peter Pruchniewitz. ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dauer: 2 Stunden, 30 Minuten, eine Pause

www.salzburgerfestspiele.at

 

 

Kritikenrundschau

"Beim Betreten der Felsenreitschule erleidet man einen echten Schock. Ganz grauenhafte Menschen stehen oder sitzen da herum, alle haben aschfahle Gesichtsfarbe, wirken wie kurz vor dem Tode", beschreibt Jörn Florian Fuchs für Deutschlandradio Kultur (Verschriftlichung Fazit-Beitrag 25.7.2015). Gelbliches Neonlicht sorge die Aufführung über für "Gruselstimmung". Gegen Wolfgang Rihms "gewaltig urwüchsiges Untergangspathos" setze Peter Konwitschny "auch manch Humorvolles". Doch schon Rihm sei es "weniger um historische Verläufe, sondern um Fragen von Macht und Eros" gegangen. Bei Konwitschny nun gebiere Montezuma "eine Menge Smartphones und Tablets, die sofort als Kriegsspielzeug benutzt werden. Bühnenbreite Projektionen führen direkt in unsere mit ständigem Daddeln verseuchte Gegenwart." Diese Eröffnungspremiere sei "ein Triumph für alle Beteiligten".

Von Anfang an liege hier "Scheitern in der Beziehungsluft", schreibt Ljubiša Tošić im Standard (online 27.7.2015). Rihms "vielschichtig-abstraktes Musiktheater" werde von Konwitschny konkretisiert "und als Disput der Geschlechter in Form von Szenen einer Ehe gedeutet." Der "Auftritt eines neuen Zeitalters in Form der Geburt von Handy und Tabletcomputer (aus dem Schoß Montezumas ...)" ist für Tošić eher "ein szenischer Kalauer". Überzeugender findet er, wie "Cortez' Flucht aus der Ehe als Verschwinden in virtuelle Welten" gezeigt wird. Wenn Cortez im Kosmos der Computer-Schlachten auch "als Konquistador, als Erinnerung an eine historische Schicht des Werkes" erscheint, werde doch noch dessen "abstrakter Vieldeutigkeit gehuldigt".

Konwitschny, so Regine Müller in der tageszeitung (28.7.2015) "reizt die postmoderne Offenheit von Rihms Oper bis an die Grenzen aus, krempelt munter um, ignoriert Wesentliches, schießt giftige Ironie-Pfeile ab und dringt doch durch zu neuer Brisanz." Er begegne Rihms "artifiziellem Konstrukt (...) mit radikaler Verheutigung". Für Müller geht das voll auf, "am Kampf der Geschlechter und am Machtgefälle" habe sich wenig geändert, wie Konwitschny "minutiös" ausstelle: "Die Gewalt innerhalb des Geschlechterverhältnisses ist Spiegel der Gesellschaft und vice versa." In einer "brillanten Volte" zeige der Regisseur, "dass nicht nur psychologisch betrachtet, der Krieg der Vater aller Dinge ist. Sondern auch medientheoretisch", indem er à la Kittler zeigt, "dass erst Gewalt den technologischen Fortschritt hervorbringt." Musikalisch sei der "insgesamt hoch virtuose Abend über jeden Zweifel erhaben".

"Wie in einem Agitpropstück aus den späten Sechzigern" würden die Zuschauer "befragt, gefordert, umzingelt", beschreibt Eleonore Büning in der Frankfurter Allgemeinen (28.7.2015). U.a. werde dem "echtschmuckverwöhnten" Salzburger Publikum entgegengeschleudert: "'Ihr alle hungert und dürstet nur nach Gold, wie hungrige Schweine wühlt ihr nach Gold.' Krass!" Konwitschny bilde mit Ingo Metzmacher ein regelrechtes "Dreamteam". Wie ein guter Choreograph setze er Rihms Komposition "direkt in Bild und Bewegung um, und zwar so, dass der Sinn der verklausulierten und reduziert-hermetischen Texte Artauds noch einmal neu aufgeschlossen wird". Andererseits baue er "laufend Verständnisbrücken für die Zuhörer". Zu sehen bekämen diese Montezuma in lauter "grausam lächerlichen Situationen, die jeder aus der eigenen Ehe oder eheähnlichen Beziehungskiste kennt oder zu kennen glaubt. Ist es nicht genau so, wie es schon Loriot und die Hamann einst schlagend bewiesen haben: Frauen und Männer passen nicht zusammen?" Auf dem Wohnzimmersofa gebiere Montezuma Cortés "eine neue virtuelle Welt. Ihre Babys sind Smartphones, Tablets, Laptops. Und schon bricht die Kommunikation zwischen Mann und Frau vollends ab, und brutale Computerkriegsspiele überschwemmen und überwältigen tosend alles, was gewesen war."

Karl Harb von den Salzburger Nachrichten (28.7.2015) kommentiert Konwitschnys Herunterbrechen der "politischen Konnotationen (...) auf einen Geschlechterkampf ins Kleinbürgerliche" folgendermaßen: "Vielleicht ist uns ja ein plastisch ausgelebter Ehekrach allemal näher als ein abstrakter 'Krieg' in Mittelamerika (...)? Wir leben eben in einer ziemlich "flachen" Zeit . . ." Und mit leichtem "Unbehagen" fragt er sich angesichts dieser "in allem kolossalen, so offensiv testosterongesteuerten Aufführung", ob Konwitschnys "Zimmerschlacht der Größe der Musik" tatsächlich angemessen sei. Die von Montezuma geborenen "Kommunikationsmittel" setzten "die zwischenmenschliche Kommunikation – so sieht es der Regisseur drastisch – außer Kraft (...). Sobald nämlich die Herren dieses Spielzeug in Besitz nehmen, ist es um sie geschehen." Wenn die Zuschauer als goldgierige Affen beschimpft werden, werde "Konwitschnys Zeigefinger" allerdings "zur Keule". Das Orchester spiele dazu "nach bestem Gusto und Geschmack: kernig, pfeffrig, buttrig, sämig. Einfach wunderbar." Und über die Sänger: "Besser kann man das nicht singen, besser nicht spielen, sozusagen mit Haut und Haaren – überwältigend."

Konwitschny konzentriere sich, fasst auch Reinhard J. Brembeck von der Süddeutschen Zeitung (28.7.2015) zusammen "auf eine moderne Mann-Frau-Studie" und blende "die historischen Ereignisse (...) fast völlig aus". Johannes Leiackers Kulisse aus Autowracks sei "Symbol der lebensverachtenden Wegwerfgesellschaft". Für den Konflikt zwischen Frau Montezuma und Herrn Cortez sei "die desaströse Künstlerbeziehung von Frida Kahlo zu Diego Rivera (...) sichtbar und erklärtermaßen die Vorlage." Angela Denokes Montezuma zeige sich "unübersehbar fasziniert von der Machowelt, die mit Bo Skovhus, zackig und muskelbepackt auch im Gesang, in ihr irdisches Paradies eindringt." Dass Montezuma "einen Wurf Tabletts und Smartphones gebiert", verbucht Brembeck unter typisch Konwitschny'schem Brachialaufklärertum und verzeihlichen "Fauxpas". Die verstärkenden Sprecher auf beiden Seiten verschärften "auch physisch den zentralen Mann-Frau-Konflikt, der dann weit über individuell Intimes hinausgeht."

Für Manuel Brug von der Welt (28.7.2015) ist Konwitschnys Inszenierung "so grotesk wie komisch". Rihms Dämonisierung des "abstrakten, aber prototypischen Zusammenpralls zweier einander sehr fremder Kulturen" gehe Konwitschy ganz anders als üblich an und rüttle damit wach. "So einfach wie grandios, den rihmschen Dramenentwurf negierend und doch ihn aufgreifend, dabei die Musik bis in die letzte Mininote ernst nehmend. Und plötzlich ist das alles sehr konkret. Denn wie sollen eigentlich Kontinente, Nationen, Menschen miteinander umgehen, wenn es noch nicht einmal im Zwischenmenschlichen, hier mit Mann und Frau klappt?" Eine "Zimmerschlacht als Welteroberung im Krieg der Geschlechter", bei dem auch die Frauen "gehörig austeilen" können. "Ist Liebe, Einssein gar, konfliktfrei möglich? Peter Konwitschny, so genau wie gern ein wenig sentimental, erwägt das zumindest." Und so finde "eine luzide, tolle (...) Opernpremiere einen versöhnlichen Schluss."

Metzmacher und Konwitschny "packten fest zu und kreierten aus der hochkomplizierten Partitur ein sinnlich packendes Erlebnis", berichtet Werner Theurich auf Spiegel online (27.7.2015). "Gelungen war an diesem Salzburger Abend (...) fast alles." Konwitschny sei "das Paradoxon" gelungen, "aus der vermeintlichen Banalisierung des abstrakten Gegensatz-Kampfes 'männlich/weiblich' eine Überhöhung zu erreichen, indem er als Groteske alle Möglichkeiten der Abwicklung des Kampfes bis in abenteuerliche Verästelungen durchspielt." Und bei aller "derber Komik und exaltierter Spielfreude des überaus motivierten Ensembles herrscht doch stets der Klang von Rihms Schöpfung über Raum und Zeit" und bewahrten die Unternehmung "vor allzu viel geradliniger Didaktik. Wenn plötzlich die Wohnwände zur Benutzeroberfläche mutieren: Da ging dann dem Konwitschny mal wieder sein implantierter Oberlehrer durch. Doch als Comic Relief inmitten all der Klang-Schrillness darf das sein."

"Männliches Prinzip: Eindringen, erobern, unterdrücken, ermorden. Weibliches Prinzip? Neutrales Prinzip? Die Musik lässt sich auf derlei Plattitüden nicht ein", so ein hingegen wenig begeisterter Wilhelm Sinkovicz von der Wiener Presse (28.7.2015). "Dieses akustische Theater ist von perfektem Zuschnitt. Es ließe sich darin, weil da alles zu tönen scheint, was sich unsere Schulweisheit zwischen Himmel und Hölle nur ausmalen kann, die Geschichte eines Eroberungsfeldzugs zeigen, der Vernichtung einer Hochkultur durch eine andere". Mit Rihms Werk ließen sich "philosophische Fragen" stellen, könne sich der Zuschauer mit "Kolonialisierung und Genozid auseinandersetzen, wollte der Theatermacher ihn damit behelligen. Dieser will aber nicht." Konwitschny drehe dem Publikum wie dem Komponisten eine lange Nase und nutze das Stück "als Soundtrack zu einer Art Parodie auf eine Vorabendserie", wo die Conquistadoren statt Gold Go-go-Girls erlangen. "Solches peinliches Schülertheaterniveau wollen wir einem Peter Konwitschny nicht unterstellen? 'Die Eroberung von Mexico' hat er sich jedenfalls nicht zum Thema genommen. Immerhin bleibt die musikalische Leistung bewundernswert."

"Konwitschnys und Leiackers Ansatz mutet auf Anhieb erstaunlich plausibel an", schreibt Hans-Klaus Jungheinrich in der Frankfurter Rundschau (29.7.2015). "Nach der Pause zeigten sich aber auch Ermüdungserscheinungen im szenischen Konzept. Zu beflissen wurden auratische Worthinweise in gängige Bilder übersetzt. Computer-Kriegsspielfragmente flammten über Zimmerwand und Reitschulgalerien." Doch:  "Alles phantastisch und mit sozusagen leichter Hand organisiert und dirigiert vom Maestro Metzmacher, dem Fels inmitten dieser abenteuerlichen Turbulenzen."

"Konsequenz der gedanklichen Durchdringung" und "Brillanz der szenischen Durchführung" bescheinigt  Peter Hagmann in der Neuen Zürcher Zeitung der Inszenierung (30.7.2015). "Eine grandiose Produktion, die dem Publikum einige Knacknüsse schenkt. Kann Besseres geschehen?"