Specials des deutschen Theaters

8. September 2015. Die Nominierten für den Theaterpreis "Der Faust" 2015 stehen fest, wie der Deutsche Bühnenverein mitteilt. Die Vergabe des Theaterpreises findet in diesem Jahr am 14. November 2015 im Saarländischen Staatstheater Saarbrücken statt. Es ist zugleich eine Jubiläumsfeier, denn der Preis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen.

Die Nominierten in den acht Kategorien sind:

Regie Schauspiel

Gernot Grünewald: "Palmer – Zur Liebe verdammt fürs Schwabenland"
Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen

Ryan McBryde: "1984"
Altes Schauspielhaus und Komödie im Marquardt Stuttgart

Jette Steckel: "Die Tragödie von Romeo und Julia"
Thalia Theater Hamburg

Darsteller*in Schauspiel

Kristian Bader als Adolf Hitler in "Er ist wieder da"
Altonaer Theater Hamburg

Lina Beckmann als Ella in "John Gabriel Borkman"
Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Bibiana Beglau als Mephisto in "Faust"
Bayerisches Staatsschauspiel München

Regie Musiktheater

Andrea Breth: "Jakob Lenz"
Oper Stuttgart - Koproduktion mit La Monnaie/De Munt Brüssel und der Staatsoper Berlin

Tobias Kratzer: "Die Meistersinger von Nürnberg"
Badisches Staatstheater Karlsruhe

Lydia Steier: "Perelà – Uomo di fumo"
Staatstheater Mainz

Sängerdarsteller*in Musiktheater

Seth Carico als Kassandra in "Oresteia"
Deutsche Oper Berlin

Barbara Hannigan als Marie in "Die Soldaten"
Bayerische Staatsoper München;

Elena Sancho Pereg als Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos"
Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg

Choreografie

Bridget Breiner: "Salomon: Der Tod und die Malerin"
Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Jan Pusch: "Welcome to your world"
Staatstheater Braunschweig

Helena Waldmann: "Made in Bangladesh"
Theater im Pfalzbau Ludwigshafen; eine Produktion von Helena Waldmann und ecotopia dance productions in Koproduktion mit Theater im Pfalzbau Ludwigshafen, Les Théâtres de La Ville de Luxembourg, Goethe-Institut Bangladesh (BD), Burghof Lörrach (D), Forum Freies Theater Düsseldorf, Tollhaus Karlsruhe, Kurtheater Baden

Darsteller*in Tanz

Kusha Alexi, Charlotte in "Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin"
Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Alicia Amatriain, Teufel in "Die Geschichte vom Soldaten" im Rahmen des Ballettabends "Strawinsky HEUTE"
Stuttgarter Ballett

Renate Graziadei in "Transition“
Studio laborgras Berlin

Regie Kinder- und Jugendtheater

Tim Etchells / Robin Arthur (Forced Entertainment), "Das unmöglich mögliche Haus"
Theater an der Parkaue Berlin Eine Produktion von Forced Entertainment und Barbican (UK) Produktion in Koproduktion mit dem Theater an der Parkaue

Babett Grube, "Tigermilch"
Junges Schauspiel Hannover

Jürgen Zielinski, "Ginpuin. Auf der Suche nach dem großen Glück"
Theater der Jungen Welt Leipzig

Bühne / Kostüm

Victoria Behr, "der die mann"
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin

Anne Neuser, "Der Idiot"
Oldenburgisches Staatstheater

Harald B. Thor, "Die Soldaten"
Bayerische Staatsoper München

 

Der Preis für das Lebenswerk steht bereits fest. Ihn erhält in diesem Jahr der Sänger Franz Mazura (geboren 1924 in Salzburg) "als einer der profiliertesten Bassbaritone im deutschsprachigen Raum". Mazura hat sich einen Namen als Wagner-Sänger und als Interpret in Werken des neuen Musiktheaters gemacht. Der Kammersänger ist Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

Der Deutsche Theaterpreis DER FAUST wird vom Deutschen Bühnenverein, den Bundesländern, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste veranstaltet. Es ist ein Preis der "Theater für ihre Künstler", wie es in der Selbstbeschreibung des Bühnenvereins heißt. Das Procedere: Die Theater haben ein Vorschlagsrecht, dürfen allerdings keine Produktion aus dem eigenen Haus nominieren. Eine "Jury aus künstlerischen Berichterstattern und dem Ausschuss für Künstlerische Fragen des Deutschen Bühnenvereins, bestehend aus Intendanten, Ballettdirektoren, Regisseuren, Dramaturgen und Kulturpolitikern" (hier die Liste der Juror*innen für 2015), nominiert aus den eingehenden Vorschlägen für jede der einzelnen Kategorien drei Künstler. Über diese Vorschläge stimmen die Mitglieder der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in einem schriftlichen Verfahren ab.

(buehnenverein.de / sik / chr)

 

Nachtrag vom 9. September 2015: Der Deutsche Bühnenverein möchte sich auf Nachfrage von nachtkritik.de nicht weiter zum Procedere der Auswahl für den Theaterpreis "Der Faust" äußern. 500 Vorschläge seien in diesem Jahr insgesamt eingegangen. Wie viele Theater diese Vorschläge eingesandt haben, will der Bühnenverein nicht öffentlich machen. Wie oft sich das Jurygremium, bestehend vor allem aus Intendant*innen und Kulturverantwortlichen, zur Beratung über die Nominierungen trifft, will der Bühnenverein ebenfalls nicht öffentlich machen.

Die Berichterstatter (die einzelne Fachressorts betreuen und alle Einsendungen vorsichten, wie Christian Holtzhauer im Kommentar #5 unten darlegt) unterrichten das Gremium und sprechen Empfehlungen aus. In der Abschlusssitzung werde nach einem "komplizierten Mehrheitsverfahren" die Auswahl getroffen, so der geschäftsführende Direktor des Bühnenvereins Rolf Bolwin auf telefonische Nachfrage von nachtkritik.de. Präzisieren wollte er dieses Verfahren nicht. Die Frage, inwieweit Inszenierungen aus unterschiedlichen Regionen von den beteiligten Juror*innen, die beruflich in gänzlich anderen Theaterregionen eingespannt sind, diskutiert werden könnten, beantwortet Bolwin mit der Aussage: "Wir haben bei uns den Grundsatz, dass gewisse Menschen anderen Menschen vertrauen."

Die finale Abstimmung über die jeweils drei für den Faust-Preis nominierten Künstler*innen liegt, wie Christian Holtzhauer im Kommentar #11 bereits schreibt, bei der Deutschen Akademie für darstellende Künste (hier die Liste der Mitglieder) und findet in geheimer schriftlicher Abstimmung statt. Ausschlaggebend ist die einfache Stimmenmehrheit.

(chr)

 

 
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