Affentheater

18. September 2015. Das Schauspiel Dortmund hat sich in einer Presserklärung von einer Aktion des Aktionskünstler-Kollektivs "Zentrum für politische Schönheit" (ZpS) distanziert. Im Vorfeld der morgigen Premiere der gemeinsamen Koproduktion "2099" (nachtkritik.de wird berichten) hatten das ZpS mit verschiedenen Aktionen die Medien in lokalen Aufruhr versetzt. Unter anderem war die Tötung eines Jaguarbabies im Dortmunder Zoo nach der Premiere angekündigt worden. Droht nun die Premiere zu platzen?

Zwergaguti 280 privat uAuch weg: ein Zwergaguti © privatHeute wurde bekannt, dass die Aktionskünstler offenbar bereits im August aus dem Dortmunder Zoo zwei oder drei Affen und zwei Zwergagutis gestohlen haben, eine dem Meerschweinchen verwandte Nagetierart. "Das Schauspiel Dortmund hat sich nach langer Beratung dazu entschieden, sich öffentlich von dem Diebstahl der beiden Zwergagutis aus dem Dortmunder Zoo durch das "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) in der Nacht vom 10. auf den 11. August zu distanzieren," teilte nun das Theater Dortmund mit. "Die Intendanz des Schauspiels ist in den Vorgang durch die KünstlerInnen des ZPS weder im Vorhinein eingeweiht gewesen, noch hätte sie ihm in der Durchführung jemals zugestimmt."

Moralische Grenze überschritten

Die Intendanz behalte sich vor, "mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen. Diebstahl fremden Eigentums ist nach §242 StGB strafbar und nicht durch die Kunstfreiheit Art. 5 Abs. 3 (GG) gedeckt. Die heutige Bekanntgabe des ZPS, dass die beiden Exemplare der seltenen Zwergseidenaffen-Art in seinem Besitz seien und darüber hinaus in der morgigen Premiere auf der Bühne präsentiert werden sollen, hat die Intendanz ebenso überrascht wie verärgert. Das Schauspiel Dortmund sieht an dieser Stelle eindeutig eine moralische und ethische Grenze überschritten, die durch nichts gerechtfertigt ist."

Für das Wohlergehen der Tiere könne die Intendanz des Schauspiels keine Verantwortung übernehmen, weil der derzeitige Aufenthaltsort vom ZPS geheim gehalten werde. "Die Intendanz hat die KünstlerInnen des ZPS heute mehrfach aufgefordert, sich umgehend mit den Tieren der Polizei zu stellen oder deren Aufenthaltsort zu verraten. Sollte dies nicht geschehen, behält sich das Schauspiel Dortmund vor, die morgige Premiere abzubrechen, wenn die Affen auf der Bühne präsentiert würden.

gez. Kay Voges, Intendant
sowie Dirk Baumann, Michael Eickhoff, Alexander Kerlin, Anne-Kathrin Schulz (Dramaturgie)."

(Theater Dortmund / sle)

 

 
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