Schritt für Schritt kommt man sich näher

Schwerin, 14. Juni 2016. Die Schweriner Stadtverordnetenversammlung hat dem Theatervertrag mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern zugestimmt. Das meldet ndr.de.

Durch den Vertrag wird die Trägerschaft des Mecklenburgischen Staatstheaters neu geordnet und das Landestheater Parchim als Junges Staatstheater in das Schweriner Haus eingegliedert. Das Land wird künftig 74,9 Prozent der Anteile der Theatergesellschaft halten, die Stadt Schwerin und der Landkreis Ludwigslust-Parchim jeweils 10 Prozent sowie die Stadt Parchim noch einmal 5,1 Prozent. Die Stadt Schwerin hat sich eine Sperrminorität bei Beschlüssen über den Wegfall von oder die Erweiterung um einzelne Sparten in den Gesellschaftervertrag schreiben lassen. Um den Standort im 30 Kilometer von Schwerin entfernten Parchim aufzuwerten, zieht die niederdeutsche Fritz-Reuter-Bühne in die Kreisstadt um. Im Kreis Ludwigslust-Parchim wird die Fusion derzeit in den Ausschüssen des Kreistags beraten. Die Zustimmung gilt als Formsache.

Große "Struktur-Reform"

Die Fusion des Staatstheaters Schwerin mit dem Landestheater in Parchim ist Teil der großen Theater-Strukturreform, die der Kulturminister von Mecklenburg-Vorpommern Matthias Brodkorb (SPD) derzeit vorantreibt. Im Zuge dieser de facto-Reduzierung des Theaterangebotes im von Abwanderung gebeutelten nordöstlichen Bundesland, soll das Volkstheater Rostock seine Tanz- und seine Schauspielsparte (bis auf vier unkündbare Ensemblemitglieder) bis 2020 abwickeln. Das Theater Vorpommern mit Standorten in Stralsund, Greifswald, Putbus auf Rügen soll mit der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg / Neustrelitz zum Staatstheater Nordost fusionieren.

(ndr.de / jnm)

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Kommentare

Kommentare  
#1 Theaterstruktur-Reform MV: Parchim am EndeA. Cotard 2016-06-14 14:12
Diese Strukturreform steht unter einem ungünstigen Stern.
Wie kann man auf die Idee kommen, ein so kleines, flexibles und sehr effizientes Theater mit dem ineffizienten Koloss Schwerin zu fusionieren?
Sind diese Konzepte durchdacht. Hat sich jemand die Ergebnisse der Fusionen im Osten Deutschlands einmal genauer angeschaut? Meist verliert das schwächere Theater erst Stellen und Finanzen, dann sein Gesicht.

Das ist das Ende des Landestheaters Parchim, das systematisch kaputt gespart werden wird.

Dass sich Tietje in Schwerin und Kümmritz in Rostock dafür hergeben, ist ein Armutszeugnis.
#2 Theaterstruktur-Reform MV: Fritz-Reuter-Bühne nach Parchim?Exmecklenburger 2016-06-14 17:16
Die Fritz-Reuter-Bühne soll nach Parchim? Seit 1926 spielt die niederdeutsche Bühne in Schwerin und soll nach 90 Jahren nach Parchim umziehen. Darin allein zeigt sich das Widersinnige, das Unüberlegte der so genannten Reform. Steht denn in Parchim das Theatergebäude wieder zur Verfügung? Es war doch wegen Baumängeln geschlossen. Ich kann nur noch traurig den Kopf schütteln.
#3 Theaterstruktur-Reform MV: hinterm Mond@zensor 2016-06-14 19:33
Richtig wirksam kann die Strukturreform erst werden, wenn auch die Strukturen in den Häusern reformiert werden. Die Namen Bordel und Kümmritz stehen weniger für einen inhaltlichen Aufbruch. Es gibt in MV keinen tatsächlichen Wettbewerb um die Vergabe von Schlüsselpositionen, was die Pläne zur Neubesetzung des Volkstheater Rostock einmal mehr zeigen. Genausowenig wie es eine freie Szene gibt, Entwicklungsräume für neue Formen und Sprache. Dass Häuser restauriert werden sollen und neu gebaut, verdeckt die tatsächliche Situation in einem Theaterland, das seinem Publikum Brecht und Heiner Müller als Entdeckungen vorstellt.

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