Frank is not dead

17. Juli 2016. "In Castorfs Fußstapfen zu treten ist ein Himmelfahrtskommando. Das wollten wir vermeiden, deshalb erschien uns eine Nachfolge aus Franks künstlerischem Umfeld als die falsche Lösung", schreibt Berlins Staatssekretär für Kultur Tim Renner in einem Glückwunsch zu Frank Castorf 65. Geburtstag in der Berliner Morgenpost. "Also kein Fritsch, kein Pollesch", führt Renner weiter aus. "Nicht weil wir sie nicht lieben. Im Gegenteil, wir verehren sie und wollen sie vor dem Vergleich schützen. Die Wahl von Chris Dercon vermeidet jedoch den direkten Wettbewerb, weil die Volksbühne damit etwas Neues wagen soll."

Bei der Kommunikation dieses Modells räumt Renner allerdings Fehler ein. "Man kann nicht sagen, dass es uns gut gelungen ist, diese Änderung des Modells zu kommunizieren", doch "vielleicht kann Kommunikation auch nicht mehr viel ausrichten, wenn Unwahrheiten in Umlauf gesetzt werden, wenn Zahlen über angebliche Entlassungen ungeprüft auf Titelseiten wandern?" Renner bezieht sich auf einen Artikel in der Berliner Zeitung am 4. Juli 2016. Insgesamt sortiert Renner Frank Castorf in die Rubrik Punk. "Frank der Punk" ist der Text überschrieben. Aber am Ende des Tages ist auch das für Renner Punk: "Im Zorn gehen, unversöhnlich sein". Diesen Widerstreit müsse er persönlich aushalten.

"Bei der Feier zum 100-jährigen Geburtstag der Volksbühne im Dezember 2014 sagte ich: 'Frank Castorf hat aus dem Haus sein persönliches Bayreuth gemacht und deshalb wird man hier auch 100 Jahre Castorf feiern'. Dazu stehe ich noch heute, auch wenn ich dafür verantwortlich bin, dass die Ära Castorf AN DIESEM HAUSE im Herbst 2017 enden wird. Der Satz bedeutete nicht eine Zusage auf lebenslange Beschäftigung. 100 Jahre Castorf: Frank is not dead, Punk is not dead. Castorf wird bleiben."

Am Ende heißt es: "Sollte er mal am BE inszenieren, werden wir es vorher ausräuchern. Da wohnt Peymanns Geist. Peymann, der Castorf beistand im Streit um Dercon. Peymann, dem Castorf bei einem Abendessen, als ich ihn zum ersten Mal sah, ins Gesicht sagte: 'Bevor ich hier überhaupt irgendetwas sage, möchte ich erstmal zu Protokoll geben, wie sehr ich Claus Peymann und seine Arbeit verabscheue…'. Johnny Rotten von den Sex Pistols hätte es nicht besser hingekriegt."

(sle)

 

In einem Kommentar begründet Esther Slevogt, warum sie Tim Renners Geburtstgrüsse aus der Senatskanzlei für verfehlt wie vergiftet hält.

Mehr Presseschauen zur Kontroverse um die Castorf-Nachfolge an der Berliner Volksbühne hier.

Kontroverse Beiträge von Nachtkritiker*innen zum Berliner Kampf um die Volksbühne hier.

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