Multiples Organversagen

25. Mai 2016. Der österreichische Rechnungshof hat gestern seinen Abschlussbericht zur Causa Burgtheater Wien präsentiert (hier lässt er sich herunterladen). Heute reagieren die Zeitungen. Viele Erkenntnisse hatten sich bereits abgezeichnet, etwa in der nachtkritik.de-Chronik über die Vorgänge am Burgtheater, werden jetzt aber bestätigt: Die Vorbilanztricks der 2013 fristlos gekündigten kaufmännischen Direktorin Silvia Stanejsky, eklatante Produktionsbudget-Überschreitungen 2009/10 dank des Premierenfeuerwerks, das der 2014 entlassene Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann in seiner ersten Saison zündete, so fasst es der Standard zusammen.

In dieser Deutlichkeit neu sei, dass das Organversagen weitaus multipler war – "und die 'kreative' Finanzgebarung allen, von Kulturministerin Claudia Schmied über die Bundestheaterholding bis zum Aufsichtsrat, offenbar ziemlich egal", schreibt Andrea Schurian im Standard in einem Kommentar. "Das ist der eigentliche Skandal – und ein eklatanter Widerspruch zu einem von Ex-Kulturminister Josef Ostermayer 2014 in Auftrag gegebenen juristischen Gutachten, wonach es außer Stantejsky und Hartmann keine Schuldigen gebe."

Laut Rechnungshof-Bericht hätten aber sowohl die Ministerin ebenso wie der damalige Holdingchef und Aufsichtsratsvorsitzende auf Fehlentwicklungen und Kostenentgleisungen gar nicht oder zu spät reagiert. Der Bericht kritisiert u.a. die Besetzungspolitik an der Burg. So sei nicht nachvollziehbar, dass Silvia Stantejsky 2008 zur kaufmännischen Leiterin bestellt wurde – ein Personalberatungsunternehmen hatte sie auf den dritten Platz gesetzt, die Kommission wählte dennoch sie. Katrin Nussmayr schreibt in der "Presse": "2012 verlängerte die damalige Kulturministerin, Claudia Schmied (SPÖ), Hartmanns Vertrag ohne Ausschreibung vorzeitig – obwohl sie über die finanzielle Talfahrt an der Burg informiert worden sei." Pikant: In der Kommission saß u. a. der damalige Burg-Geschäftsführer und heutige Kulturminister Thomas Drozda, der jetzt laut "Presse" offenbar versicherte: "Die Empfehlung des RH an die Kulturpolitik, künftig alle Bestellungen auszuschreiben und Mitglieder der Geschäftsführung nicht mehr vorzeitig wiederzubestellen, wurde schon umgesetzt, und das werde auch künftig so gehandhabt."

"Vielleicht brächte mit dem Wissen von heute eine weitere, ausführliche Prüfung der Vor-Hartmann-Ära mehr Licht ins Bühnendunkel", formuliert es Schurian im Standard. Ihr Fazit allerdings klingt eher resigniert denn hoffnungsfroh: "Neue Ministerbesen kehren gut, aber hoffentlich nichts unter den Teppich."

(geka)

Mehr zur Causa Burgtheater? Haben wir – in der Chronik der Krise des Burgtheaters.

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