Im Zustand der Überforderung

Hamburg, 22. Oktober 2015. Im Hamburger Abendblatt sprechen die beiden Hamburger Theaterleiter Joachim Lux (Thalia Theater) und Karin Beier (Deutsches Schauspielhaus) über die Flüchtlingsinitiativen an ihren Häusern, wobei es ihnen sichtlich darum geht, den künstlerischen Anspruch auf Widerständigkeit und Widersprüchlichkeit im politischen Engagement zu behaupten.

Joachim Lux verursacht es "Bauchschmerzen", wenn "manche, die ihren eigenen Sinn nicht mehr erkennen, jetzt nach dem Flüchtlingsthema greifen wie Ertrinkende nach dem Strohhalm". Karin Beier positioniert sich als regieführende Intendantin betont offen. Das Flüchtlingsthema sei "nähergerückt", sagt sie. "Jetzt ist es viel schwieriger, den richtigen Weg des Erzählens zu finden – die Frage des Wie, also der konkreten künstlerischen Umsetzung, ist viel entscheidender als das Was. Ich habe als Regisseurin noch nie so oft Konzepte umgeschmissen wie ich es zurzeit mache."

Ziel der Arbeit müsse es sein, "einen tieferen, auch mal sperrigeren, unpopulistischeren Blick“ zu entwickeln und etwa "das Gegenteil von dem behaupten, was wir denken, um damit auch mal den öffentlichen Konsens zu stören", so Beier weiter. "Ich mag es ganz gerne, wenn Haltungen eingenommen werden, allerdings wechselnde. Ich bin – wie wahrscheinlich 98 Prozent der Bevölkerung – in einem Zustand der Überforderung. Damit kann ich spielen."

(chr)

 

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