Das Schweigen von René Pollesch

9. August 2015. Der Theaterkritiker André Mumot hat Matthias Dell, Kulturredakteur beim Freitag, in der Sendung "Rang 1" von Deutschlandradio Kultur (8.8.2015) zu den markantesten Theaterdebatten der abgelaufenen Saison im Netz befragt, wo, so Mumot, längst die leidenschaftlichsten Theaterdebatten stattfinden – nicht bei Podiumsdiskussionen oder Publikumsgesprächen. Aus Dells Sicht fanden die relevantesten und "zurechnungsfähigsten" Debatten zum Theater in der vergangenen Spielzeit bei zeit.de, freitag.de und nachtkritik.de statt.

Die wichtigsten Netz-Debatten seien um die Bestellung von Chris Dercon zum Nachfolger Frank Castorfs als Intendant der Berliner Volksbühne geführt worden, um die Aktion #dietotenkommen des Zentrums für politische Schönheit und Milo Raus Kongo-Tribunal. In Sachen Chris Dercon hat Dell die ausgewogensten Kommentare auf nachtkritik.de gelesen. Die Diskussion um #dietotenkommen dagegen habe sich auf nachtkritik.de verzettelt in der Frage, was daran Kunst ist und was Politik.

Dell bemängelt aber auch Schwierigkeiten, bei der Aktion "Die Toten kommen" "diese Sache zu erklären" - auch was Kunst und was Politik daran ist – um aus dem Laien- und Fandiskurs der Kommentare wieder herauszutreten. Das sei besonders bei nachtkritik.de aufgefallen. Bei zeit.de sei die Debatte teilweise ins Hämische abgeglitten. Interessant sei auch, wie Claus Peymann und sein Angriff auf Kulturstaatssekretär Tim Renner in den Kommentatorspalten an Klatsch und Tratsch ausgelöst hätten. Wenn es komplexer werde, wie im Fall von Milo Raus "Kongo-Tribunal", werde es dann schwieriger. Grundsätzlich aber, so ein Fazit der Sendung, zeigen die Debatten auf zeit.de, freitag.de und nachtkritik.de, dass eine sachliche Diskussion in Kommentaren möglich ist.

In Sachen Theaterdebatten im Internet ist für Matthias Dell auch René Pollesch mit seinem Twitteraccount eine wichtige Figur. Hier falle auf, dass Pollesch seit dem Tod von Bert Neumann nicht mehr twittere. Was, so Dell, bei einem derart eloqenten Twitterer  ein starkes Zeichen sei. (Hier die vollständige Sendung zum Nachhören.)

(sle)

 

 
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