Dünne Frauen im Rock

30. September 2015. Es kommt hin und wieder vor, dass auch so ein niederes Wesen wie eine Theaterkritikerin einen Telefonanruf von einem Theaterintendanten erhält. Zwar gelten Kritiker*innen meist als eher minderbemittelte Kreaturen, die kaum in der Lage sind, ein Kunstwerk zu beurteilen. Trotzdem ist es den hohen Vertreter*innen der Zunft immer wieder wichtig, uns bei nachtkritik.de wortreich davon zu überzeugen, dass an ihren jeweiligen Häusern gerade einmal wieder eine weltbewegende Arbeit im Entstehen begriffen ist.

Manchmal aber betätigen sich die Herren und Damen Intendant*innen auch als, ja, whistleblower, um auf diesen oder jenen Missstand im System zu verweisen. Auf eine verdächtige Formulierung in den Aufnahmebedingungen für die Schauspielprüfung an der Hochschule für Musik und Schauspiel Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig zum Beispiel.

Schottenrock 280Auch Männer dürfen Röcke tragen!
© JF Perry / CC BY-SA 3.0
Und wirklich, auf Seite 4 steht da unter der Überschrift "Informationen und Tipps für die Vorbereitung auf den Eignungstest für ein Schauspielstudium in Leipzig" folgendes zu lesen: "Bewerberinnen bitten wir, auf der Bühne Kleid oder Rock sowie Schuhe mit halbhohem Absatz zu tragen; Hosen, Stiefel oder Turnschuhe nur, wenn es die Rolle verlangt." Suchend streift nun das Auge durch den Infotext und fahndet nach einer entsprechenden Bitte an männliche Bewerber, nur in (langen?) Hosen zu erscheinen und Kleider und Röcke nur dann zu tragen, wenn es die Rolle verlangt.

Aber nichts davon. In Leipzig dürfen männliche Bewerber den, sagen wir Ferdinand aus "Kabale und Liebe" (der auf der Liste der empfohlenen Vorsprechrollen steht), im Kleid oder Rock vorsprechen. Ja! Auch an eine rollengemäße Fußbekleidung werden in den Hinweisen keinerlei Ansprüche gestellt.

Warum aber werden Bewerberinnen hier so unziemlich eingeschränkt, was die kostümliche Gestaltung ihrer Vorsprechrolle betrifft. Und vor allem: was verspricht sich die Hochschulleitung von dieser Bestimmung? Freie Sicht auf adrette Schauspielstudentinnenbeine am Ende, die darüber hinaus noch durch eine gewisse vorgeschriebene Absatzhöhe veredelt wird? Ist am Ende dann gar die Beinform ausschlaggebender für die Entscheidung, eine Probandin schließlich zum Schauspielstudium zuzulassen, als deren Vorsprechleistung?

Fragen über Fragen. Da müsste man als antisexistische Maßnahme bei der Aufnahmeprüfung eigentlich glatt für eine genderneutrale Einheitsburka plädieren.

(Esther Slevogt)

Mehr zu diesem Thema: Theater und Sexismus – Bestandsaufnahme einer vernachlässigten Diskussion von Leopold Lippert (7/2015)

Nachtrag vom 4. Oktober 2015: Die Redaktion hatte die Hochschulleitung um eine Stellungnahme gebeten. Die blieb zwar aus. Aber der Satz wurde mittlerweile stillschweigend aus dem Infotext gestrichen.

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: genervt von Gender PerfomanceRicarda Buch 2015-09-30 21:37
So Scheiße sind die Frauen doch gar nicht, die die letzten dreißig Jahre dort angenommen und auf den Bühnen Erfolg hatten. Wahrscheinlich ist man einfach nur genervt von der Gender Performance junger Frauen, die einem gleich vorab erklären, wie sehr sie im Beruf unterdrückt werden, ohne ihn schon ergriffen zu haben.
#2 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: viva GleichstellungMannweib 2015-09-30 22:42
Ja, in Leipzig dürfen die Männer anziehen, was sie wollen.
Und sie kommen gar nicht auf die Idee, ihrem Ferdinand einen Rock umzuhängen! Schade eigentlich! Danke für den Hinweis.
Und viele Frauen kämen nicht auf die Idee, ihre weibliche Seite zu zeigen! Auch schade!
Es lebe die Gleichstellung! Her mit den Toiletten und Garderoben für Homosexuelle!!!
Haben wir keine wirklichen Probleme?
#3 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: nachfragensarahleumner 2015-10-01 02:37
Esther Slevogt, dann fragen Sie doch mal bei der HMT Leipzig nach und veröffentlichen hier das Statement.
#4 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: nicht blubbern, nachfragenJ.A. 2015-10-01 09:52
Ich finde auch, blubbern bei nachtkritik reicht nicht, jetzt ist Nachfragen in Leipzig angesagt...


(Lieber J.A.,
wir haben nachgefargt und warten nun auf Antwort. Freundliche Grüsse aus der Redaktion, Esther Slevogt)
#5 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: Männer wie FrauenFJM 2015-10-01 12:00
Totaler Käse! Ich war an einer Ostschule und kann dies bestätigen. Es geht aber nicht darum die Dozenten aufzugeilen, sondern darum das die Frauen ausgebildet werden für die staatlichen Bühnen auf denen sie in klassischen Rollen meist im althergebrachten Sinn in hohen Schuhen spielen müssen. Wir Männer wurden genau so trainiert wie die Frauen daran zu arbeiten.

Danke! Besser mal nachfragen warum sowas existiert anstatt gleich irgendeinen Schwachsinn zu unterstellen.
#6 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: KothurnenAnna Log 2015-10-01 12:30
Im althergebrachten Sinn? Die Männer spielten also auch in Röcken und Kleidern sowie auf hohen Absätzen? Wo steht denn überhaupt, daß klassische Rollen zwingend High Heels verlangen, bzw. semi-High-Heels. Wenn wenigstens was von Kothurnen in dieser komischen Anleitung stünde. Steht aber nicht. Die waren ja auch eher für Männer gedacht, im althergebrachten Sinn. Mein lieber FJM, ik staune.
#7 KleidungsempfehlungenSchauspielschule: ein Problem weniger habenStuart OMat 2015-10-01 13:16
@2
Ich muss zugeben, daß mir die Formulierung "Haben wir keine wirklichen Probleme?" zunehmend auf den ... geht. Das ist ein Totschlagargument, das immer wieder gerne gebracht wird, wenn irgendjemand keine Differenzierungen machen möchte. Ihr wollt das N-Wort in Kinderbüchern verbieten? Habt ihr sonst keine Probleme? Ihr wollt eine Frauenquote? Ist das Flüchtlingsproblem nicht dringender? Herr xy hat seine Doktorarbeit mit falschen Zitaten befüllt, na und? Ist die Bundeswehr nicht wichtiger als das?

Punkte, an denen leicht etwas zum Besseren, nämlich zum politisch Korrekten zu ändern wäre (bzw. nicht zum politisch Korrekten, sondern schlicht zum Richtigen), werden aus dem Blick genommen, weil ja die Weltkrise doch eine Größere ist. Dabei wird aber die Weltkrise mit Dingen in Bezug gesetzt, die gar nichts mit ihr zu tun haben. Egal, wieviele Flüchtlinge kommen, egal, wie drängend Griechenlands Finanzsituation sein mag, egal, wie es VW geht - wenn ich eine Blase am Fuß habe, werde ich mir ein Blasenpflaster draufkleben. Die "wirklichen Probleme" habe ich dann vielleicht auch noch, aber trotzdem habe ich ein Problem weniger. Und übrigens: Sexismus an Hochschulen könnte ein größeres Problem sein als meine Blase am Fuß.
#8 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: auf hohen Schuhen ausgebildetStuart OMat 2015-10-01 13:20
Und FJM (@5): Wenn Frauen dazu ausgebildet werden sollen, auf hohen Schuhen zu gehen, müssen sie's ja wohl beim Vorsprechen noch nicht können. Wozu also der Rock und die hohen Schuhe zu dieser Gelegenheit? Um zu schauen, ob das Bein überhaupt ein Bein ist, das später mal "althergebracht" gehen kann? Totaler Käse!
#9 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: Bühnenschmuck, weibl.YS 2015-10-01 13:27
Mich nervt das auch, auf deutschen Bühnen immer mit ansehen zu müssen, wie Frauen zumeist in hohen Schuhen herumturnen müssen, auch wenn es "die Rolle" nicht unbedingt "verlangt". Mir tun dann immer schon ihre Knie und Rücken im Alter vorsorglich leid. Frauen werden immer noch zu oft (auch) als Bühnenschmuck eingesetzt.
#10 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: Ost-Gewissheitsimon 2015-10-01 13:45
Lieber FJM,
der wohlbekannte Kadergeist der Ostschule spricht aus Ihnen. Bloß keine Kritik oder auch nur den Anschein von kritischer Nachfrage. Warum verurteilen Sie so schnell und aggressiv, wenn Sie von der "althergebrachten" Tradition von Darstellungskonventionen so gut behütet werden?
Ist da vielleicht doch ein Nachfragen angebracht?
Ich war auf einer Westschule und habe immer wieder gestaunt welche Gewissheiten viele meiner ost-ausgebildeten Kollegen beim Schauspielschultreffen und später im Beruf so mit sich rumtrugen; wie "man" dieses oder jenes darstellt. Finde ich bis heute fragwürdig.
#11 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: bloß nicht, bitte!!Analytikerin 2015-10-01 14:07
Bitte tragt jetzt nicht noch die GENDER Debatte ins Theater, es ist ohnehin alles schon so klinisch sauber und PC in zu vielen Inszenierungen, in denen sich kaum noch eine/r was traut. Theater ist ein Laboratorium. Frauen dürfen schöne Beine haben und Männer schöne Augen. Dennoch, liebe Esther Slevogt, ich mag Ihre Beiträge, weil Sie uns alle immer so augenzwinkernd übers Ohr hauen und es schaffen, das hier in Windeseile ein kleiner Wind weht.
#12 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: BeinbegabungSCHADE 2015-10-01 14:52
Es geht bei diesen Kleidervorschriften wohl eher darum Chancengleichheit bei der Aufnahme herzustellen. Klingt stark nach Gouvernantenlook. Eine ganze Generation Schauspielerinnnen hat in den letzten Jahren unter der Anleitung von kundigen Regisseuren (hier ausdrücklich ohne Innen) das moderne Rollenfach "High-Heels auf schrägen Bühnen" geschaffen.
Und ja, ich bin sehr dafür die Ausdruckskraft der Beine zu überprüfen, bevor man jemanden ins Schauspiel-Studium aufnimmt. Der Rocksaum und was darunter hervorlugt, ist seit Jahrhunderten ein Stilmittel auf der Bühne.
Die Beinbegabten kommen dann in die Klasse für Wasserballett.
#13 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: Ausdruck verliehen @Stuart OMat 2015-10-01 15:54
Danke - ich habe überlegt, wie man das in Worte fassen könnte - aber Sie haben meiner Genervtheit passend Ausdruck verliehen!
#14 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: permanenter Rockzwangrockig 2015-10-01 22:13
klar, Frauen müssen lernen, auf High Heels zu stolzieren. Männer aber auch. Sollten alle sich suer bewegen können von der Stelze bis zum Badeschuh...- Theoretisch ist das schön, praktisch sieht das oft anders aus....Denn das as mit der Kleidervorschrift gilt nicht nur für die Aufnahmeprüfung. In meinem zwanzigjährigen Schauspierinnenvorsprechleben mußte ich mich sehr oft von gestandenen und oft sogar jüngeren Regiekollegen beim Umziehen während des Vorsprechen auf offener Bühne mangels Paravent, oder Zeitmangel zusehen lassen, wurden meine Rollen nach der Kleidung beurteilt (dieser Schleier -sind Sie Türkin? Toller Rock, die Farbe ist schön! Schöne Beine, gehen wir nachher noch etwas trinken),und natürlich bei diesem Umziehen auf offener Bühnz zwischen den einzelnen Rollen unverhohlen auf den Schlüpfer gestarrt....- wie habe ich da meine Kollegen beneidet: Jeans , Turnschuhe, allenfalls das Hemd oder die Jacke wurde gewechselt und man(n) spielte von Hamlet bis zum modernen Rapper alles in derselben schwarz-blauen Kluft. .. irgendwann entschloss ich mich dann, es ihnen gleichzutun, nur die Schuhe für die Rollen zu wechseln...das kam aber gar nicht gut an...weiterhin wurde mehr Wert auf die Garderobe gelegt als auf mein Spiel. Die Figur ist auch extrem wichtig, immer schön dünn bleiben, auch da haben die Männer enorme körperliche Vielfalts-Vorteile. --- Alles in allem ein schwieriges Pflaster für orientierungslose Frauenkörper jeglichen Alters..- und auch nach dem Ergattern des Engagements wird man oft, sehr oft auch von weiblichen Kostümbildnerinnen,in Röcke und High Heels gesteckt, obwohl im normalen Leben das viel weniger vorkommt als dieser permanente Rockzwang auf der Bühne.....- aber: ich muß zugeben: es wurde in den letzten Jahren etwas besser. Frau darf manchmal sogar enge oder weite Hosen tragen...und viel weniger auch mehr als nur gar nichts oder nur dessous. als früher....--- doch von einer selbstverständlichen Normalität dem sexualisierenden Frauenkörper gegenüber ist man(n) und frau auf den Bühnen diese Landes und jahrzehntweit entfernt....- schade.
#15 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: Polleschs SatireInga 2015-10-01 22:39
@ SCHADE: Ha ha ha, Wasserballett. Genau, Beine hoch und Schotten dicht. Denn man hört ja sowieso nicht zu, was Frauen so sagen, weil sie ja eigentlich sowieso zu dumm sind und ausserdem nur dazu da, schön auf Bühnen rumzustehen. Pollesch hat das mal satirisch überzeichnet, oder? Im Theater als Bordell oder auch "Tal der fliegenden Messer".
#16 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: schöne Laborkunstsimon 2015-10-02 00:21
Liebe Analytikerin,
ich hoffe genau so wie Sie, dass auch bald die Rassismus-debatte, die Kapitalismus-debatte, die Gerechtigkeits-debatte, natürlich auch die Gender-debatte bald wieder aus dem Theater ausziehen, damit ich schöne Labor-kunst sehen kann.
GEHT'S NOCH???
#17 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: HosenzwangGarsting 2015-10-02 10:12
Man muss doch der Schauspielschule zugute halten, dass die zwar etwas über Absatzhöhe (weit entfernt von High Heels!), nicht aber über Rocklänge gefordert hat! Ich war noch nie zu so einem Vorsprechen, aber kann mir einfach nicht vorstellen, warum man sich extra umziehen sollte oder gar einen Tuchschleier mitnehmen sollte oder dergleichen, um in eine Rolle zu gehn, man kann doch auch in Hosen einen Rocksaum hoch- oder runterzippeln oder über einem Rollkragen eine Krawatte binden z.B. ... Bürokratie, bescheuerte, wohin man auch sieht- Ist man sicher, dass die Damen so ungerne Röcke tragen, dass man ihnen die wegen Weiblichkeitszeigezwang vorschreiben muss, oder sie so ungerne tragen, weil sie immer dem Weiblichkeitszeigezwang trotzen wollen? - Röcke sind ja eigentlich viel bequemer als Hosen für Männer wie für Frauen, da müssten einem doch eher die Männer leidtun mit dem Hosenzwang...
#18 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: für bessere StrukturenAnalytikerin 2015-10-02 11:08
lieber simon, du musst mich nicht anschreien. willst du die freiheit der kunst in ein korsett zwängen? überlasse es doch bitte mal den schauspielschulen, selbst zu entscheiden, was für ein vorsprechen wichtig ist. ich denke, die kollegInnen dort haben eine ganze menge mehr erfahrung als wir.

um noch mal auf die debatten zurück zu kommen. wir können das theater auch in den debattierclub verlagern, und nur noch dokumentartheater und nachgestellte tribunale machen. das ist alles gut und schön. alle schreien auf, wenn inhaltlich etwas nicht korrekt ist, aber dass die strukturen des theaters durch und durch nicht korrekt sind, dass es keine diversity, keine gender gerechtigkeit gibt, sondern herrschaftliche verhältnisse, das ist für dich offensichtlich völlig uninteressant. engagiere dich für bessere strukturen, sie sind die voraussetzung für all die sehnsüchte, die sich nicht einlösen.
#19 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: Kleidung wechseln klara 2015-10-02 15:08
Haben die Prüfer so wenig Vorstellungsvermögen, daß der/die Vorsprechende sich für seine Rollen umziehen muß?
Erklärt aber so manche Einfallslosigkeit.
#20 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: was Schüler brauchen simon 2015-10-02 16:29
Liebe Analytikerin,
watt enne Stuss.
Ich war selber auf einer Schauspielschule. Ich weiß recht gut, was Schauspielschüler brauchen und was nicht. Das scheint uns beide fundamental zu unterscheiden.

Inhaltlich habe ich Deine Aussage ironisiert, dass es gut wäre ohne Gender-debatte Theater zu machen. Wie Du auf die Idee kommst, für mich wäre eine strukturelle Arbeit in den Theatern uninteressant, bleibt mir schleierhaft. Das muß Dir ein Vöglein gezwitschert haben. Aus dem, was ich geschrieben habe, kann ich es nicht herleiten.

Ich sehe es absolut genau so, dass die Theater strukturell - Stichwort Mafia Bühnenverein - mindestens 30 Jahre hinter der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung hinterherhinken und dringend von Seiten der Kulturpolitik reformiert gehören. Aus sich selbst heraus wird da NICHTS passieren, weil die Entscheider untereinander Erbhöfe verwalten und verschachern und kein Interesse an Veränderung haben.

Hinsichtlich dem, was auf der Bühne passiert, erscheint es mir aber ebenso geboten Zeitgenossenschaft herzustellen. Und das überkommene und abwertende Frauenbilder abgeschafft gehören, ist doch sicher konsensfähig, oder? In diesem Sinne werte ich zumindest implizit die Kleidervorschriften der Hochschule in Leipzig.
Siehst Du es anders? Wenn ja, warum?
#21 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: selbstbewußte Männer in Alltagskluftrockig 2015-10-03 02:33
@garsting
es gibt Vorsprechrollen für eine Frau, die z.B. einen Brautschleier als Requisit (sie spielt damit) benötigen. Ich nahm damals in meinen blutigsten Anfängerjahren ein normales Tuch mit...und weil ich sehr türkisch aussehe, es aber nicht bin, wurde ich andauernd auf den Schleier/das Kopftuch angesprochen - obwohl es im Text eine Bayerin war und eindeutig von einem Brautschleier geredet wurde ... und : zippeln Sie mal vor einer zehnköpfigen Jury an ihrer Jeans über oder unterm Rock rum ... spielen Sie ne klassische Rolle in Jeans als Frau oder eine Verführungsszene in Birkenstock ... kann man machen, wird aber oft moniert ... die Entscheidung ist: gnadenlos/schamlos alles zeigen und fruchtlos auf offener Bühne umziehen und dabei Witze machen...oder verschämt hinter n Stellwand huschen und die Ungeduld der Prüfer hören, denen das Umziehen zu lange dauert ohne dass was da vorne auf den Brettern passiert ... oder..offen rumzippeln und vielelicht auch noch mit Rolli/Ganzkörperbody und vielleicht für verklemmt gehalten zu werden....oder nur in Jeans und schwarzem T-Shirt kommen und das Risiko einzugehen, daß die Damen und Herren den Unterschied der Figuren nicht so an-erkennen (wollen/können) ... alles Dinge, um die sich frau kümmern soll/muss .. .anstatt einfach loszuspielen und pur an die Rolle zu denken ... einfach nur anstrengend und ja, ich fühlte mich oft diskriminiert und habe die Unterschiede gemerkt zu männlichen Kollegen die selbstbewußt und in Alltagskluft ihre Rollen runterrockten ... ohne peinliche, ungewollte Unterwäschezeigenmüssenmomente....
#22 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: Birkenstock-VerführungGarsting 2015-10-03 10:46
Ja, dann sollten die Schauspielschulen halt auf weiblichen Nachwuchs verzichten lernen müssen und die gschamichten und zurecht sich diskriminiert fühlenden Damen sich andere Bühnen als Theater-Bühnen suchen, auf denen sie dann garantiert AUCH Jury sind. Eine Birkenstock-Verführung, die moniert werden kann, ist aus meiner Sicht keine, die man gekonnt hat, obgleich auch ich denke, dass man das machen kann- Wobei ich in Birkenstock-Schuhen nicht einmal, wenn die mit Heidi-Klum-Silberblümchen versehen wären, als Frau irgendwo außer Haus gehen würde, also auch nicht damit bei einem Vorsprechen aufschlagen könnte...
Entschuldigung wegen der Nachfrage, aber: meinten Sie wirklich "fruchtlos" auf offener Bühne umziehen...?
#23 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: laut drüber sprechenSCHADE 2015-10-03 13:06
Sehr geehrte "Rockig"

Danke dass Sie mit uns Ihre Erfahrungen teilen, wie die spielenden Frauen von Beginn ihrer Tätigkeit an auf die entsprechenden Geschlechter-Rollen hintrainiert werden.

Laut darüber sprechen darf man offenbar erst amm Ende der Karriere....

derstandard.at/2000001852808/Erni-Mangold-Die-Herren-waren-ohne-jede-Scheu
#24 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: Passage wurde gestrichenEsther Slevogt 2015-10-04 13:24
Es wurde bei der Hochschulleitung ja um eine Stellungnahme gebeten. Die blieb zwar aus. Aber wie es aussieht wurde der Satz inzwischen stillschweigend aus dem Infotext gestrichen.
#25 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: DankeStritter 2015-10-04 14:24
Liebe Esther Slevogt, hoffentlich gratuliert man Ihnen auch dankend dafür, dass konkret Sie das Exempel genau auf den nk-Tisch gepackt haben! - Danke.
#26 Kleidungsempfehlung: weg mit allen RegelnCaro 2015-10-05 08:22
Also an alle die sich maßlos aufregen, dass die Streichung einer Kleider-Vorschrift die Kunst einengen würde: seht es doch positiv: weg mit allen Regeln die die Kunst und - hier betohnt - Künstlerinnen beschränken!
#27 Kleidungsempfehlungen: die Praxis der ArbeitgeberSchauspielerin 2015-10-05 11:43
Ich habe an einer Ost-Hochschule studiert. Ja, wir sollten in Schuhen mit etwas Absatz gut gehen können, nicht nur in ganz flachen Turnschuhen u.Ä. Die Schulen wollen und sollen für alle Anforderungen des Berufes ausbilden, das ist doch klar. In den Theatern oder beim Film wird pauschal gesagt noch immer mehr oder weniger an der Absatz-Variante festgehalten, also am eher antiquierten Frauenbild. Das Unangenehme kommt dann in der Praxis oft von potentiellen Arbeitgebern. Ein Beispiel von vielen: ein bekannter Redakteur eines sehr namhaften Senders meinte, es müsse doch endlich was mit einer schönen Rolle für mich in den von ihm betreuten Filmen werden, das sei auch ganz einfach! Ich solle ihn doch nachts während eines Filmfestivals in seinem Hotelzimmer besuchen usw....Natürlich erschien ich nicht, er hatte mich bis dahin nie besetzt und tat es nach nach dem zweideutigen Angebot auch nicht.
#28 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: Mal drüber reden?rockig 2015-10-06 23:35
@schade
herzlichen Dank für de Link!!
Ja, vielleicht kann man erst später darüber offen reden, was schade ist...Fakt ist:die Besetzungscouch existiert erschreckenderweise teilweise immer noch.....beim Film und beim Theater...ich wüßte da auch ein paar Anekdoten zu erzählen...mache es aber nicht...und treibe mich nicht so oft auf diesen Polstern herum...was sehr karriereschädlich sein kann..- ich würde auch gerne wissen, ob es auch solche Sofas für Männer gibt mittlerweile , da nur ja auch ein paar Frauen in Machtpositionen sind?? Aber niemand will darüber reden....;-)
#29 Kleidungsempfehlungen Schauspielschule: zackig 2015-10-07 10:49
Erst reden wir über Röcke, dann über Besetzungscouches? Und das, obwohl die Hochschule am Stein des Anstoßes geändert hat?
#30 Kleidungsempfehlung Schauspielschule: Rollenfach "Sexerl"SCHADE 2015-10-08 11:04
@ Rockig
Die Biographie von Erni Mangold "Lasst mich in Ruhe" kann ich wirklich empfehlen. Die Schauspielerin bezeichnet ihr Rollenfach in den 50igern als "Sexerl". Sie hat selber am Reinhardt Seminar unterrichtet und beschreibt die Situation der jungen Schauspielerinnen dort.

Besetzungscouch für Männer? Im Tanzbereich wird das schon zum Thema: Ivo Dimchev
www.impulstanz.com/archive/2014/performances/id661/

@zackig.

Das sehen Sie mal, was Beine so alles auslösen können.
#31 Kleindungsempfehlung Schauspielschule: heteronormiertHans Zisch 2015-10-08 21:04
@28: wie heteronormiert argumentiert.
#32 Kleindungsempfehlung Schauspielschule: Sofabegegnungenrockig 2015-10-09 02:14
@zackig
habe nur auf den link samt Inhalt von "Schade" geantwortet..sie haben zu zackig reagiert und nicht das wunderbare Interview mit Frau Mangold gelesen.....- aber, ja, doch.. manchmal schließen machthabende Theatermenschen ganz zackig von Rollenkleidung und/oder Alltagskleidung der unschuldigen Untergebenen auf bestimmte Sofabegegnungen, die dann über Dein weiteres Rollenschicksal zu entscheiden haben sollen...das geht oft schneller und überraschender als die (oder, ja, wahrscheinlich auch der!)Rocktragende vermutet hatte.......

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